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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. Ich fühle mich hier in der "community" richtig wohl, habe aber auch genügend Freiraum, um meinen eigenen Interessen nachzugehen und etwas vom Land und der Kultur kennen zu lernen Heidrun Herrenbrück berichtet in ihrem 2.Rundbrief von ihrem Leben auf der Gould Farm, verschiedenen Reisen, persönlichen Veränderungen und der bevorstehenden Präsidentschaftswahl (Oktober 2008)
Heidrun Herrenbrueck Rundbrief Nr. 2 Gould Farm Oktober 2008 Monterey Massachusetts Dienstzeit: 1/08 – 2/09 01245 - USA
Inhalt: - Persoenliche Entwicklungen, Veraenderungen, Erfahrungen … - Mein Projekt: Gould-Farm - Gastland USA
Liebe Unterstuetzerinnen und Unterstuetzer, liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,
manchmal kann ich es kaum glauben, dass ich schon ueber sieben Monate hier auf der Farm lebe und arbeite. Deshalb ist es auch hoechste Zeit, Euch wieder etwas von hier zu berichten. Und auch heute kann ich aus vollem Herzen sagen: Gould-Farm ist ein ganz besonderer Platz.
Persoenliche Entwicklungen, Veraenderungen, Erfahrungen:
Ob ich mich persoenlich veraendert oder entwickelt habe, kann ich selbst nicht beurteilen. Mir geht es nach wie vor sehr gut. Manchmal denke ich, eigentlich darf es einem Volunteer gar nicht so gut gehen. Ich fuehle mich hier in der community richtig wohl, habe aber auch genug Freiraum, um meinen eigenen Interessen nachzugehen und etwas vom Land und der Kultur kennen zu lernen. Ich hatte einen wunderschoenen Sommer mit ausgiebigem Schwimmen im See, wandern, meinem ersten Black Bear (er stand hoch aufgerichtet an einem Baum und war zum Glueck weit genug weg) und vielen kulturellen Hoehepunkten. Das “Boston Symphony Orchestra” hat in Tengelwood, ca. 30 Autominuten von hier, seit 1940 seine Sommerspielstaette, wo regelmaessig klassische Konzerte stattfinden, uebrigens auch mit deutschen Interpreten und Dirigenten. Das “lawnticket” kostet nur 19 $. Der Besuch des Konzertes wird dann mit einem Picknick verbunden. Konzert und Picknick unter dem Sternenhimmel sind ein wahrer Genuss. Ein weiterer Hoehepunkt war fuer mich der Besuch meines Sohnes mit seiner Freundin, leider nur fuer ein Wochenende.
Waehrend einiger Reisen konnte ich einen kleinen Teil dieses riesigen Landes kennen lernen und viele Erfahrungen sammeln. In dieser Beziehung habe ich mich bestimmt veraendert. Ich bin sicherer und mutiger geworden, mir macht das Reisen, auch allein, viel Spass.
Meine erste Reise fuehrte mich nach Georgia auf eine kleine Insel, Jekyll Island, in der Naehe der wunderschoenen Stadt Savannah. Hier trafen sich alle Freiwilligen von EIRENE, die zur Zeit in den USA und Kanada waren. Wir hatten einige sehr schoene Tage, ausgefuellt mit Projektvorstellungen, Erfahrungsaustausch, Kochen, Fahrradfahren usw. Mich haben die jungen Leute - nur Rita und ich waren "etwas aelter" - sehr beeindruckt mit ihren Ansichten und ihrer Begeisterung fuer ihre Projekte. Fuer mich war das Reisen mit dem Greyhound - 26 Stunden im Bus – eine neue und aufregende Erfahrung. Im August ging es fuer 6 Tage ins Dickson Valley Camp in Newark, Illinois, zum Halbjahrestreffen von BVS. Vorher hatten wir die Gelegenheit, das Hauptbuero der Church of the Brethren in Elgin kennenzulernen. Mein Flug fuehrte mich nach Chicago, wo wir bei einer Bootsfahrt bei herrlichem Sonnenschein die Architektur der Wolkenkratzer bewundern konnten.
Mein aufregendstes Erlebnis aber war meine Reise nach New York, mit Auto und Zug. Ich allein in New York, das haette ich mir frueher (vor meiner USA-Reise) nicht vorstellen koennen. Mir hat es so gut gefallen, dass ich in der Weihnachtszeit unbedingt noch einmal hinfahren moechte.
Vor ein paar Tagen bin ich von einer achttaegigen Rundreise durch Neu England zurueckgekommen (deshalb auch der etwas verspaetete 2. Rundbrief). Eine Freundin aus Deutschland hat mich fuer 14 Tage auf der Farm besucht. Zuerst hat sie ein paar Tage mit mir zusammen im Café und im Garten gearbeitet, um das Leben auf der Farm kennenzulernen. Dann sind wir mit meinem Auto zu einer eindrucksvollen Reise gestartet, ca. 1300 Meilen bei herrlichem Herbstwetter. Zuerst ging es Richtung Sueden, Hartford, New Haven, wo wir uns u.a.die Yale-Universitaet angesehen haben, dann an der Kueste entlang nach Newport mit seinen herrlichen alten Villen am Meer und schliesslich Cape Cod, wo wir zwei Tage verbracht haben. Bei der Fahrt um Boston herum auf den sechsspurigen Interstates bin ich ganz schoen ins Schwitzen gekommen. Aber im Allgemeinen ist das Fahren hier durch die Geschwindigkeitsbegrenzung angenehmer als in Deutschland. In Gloucester haben wir die Kueste verlassen und sind zum Lake Winnipesaukee gefahren, Richtung White Mountain National Forest. Die Berggipfel waren wirklich schon weiss. Doch die Laubfaerbung des dichten Waldes hat mich am meisten beeindruckt, von verschiedenen Gruentoenen, gelb, orange, roetlich, tiefes warmes Rot, fast violett, war alles vertreten. Ich hatte vorher Bilder von den Herbstwaeldern gesehen. Aber die Wirklichkeit hat alles uebertroffen. Die Touristen, die in dieser Jahreszeit nach Neu England kommen, werden uebrigens “leaf-peeper” genannt. In Vermont haben wir uns die Stadt Burlington angesehen, die am Lake Champlain liegt und mit 38.000 Einwohnern die groesste Stadt ist. Zurueck ging es dann durch den Green Mountain National Forest auf der Road 100, die durch zahlreiche idylische Doerfer fuehrt und immer wieder atemberaubende Ausblicke auf die bunten Waelder freigibt.
Meine Wohnsituation hat sich nicht veraendert. Ich wohne nach wie vor mit 2 jungen Amerikanerinnen in einem grossen Haus ausserhalb der Farm. Das Zusammenleben beschraenkt sich aber auf gelegentliches gemeinsames Filmeansehen. Fernsehen gibt es hier im Haus nicht, was ich aber auch nicht vermisse. Dafuer geniessen wir die Gesellschaft von Maeusen, die uns oft in der Kueche besuchen.
Mit der Sprache komme ich gut zurecht. Nach der Sommerpause hat nun wieder der Englischunterricht begonnen, der mir immer noch viel Spass macht. In meiner Klasse sind StudentInnen aus 13 verschiedenen Laendern und 4 Kontinenten. Die meisten von ihnen leben hier schon mehrere Jahre mit ihren Familien, arbeiten auf Farmen, in der Holzwirtschaft, als Housekeeper. Die Betreuung der Immigrannten ist wirklich vorbildlich. Die Kinder werden waehrend des Unterrichtes versorgt, die StudenInnen werden mit Kleinbussen aus der Umgebung zur Schule gebracht, man kuemmert sich um die Krankenversicherung.
Mein Projekt: Gould-Farm
Meine Hoffnung, Vollzeit im Garten arbeiten zu koennen, hat sich leider nicht erfuellt, da sich bis jetzt kein anderer Volunteer fuer die Arbeit im Roadside-Café gefunden hat. Ich arbeite freitags und samstags, oft auch sonntags, von 7 h bis ca. 16 h, und erledige zu-sammen mit den Gaesten alle Arbeiten, die im Café anfallen. Fuer die Gaeste ist die Arbeit im Café die letzte Station und ein sehr gutes Uebungsfeld, bevor sie sich einen richtigen Job suchen koennen, da hier unter ganz normalen Bedingungen gearbeitet werden muss. Fuer mich stellt sich schon manchmal die Frage, ob ich hier als Volunteer am richtigen Platz bin.
Meine Arbeit im garden-team macht mir immer noch Spass. Ich erlebe hier den Wechsel der Jahreszeiten sehr intensiv. Im Augenblick sind wir damit beschaeftigt, Cider and apple-sauce fuer das naechste Jahr fuer die ganze Farm herzustellen. Die Aepfel wurden auf einer anderen Farm geerntet. Meine Rolle als Anleiterin hat sich nur insofern etwas geaendert, dass ich meist 2 Tage in der Woche mit den Gaesten allein arbeite, wenn mein Supervisor nicht da ist.
Der Kontakt zu den Gaesten ist gut. Ich hatte anfaenglich den Anspruch an mich, Beziehungen zu den Gaesten aufzubauen, um ihnen evtl. helfen zu koennen. Aber erstens ist das aufgrund meiner unzureichenden Sprachkenntnisse nicht moeglich und zweitens ist es auch nicht erwuenscht. In dieser Beziehung gibt es hier sehr strikte Regelungen.
Da das Leben in der Gemeinschaft fuer die guests ein Teil ihrer Behandlung darstellt, ist die Teilnahme der Freiwilligen an gemeinsamen Mahlzeiten, Veranstaltungen, “community-meetings” usw. verpflichtend. Es wird auch gerne gesehen, dass Freizeitaktivitaeten fuer die Gaeste angeboten und Fahrten z.B. zur Schule, zum Arzt , zur Kirche usw. uebernommen werden. In den woechentlichen “staff-meetings” kommt alles zur Sprache, was die Gaeste betrifft, Neuankoemmlinge, ihre Diagnosen, Fortschritte, besondere Vorkommnisse, geplante Teamwechsel, Entlassungen. Die woechentlichen “community-meetings”, an denen Gaeste, das Personal, Freiwillige und auch Besucher der Farm teilnehmen koennen, sind oft sehr gefuehlsbetont, besonders wenn es um einen Abschied von der Farm geht. Was mir hier besonders gefaellt und was ich auch im Unterricht in meiner “evening-class” festgestellt habe, ist das hauefige Loben auch von kleineren Leistungen, was anspornend und motivierend wirkt.
Auf der Farm leben auch zwei alte Damen, die wirklich ruehrend betreut werden. Viel Freude machen uns allen die zahlreichen Kinder aller Altersstufen der Angestellten. Gerade ist wieder ein neues Mitglied der Gemeinschaft geboren worden.
Gastland USA:
Im Augenblick dreht sich natuerlich alles um die Praesidentschaftswahl. Die Fernsehduelle der beiden Kontrahenten Barack Obama und John McCain wurden auch auf der Farm interessiert verfolgt. Am letzten Mittwoch versuchte noch eine Amtsperson durch persoenliche Gespraeche auf der Farm die letzten Unentschlossenen zu ueberreden, sich einschreiben zu lassen, um an der Wahl teilnehmen zu koennen. Ich habe den Eindruck, dass diese Wahl sehr ernst genommen wird und auf jeden Fall “ein Wechsel” von der Bevoelkerung gewuenscht wird, der natuerlich von beiden Kandidaten versprochen wird. Massachusetts ist eindeutig “Obamaland”!
Ich freue mich auf die kommende spannende Zeit, Halloween und Thanksgiving auf der Farm ( die Truthaehne sind bereits alle geschlachtet), die Weihnachtszeit, die fuer mich ohne meine Familie und Freunde sicher nicht ganz einfach wird, aber andererseits eine bereichernde Erfahrung darstellt, wie ueberhaupt dieses Jahr fuer mich sehr wertvoll ist.
Euch allen nochmals herzlichen Dank fuer Ihre/Eure Unterstuetzung, Herzliche Gruesse von der Gould Farm aus Massachusetts
Heidrun Herrenbrueck |