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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. Ich fühle mich gebraucht und als ein Teil meines Projektes. Dankbarkeit ist so eine große Motivation. Erfolgserlebnisse bereichern meinen Tag immer wieder aufs Neue In seinem 2. Rundbrief berichtet Christoph Gutzmann zuerst von Reisen, Seminaren und Besuchen innerhalb der USA, bevor er seine Aufgaben im Samaritan House Atlanta näher beschreibt (Juni 2008)
Christoph Gutzmann Samaritan House of Atlanta / The EDGE Frontdeskmanager 31.05.08
Dienstbeginn: 01.09.07
Rundbrief Nr. 2
Lieber Unterstützerkreis,
hier kommt nun meiner zweiter Rundbrief und ich hoffe ihr findet auch Gefallen an diesem. Es ist viel passiert und es gibt soviel worüber ich schreiben und berichten möchte. Von meinem Urlaub mit Mark bis zu meinen Zwischenseminaren von BVS und Eirene. Vielen Dank nochmals an euch alle und eure Unterstützung, die mich dazu bewegt, euch einen bestmöglichen Einblick in mein Leben hier zu geben.
Einleitung:
Nachdem ich mir letztens meinen ersten Rundbrief noch mal durchgelesen habe, habe ich feststellen müssen, dass ich wenig über meine Arbeit im Samaritan House, viel mehr über meine Freizeit und meine Vorbereitung, geschrieben habe. Dies möchte ich in diesem Zwischenbericht ändern, aber zunächst einmal kommt der Urlaub mit Mark und meine Zwischenseminare.
Besuch von daheim:
Nach gut fünf Monaten Zivildienst, ist mein bester Freund Mark zu Besuch gekommen. Klar, die Vorfreude war riesig, nicht nur weil ich ihn endlich mal wieder sehen und mit ihm reden konnte, sondern auch weil uns einen tolle Zeit bevorstand. Der Plan: zwei Wochen Atlanta und einen Woche Sarasota, Florida. Ich habe Atlanta eigentlich ganz gut ausgekundschaftet, aber mit Mark an meiner Seite war dies noch mal eine ganz andere Erfahrung. Wir haben uns den City-Pass geholt und uns damit das Ticket für die fünf besten Attraktionen in Atlanta gesichert. Wir haben so einen Einblick in die Kunststadt Atlanta bekommen, Georgia Aquarium, welches auch das größte der Welt ist, Coca Cola Museum (Atlanta ist der Hauptsitz von Coca Cola), Botanischer Garten, der jeden Naturfreund umhauen würde, Inside CNN ... usw.
Rückblickend kann ich einfach nur sagen, dass Atlanta eine super coole Stadt ist, der Bonus war einfach der Mark.
Die letzte Woche haben wir dann in Sarasota, Florida an dem achtschönsten Strand der Welt verbracht. Hier zum Hintergrund; Wir haben in meinem Projekt viele Freiwillige aus den verschiedensten Regionen. David, ein Freiwilliger aus Sarasota, hat seinen Springbreak in Atlanta verbracht. Er hat im Cafe 458 ausgeholfen, wo ich jeden Tag zu Mittag esse. Letztendlich hat sich über die vier Wochen, die er dort gearbeitet hat, eine Freundschaft entwickelt. Er hat mich zu sich nach Sarasota eingeladen, wo ich kostenlos schlafen konnte.
Diese Möglichkeit habe ich mit Mark genutzt. Wir haben auf dem College-Gelände geschlafen - fünf Minuten zum Strand! Wir haben uns vor Ort Roller gemietet, sodass wir auch mobil gewesen sind, um die schönsten Strände in und um Sarastoa zu erkunden. Wir haben soviel erlebt. Segeltour, Kanu-Tour mit Übernachtung auf einer Insel, Windsurfen, Baden im kristallklarem Wasser, Bodysurfen.. usw. Es war ein unvergesslicher Urlaub.
Eirene Zwischenseminar:
Die Vorfreude auf das Eirene Zwischenseminar war gewaltig, da man so eine Woche aus dem Projekt rauskonnte, ohne Urlaub zu nehmen, außerdem konnten wir uns auf eine Woche Strandurlaub freuen. Wir sind mit dem Greyhound fast acht Stunden nach Brunswick gefahren. Greyhound ist mit Autokraft zu vergleichen, aber wesentlich dreckiger. Eine Erfahrung, auf die man jedenfalls verzichten kann.
Letztendlich sind wir in Brunswick angekommen, wo uns Alexis, unser Teamer, herzlich empfangen hat. Wir mussten uns in zwei Gruppen aufteilen, da nicht alle in ein Auto gepasst haben, wir hatten ja auch noch das Gepäck zu berücksichtigen. So haben wir die Möglichkeit genutzt, uns Brunswick näher anzugucken.
Jekyll Island ist eine verschlafene Insel mit wunderschönen Stränden und netten Häusern. Es ist jetzt nicht umbedingt ein Familien Urlaubsort, aber für Paare und ältere Herrschaften wärmsten zu empfehlen. Da wir sowieso nur auf Erholung aus waren, kam uns alles super gelegen. Die darauf folgenden Tage, haben wir mit Wandern, Fahrrad fahren, Mini-Golf, Baden, Sonnen und vielem anderem verbracht.
Ein gelungenes Retreat. Lockere Atmosphäre, genug Zeit zum Durchatmen und mit kleinen Beiträgen zu unseren Projekten. Es gab nach dem Frühstück und nach dem Abendessen immer Projektvorstellungen, sodass wir den anderen und Alexis einen Einblick geben konnten, wie es uns in unserer neuen Heimat ergeht und wie wir im Projekt zurecht kommen. Außerdem gab es uns die Möglichkeit, aktuelle Probleme anzusprechen. Bei mir gab es keine!
Nachdem wir nach sieben Tagen wieder zurück nach Atlanta gefahren sind und feststellen mussten, dass ein Wirbelsturm die Downtown Area und angrenzende Gebiete zerstört hat, wurde ich erstmal wieder in die Realität zurückgeholt. Dies war der erste Wirbelsturm, in der Geschichte von Atlanta, der die Downtown Area wirklich getroffen hat. Ganze Gebäude wurden zerstört und sogar einige Wolkenkratzer haben schwerste Verwüstungen verzeichnen müssen. Uns hat es damit erwischt, dass unser Flug nach Chicago gestrichen wurde.
BVS Retreat
Nach zwei Stunden Flug sind wir sicher in Chicago angekommen. Chicago ist beeindruckend durch deine Größe. Ein Lichtermeer und endlose Straßen, soweit das Auge reicht. Ich war in einer Mega-Metropole. Unsere Unterkunft, für die kommende Woche, war aber eine Stunde Autofahrt von Chicago entfernt.
Wir wurden schon erwartet, da wir gute acht Stunden zu spät auf dem Zwischenseminar erschienen sind. Wir hatten ja schließlich mit der Verspätung am Flughafen zu kämpfen.
Das BVS Retreat war im großen und ganzen gut gelungen. Ich hatte nur Probleme zu schlafen, da wir in einen kleinen Raum mit 10 Leuten geschlafen haben. Die Matratzen waren sehr unbequem und es war einfach sehr kalt. Normalerweise habe ich mit Kälte kein Problem, doch da ich in Atlanta sonnige 25 Grad gewohnt war und nun mit Temperaturen um den Gefrierpunkt zu tun hatte, habe ich mir gleich eine schwere Erkältung eingefangen. Dies hat mich sehr heruntergezogen und mich daran gehindert, dass Retreat zu genießen. Ich habe dennoch versucht, das Beste daraus zu machen.
Chicago
Nachdem das Retreat beendet war, haben Stefan, Johannes und ich, nach Absprache mit Willem (wir haben in seinem Projekt schlafen können), beschlossen noch 3 Tage in Chicago zu bleiben. Wir haben so einen guten Einblick von Chicago bekommen. Wir waren auf dem dritthöchsten Gebäude der Welt, dem Sears Tower. Wir waren im Millennium Park, wo die Edelstahl Konstruktion “The Bean” zu bewundern ist und vieles mehr. Chicago hat den Namen “The Windy City” , dies kann ich nur bestätigen, da wir an unserem Ankunftstag mit einem mittelschweren Schneesturm zu kämpfen hatten. Aber was macht man nicht alles, um ein wenig von der Stadt zu erkunden. Ich hatte jedenfalls meinen Spaß und die beiden Jungs sind sehr gute Reisebegleiter.
Samaritan House of Atlanta
Wie ich schon am Anfang meines Berichtes angekündigt habe, möchte ich in diesem Bericht mehr auf meine Arbeit im Samaritan House eingehen. Ich versuche, euch einen Einblick in die täglichen Aufgaben eines Klienten zu geben.
Ich öffne die Tür um 7 Uhr. Ich habe ein Sign in Sheet am Frontdesk liegen und jeder muss sich dort eintragen. Danach verteile ich Frühstück-Tickets. Frühstück wird um 7:30 serviert.
Unser Computerraum öffnet auch um 7 Uhr, dort geben wir unseren Teilnehmern die Möglichkeit sich online zu bewerben, Lebensläufe zu schreiben und ihre Mails abzurufen. Montags und Mittwochs haben wir Orientierung, wir geben neuen Bewerbern die Möglichkeit sich für unser Programm zu bewerben. Um sich einzutragen brauche sie Ihre Social Securtiy Card, ihre Identifikation und ein Empfehlungsschreiben von ihrem Obdachlosenheim oder einem ähnlichen Projekt.
Wenn sie alle Kriterien erfüllt haben, erkläre ich den Ablauf und gebe ihnen eine Vorstellung, wie der Tag ablaufen wird. Die Orientierung beginnt um 9 Uhr und endet um 11:15 Uhr. Die Einführung dient im Prinzip dazu unseren neuen Klients einen Überblick in unsere Richtlinien, Verfahrensweisen und in unsere Workshops zu geben. Wir erklären ihnen, welche Mittel wir zu Verfügung stellen und welche Ziele wir verfolgen.
Wir bieten 6 Workshops an. Lebenslauf schreiben, Umgang mit Finanzen, Bewerbungsprozess, Kleiden für Erfolg, Verhalten während eines Interviews und “Keeping your Job”, was im Prinzip bedeutet, wie man sich im Arbeitsleben verhält.
In der Woche haben wir mehrere Freiwillige, die im Computerlab aushelfen und den Klienten beim Schreiben des Lebenslaufes zur Seite stehen. Nachdem unsere Teilnehmer alle sechs Workshops vervollständigt haben und ein Lebenslauf geschrieben haben, haben sie Anspruch auf unsere Transport Unterstützung, sie dürfen ihre Wäsche waschen, sie bekommen eine Voice Mail und sie können sich Kleidung aus unserer Kleiderkammer holen.
Unser Employment Readiness Program dauert 90 Tage, genügend Zeit um sich zu bewerben und einen Job zu finden. Leider ist nicht jeder gewillt, einen Job zu finden, sondern mehr oder weniger nur auf unsere Unterstützung aus. Unsere Sozialarbeiter treffen sich wöchentlich mit unseren Klienten, um sich über ihre Fortschritte zu informieren. Ich plane hauptsächlich am Nachmittag Treffen, da ich dann mehr Luft und Zeit habe. Da ich den ganzen Tag mit den Klienten zu tun habe, habe ich eine Art Vertrauensverhältnis und daher fällt es mir nicht schwer, mit ihnen zu reden. Ich habe letztens erst jemanden zu einen Interview gefahren und ich glaube ich war genauso aufgeregt wie er. Wir habe einige Leute im Projekt, die wirklich versuchen, ihr Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, aber immer wieder zurückgeworfen werden, da ihr Background nicht sauber ist. Mit Background meine ich das Polizeiliche Führungszeugnis, welches hier in Amerika wesentlich mehr Bedeutung findet. Wir haben sehr viele Klienten mit einem Criminal Background oder noch schlimmer einen Felony, dass bedeutet ein schweres Verbrechen. Die Felonies unterscheiden sich in sieben verschieden Stufen: Kidnapping, Mord, Vergewaltigung, Autodiebstahl, Drogen, Kinderbelästigung, und Diebstahl. Ich habe alle Verbrechen durch Erzählungen kennengelernt und Klienten haben mir von ihren Schicksalen erzählt. Es ist manchmal nicht leicht, jemanden in die Augen zu schauen, wenn man weiß, dass dieser Mensch Kinder vergewaltigt hat. In diesem Fall ist Unwissenheit ein Segen.
Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass diese Menschen, 15 bzw. 20 Jahre im Gefängnis verbracht haben und auf uns angewiesen sind. Mein Job ist es unter anderem, diesen Menschen zu helfen.
Worauf ich eigentlich hinaus wollte ist, dass es manchmal einfach nicht möglich ist, jemanden einen Job zu vermitteln, da viele Arbeitgeber einen Background Check machen. Es gibt zwei verschiedene Sorten von Background, national und landesweit. Wenn man landesweit für ein Verbrechen registriert ist, kann man im Prinzip das Arbeitsleben vergessen und man ist für ein Leben in Obdachlosigkeit verbannt. Manchmal können wir aber auch diesen Menschen helfen, indem wir ihnen einen Job in einem Lagerhaus oder im Reinigungs-Service vermitteln können. Diese Leute sind sehr dankbar und kommen hin und wieder zu uns, um sich zu bedanken.
Kürzlich hat mir jemand ein Autogramm von einem Basketballspieler von den Atlanta Hawks gebracht und sich bei mir persönlich bedankt. Solche Momente geben mir Kraft und motivieren mich weiter zu Arbeiten.
Fazit
Liebe Familie und Freunde,
ich weiß, dass ich euch lange auf diesen Bericht warten lassen habe, aber nun bin ich fertig und ich verspreche euch, dass mein dritter in Kürze folgen wird.
Mir geht es nach wie vor super in Atlanta. Ich fühle mich gebraucht und als ein Teil meines Projektes. Dankbarkeit ist so eine große Motivation. Erfolgserlebnisse bereichern meinen Tag immer wieder aufs neue. Ich habe nie realisiert, wie wichtig Zuhören ist und sich wirklich über das Wohlbefinden anderer zu informieren. Bitte versteht mich nicht falsch, aber ich meine damit “Fremden” eine Chance zu geben. Ganz ohne Voreingenommenheit bzw. Vorurteil. Ich nehme so viel mit aus dieser Zeit.
Vielen Dank fürs Lesen und eure Unterstützung
Euer Christoph
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