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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. Dieses Jahr hat mich verändert! Ich möchte es auf keinen Fall missen! Lukas Palm beschreibt sein „wieder ankommen zu Hause“ nach einem Jahr Friedensdienst im Sterbehospiz „Comfort House“ in Texas/USA. Er schreibt von Abschied, Wiedersehen, Heimatgefühlen in der Fremde und Fremdheitsgefühlen in der Heimat. (Oktober 2007)
Hallo an Alle Freunde, Unterstützer und Bekannte hier nun mein letzter Brief von meinem nun beendeten USA Jahr. Ich bin wieder gut in Deutschland angekommen und nach einem einwöchigen Rückkehrerseminar von EIRENE in Neuwied fühle ich mich jetzt auch wieder daheim angekommen. Es war doch nicht so einfach wieder in Ulm anzukommen, wie ich es mir ursprünglich dachte und es war einfacher mich von den USA zu verabschieden, als anfänglich angenommen. Meine letzten Monate in McAllen waren geprägt von vielen „Zum- letzten- Mal- tun“. Ich besuchte noch einmal viele bekannte Orte und verabschiedete mich in Ruhe von allen meinen Freunden und Bekannten. Man läuft aber Gefahr in einer andauernden verabschiedungs- Stimmung umherzuwandeln, was sehr sentimental und anstrengend werden kann. Es war ein cooles Gefühl, nach einem Jahr zu merken, das man sich in einer anfänglich fremden Stadt zuhause fühlt. Die „Blocks“ um Comfort House waren wie mein „Hood“. Die Leute kannten mich und ich sie. Ich wurde nicht mehr an der Tankstelle gefragt woher ich komme, ob es mir denn in Texas gefallen würde oder ob ich schon eine mexikanische Freundin habe. 2 Minuten bevor der Zug am Hauptbahnhof einfuhr stand ich schon vor der Zugtür und man konnte mir wohl die Nervosität, aufgestaut nach einem Jahr Abwesenheit, ansehen. Drei ältere Herren fragten mich wo ich denn mit all dem Gepäck herkommen würde – mein Texas Hab und Gut platze schier aus den Koffern - ? Nach Eduardo, ein guter Freund, lud mich zum Abschied zu einem 3 tägigen Trip nach Mexico City ein. Es war cool durch die schön verschmutzte Stadt zu bummeln und die verschiedenen Eindrücke mitzunehmen. Leider war die Zeit natürlich nicht genug um in Ruhe die einzelnen Ecke zu erkunden, aber beeindruckt hat es mich allemal. So verflogen die letzten Tage meines Jahres wie im Flug und der Abschied am Ende fühlte sich schön an. Meine Chefin organisierte ein kleines Abschied- Texas- Barbecue in Comfort House, wo ich mit Freunden und den letzten Patienten genüsslich an meinen letzten „Texas Ribs“ nagte. Da ich weiß, dass ich irgendwann wieder zu Besuch nach McAllen fliegen werde, war es auch nicht ein Abschied auf „Nimmer- wieder- sehen“. Außer mit den Patienten, da diese wohl hoffentlich dann nicht mehr da sein werden, aber diesen Abschied waren wir ja gewöhnt. Und dann saß ich auch schon im Flugzeug und kam nach 32 Stunden fliegen- warten- fliegen,… in Ulm am Bahnhof an. einer 15 Sekunden Erklärung, warum ich so aufgeregt bin, standen die drei Männer neben mir und schauten auch gespannt aus dem Fenster. „Na wie fühlt sich das an“? - „Cool oder?“ - „Sieht alles so aus wie du es in Erinnerung hast“? – Ich grinste nur und stieg freudig aus. Ulm kam mir am Anfang sehr anders vor. Alles vertraut, aber doch fremd. Ich würde mich in Ulm nicht verlaufen aber ich fühlte mich auch nicht wohl. Die ersten Tage hier waren wie ein Traum, diffus, unklar und ich wandelte nur so durch die Woche. Zwischen meiner Ankunft und dem Rückkehrerseminar, der offizielle und formale Abschluss meines Auslandseinsatzes, waren es 3 Wochen, doch viel es mir schwer diese zu genießen. Ich dachte eigentlich dies wäre die coolste Zeit, aber jeden Tag fühlte ich mich orientierungslos und wusste nicht genau, was ich wollte. z.B. laufe ich durch die schönen Gassen von Ulm und finde es schön alles wieder neu zu entdecken, doch ist da ein ungutes Gefühl im Magen. Es befriedigte mich überhaupt nicht hier zu sein, ich wollte aber auch nicht nachhause oder zu Freunden aber auch nicht zurück nach Texas. Das war schon ein komisches Gefühl und man kann an keinem Tag mit einem positiven Gefühl einschlafen. Am Morgen denkt man sich nur, „ach kacke gestern wieder einen Tag versaut“. So freute ich mich sehr auf das Rückkehrerseminar wo ich wieder alle anderen Freiwilligen aus Frankreich, Irland, Kanada, Belgien, Afrika, Brasilien und den USA treffen konnte und jeder hatte eine Menge Geschichten im Gepäck. Die meiste Zeit wurde dann natürlich auch geredet und diskutiert, erzählt und zugehört um das Jahr somit ausklingen zu lassen und zu beenden. Vielen Freiwilligen ging es von der Gefühlslage ähnlich wie mir und das war einfach ein angenehmes Gefühl Leute um sich zu haben, die das gleiche gemacht haben und einem nicht nur interessiert zuhören, sondern auch mitfühlen und ihre eigenen Geschichten erzählen in denen ich mich wieder finden konnte. Es war für mich auch wichtig einfach die Zeit zu bekommen über meine Arbeit und den Tod reden zu können. Familie, Freunde und Bekannte wollen nicht jedes Mal hören was so alles beim Sterben passiert und was mich dabei immer so beschäftigt hatte, was ich auch verstehen kann. „Uhh jetzt kommt da wieder Lukas und erzählt uns wie er die Windeln von Sterbenden gewechselt hat“. Nicht gerade ein gutes Tischgespräch. =) Nach den 5 schönen und befriedigenden Tagen bei EIRENE freute ich mich richtig wieder auf Ulm und alle Leute dort. Und freue mich daran immer noch. Nun ist das Jahr abgeschlossen – es schlägt aber immer noch in mir mit- und ich kann in Ruhe meine Studienbewerbungen angehen und mir für ein paar Monate einen Job suchen. Ich bewerbe mich gerade für Kultur- und Kommunikationswissenschaften und plane danach ein Filmstudium zu machen. Die Leidenschaft für die Filmerei ist während diesem Jahr nicht verschwunden. Während der Zeit in Comfort House habe ich 6 Stunden Filmmaterial aufgenommen, von dem ganz alltäglichen Ablauf im Hospiz. Vielleicht kann ich daraus einen kleinen Kurzfilm schneiden den ich euch zeigen könnte. Für euer finanzielle, leserische und freundschaftliche Unterstützung danke ich euch allen sehr. Dieses Jahr hat mir persönlich, wie menschlich unwahrscheinlich viel gebracht. Ich möchte dieses Jahr auf keinen Fall missen. Das ich euch meine Rundbriefe schicken durfte, hat mir geholfen so manche schwierigen Phasen zu überstehen. Ich freu mich schon euch alle wieder zu sehen und wünsche euch noch alles Gute. Vielen vielen Dank für das Jahr Liebe Grüße, Lukas |