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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.
Die negativen Dinge, die die Medien einem mitteilen mal selber erfahren und es vielleicht ein Stück besser machen durch ein Freiwilliges Jahr
Steve Grünwald berichtet von den ersten Monaten seines Friedensdienstes in Fremont/USA – über Vorbereitung, Abschied nehmen, Neubeginn und der Suche nach dem für ihn richtigen Projektplatz... (Oktober 2007)
Wie alles begann...
Es war schon immer mein Wunsch die Welt von einer ganz anderen Seite kennenzulernen, dies war/ist am besten möglich wenn man einen Auslandsaufenthalt in einer anderen Kultur durchlebt. "Einfach mal raus aus dem Alltag und weg von dem Altbekannten, neue Menschen kennenlernen, neue Sprachen lernen, alles einfach mal von einer anderen Seite sehen", schrie mein Inneres. Die negativen Dinge, die die Medien einem mitteilen mal selber erfahren und es vielleicht ein Stück besser machen durch ein Freiwilliges Jahr. So hat alles angefangen und fortan startete ich meine Suche nach einem Dienst im Ausland...
Eirene Ausreisekurs im Juli 2007
Dies war der offizielle Beginn meines christlichen Friedensdienstes bzw. des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Unser Ausreisekurs bestand aus 18? :) Freiwilligen die ebenso einen Friedensdienst leisten wollten (Nordirland,Belgien,Niederlande und USA).
Bei diesem Ausreiseseminar bearbeiteten wir in mehreren Gruppen verschiedene Themen, wie Interkulturelles Lernen, Gewaltfreiheit, Spiritualität, Entwicklungspolitik, Konflikte im Projekt und Selbstreflektion. Dabei beschäftigte ich mich besonders mit der amerikanischen Kultur, deren Mentalität und darüber hinaus mit den Fettnäpfchen, in die man als Deutscher Freiwilliger/Ausländer treten kann. Gut vorbereitet, mit zwei spaßigen Wochen und vielen neuen Freundschaften im Gepäck hatte ich dann eine Woche Zeit mich von allen Personen, die mir sehr am Herzen liegen zu verabschieden...und apropo Gepäck, eine Woche Zeit für ein Jahr zu packen, im Endeffekt hab ich zu viel genommen.
Abreise Deutschland-Ankunft USA/ BVS Orientation...
Ich wurde am 22. Juli dann mitten in der Nacht von acht engen Freunden zum Flughafen Hamburg begleitet, wo mir der Abschied echt schwer viel, aber da ich gemeinsam mit Ben (ebenfalls Freiwilliger und sehr guter Freund aus Lübeck) geflogen bin, wurde das alles ein bisschen gedämpft und die Vorfreude überwog. Endlich war es soweit ich konnte es kaum glauben, die ganze Vorbreitungszeit und der nicht zu vergessene Papierkram hatte sich gelohnt.
Dann folgte ein weiterer, diesmal über drei Wochen dauernde, Ausreisekurs/Orientation von BVS.
Unsere BVS Organisation war in New Windsor (nahe Baltimore). BVS steht für „Brethren Volunteer Service“ und ist eine christliche Friedensorganisation von der „Church of the Brethren“ (Brethren Kirche) in den Vereinigten Staaten. BVS ist eine Partnerorganisation von EIRENE und bietet weitgehend Sozialprojekte in den USA an. BVS kooperiert mit EIRENE und nimmt regelmäßig deutsche Freiwillige von EIRENE auf und gibt ihnen die Gelegenheit, in Sozialprojekten in den USA mitzuarbeiten. (siehe auch hier:
http://www.brethren.org/genbd/bvs/alumni/Unit_275.html oder unser Videotagebuch in der Zeit www.ben-goes-us.de).
Der Schwerpunkt dieser Orientation war, uns das Leben in „communities (Gemeinschaften)“ und „simple life“ näher zu bringen. Beispielsweise wurden wir in Foodgroups ( Kochgruppen) eingeteilt und mussten 2-3 mal die Woche für die gesamte Truppe eine Mahlzeit kochen. Jeder Kochgruppe wurde ein Geldlimit gesetzt. Einmal die Woche durften wir zum Supermarkt und mussten mit etwa 1$ Dollar pro Person für ca. 30 Personen eine Mahlzeit kaufen. Erstaunlicherweise hat diese Einkaufsmethode auch recht gut geklappt.
Nach 2 Wochen wurde dann ein 4-tägiger Ausflug zu einem Obdachlosenheim in Baltimore unternommen. Das Obdachlosenheim befindet sich inmitten eines nicht ungefährlichen Ghettoviertels, wo überwiegend Afro-Amerikaner leben. Dort bekam ich die ersten wirklichen Eindrücke und Lebensverhältnisse von Obdachlosen zu sehen, die vorwiegend wegen Drogenkonsum sozial abgesunken sind und nun versuchen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Unsere Hauptaufgabe lag darin uns über die Projekte zu Informieren und uns auf drei festzulegen, genau dies erwies sich als sehr schwer.
Für mich kam dann das Projekt Tri-City Homeless Coalition in Frage, was allerdings mit einer völlig neue Erfahrung für mich verbunden wäre, mit Obdachlosen zu arbeiten. Ich war mir nie sicher habe mich aber für das Projekt entschieden und bekam es auch.
Mein Projekt...
"Tri-City Homeless Coaltion" so ist der Name einer gemeinnützigen Organisation die sich bemüht die Obdachlosigkeit in der Bay-Area (Bucht von San Francisco) abzubauen. Ich arbeite im Obdachlosenheim "Sunrise Village" wo ich als "Shelter Counselor" tätig bin.
"Sunrise Village" ist ein Obdachlosenheim für Singles und Familien und bietet eine vorübergehende Unterkunft von 3 Monaten an. Einige Obdachlosen verbringen die vollständige Zeit hier und andere wiederum beenden ihren dortigen Aufenthalt schon nach einem Tag oder einigen Wochen. Außerdem sind Singles und Familien getrennt untergebracht und haben eigene Wohnbereiche. Beide Seiten haben einen Gemeinschaftsraum, einen Speisesaal, und einen Innenhof. Der grundlegende Unterschied ist, dass Singles in Dorms (Schlafsäle) wohnen und Familien ihre eigenen Eingang von Sunrise Village Zimmer mit WCs haben. Singles besitzen eigene „alcoves“ (Nischen), wo sie neben ihrem Bett noch ein „closet“ (Kleiderschrank) und einen Nachttisch mit Pinnwand besitzen.
Meine Aufgaben...
Mein Arbeitsplatz befindet sich an der "Front Desk" (Rezeption) wo ich der Ansprechpartner für Neuankömmlinge und Besucher bin. Meine Hauptaufgabe besteht darin für die Residents (Bewohner) da zu sein wenn sie etwas benötigen, beispielweise Zahnpasta, Toilettenpapier oder Shampoo.
Ein weiterer großer Teil meines Aufgabenfeldes ist die Telefonate anzunehmen und die Personen weiterzuleiten(wenn sie mit anderem Personal sprechen wollen) oder Obdachlosen mitzuteilen, dass wir ausgebucht sind und sie es bitte am nächsten morgen um 9 Uhr erneut versuchen sollen.
Der letzte Teil meines Aufgabenbereiches liegt darin, ein Hausarbeitenplan („chore-list“) zu erstellen, bei dem jede Person bestimmte Aufgaben seines Hausarbeitsbereich erfüllen muss. Zum Beispiel, muss jeder Bewohner jeden Tag „chores“ (Hausarbeiten) erledigen, die weitgehend aus Reinigungsarbeiten verschiedener Bereiche wie Küche, Speisesaal oder Toiletten, bestehen.
Meine Pflicht ist es zudem, zu überprüfen, dass alle Bewohner ihre „Hausaufgaben“ bzw. „chores“ auch wirklich sorgfältig erledigen.
Meine Arbeitszeiten sind Montag von 15 bis 23 Uhr und Dienstag-Freitag von 7 bis 15 Uhr.
Der Arbeitstag ist sehr strukturiert und geregelt, aber es geschehen manchmal Unannehmlichkeiten wie Notfälle oder während meiner Schicht gab es eine "Schlägerei" zwischen zwei Frauen, worauf eine von beiden unser Heim verlassen musste.
Es kam auch schon vor das sich Mütter bei mir ausgeweint hatten, weil sie einfach nicht wissen wohin sie gehen sollten, das geht einem echt Nahe, aber was mir richtig ans Herz gegangen ist, war als sich eine Bewohnerin nicht bei uns gemeldet hatte,(alle müssen sich um 18 Uhr eintragen, damit wir wissen das sie anwesend sind, wenn nicht warten wir den nächsten Tag ab, wenn sie sich auch diesen Tag nicht melden, dann muss ich deren "Alcove" ausräumen). Als ich mit zwei Säcken die Treppe runterkam, stand die Bewohnerin vor mir und ich werde ihren Blick nie vergessen: Verzweiflung, Angst und Ungewissheit beschreiben ihren Gesichtsausdruck nur mager.. Ich hatte ihr gesamtes Hab und Gut in meinen Händen. Sie fing fürchterlich an zu weinen, weil sie niemanden hatte und nicht wusste wohin sie nun soll. Das ist nur eine von mehreren Geschichten, die ich euch Berichte, alles andere würde den Rahmen sprengen.
Dies alles hat mich von Anfang an hier in Fremont, nie von den Gedanken abgebracht, „du gehörst hier nicht hin, du brauchst eine härtere Herausforderung als an der Rezeption zu sitzen". Diese Gedanken habe ich jeden Tag neu ins Gebet gebracht und Gott hat mir immer wieder aufs Neue gezeigt, dass ich hier irgendwie Fehl am Platz bin, es ist ein super Projekt mit einer einzigartigen Gegend, aber nicht für mich.
Seit gestern ist es durch das ich ins Projekt BoysHopeGirlsHope (org.) wechsle was sich in Kansas City befindet.
Dort werde ich mit neun Afro-Amerikanischen Teenager Jungs zusammenleben und deren "Big Brother" (großer Bruder) sein. Ich werde mir diesen Titel mit drei anderen Mitarbeitern teilen, wobei ich mehr für den Aktivitätsbereich zuständig sein werde, d.h. ich werde nachmittags mit den Jungs etwas unternehmen und mich um ihr Wohlergehen sorgen.
Mehr kann ich dann aber erst im naechsten Rundbrief erzaehlen.
Vielen dank fuer euer Interesse, Gottes Segen euch...
MfG Steve
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