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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. „Was für mich als ein neues Projekt zu Beginn dieses Jahres anfing, ist hier in San Antonio zu meinem neuen Zuhause geworden.“ Laurin Wünneberg berichtet über seine Arbeit in einer Soup Kitchen im Catholic Worker House, San Antonio, Texas, USA (September 2007)
Tja, nun ist schon ueber die Haelfte meines Freiwilligendienstes vorbei und was fuer mich als ein neues Projekt zu Beginn dieses Jahres anfing, ist hier in San Antonio zu meinem neuen Zuhause geworden. Jetzt, wo ich mich hier gut eingelebt habe, mich weiterhin recht wohl fuehle und ein richtiges Alltagsleben eingekehrt ist (so wie es wohl zu jedem gewoehlichen Zuhause dazugehoert), ist es schon ein komisches Gefuehl zu wissen, alles in vier bis fuenf Monaten wieder verlassen zu muessen. Doch daran will ich jetzt noch nicht zu viele Gedanken verschweden, sondern lieber die Zeit hier weiterhin nutzen und geniessen. So will ich in diesem Rundbrief euch mein Leben in San Antonio etwas naeher bringen und von meiner Arbeitswelt berichten. Wie ich schon in meinem ersten Rundbrief geschrieben habe, ist unsere Soupkitchen 4mal pro Woche geoeffnet. In den Monaten Juni und Juli, ist es ueblich, dass zu uns woechentlich Freiwillige kommen, um zu helfen. Dies liegt daran, dass die Mennonitische Kirche, zu der wir auch gehen, ein Freiwilligenprogramm haben, das „D.O.O.R.“ (Discovering Opportunities for Outreach and Reflection) genannt wird. An diesem Freiwilligenprogramm nehmen verschiedene Kirchengemeinden aus den ganzen USA teil. Diese Gruppen bestehen zumeist aus Highschool-Kids oder College-Studenten, die jeden Tag ein anderes Projekt in San Antonio besuchen. Deswegen hatten wir montags bis mittwochs immer unter schiedliche Gruppen von 5 bis 8 Leuten. Dies ist natuerlich eine tolle Unterstuetzung in unserer Arbeit hier und ich finde es wirklich beeindruckend, wie solche Projekte wie das Catholic Worker House in den USA durch Freiwilligenarbeit unterstuetzt werden. Ein Aspekt, den ich durchaus in den USA schaetze und der meiner Erfahrung nach hier wesentlich groesser ausge- praegt ist als in Deutschland. Doch die grundsaetzlich positive Sache erleichterte nicht zwangslaeufig die Arbeit fuer uns Freiwillige, zumindest nicht fuer die Person, die an dem jeweiligen Tag die Verantwortung fuer die „Soupkitchen“ hat. Denn als Verantwortlicher muss man in der Kueche alles regeln, so muss man Aufgaben an die Freiwilligen verteilen und schauen, dass nicht einzelne Personen gelangweilt rumsitzen. Und dies kann zwischendurch schon anstrengend sein, besonders wenn man bedenkt, dass das Kochen sonst problemlos von 2 bis 3 Personen erledigt werden kann und dann auf einmal auf 6 oder mehr Personen aufgeteilt werden soll. Hinzu kommt natuerlich, dass die Routine bei den Freiwilligen fehlt und man vieles erklaeren muss und immer ein Auge offen haben muss, ob alles richtig gemacht wird. Dies ist verstaendlicherweise nicht immer der Fall, wenn man die Arbeit mit Middleschool- oder Highschool-Kids, teilweise gerade aelter als 10 Jahre, erledigen muss. Doch auch wenn die Arbeit an diesen Tagen stressvoll war und man generell nicht frueher fertig war, als ohne Extra-Hilfe, bin ich doch froh, dass dieses Engagement in der amerikanischen Gesellschaft vorhanden ist und besonders durch Kirchenprogramme gefoerdert wird. Fuer den Rest von unserer Truppe, also den jeweils anderen Vieren, war an so einem Tag nicht besonders viel zu tun, ausser etwas Office-Arbeit oder mit einem Teil der Freiwilligen Gartenarbeit machen. Deswegen hatten wir damit begonnen, dass an diesen 3 Tagen in der Woche mindestens einer von uns frei nehmen konnte. Dies bedeutete im Sommer also noch einen Tag mehr in der Woche ausschlafen zu koennen, was von mir natuerlich mit Vergnuegen entgegengenommen wurde. Ueber zu viel Arbeit konnte ich mich auf jedenfall in dieser Zeit nicht beschweren. Neben diesem erfreulichem Gesichtspunkt ist das Kochen in unserer Suppenkueche aber nicht immer besonders abwechslungsreich. Das liegt daran, dass alle Produkte und Zutaten, die wir zum Kochen verwenden, gespendet werden. Und besonders in den Sommermonaten ist die Anzahl der Spenden nicht besonders gross. Dies hat nicht nur zur Folge, dass unsere Vorraete oft sehr knapp sind, sondern auch dass die Auswahl nicht besonders gross ist. So wird haeufig sehr aehnliches Essen gekocht - zum Beispiel Nudeln mit Tomatensauce oder Reis mit einer Sauce. Dann gehoert dazu fast immer Hackfleisch, da dies am billigsten ist. Gemuese wird fast immer aus Dosen einfach aufgewaermt, oft gibt es dann noch Knoblauchbrot und Fruechte als Nachtisch, auch meistens aus Dosen. In meinen Anfangsmonaten hier gab es oefters mal etwas mehr Abwechslung, weil wir meistens einmal pro Woche frisches Gemuese und Fruechte von einem Supermarkt gespendet bekommen haben. Doch dies hat leider in den letzten Monaten stark nachgelassen. Dieser negative Aspekt macht die Arbeit in der Suppenkueche natuerlich etwas monoton und die Freude am Kochen geht etwas verloren. Ausserdem ist das Essen fuer unsere Gaeste denn auch immer recht eintoenig. Leider ist es von unserem Budget her nicht moeglich fuer die Suppenkueche Produkte von unserer Haushaltskasse zu kaufen. Von der anderen Seite betrachtet sind wir natuerlich froh, dass wir dann doch insgesamt gesehen immer genug Zutaten haben um etwas zu kochen und unsere Gaeste sind froh, wenn sie etwas zu essen bekommen. So versuchen wir einfach das Beste daraus zu machen und die Rueckmeldung ueber unsere Gerichte ist generell gut. Und jetzt muss ich mal kurz prahlen, denn laut einiger Gaeste sollen meine Kochkuenste die Besten sein :-) Tja, so macht sich das Kochen in der Zeit wo ich in Deutschland alleine gewohnt habe doch bezahlt. Und so findet man durch Komplimente, Anerkennung und der gelegentlichen Hilfe unserer Gaeste doch immer wieder Motivation etwas zu kochen und bei Moeglichkeit etwas Neues auszuprobieren. Auf jedenfall behalte ich die Zu- versicht, dass die Spenden von frischen Produkten in den naechsten Wochen wieder zunehmen und es steht auch auf unserem Plan bei einer weiteren Supermarktkette anzufragen. Wie ihr ja von meinem ersten Rundbrief wisst, ist das andere Arbeitsgebiet unseres Projektes, dass wir Familien uebergangsweise eine Wohnmoeglichkeit geben und sie unterstuetzen wieder auf die eigenen Fuesse zu kommen. So ist fuer uns Freiwillige ein Bereich dieser Arbeit 5mal pro Woche das Abendessen fuer alle zuzubereiten. Erfreulicherweise koennen wir dafuer Geld aus unserer Haushaltskasse nehmen. Also koennen wir fuer die Familien etwas abwechslungsreicher kochen. Zudem kommt es 2 bis 3mal in der Woche vor, dass Leute etwas zum Abendessen vorbeibringen oder bei uns kochen. Dies wird von sehr begruesst, da dieses Essen zumeist lecker ist und natuerlich wiederum Arbeit einem abgenommen wird. Zur Zeit leben bei uns 2 Familien. Beide Familien mit Mutter und Vater (was nicht immer der Fall ist) und jeweils 4 Kindern, die sich alle im Alter zwischen einem Jahr und zwoelf Jahren bewegen. Ich kann durchaus behaupten, dass hier immer ordentlich was los ist, besonders wenn Abendessenszeit ist, dies kann man verstaendlicherweise nicht immer in Ruhe geniessen. Aber auch daraus kann ich fuer mich eine etwas positives schoepfen, da ich als Einzelkind nie kleinere Geschwister hatte, ist auch dies eine ziemlich neue Erfahrung fuer mich. Und auch wenn es manchmal stressig ist, ist es eine Bereicherung die ganzen Kinder um sich herum zu haben und zu sehen, dass es ihnen insgesamt gesehen trotz der prekaeren Situation iherer Eltern gut geht, sie zusammen spielen wie alle normalen Kinder und ihr Lachen nicht verlieren. So ist es immer wieder herrlich die kleinen Kinder durch irgendwelchen Bloedsinn oder durch etwas Luftakrobatik mit ihnen, zum Lachen zu bringen. Auch dies gibt mir neue Motivation und zeigt mir die Wichtigkeit dieses Projektes, denn die Kinder haben ueberhaupt keine Schuld an der Situation der Familien, doch leiden wohl langfristig am meisten darunter. Und zusammen mit den Kindern einer frueheren Familie habe ich hier noch etwas weiteres erlebt, denn soweit ich mich erinnern kann, habe ich das erste Mal in meinem Leben Babysitting-Erfahrung gesammelt. Ich habe mich fuer das Babysitting angeboten damit die Eltern zu einem Anti-Alkohol-Programm gehen konnten. Ich muss sagen es war anfangs etwas anstrengend, weil der mit 3 Jahren aelteste Sohn ganz schoen Stress gemacht hat, als er gemerkt hat, dass seine Mutter weg ist. Doch auch das ging nach einer Weile vorueber und danach haben wir die meiste Zeit auf unserem hauseigenen und zumindest noch teilweise funktionstuechtigen Spielplatz ver- barcht. Ich kann behaupten, nicht nur die Kinder hatten ihren Spass, doch nach ueber einer Stunde Babysitting mit einem 1-jaehrigen, einem 2-jaehrigen und einem 3-jaehrigen, alles Jungs, war ich dann doch ganz schoen geschafft und froh, dass die Eltern zurueck waren. Zumindest weiss ich nun fuer mich spaeter, dass ich nicht so viele kleine Kinder auf einmal haben will . Ach und uebrigens die 3 Jungs waren alle von der gleichen Familie und die etwas ueber 30-jaehrige Mutter hat auch noch ein paar andere Kinder mit einem frueheren Ehemann, ich kann mich an die genaue Anzahl leider nicht mehr erinnern. Das bringt einem dann doch schon manchmal zum Nachdenken, ob es Sinn macht in einer nicht nur finanziell schweren Lebenssituation so viele Kinder in die Welt zu setzen. Leider mussten wir diese Familie aufforden unser Catholic Worker House zu verlassen, weil sie mehrfach sich nicht an unsere Richtlinien gehalten haben. Dies war fuer mich wirklich nicht besonders einfach, weil ich schon eine etwas persoenlichere Beziehung mit den Kindern aufgebaut hatte und es unsicher war, wo die Familie als naechstes unterkommen kann, was mir natuerlich besonders fuer die Kinder leid tat. Auch wenn dies nun etwas ironisch und hart klingt, aber durch das Ausziehen einer Familie, koennen wir eine neue Familie aufnehmen und ihr weiterhelfen. Es gibt immer mehr als genuegend Menschen hier, die Hilfe brauchen. Diesen Punkt muss man sich immer wieder vor die Augen fuehren, denn ehrlich gesagt muessen wir hier nahezu die Haelfte der Familien fruehzeitig auffordern unser Catholic Worker House zu verlassen, auf gut Deutsch gesagt: wir schmeissen sie raus. Und dies ist generell immer wieder die Schuld der Eltern, weil sie unsere nicht besonders strengen Regeln missachten. Gruende warum wir Familien zum Verlassen auffordern mussten, waren zum Beispiel: Mehrmals abends nicht puenktlich zu Hause zu sein oder ohne Entschuldigung nicht zum Abendessen erscheinen, unerlaubterweise einen Fernseher auf dem Zimmer haben, unuebersehbarer Konsum von Alkohol oder Drogen, etliche Male nicht das Anti-Drogen und -Alkoholprogramm zu besuchen und beispielsweise keine Bereitschaft mehr zu zeigen an neuen Zielen weiterzuarbeiten. Und all diese aufgezaehlten Punkte fuehren erst nach wiederholter Mahnung von uns und oefters auch in Kombination zum Rausschmiss. Es kommt also zwangslaeufig zum realtiv haeufigen Wechsel der Familien. Und da wir beinahe taeglich und manchmal auch mehrmals taeglich Anfragen nach einer Unterkunftsmoeglichkeit haben, sind wir fast immer belegt. Ich muss gestehen, dass das Rauswerfen der Familien immer wieder zur Frustration bei mir fuehrt und man sich fragt, warum die Familien ihre Chancen nicht nutzen einen Neuanfang zu starten. Und wie die Eltern ihr Verhalten ueberhaupt gegenueber ihren Kindern verantworten koennen, sie bewusst Regeln missachten und damit herausfordern, wieder auf der Strasse zu landen oder sich eine neue Unterkunft verzweifelt suchen muessen. Jetzt gerade frage ich mich, was eigentlich mehr frustrierend ist: Wenn wir Freiwilligen beim ersten Aufnahmeinterview bzw. bei der internen Diskussion ob wir eine Familie aufnehmen oder nicht, die starke Vermutung haben, dass die Eltern sich nicht an die Regeln halten werden und sie dies spaeter auch bestaetigen. Oder wenn man einen wirklich positiven Eindruck hat und man spaeter dann doch enttaeuscht wird. Doch auch da muessen wir durch, wir stecken ja nicht in den Eltern, mehr als auffordern sich an die Regeln zu halten und ernste Gespraeche mit ihnen zu fuehren, koennen wir nicht. Die einzige Begruendung, die mir fuer deren Verhalten einfaellt, ist, dass man den Blickpunkt nicht vergessen darf, dass die Eltern zumeist auch in einer schlechten Umwelt aufgewachsen sind. Ihr ganzes Leben mehr oder weniger auf der Grenze der absoluten Armut balancieren und haeufig mentale Probleme haben, die durch schlechte Lebenserfahrungen und wohl auch durch Alkohol- und Drogenprobleme verursacht wurden und dasselbe erst hervorrufen. So sind die Eltern vielleicht teilweise nicht in der Lage die Auswirkungen ihrer Handlungen abzuschaetzen oder denken einfach nicht darueber nach. Dennoch bleibt es fuer mich einfach sehr schwer nachvollziehbar, vielleicht auch weil ich gluecklicherweise in einer anderen Umwelt aufgewachsen bin, die man wohl kaum mit der hier vergleichen kann. Aber ich will jetzt hier nicht zu negativ klingen! Insgesamt macht mir die Arbeit noch immer Spass und man realisiert mehr und mehr die Bedeutung solcher Projekte. Ich habe einfach ein gute Gefuehl, wenn wir hier Familien weiterhelfen koennen und es ist erfreulich und erleichternd zu hoeren, wenn die Familien eine neue Unterkunft gefunden haben, diese auch finanzieren koennen und demnach einen Neuanfang starten koennen und ihr eigenes Leben mit einer hoffentlich besseren Zukunft in die Hand nehmen koennen. Das soll es nun erstmal wieder gewesen sein. An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschoen an meine Unterstuetzer, Freunde und Familie. Ich weiss euere Unterstuetzung sehr zu schaetzen und ich hoffe, dass es euch allen gut geht, im nun vermutlich schon fast herbstlichen Deutschland und der Schweiz. Viele liebe Gruesse aus den USA Euer Laurin
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