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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.
„Schließlich habe ich mich dann für dieses Obdachlosenheim entschieden, wo ich bislang eine aufregende Zeit habe.“
Anand Lehmann berichtet uns von seiner Projektwahl und von seinen Tätigkeiten bei dem Projekt „Tri-City Homeless Coalition“ in Fremont/ Kalifornien. (November 2006)
Inhalt
1. Einleitung
2. Wie alles begann
3. Eirene Ausreisekurs
4. Ankunft in den USA / BVS-Orientation
5. Mein Projekt
6. Meine Aufgaben
7. Freizeit
8. Schlusswort
Einleitung
Liebe Unterstützer und Unterstützerinnen, Verwandte, Freunde und alle Leser,
seit knapp 4 Monaten bin ich jetzt schon in den USA und die Zeit verging wie im Flug,
so dass ich schon gar nicht mehr einschätzen kann in welchem Jahr und Monat wir uns
befinden. Die ersten Eindrücke und Erlebnisse, die ich seit meiner Ankunft hier in den
USA hatte, habe ich nun niedergeschrieben und ich hoffe, dass Ihr eine ungefähre
Vorstellung von und einen Einblick in meinen Freiwilligendienst bekommt. Für all die
schönen Erfahrungen, die ich bisher machen durfte und hoffentlich noch machen
werde, möchte ich mich nochmals bei allen meinen Unterstützern und Freunden
herzlich bedanken. Ohne Euch wäre ich nicht hier und würde nicht diesen Rundbrief
schreiben. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.
Wie alles begann...
Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht mehr genau. Zurückblickend kann ich Euch jedoch
wiedergeben, was mich in der Vergangenheit beeinflusst hat, diesen Dienst im Ausland
anzutreten. Es war schon immer mein Wunsch und Vorhaben, einmal für ein Jahr ins
Ausland zu gehen und die Welt von einer ganz anderen Sichtweise zu betrachten:
„Einfach mal raus aus dem altem Heim des Zuhause und weg von dem Altbekannten,
neue Länder und neue Kulturen entdecken, sich eine neue Sprache aneignen, neue
Menschen kennenlernen, sich weiter entwickeln und sich ein eigenes Bild von einer
fremden Nation machen. Hautnah die Lebensverhältnisse im Ausland erfahren und
nicht nur bei ARD oder CNN die Welt aus einem „viereckigen Kasten“, dem Fernsehen
betrachten.“ Desweiteren erfährt man auch immer wieder über Fernsehnachrichten,
Radio, Zeitung, Medien etc. in welchem sozialen Notstand viele Menschen weltweit
leben und wie sehr sie unter ihrer unglücklichen Situation leiden müssen. Für mich, war
dies ein Denkanstoss und eine Aufforderung mich „aktiv“ für die soziale Gerechtigkeit
ein zusetzten und zu versuchen, in dieser Richtung einen kleinen Beitrag zu leisten. So
ist dann schließlich alles ins Rollen gekommen...
Meine Suche nach einem „Anderen Dienst im Ausland“ und schließlich der ernsthafte
Entschluss einen solchen zu absolvieren begann für mich Mitte November letzten
Jahres als ich den Großteil meiner Freizeit damit verbrachte im Internet Friedens/
Freiwilligendienst Organisationen ausfindig zu machen und mich mit dem Prozess und
Ablauf des ganzen Dienstes vertraut zu machen. Die Ausgangsbedingungen waren bei
den meisten Organisationen die Gleichen, d.h. eine schriftliche Bewerbung per Post
absenden und hoffen dass man zum Bewerbungsgespräch eingeladen wird.
EIRENE, eine christliche Friedensorganisation, deren Geschäftsstelle sich in Neuwied
befindet, hatte jedoch eine unterschiedliche Ausgangsbedingung. Die Möglichkeit eine
Bewerbung an EIRENE zu senden wurde einem erst dann geboten, wenn man an
einem 3 tägigen Infoseminar teilnahm. Diese Idee fand ich sehr interessant. Dieses
Seminar wurde von ehemaligen EIRENE Freiwilligen geführt, die einem genau über den
Dienst im Ausland informierten und auch von ihren eigen Erlebnissen berichten
konnten. Für mich hatte sich die Entscheidung einen Friedendienst mit EIRENE zu
leisten nur noch verstärkt und nach meiner erfolgreichen Bewerbung mithilfe von
Referenzen meiner damaligen Lehrer Herr H., Frau K. und unserem
Pfarrer Herr B. sowie meines besten Freundes wurde ich dann zum
Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich erinnere mich noch allzu gut daran, als ich
während des Bewerberauswahlverfahrens erfuhr, dass nur noch 2 Freiwilligenplätze in
den USA verfügbar waren, und umso größer waren dann meine Luftsprünge nach der
Zusage, die ich einige Tage später per E-Mail erhielte. (siehe auch hier:
http://www.eirene.org/freiwillige/fw.usa/index.html )
EIRENE Ausreisekurs im Juli 2006 ...
Dies war sozusagen der offizielle Beginn meines christlichen Friedensdienstes bzw.
des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). Unser Ausreisekurs bestand aus 15 zukünftigen
NORD-IRLAND-, USA- und BELGIEN-Freiwilligen, die aus unterschiedlichen Regionen
Deutschlands angereist kamen und innerhalb von 2 Wochen auf ihren „Auslandeinsatz“
vorbereit werden sollten. Alles verlief ab diesem Zeitpunkt für mich sehr schnell und
zielorientiert auf meinen zukünftigen Auslandaufenthalt ab. Ich hatte grade mein Abitur
hinter mir, war vom WM-Fieber hier in Deutschland angesteckt und sollte mich schon
bald in irgendeinem Ort in den USA befinden. Demzufolge fiel es mir schwer, die
Realität meines Vorhabens noch einmal vor Augen zu halten und umso wichtiger und
notwendiger war dann dieser Ausreisekurs für mich.
Bei unserem Ausreiseseminar bearbeiteten wir in mehreren Gruppen verschiedene
Themen, wie Interkulturelles Lernen, Gewaltfreiheit, Spiritualität, Entwicklungspolitik,
Konflikte im Projekt und Selbstreflektion. Dabei beschäftigte ich mich besonders mit der
amerikanischen Kultur, deren Mentalität sowie den Fettnäpfchen, in die man als
Ausländer reintreten kann, plus, wie man diese vermeidet, um auch eine harmonische
Verständigung untereinander herzustellen. Dank unserer Teamleiter hatten wir sehr viel
Spaß und ich habe viele neue Freunde gewonnen!
Ankunft in den USA und BVS Orientation
Endlich war es soweit. Ich konnte es kaum glauben. Die ganze Prozedur mit dem
Papierkram, also mein Visumsantrag, Auslandsversicherung, etc. hatte sich gelohnt. Ich
stand nämlich vollgepackt mit 2 Koffern am Frankfurter Flughafen und wusste dass sich
innerhalb von 9 Stunden Flug in einem für mich noch fremden Land sein werde und
mein Leben ab diesem Zeitpunkt eine neue Richtung einnehmen wird.
Meine Trauer, mich von meiner Familie und Freunden zu verabschieden, hielte sich zu
diesem Zeitpunkt noch in Grenzen, da ich erst einmal für 9 Tage meinen Bruder Selvan
in Washington D.C. besuchen wollte, der sich zu dieser Zeit am Ende seines
Freiwilligendienstes befand.
Aufgrund der strengen Sicherheitskontrollen an amerikanischen Flughäfen, war die
Aufenthaltsdauer bzw. die Frist meines Visums noch ungewiss. Dies sollte nämlich
direkt am Flughafen in Washington D.C. entschieden werden. Als ich dann schließlich in
Washington D.C. ankam, trat ich meiner letzten Barriere gegenüber. Ich musste den
sehr skeptischen Zollbeamten überzeugen, mir ein Visum für 12 Monate zugeben. Nach
einigen Wortwechseln mit dem Zollbeamten über die Absicht meines Aufenthaltes und
einigen Blickwechseln vom Passfoto zu mir und zurück, bekam ich dann ein Visum für 6
Monate. Ich brauchte mir darüber jedoch keine Gedanken machen, da mein Visum von
meiner Partnerorganisation BVS in den USA ohne große Probleme auf 12 Monate
verlängert werden kann. So dies ist nun ein geeigneter Moment, Euch noch mal
aufzuklären was BVS eigentlich ist und was ich mit dieser Organisation zu tun habe.
BVS Orientation...
So hieß mein Orientierungskurs mit der Organisation BVS in New Windsor (nahe bei
Baltimore). BVS steht für „Brethren Volunteer Service“ und ist eine christliche
Friedensorganisation von der „Church of the Brethren“ (Brethren Kirche) in den
Vereinigten Staaten. BVS ist eine Partnerorganisation von EIRENE und bietet
weitgehend Sozialprojekte in den USA an. BVS kooperiert mit EIRENE und nimmt
regelmäßig deutsche Freiwillige von EIRENE auf und gibt ihnen die Gelegenheit, in
Sozialprojekten in den USA mitzuarbeiten.
(siehe auch hier: http://www.brethren.org/genbd/bvs/alumni/Unit_270.html )
Ich musste also noch an einem Orientierungskurs teilnehmen, in dem dann endgültig
entschieden wurde, welches Projekt ich erhalten werde. Bereits in Deutschland wurde
mir schon eine Projektliste von möglichen Freiwilligenprojekten in den USA zugesandt,
so dass ich mir meine Prioritäten aussuchen konnte.
Kurz vor Beginn dieser Orientation merkte ich, dass es jetzt ernster wurde und ich zum
ersten Mal mit einer Gruppe von Amerikanern die nächsten 3 Wochen verbringen
werde. Zum Glück hatte ich auch deutsche Unterstützung mit mir, da noch Benedikt,
Rieke und Hanae, also 3 weitere Freiwillige von EIRENE an dieser Orientation
teilnahmen und sicherlich war es hilfreich für mich. Da die Orientation von der Brethren
Church durchgeführt wurde, fiel mir der christliche Aspekt und die religiöse Haltung, in
welcher dieses Seminar geführt wurde, als Erstes auf. Besonders viele Teilnehmer in
meiner Altersgruppe waren an diesem Seminar beteiligt und die Meisten waren auch
sehr gläubig. Mir fiel zum Beispiel auf, dass man bei Gesprächen als Deutscher sehr
genau aufpassen müsste, was man sagt und wie man etwas sagt. Viele reagierten
nämlich erschrocken, wenn uns mal das eine oder andere Schimpfwort aus dem Mund
rutschte, welches für unsere Ohren überhaupt nicht schlimm klang. Wir mussten uns
also erst einmal an diese neue sprachliche Umstellung gewöhnen, aber ich merkte
dann wieder, wie schnell man doch in die englische Sprache rein kommt und mit
welcher sprachlichen Freiheit eine Unterhaltung möglich war.
Die Amerikaner waren zudem sehr verständnisvoll bei Gesprächen mit uns Deutschen
und gaben uns alle Zeit der Welt, um uns richtig auszudrücken, was natürlich eine
enorme Erleichterung für mich war und dazu beigetragen hat, dass ich mich besser in
die Gruppe integriert fühlte. Des weiteren muss ich noch erwähnen, dass ich anfangs
der amerikanischen überfreundlichen Begrüßung und den liebevollen Dankesworte
nach einer gewissen Zeit überdrüssig wurde. Wenn man rund um die Uhr Sprüche zu
hören bekommt wie :“Heeeeyy how are youuuu“, oder “Ooohh thank you very much,
that is soo nice of you!“, dann klingt das für uns Deutsche ein wenig übertrieben.
Anyway, der Schwerpunkt dieser Orientation war, uns das Leben in „communities
(Gemeinschaften)“ und „simple life“ näher zu bringen. Beispielsweise wurden wir in
Foodgroups ( Kochgruppen) eingeteilt und mussten 2 mal die Woche für die gesamte
Truppe eine Mahlzeit kochen. Dabei wurde jeder Kochgruppe ein Geldlimit gesetzt.
Einmal die Woche durften wir zum Supermarkt und mussten mit etwa 1 $ Dollar pro
Person für ca. 30 Personen eine Mahlzeit kaufen. Erstaunlicherweise hat diese
Einkaufsmethode auch geklappt.
Nach 2 Wochen schliesslich wurde dann ein 4-tägiger Ausflug zu einem
Obdachlosenheim in Baltimore unternommen. Das Obdachlosenheim befindet sich
inmitten eines nicht ungefährlichen Ghettoviertels wo überwiegend Afro-Amerikaner
leben. Dort bekam ich die ersten wirklichen Eindrücke und Lebensverhältnisse von
Obdachlosen zu sehen, die vorwiegend wegen Drogenkonsum sozial abgesunken sind
und nun versuchen ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Des weiteren hatten wir während der Orientation die Gelegenheit uns mit den Projekten
zu beschäftigen, die uns interessierten. In einem Obdachlosenheim zu arbeiten, war
meine Präferenz und letztendlich ging mein Wunsch in Erfüllung, als ich schließlich
einen Projektplatz bei „Tri-City Homeless Coalition“ in Fremont, Kalifornien erhielte.
Mein Projekt...
„Tri-City Homeless Coalition“ ist eine gemeinnützige Organisation in Fremont,
Kalifornien, und bemüht sich seit ihrer Gründung im Jahre 1987 die Obdachlosigkeit in
„Alemada County“ (Landkreis Alemada) abzubauen. Heutzutage gehört diese
Organisation zu den bekanntesten und angesehensten Hilfsorganisationen in der „San
Francisco Bay“ (Bucht von San Francisco) und tritt immer wieder mit neuen
Projektideen in die Schlagzeilen der lokalen Zeitung. Im Jahr 1993 wurde das
Obdachlosenheim „Sunrise Village“ gegründet, wo ich nun als „Shelter Counselor“ tätig
bin. Was das ist, erkläre ich gleich. Das Obdachlosenheim „Sunrise Village“ versucht
Obdachlose von der Strasse aufzufangen, sie wieder zu stabilisieren und ihnen einen
Anschluss oder auch einen Neuanfang in ihrem Leben zu ermöglichen. Hierzu leistet
„Sunrise Village“ bestimmte Hilfestellungen und professionellen Service für jeden
einzelnen Bewohner dieses Heimes. Es bietet nicht nur eine Unterkunft an, sondern
auch verschiedene Kurse und Programme zu einem sozialen Zusammenleben und zur
Weiterbildung. Beispielsweise wird von den „Residents“ (Bewohnern), verlangt, dass sie
an einer wöchentlichen Gemeinschaftsbesprechung teilnehmen, in welcher aktuelle
Informationen und Themen, die gerade vorliegen, diskutiert und besprochen werden.
Außerdem müssen Bewohner mit einem Drogenhintergrund insbesondere mit
Alkoholsucht, an einem Drogenentzugskurs teilnehmen. Hinzu kommt, dass jede
einzelne Person eine Berufs-, und Finanzberatung sowie Unterkunftsvermittlung erhält.
Für Eltern wird auch Erziehungs-beratung und Kinderbetreuung dargeboten. Da „Tri-
City Homeless Coaltiton“ mit einer Heilanstalt namens “Tri-City Health Center“
zusammenarbeitet, ist auch für psychologische Betreuung und Beratung gesorgt. Des
weiteren haben Bewohner den Zugang zu Telefon, Fax und Computer, was eine große
Unterstützung ist, um einen neuen Beruf zu finden. Zusätzlich erhalten die Bewohner
kostenfrei Busfahrkarten, um nach Jobs zu suchen.
„Sunrise Village“ ist ein Obdachlosenheim für Singles und Familien und bietet eine
vorübergehende Unterkunft von 3 Monaten an. Einige Obdachlosen verbringen die vollständige Zeit hier und andere wiederum verschwinden schon nach einem Tag oder einigen Wochen. Außerdem sind Singles und Familien getrennt untergebracht und haben eigene Wohnbereiche. Beide Seiten haben einen Gemeinschaftsraum, einen Speisesaal, und einen Innenhof. Der grundlegende Unterschied ist, dass Singles in Dorms (Schlafsäle) wohnen und Familien ihre eigenen Eingang von Sunrise Village Zimmer mit WCs haben. Singles besitzen eigene „alcoves“ (Nischen), wo sie neben ihrem Bett noch ein „closet“ (Kleiderschrank) und einen Nachttisch mit Pinnwand besitzen.
Insgesamt hat dieses Obdachlosenheim eine Kapazität von 60 Betten für Singles, die in
zwei Männer-Schlafsäle und zwei Frauen-Schlafsäle eingeteilt sind, und 10
Schlafräume für Familien. Besetzungsmangel haben wir keinen, denn wir bekommen
jeden Tag ununterbrochen Telefonanrufe von Interessenten, und wenn wir „ausgebucht“
sind, leben hier ca. 100 Personen! Um Essens- oder Nahrungsmangel braucht sich hier
auch niemand Sorgen zu manchen, da wir dank netter und hilfsbereiter
Freiwilligengruppen, zwei Mahlzeiten, also Mittag- und Abendessen, zubereitet und
serviert bekommen. Wir haben deshalb keinen Koch oder sonstige Küchenangestellte.
Am Wochenende wird sogar „Hot breakfast", also meistens, pan cakes mit sirup,
Spiegeleier, french toast oder auch Bratwürste serviert. Natürlich kann ich jederzeit an
allen Mahlzeiten teilnehmen und mich von den Pflegeprodukten wie Zahnpasta und
Duschgel, die wir im Heim besitzen, bedienen, was ich auch regelmäßig tue, da ich ja
hier nur ein geringes Taschengeld bekomme.
Unser Büro und Arbeitsbereich befindet sich sozusagen in der Mitte zwischen der
Familien und Single Seite. Neben meiner Stelle als „Shelter counselor“, verfügen wir
auch über „case manager“, die sich konkret mit einzelnen Bewohnern beschäftigen und
auch für die „Intakes“ (Aufnahme von neuen Obdachlosen) verantwortlich sind. Des
weiteren besteht unser Personal noch aus einem „Children Program Coordinator“,
einem „Kitchen Coordinator“, einem „Outreach Direktor“ sowie einem „Program
Direktor“. Die Funktionen von den gerade genannten Positionen, werde ich im nächsten
Rundbrief noch genauer beschreiben und vorstellen.
Außerdem versucht „Tri-city Homeless Coalition“ auch mit anderen Hilfsprojekten, eine
Unterkunft für die Obdachlosen zu bieten. Während der Wintertagen beispielsweise,
auch wenn es unglaubwürdig klingen mag, soll es hier in Kalifornien tüchtig regnen, und
Nebelwolken gehören dann zum Alltag. Zu dieser Zeit, wenn dann auch noch die
Weihnachtszeit näher rückt, beginnt die „Hochsaison“ für die Obdachlosenheime hier in
dieser Region und freie Betten sind nur noch sehr selten zu finden!
Aufgrund dieses Ausnahmezustandes, wurde kürzlich ein neues Projekt mit dem
Namen, “Winter Relief Program“ gestartet, das eine Bleibe für Obdachlose in Kirchen
anbietet und somit „Obdachlosenheim Bewerbern“, die in den vollen Obdachlosenheimen
keinen Platz finden können, versucht aus der Zwangslage zu helfen.
Meine Aufgaben
Mein offizieller Arbeitsplatz befindet sich an der „Front desk“ (Rezeption) im
Eingangsfoyer dieses Heimes. „Shelter Counselor“ ist mein Jobtitel und bedeutet soviel
wie, „Berater und Helfer für Obdachlose“. Ich bin die erste Ansprechperson für
Neuankömmlinge (also Unterkunftssuchende), Bewohner und auch für andere
Besucher, die tagtäglich zur Rezeption kommen und Fragen stellen. Immer wieder
erkläre ich zum Beispiel den Bewohnern unsere Hausregeln und die Anforderungen, die
wir von ihnen erwarten. Zum Beispiel muss jeder Bewohner jeden Tag „chores“ (Hausarbeiten) erledigen, die weitgehend aus Reinigungsarbeiten verschiedener
Bereiche wie Küche, Speisesaal oder Toiletten, bestehen. Dazu erstelle ich unter anderem eine wöchentliche „chore-list“, also ein Hausarbeitenplan, die jede Person
in eine bestimmte Hausarbeit zuweist. Meine Pflicht ist es zudem, zu überprüfen, dass alle Bewohner ihre „Hausaufgaben“ bzw. „chores“ auch wirklich sorgfältig erledigen.
An meinem Arbeitsplatz, d.h. an der Rezeption, sind vielerlei Haushaltsprodukte, wie
Toilettenpapier, Reinigungsmittel, Waschtücher und Mülltüten gelagert, die vorwiegend
für die „chores“ benutzt werden. Außerdem verfügen wir über eine große Palette von
Pflegeprodukten wie Shampoo, Zahnbürsten, Seife oder auch Medizin, die an die
Bewohner ausgeben.
Unsere Arbeitszeiten sind in Schichtdienste unterteilt und jeder von uns arbeitet 8
Stunden am Tag. Meine Arbeitstage sind momentan von Dienstag bis Samstag und an
diesen Tagen arbeite ich Dienstags und Samstags von 7 bis 15 Uhr, Mittwochs von 15
bis 23 Uhr, Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag von 13 bis 21 Uhr. Demzufolge ist
meine Woche sehr abwechslungsreich und jeder Tag ist anders und man lernt immer
wieder was neues dazu. Ich persönlich bevorzuge die Morgenschicht, da ich dann nach
Arbeitsschluss noch etwas Freizeit habe und anderen Beschäftigungen nachgehen
kann.
Auch wenn sich mein Arbeitstag sehr strukturiert und geregelt anhört, habe ich nicht
das Gefühl jeden Tag das Gleiche zu tun. Man sieht immer wieder Menschen kommen
und gehen. Man redet mit ihnen, lernt sie kennen, und nach einer Zeit verabschiedet man sich wieder. Es passieren unvorsehbare Dinge, denn mein Arbeitstag kann manchmal total hektisch sein, wenn ununterbrochen das Telefon klingelt und ich mich unter
Zeitdruck befinde, andererseits kann mein Tag auch sehr ruhig und friedlich
ablaufen, so dass ich mir dann auch mal Zeit nehmen kann, um mir die außergewöhnlichen Lebensgeschichten einzelner Obdachlosen anzuhören. Da ich einen guten Draht zu Kindern habe, genieße ich es auch, mit den Kindern im Innenhof zu spielen und wenn man dann Mein Kollege M. und ich ihre lachenden und fröhlichen Gesichter sieht, vergisst man für einen kurzen Moment, dass man sich eigentlich in einem Obdachlosenheim befindet.
Freizeit
Nach einer 8std. Arbeitsschicht bin ich meistens erst einmal etwas erschöpft und kehre
dann zu unserem Apartment zurück, wo ich derzeit mit einer weiteren Freiwilligen von
BVS, eine Amerikanerin, zusammenlebe. Sie heißt Meredith und sie war mit mir auf der
gleichen Orientation und arbeitet mit mir auch bei „Tri-City Homeless coalition“ als case
managerin in unserem Obdachlosenheim. Zu zweit teilen wir uns momentan eine
schönes 5 Zimmer Apartment, das mit allem ausgestattet ist was, man so braucht. Wir
haben einen Fernseher mit DVD-Player und einen alten Laptop mit „Wireless-lan“,
dessen Internetzugang wir zurzeit kostenlos vom Nachbar empfangen. Hier gibt es 3
Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Essbereich sowie 2 Toiletten. Ich habe mein
eigenes Zimmer mit Bett, Kleiderschrank, Schreibtisch und einem Fernseher.
Außerdem steht uns ein Van bzw. Großraumwagen zur Verfügung, mit dem wir jeden
morgen zur Arbeit fahren müssen, das ungefähr 10 min Autofahrt beträgt.
Die Stadt Fremont befindet sich direkt an der Westküste, also am pazifischen Ozean,
und ist nicht weit von San Francisco entfernt. Fremont ist eine sehr ruhige und friedliche
Stadt, wo von „street life“ keine Spur ist. Was man hier vorwiegend zu Gesicht bekommt
sind aufgemotzte und große Trucks sowie teure Autos auf breiten Strassen und
unzählige Fastfood restaurants und typisch amerikanische Einkaufszentren. Da sich
Fremont inmitten der San Franciso Bay befindet, hatte ich schon des öfteren die
Gelegenheit nach San Francisco, Oakland oder San Jose zu kommen, welche man
sozusagen als Nachbarstädte bezeichnen könnte und wo es vieles zu erleben gibt.
Schlusswort
Als meine Freunde und Unterstützer mich vor einiger Zeit noch fragten, was ich denn
genau in den USA machen werde, musste ich meistens kurz überlegen, um eine klare
Antwort zugeben, und ich versuchte irgendwie zu beschreiben, dass ich Obdachlosen
helfen möchte. Dass dies dann nun wirklich wahr wurde, lag nicht in meinen Händen,
und ich hätte auch nicht gedacht, dass ich hier in Fremont landen würde. Ich hatte zu
Beginn noch verschiedene Projekte im Kopf und schließlich habe ich mich dann für
dieses Obdachlosenheim entschieden, wo ich bislang eine aufregende Zeit habe.
Kurz vor meinem Dienstantritt bei „Tri-City Homeless Coalition“ war ich noch etwas
skeptisch und dachte, dass es vielleicht langweilig werden konnte, wenn man den
ganzen Tag nur an der Rezeption sitzt und Telefonanrufe beantworten muss. Genau
das Gegenteil hat sich dann nach meiner Ankunft gezeigt. Meistens bin ich rund um die
Uhr auf den Füssen und muss mal dort und da hingehen oder mit diesem oder jenem
reden. Ich habe sehr viel Kontakt mit den Obdachlosen, manchmal auch etwas zu viel
und dann muss ich aufpassen, dass man einem nicht zu nahe tritt.
Mir wurde von Beginn an, eine große Verantwortung und Autorität übertragen, da ich
auf einmal fremden und meist älteren Menschen Anweisungen geben musste und eine
gewisse Aufseherrolle übernahm. Von Obdachlosen bekam ich immer wieder
zugerufen: „Thanks Sir“ oder „Thanks Boss“. Mir war es etwas unangenehm so
angesprochen zu werden, aber mit der Zeit musste ich mich dran gewöhnen, und wenn
die Obachlosen sich wieder auf die gleiche Art und Weise bei mir bedanken so sage
ich nun zu ihnen : „You are welcome Sir“
Hoffentlich konnte ich euch allen endlich etwas verdeutlichen und beschreiben wie sich
so mein Leben als Freiwilliger in den USA abspielt und ich bin dankbar dafür, dass ich
diesen Dienst hier leisten kann.
Bis bald und viele Grüße aus Kalifornien,
Eurer Anand
Homepage EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst
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