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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.
Nach dreieinhalb Monaten in meinem Projekt, nenne ich Su Casa mittlerweile mein Zuhause
Hanae Ikehata berichtet von ihrem Projekt Su Casa Catholic Worker Community in Chicago und von ihren ersten Eindrücken. (November 2006)
Liebe Freunde, Bekannte, Verwandte, Unterstuetzer und Unterstuetzerinnen,
beinahe vier Monate bin ich nun schon in den USA, und hier kommt endlich mein erster Rundbrief. An dieser Stelle moechte ich mich nocheinmal aus ganzem Herzen bedanken. Ohne eure Unterstuetzung waere es mir nicht moeglich diesen Dienst anzutreten. Bitte entschuldigt, dass der Rundbrief solange auf sich warten lies, der Naechste kommt bestimmt frueher.
Nach etwas fuer mich schwierigeren zwei Wochen in meinem Projekt, fuehle ich mich jetzt richtig wohl und beginne Su Casa als mein Zuhause zu bezeichnen. Trotzdem gibt es fuer mich hier jeden Tag etwas Neues zu entdecken und kein Tag gleicht dem anderen.
Doch jetzt erst mal zurueck und wie alles begann:
Ausreisekurs
Am 1. Juli fanden sich 15 hoch motivierte Teilnehmer und vier Teamer aus ganz Deutschland zum zweiwoechigen Eirene Ausreisekurs in Odernheim und Neuwied ein. Vier USA, 10 Irland und eine Belgien Freiwillige. Alles, wie sich sehr schnell herausstellte, sehr liebenswerte Menschen, mit denen man die Naechte durchquatschen kann. Neben den ueblichen Kennenlernspielen, standen Einheiten ueber technisches, wie Versicherung und Kindergeld, laenderspezifische Vorbereitung und Themen die EIRENE besonders am Herzen liegen und mir persoenlich auch sehr viel gebracht haben, wie Gewaltfreiheit, interkulturelle Verstaendigung, Entwicklungspolitik etc. auf dem Programm. Meine freie Zeit nutzte ich zum Kanufahren, schwimmen und Mittagschlaefchen halten=). Diese zwei Wochen vergingen wie im Flug und haben mich, denke ich, so gut wie moeglich auf den Friedensdienst vorbereitet.
Mit zwei Wochen bis zu meiner Abreise hatte ich eigentlich genug Zeit, fuer Abschiede, Kofferpacken etc. letztendlich erledigte ich dann doch wie immer alles auf den letzten Druecker und stand in der Nacht vor der Abreise verzweifelt vor meinem Koffer.
Trotzdem schaffte ich es puenktlich an den Flughafen und sass am 28. Juli tatsaelich im Flugzeug nach Washington D.C.. Es war schon ein seltsames Gefuehl nicht zu wissen, wo und wie ich das naechste Jahr verbingen wuerde.
Orientation
Anders als bei den Freiwilligenstellen in Europa naemlich, wissen die USA Freiwilligen vor ihrer Abreise noch nicht in welches Projekt sie kommen, weil Eirene fuer die Dienste in den Staaten mit „Brethren Volunteer Service“ (BVS) zusammenarbeitet. Erst waehrend einer dreiwoechigen Orientation erfaehrt man in was fuer ein Projekt man kommt.
Meine Orientation fand in New Windsor, einem kleinem Nest in Maryland, zwischen Baltimore und Washington D.C., statt. Neben uns vier Deutschen bestand diese aus einem bunt gemischten Haufen von Amerikanern im Alter von 18-58. Von Highschool und College Absolventen zu Rentnern, war somit alles dabei. Wir waren eine sehr homogene Gruppe. Etwa die Haelfte waren Mitglieder in der Church of the Brethren. Zum Glueck aber waren alle politisch und religioes sehr liberal, auch wenn viele ihren Glauben viel offener und vielleicht auch authentischer in ihr Leben intergrieren, als ich das von Deutschland kenne. Ich habe mich ziemlich schnell in allen moeglichen Diskussionen und Gespraechen ueber Deutsch-Amerikanische Unterschiede wiedergefunden.
Im Prinzip war die Orientation aehnlich gestaltet wie der Eirene Ausreisekurs, mit dem Unterschied, dass mehr wert auf Spiritualitaet und Glauben gelegt wurde. So standen Kennenlernspiele, Session zu Themen wie Spiritualitaet, verschiedene Arbeitsweisen, Frieden und Gewaltfreiheit, ein viertaegiger Ausflug nach Baltimore, sogenannante „Work Days“ und natuerlich das Wichtigste; die Projektwahl, auf dem Programm. Ein weiterer Unterschied ist, dass bei BVS die Freiwilligen selbst kochen. Deshalb wurden wir zu Beginn in dreikoepfige Kochgruppen eingeteilt. Da einer der Leitsprueche von BVS „Live simply so that others can simply live“ ist, standen uns fuer Fruehstueck, Mittag- und Abendessen 1$ pro Tag und Person zur Verfuegung. Das hoert sich vielleicht nach wenig an, hat aber mit ein wenig Kreativitaet super gut geklappt und jede Menge Spass gemacht. Zwar stand meistens vegetarisches Essen auf dem Plan, aber daran waren wir Deutschen zumindest ja schon vom EIRENE -Ausreisekurs gewoehnt =).
In der esten Woche stand jedoch die Projektwahl im Vordergrund. BVS besitzt eine grosse Kartei mit Projektbeschreibungen, Freiwilligenberichten und Videos. Nach vielem Lesen in Projektberichten, langem Nachdenken und Gespraechen, kristallisierte sich mit „Su Casa, Catholic Worker“ in Chicago, ein Obdachlosenheim fuer lateinamerikanische Familien, schliesslich eindeutig mein Favorit heraus. Nach dem meine Entscheidung gefallen war, hiess es erst einmal warten, denn das Projekt musste angerufen und meine Bewerbung angenommen werden. Da die Projekte natuerlich auch nicht nur dasitzen und auf einen Anruf von BVS warten, kann es ein paar Tage dauern bis man genaueres weiss. Das war dann schon ein wenig nervenaufreibend, weil es fuer mich schliesslich darum ging, wo und wie ich meinen Freiwilligendienst verbringen wuerde. Als ich dann von einem meiner Teamer noch mal genauer nach meinem Zweitwunsch gefragt wurde, dachte ich schon, dass es mit Su Casa nichts mehr wird. Schliesslich kam es dann doch zu einem telefonischen Interview mit meinem zukuenftigen Chef. Ich war ziemlich aufgeregt und hatte eigentlich kein besonders gutes Gefuehl. Als ich dann erfuhr, dass es doch klappt, bin ich fuer die naechste Stunde erst einmal mit einem Honigkuchenpferdelachen durch die Gegend gelaufen =) .
Besonders intensiv, fuer mich, waren die vier Tage in Baltimore. In diesen Zeit schlugen wir unsere Zelte in „I Can“, einem Obdachlosenheim fuer Maenner auf. Traurige Bilanz: etwa 99% der Gaeste sind Afroamerikaner und ein Grossteil davon ist alkohol- oder drogenabhaengig. Da ich bis dahin keine Erfahrung mit Obdachlosenarbeit hatte, war ich anfangs etwas befangen. Meine Beruehrungsaengste verflogen aber ziemlich schnell, sei es beim gemeinsamen Kartenspielem (teilweise bis zwei Uhr nachts) oder einfach nur durch zuhoeren. Viele der Obdachlosen haben viel erlebt und brauchen jemanden der den Mensch hinter den Obdachlosen sieht. Wir wurden von fast allen mit sehr viel Freundlichkeit, Humor und Hoeflichkeit aufgenommen. Neben der Zeit in „I CAN“ verbrachte ich einen Nachmittag in einer Suppenkueche, auch hier wider das gleiche Bild wie in „I CAN“; die Mehrzahl der Gaeste war schwarz. Mir war zwar bewusst, dass Armut und Diskriminierung leider immer noch ein grosses Thema ist, das jedoch so real zu sehen, ist dann doch ein anderes Gefuehl als darueber zu lesen.
Natuerlich stand auch „Sightseeing“ auf dem Programm. Waehrend wir den Hafen und Downtown besichtigten (alles natuerlich sehr schoen und touristisch), blieb immer ein schaler Nachgeschmack. Dieses Gefuehl wurde noch verstaerkt als wir dann zurueck zu „I CAN“ gingen, es waren zwar nur 30 Minuten Fussweg, aber ein Unterschied wie Tag und Nacht. Denn die Gegend in der „I CAN“ sich befindet, ist alles andere als „schoen“ oder „sauber“, heruntergekommene und zugenagelte Haeuser, Muell ueberall und blau aufleuchtenden Ueberwachungskameras an jeder Kreuzung und Alkohollaeden, praegen das Bild.
In den letzten paar Tagen war fuer mich dann irgendwo die Luft heraus, weil ich nach zwei Wochen Ausreisekurs und drei Wochen Orientation endlich mit der Arbeit in meinem Projekt beginnen wollte. Auch wenn der Abschied von den anderen Freiwilligen, besonders den anderen Deutschen, schwer war, konnte ich es deshalb kaum erwarten in Chicago anzukommen.
Als ich nach 10 Stunden Bussfahrt im BVS- Bus in Su Casa morgens um sechs Uhr ankam, bin ich, nach einer kurzen Tour durch das riesige Haus, erstmal hundemuede in mein Bett gefallen.
Projekt
Su Casa gehoert der Catholic Worker Bewegung, die in den 30er Jahren von Dorothy Day und Peter Maurin gegruendet wurde, an. Jedes Catholic Worker Haus ist unterschiedlich. Gemeinsam haben aber alle, dass sie versuchen Jesu Worte, vom versorgen der Hungrigen, kleiden der Beduerftigen und beherbergen der Obdachlosen in die Tat umzusetzen.
Su Casa besteht seit 16 Jahren, war aber urspruneglich ein Heim fuer zentralamerikanische Folterueberlebende, die politisches Asyl in den USA suchen. Da die Anzahl der Fluechtlinge jedoch kontinuirlich sank, richtete Su Casa 1996 sein Aufgabengebiet neu aus.
Heute versucht Su Casa lateinamerikanischen Familien, die arm, obdachlos, unterdrueckt oder Opfer von Gewalt und Missbrauch sind, eine heilende und sichere Atmosphaere und ein Zuhause zu bieten. Anders als viele andere Haeuser, akzeptieren wir komplette Familien, die bis zu einem Jahr in Su Casa bleiben koennen. Momentan sind wir aber vor allem ein Zufluchtsort fuer Frauen und ihre Kinder, die Opfer von haeuslicher Gewalt und Missbrauch geworden sind. Waehrend ihres Aufenthalts in Su Casa wird von den Familien erwartet, dass sich sich mit ihren Problemen auseinander setzen, z.B. zu Beratungsstellen gehen, eine Therapie beginnen, an Kinder- und Gesundheitserziehungs Unterricht teilnehmen etc. Wir unterstuetzen sie ausserdem darin, Englischunterricht zu finden und versuchen sie an staatliche Programme anzuknuepfen. Unser Ziel ist, dass die Familien nach ihrem Aufenthalt in Su Casa wieder auf eigenen Beinen stehen und unabhaengig leben koennen.
Zudem versuchen wir unserer Nachbarschaft zu helfen, indem wir Sonntags unsere Suppenkueche oeffnen, zu der um die 80 Leute kommen. Ausserdem stellen wir Sonntags unseren Spielplatz fuer die Kinder aus dem Viertel zur Verfuegung, um ihnen einen sicheren Ort zum spielen zu bieten. Je nachdem wie viele Freiwillige wir haben, organisieren wir Spiele oder andere Aktivitaeten und geben kleine Snacks aus.
Ausserdem beleuchten wir in unserem, alle drei Monate erscheinenden Newsletter Themen wie soziale Gerechtigkeit, Frieden etc..
Erster Eindruck
Nach dreieinhalb Monaten in meinem Projekt, nenne ich Su Casa mittlerweile mein Zuhause. Anfangs war ich ziemlich ueberwaeltigt von all den neuen Eindruecken, Gesichtern, Namen, Kinder die durch die Gaenge rennen, - kurz gesagt von dem Chaos, dass sich Su Casa nennt.
Aber vielleicht sollte ich erst einmal mit dem Haus an sich beginnen. Das Gebauede und der Garten fuellen einen halben Haeuserblock aus, und sind ein wunderbarschoener Ort.
Su Casa war frueher ein Franziskaner Kloster und ist ueber 100 Jahre alt (weshalb auch unser Dach an einigen Stellen tropft...). Im Keller befindet sich die Kueche und der Essensraum. Gerade die Kueche ist dabei Dreh- und Angelpunkt, da man so gut wie immer jemanden dort findet mit dem man ein Schwaetzchen halten, zusammen einen Happen Essen oder eine Tasse Kaffee oder Tee trinken kann. Im ersten Stock befinden sich Gemeinschaftsraeume,Bueros und eine kleine Bibliothek, auf dem zweiten Stock wohnen alle Familien und einige Freiwillige und im dritten Stock ein Wohn- und Aufenthaltsraum fuer die Freiwilligen und mein Zimmer, welches relativ gross und graeumig ist. Da ich im dritten Stock und nicht im Zweitem wohne, werde ich auch zum Glueck nicht, wie manch andere morgens um 6/7 Uhr, von Kindergeschrei oder laut droehnender Musik geweckt. Mit meiner Wohnsituation bin ich deshalb voll zufrieden.
Momentan leben in Su Casa vier Muetter und sieben Kinder, vier Vollzeit- und vier Teilzeitfreiwillige. Mit den andren Freiwilligen komme ich super gut aus und wir sind mittlerweile zu einem richtig guten Team zusammen gewachsen.
Die Arbeit und das Leben mit den Kindern geniesse ich sehr, auch wenn sie manchmal aggressiv und laut reagieren, macht es eine Menge Spass. Die Muetter kommen urspruenglich aus Mexico und sprechen ungefaehr so viel Englisch wie ich Spanisch (und das ist nicht besonders viel...). Das hat natuerlich anfangs die Kommunikation um einiges erschwert und war manchmal ganz schoen frustrierend. Mittlerweile verstehe ich aber immer mehr und kann mich ein wenig auf Spanisch unterhalten. Obwohl die Muetter so viel Schlimmes durchgemacht haben, sind sie lebensfroh, lachen und tanzen viel. Einige haben Kinder in Mexico, werden aber wegen ihren Kindern hier, die, wenn in den Staaten geboren, amerikanische Staatsbuerger sind, nicht zurueckgehen. Es ist wirklich beeindruckend wie sie, trotz aller Widerstaende, ihr Leben meistern.
Natuerlich ist nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen, es gibt Momente in denen wuensche ich mich ganz weit weg, wenn die Muetter sich wegen Kleinigkeiten gegenseitig anschreien zum Beispiel, ich das Gefuehl habe in einem Hotel zu arbeiten, oder wenn ich nach einem chaotischen 10 Stunden Tag von einem launischen Dreizehnjaehrigen beschimpft werde. Andererseits sind es eben nicht nur die guten Augenblicke die das Leben hier zu etwas Besonderem machen. Wie in jeder anderen Familie auch, gibt es in unserer Gemeinschaft Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten - und das nicht nur zwischen den Gaesten und Mitarbeitern. Trotz alldem, ich bin gluecklich hier zu sein und wuerde im Moment mit niemanden tauschen wollen.
In Su Casa ist immer etwas los und richtig still wird es eigentlich erst so gegen 9. Brauche ich aber dann doch mal meine Ruhe ziehe ich mich einfach in mein Zimmer zurueck oder setze mich bei schoenem Wetter mit einem Kissen auf die Feuerleiter oder das Dach.
Zum Gemeinschaftsleben gehoert ausserdem, das wir fuenfmal die Woche gemeinsam zu Abend essen. Eine der Muetter kocht normalerweise, weshalb ich jeden Abend mit einem kleinem mexikanischem Festessen verwoehnt werde =) .
Generell esse ich in Su Casa um einiges besser, als ich mir es fuer dieses Jahr vorgestellt hatte. Den Grossteil unserer Lebensmittel bekommen wir von „Trader Joes“, einem Biosupermarkt gespendet. Ich bekomme hier eigentlich alles was mein Herz begehrt.
Noch vielleicht ein paar kurze Worte zu unserer Nachbarschaft. Su Casa befindet sich zwischen einem haupsaechlich afroamerikanischen und einem Latino Viertel. Laufe ich Richtung Sueden kommen mir eigentlich nur noch Afroamerikaner entgegen, Richtung Norden fuehle ich mich ganz schnell wie in Mexico: spanische Musik droehnt aus den Geschaeften, mexikanische Flaggen, Strassenverkaufer (besonders zu empfehlen ist „elote en waso“= Mais mit Mayo, Kaese, Butter und Chillipulver). Einerseits finde ich es wunderbar mich auf einmal wie in einem anderen Land zu fuehlen, anderseits ist es traurig zu sehen wie sehr Chicago nach Hautfarben getrennt ist.
Es ist zwar eine arme Gegend mit viel Kriminalitaet, dennoch fuehle ich mich sicher durch die Strassen zu gehen (auch wenn ich jetzt nicht mitten in der Nacht alleine einen Spaziergang unternehmen wuerde), ich werde zwar oefters schraeg angeschaut und gerade als Frau wird einem oefters nachgerufen. Gerade meine Dreadlocks ziehen dabei neugierige Fragen an.
Ich bin aber auch auf sehr viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit gestoßen, so wurde mir als ich in meinen ersten Wochen noch etwas orientierungslos durch die Gegend gelaufen bin, sofort Hilfe angeboten. Sogar Autos haben neben mir angehalten und gefragt nach was ich suche (ich muss wirklich sehr verplant ausgesehen haben =)). Ich denke, dass wenn man gerade hier offen fuer seine Mitmenschen ist, positiv ueberrascht wird.
Meine Arbeit
Naja, ihr fragt euch jetzt bestimnmt schon die ganze Zeit, was ich hier denn eigentlich so den lieben langen Tag mache. Davor moechte ich kurz Su Casas Struktur beschreiben. Mein Chef ist J., der „executive Director“, er regelt viele administrative und finanzielle Dinge, kuemmert sich um uns Freiwillige, gestaltet unseren Newsletter Kairos und muss manchmal noch nebenbei den Klempner hergeben, wenn mal wieder eine der Toiletten verstopft ist. Eine andere Freiwillige hier ist J.. Sie ist unser „House Director“, sie achtet darauf, das Regeln eingehalten werden, leitet die Hausbesprechungen und schlichtet Konflikte. Schwester M. ist unsere Sozialarbeiterin, sie trifft sich woechentlich mit den Muettern, arbeitet mit ihnen an ihren Zielen und versucht sie in Foerderprogrammen unterzubringen. Sie ist ausserdem die einzige bezahlte Mitarbeiterin und arbeitet schon seit Jahren in Su Casa.
Ansonsten leben noch J., eine amerikanische Freiwillige, die uns aber leider im Januar verlassen wird und D. ein deutscher Eirene Freiwilliger in Su Casa. Mit beiden verstehe ich mich richtig gut und ich bin sehr froh mit ihnen hier zu sein. Wir sind die sogenannten „full-time worker“.
Dann gibt es aber noch Teilzeitfreiwillige, diese bezahlen monatlich eine kleine Summe an Miete und arbeiten 10 bis 20 Stunden in Su Casa. K. ist eine Jura Studentin, Schwester G. eine Nonne, die viel mit den Leuten in unserer Nachbarschaft arbeitet, E.,ein pensionierter Quaeker Pastor, der sich fuer mehr Rechte fuer behinderte Menschen einsetzt, und B., ein pensionierter Highschool Lehrer und angehender Jesuit, er arbeitet freiwillig in einer Schule fuer Latinokinder. Ich sehe es als ein wirkliches Privileg an mein Leben mit so unterschiedlichen Menschen zu teilen, da sie eine Menge interssante Dinge zu erzaehlen haben und ich von ihrem Engagement eine Menge lernen kann.
Viermal die Woche arbeite ich als „Housemanager“ (HM). Familienaktivitaeten, Essen, Freiwilligenkoordination, Reperaturen sind andere Aufgabenbereiche die unser Haus zu bieten hat.
Der Tag ist in eine Frueh- (8.30-15.30) und Spaetschicht (15.30-22.00) eingeteilt. Als House Manager ist man fuer das Geschehen im Haus verantwortlich. Man oeffnet die Tuer und beantwotet das Telefon (dies geschieht aus Sicherheitsgruenden, da alle unsere Muetter haeuslicher Gewalt entflohen sind und es durchaus moeglich ist, dass ihre Maenner nach ihnen suchen), nimmt Spenden aller Art, von Kleidern ueber Spielzeug zu Lebensmitteln entgegen, ist der Ansprechpartner fuer die Muetter, wenn sie etwas benoetigen und passt auf die Kinder auf, wenn ihre Muetter einen Termin haben. Hoert sich vielleicht ganz gediegen an, kann aber aeusserst stressig werden, wenn man auf zwei kleine Kinder aufpasst, ein weinendes Baby auf dem Arm hat und dann noch natuerlich gleichzeitig Tuer und Telefon klingeln. Ausserdem achtet der HM darauf, dass das Haus einigermassen sauber bleibt und gibt Freiwilligengruppen Fuehrungen durch das Haus.
Ausserdem bin ich „Familiy Acticities Coordinater“, hoert sich sehr wichtig an, bedeutet aber im Prinzip, dass ich kleine Ausfluege und die monatlichen Geburtstagsfeieren fuer die Familien organisiere, mit den Kindern kleine Kunstprojekte durchfuehre und versuche Freizeitsaktivitaeten fuer sie zu finden.
So stand der Oktober zum Beispiel ganz im Zeichen von Halloween, zuerst bei einem „Pumkin Patch“; die Kinder konnten sich eine Kuerbiss aussuchen und dekorieren, es gab Huepfburgen und Labyrinthe, und schliesslich am 31. Oktober sprangen dann auf einmal Piraten, Ninjas und Superhelden waehrend unserer Halloweenparty durch die Gaenge.
Besonders herausforderned fuer uns alle war anfangs, dass keiner von uns Freiwilligen laenger als drei Monate in Su Casa war. Ueber den Sommer wechselte das komplette Mitarbeitertaem.
Besonders interessant wird es dann immer, wenn eine Person vor der Tuer steht, und uns erklaert schon seit Jahren ab und zu vorbeizukommen um auszuhelfen. So klingelte vor drei Wochen ein Mann an der Tuer, um die Blaetter aus unserer Dachrinne zu entfernen. Keiner von uns hatte ihn je zuvor gesehen, obwohl er das schon seit Jahren macht. Das Witzige dabei ist, dass ich noch eine Woche davor mit J. darueber geredet habe, dass wir sie saeubern muessen bevor es anfaengt zu schneien. So geht es hier mit vielen Dingen, bevor Thanksgiving brachte uns jemand fuenf Truthaehne vorbei, vor einigen Wochen wollten wir gerade Windeln einkaufen gehen, als jemand einen Karton spendete. Ich koennte noch viele solche kleinen besonderen Geschichten erzaehlen, aber dass soll fuers erste genuegen.
Freizeit
Chicago ist mit 9 Millionen Einwohnern die drittgroesste Stadt in den USA. Mit seiner beeindruckenden Skyline, Architektur, Vielzahl an Museen und kulturellen Einrichtungen, vielfaeltigen Vierteln und der Naehe zum Michigan See habe ich mich ganz schnell in Chicago verliebt. Ob ich nachts am See spazieren gehe und der Mond sich im Wasser spiegelt, ich an einem sonnigen Tag auf eines der hoechsten Gebaude fahre und die atemberaubende Aussicht ueber die Stadt geniesee, an einem kalten Regentag stundenlang in einem Cafe sitze, in einem Park auf der Wiese liege und den Klaengen wunderbarer Jazzmusik lausche, mich fuer zwei Stunden mit fremden Menschen ueber Gott und die Welt unterhalte oder einfach nur ein kleinen Spaziergang zu dem bezaubernden kleinen Park ganz in der Naehe von meinem Haus mache, - in Chicago gibt es immer etwas interessantes zu tun.
Ausserdem habe ich Yoga fuer mich entdeckt, jeden Donnerstag gehe ich erst fuer eine Stunde Flyer fuer ein Yogastudio aufhaengen, setze mich danach gemuetlich fuer ein weiteres Stuendchen in ein Cafe und entspanne danach bei Yoga um Abstand von dem ganzen Su Casa Chaos zu gewinnen und neue Energie zu tanken. Ich lese viel, halte nachmittags ein Nickerchen, schreibe E-Mails und Briefe oder unternehme etwas mit den anderen Freiwilligen. Ueber Langeweile kann ich mich hier also nicht beklagen.
Ich hoffe ich konnte euch einen interessanten Einblick in mein Leben auf der anderen Seite des Ozeans geben.
Liebe Gruesse
Euere Hanae Ikehata
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