Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.

"Ich merke immer wieder, wie einen dieser Dienst in der persoenlichen Entwicklung voranbringt"

Samuel Baiduc leistet einen Dienst mit BVS in den USA bei dem Projekt Camp Ithiel und hilft bei der Organisation und Durchführung von Jugendcamps und Seminaren (Oktober 2005)

Samuel Baiduc

Camp Ithiel


Dienstzeit Juli 2005-August 2006

16 Oktober 2005

Rundschreiben 1


So endlich habe ich es geschafft Zeit fuer meinen ersten Rundbrief zu finden. Die vergangenen Wochen waren sehr vollgepackt und so konnte ich nicht mit dem Schreiben beginnen. Doch eins nach dem anderen, ich beginne meinen Bericht mit dem Eirene Ausreisekurs.

Mit der Befuerchtung, dass dieses zwei recht langweilige Wochen fuer mich sein wuerde erreichte ich Odernheim am Glan. Es stellte sich heraus, dass wir in einem sehr schoenen Gebaeude direkt am Glan untergebracht waren. Meine Befuerchtungen ueber den Ausreisekurs haben sich zum Glueck nicht bewahrheitet. Es waren zwei extrem schoene Wochen, welche abwechslungsreich und auch anstrengend waren. Das Programm war sehr gut gestaltet und im nachhinein kann ich sagen, dass zumindest ich perfekt auf meinen Auslandsaufenthalt vorbeireitet worden bin. Aus fremden Menschen wurden gute Freunde. Es wurde so offen miteinander gesprochen, wie ich es nicht einmal von meinen besten Freunden gewoehnt bin. Wir hatten viel Spass und abends wurde bis spaet in die Nacht bei einem Bier ueber alle moeglichen Themen diskutiert. Jedoch bereitete mir das Aufstehen am naechsten Morgen immer extreme Schwierigkeiten.



Die Ausreise


Zwischen dem Eirene Ausreisekurs und der BVS Orientation hatte ich eine Woche Zeit alle noetigen Sachen zu packen und mich von meinen Freunden zu verabschieden. Erstaunlicherweise viel mir das nicht sehr schwer, da die Vorfreude schon ziemlich gross war. Nach einer Abschiedsfeier ging es dann endlich in die USA. Mit zwei vollbepackten Koffer stieg ich ins Flugzeug. Ich wusste an diesem Zeitpunkt nicht, wohin es mich verschlagen wuerde, drum habe ich fuer alle moeglichen Klimate meine Klamotten gepackt.



Die BVS Orientation


Wir Deutschen erreichten Baltimore bereits zwei Tage vor dem Beginn der Orientation. Somit hatten wir genug Zeit uns einzurichten und umzustellen. Die Orientation fand in New Windsor, einem sehr kleinen Dorf, statt. Hier befindet sich das Service Center der Brethren Gemeinde. Da die Orientation noch nicht begonnen hatte wurden wir zum Essen immer in Restaurants gebracht und konnten in einer Mall (Amerikanisches Einkaufszentrum) shoppen gehen. In New Windsor gab es nichts besonderes zu sehen, somit verbrachten wir im Laufe der drei Wochen unsere Zeit ueberwiegend im Service Center auf unseren Zimmern. Diese waren relativ schlicht eingerichtet, erfuellten jedoch ihren Zweck. Ohne Klimaanlage in jedem Zimmer haette ich es jedoch bei der extremen Hitze schlecht ausgehalten.

Zwei Tage nach unserer Ankunft kamen dann endlich die Amerikaner an. Die Mehrheit machte einen komischen Eindruck auf mich, aber das liegt warscheinlich am Kulturschock, obwohl ich diesen nicht bewusst wahrgenommen habe.

Am ersten Abend sollten wir bei Kennenlernspielen die Interessen der anderen herausfinden. Es wurde das Programm vorgestellt und die jeweiligen Kochgruppen wurden festgelegt. Vom Programm her schienen mir die drei Wochen sehr straff organisiert zu sein, es stellte sich jedoch heraus, dass wir zu viel Freizeit hatten. Es gab jeden Tag drei Einheiten a zwei Stunden und den Rest hatten wir Freizeit, wenn wir nicht gerade kochen mussten. Es gab eine Turnhalle, in der wir Basketball spielten, aber die meiste Zeit versuchte ich die Zeit zu ueberbruecken. Vielleicht liegt das daran, dass ich schon von einem zweiwoechigen Zeminar kam und endlich in ein Projekt wollte.

Wir hatten genug Zeit um uns Projektbeschreibungen und Videos ueber Projekte anzuschauen. Fuer Fragen standen immer unsere zwei Leader Samuel und Genelle bereit. Die Orientation erwies sich als anders, als der Eirene Ausreisekurs. Im Mittelpunkt stand nicht die Vorbereitung fuer das kommende Jahr sondern meiner Meinung nach eher die Gemeinschaft. Als Deutscher fand ich dieses eher komisch, da der Gemeinschafts-gedanke sehr zentral stand, somit hatte ich hiermit meine Probleme. Hinzu kommt, dass ich mich bis zum Ende nicht in die Community integrieren konnte/wollte, da ich mich nicht so sehr mit den Teilnehmern anfreunden konnte. Das liegt wohl daran, dass sie sich anders verhalten haben, als ich es gewohnt war, aber dass ist in einer neuen Kultur ziemlich oft der Fall. Einige Aspekte moechte ich hier besonders hervorheben, welche fuer mich eine neue Erfahrung waren.

Zum einen wurden wir in fuenf Gruppen aufgeteilt und mussten abwechselnd fuer alle Teilnehmer Kochen. Nach dem Simple Living Prinzip standen uns 75 Cent fuers Fruehstuck 75 Cent fuers Mittagessen und 1 Dollar fuers Abendessen pro Person bereit. Es stellte sich als nicht sehr einfach heraus fuer so wenig Geld zu kochen, aber ich hatte immer sehr viel Spass in meiner Gruppe, auch wenn das Essen nicht das Beste war. Da wir so wenig Geld hatten kochten wir ueberwiegend vegetarisch. Ich habe mich gut mit diesem Prinzip angefreundet und gelernt auch schlichtes Essen zu schaetzen.

An einem Tag wurden wir mitten in einer sehr spaerlich besiedelten Gegend ausgesetzt und sollten bei fremden Menschen Arbeit finden. Dies sollte unseren Gedanken fuer einen Dienst am naechsten staerken. Ich haette nicht gedacht, dass es so schwer sein wuerde bei Menschen Arbeit zu finden, obwohl man absolut nichts als Gegenleistung verlangt. Den groessten Teil des Tages verbrachten wir schliesslich damit von Haus zu Haus zu wandern.

Ein anderer fuer mich neue Aspekt war das Sharing am Abend. Hierbei konnte jeder aus seinem Leben erzaehlen. Mich hat dabei gewundert, wie schnell viele Amerikaner Erlebnisse aus ihrem Leben fremden Menschen erzaehlen die man normalerweise nur seinem besten Freund anvertraut.

Was mir ein wenig negativ aufgefallen ist, ist das naiive Denken vieler Teilnehmer gewesen. So wurde oft als Grund fuer den freiwilligen Dienst genannt, man wolle die Welt retten. Hierbei musste ich oft schmunzeln, da sich dieses fuer mich sehr kindlich anhoert. Ich habe jedoch in diesen drei Wochen viele neue Erfahrungen gesammelt. Es ist doch sehr interessant Aspekte einer anderen Kultur kennen zu lernen.


Das Projekt

Schliesslich entschied ich mich fuer das Camp Ithiel. Es sagte meinen Beduerfnissen am meisten zu und hoerte sich sehr spannend an. Es befindet sich in Orlando, Florida. Nach drei Wochen BVS Orientation erreichte ich nun endlich mein Projekt, indem ich das kommende Jahr verbringen werde. Mike Neff, der Campdirektor, holte mich vom Flughafen ab und brachte mich zum Camp. Ich habe gleich seine sehr freundliche Familie kennen gelernt, welche auf dem Camp wohnt. Mike und Karen haben zwei Kinder, welche 11 und 9 Jahre alt sind, den Camphund Jack und zwei Katzen. Sie haben mich oft zu sich nach Hause zum Essen eingeladen .

Es lebt noch ein aelteres Ehepaar und ein einzelner Freiwilliger auf dem Camp. Insgesamt verstehe ich mich sehr gut mit allen.Im Winter sollen noch etwa 2 weitere Ehepaare in ihren Wohnwagen kommen, um auf dem Camp zu helfen. Die erste erfreuliche Nachricht bei meiner Ankunft war meine Unterbringung. Ich bekam ein eigenes kleines Haus zugewiesen. Es ist sehr gemuetlich, und ich habe alles, was ich brauche. Mir wurde erzaehlt, dass in diesem Haus sogar Familien mit bis zu 6 Kindern gewohnt haetten.

Am naechsten Morgen inspizierte ich das Camp genauer. Etwa 200 m von meinem Haus entfernt ist ein sehr schoener See, in dem man angeln kann. 200 m in die andere Richtung befindet sich ein Swimming Pool, in dem ich jeder Zeit schwimmen kann. Das Camp hat zudem zwei Schlafsaeaele, welche jedoch nicht sehr komfortabel eingerichtet sind. Es gibt in jedem Schlafsaal zwei grosse Zimmer, in dem etwa 10-15 Hochbetten stehen. So bietet das Camp Unterbringung fuer ueber 100 Menschen. Es gibt einen alten und einen neuen Essenssaal. In jedem befindet sich ein Kueche. Jedoch wird ueberwiegend der neue Essenssaal (Kramer Dining Hall) von den Gruppen genutzt, da der alte Essenssaal (Old Dining Hall) sehr rustikal eingerichtet ist. Auf dem Campgrundstueck befindet sich eine kleine Kapelle, in der jeden Sonntag Gottesdienste der Brethren Gemeinde stattfinden. Gelegentlich wird diese auch fuer Hochzeiten genutzt. Die auf dem Camp beheimatete Gemeinde ist sehr klein und besteht etwa aus 15 Menschen, welche Sonntags den Gottesdienst besuchen. Es herrscht jedoch ein sehr freundliches Klima in dieser Gemeinde und der Vorteil an der Groesse ist, dass jeder jeden sehr gut kennt.


In einer Scheune befinden sich alle moeglichen Geraete, welche noetig sind, dass Camp in einem schoenen Zustand zu erhalten. Nicht weit weg von der Scheune befindet sich ein Platz mit Parkmoeglichkeiten fuer Wohnwagen. Im Winter kommen einige Rentner mit ihren Wohnwagen und verbringen den Winter auf dem Camp, indem sie einem bei der Arbeit helfen.

Schliesslich gibt es noch ein laengliches Gebaeude, in dem sich das Buero und zwei weitere Zimmer befinden. In den zwei Zimmern sind zusaetzliche Betten untergebracht und koennen von einzelnen Personen genutzt werden. Soweit zu den rauemlichen Gegebenheiten des Campes.

Ich moechte anschliessend noch auf meine Arbeit hier eingehen.


Meine Arbeit besteht zur Zeit im wesentlichen aus drei Gebieten. Rasen maehen, die Gebaeude reinigen und reparieren/streichen.

Aufgrund der Groesse kann ich hier im Sommer jeden Tag Rasen maehen. Es gibt fuer die kleineren Gebiete einen normalen Rasenmaeher und fuer groessere Flaechen einen Traktor. Im Sommer ist es sehr schwuel und heiss und es regnet fast jeden Tag. Im Winter gibt es eine Zeit, in der es sehr selten regnet, somit waechst in dieser Zeit der Rasen auch sehr wenig.

Das Camp ist sehr gut von Wochenendgruppen gebucht, welche hier Seminare haben. Nachdem jede Gruppe das Camp verlaesst bin ich dafuer zustaendig die Gebaeude gruendlich zu reinigen. Dies nimmt viel Zeit in Anspruch, wenn eine grosse Gruppe das Camp besucht hat. Aber meistens helfen dabei alle Freiwilligen. Es gibt auf jeden Fall genug Arbeit, die erledigt werden muss. Gelegentlich muessen wir auch fuer Wochenendgruppen kochen und das Essen ausgeben, was jedoch meistens Spass macht.


Ich merke immer wieder, wie einen dieser Dienst in der persoenlichen Entwicklung voranbringt. Es besteht doch schon ein Unterschied zwischen den USA und Deutschland, aber es macht mir Spass jeden Tag neues an dieser Kultur kennenzulernen.


Soweit erst einmal mein Bericht, es gibt noch sehr viel zu schreiben, aber das werde ich im naechsten Rundschreiben tun.



Samuel


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