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„Der Empfang war einmalig. Mit Spruchband „Welcome Helga“ und vielen Geschenken“
Helga Steinmann arbeitet bei Bridgeway mit ganz jungen (werdenden) Müttern, die mit ihrer neuen Lebenssituation überfordert sind. (Februar 2005)
Helga Steinmann,
Bridgeway, CO
BVS, USA
Rundbrief Nr. 1
Februar 2005
Hi, dies soll ein Rundbrief werden.
Die Orientation in USA war in Florida, in Camp Ithel. Es war nur selten kalt, aber gut,dass ich meine langen Unterhosen dabei hatte. Also nehmt warme Sachen mit, auch in Florida gibt es Winterzeiten.
Unser Leiterteam bestand aus Sam, Genelle und Elizabeth. Prima Dreiergespann.
Wir hatten viel Zeit fuer uns und schoene gemeinsame Erlebnisse in einem Nationalpark"Blue Springs" und in einer kreolischen Gemeinde in Miami. (Auf der Orientation wird dann ueberlegt, in welches Projekt man gehen und seinen Dienst leiste soll.) Ich wusste bereits in Deutschland, (dass ich zu dem Projekt „Bridgeway“) in Colorado wollte. (Hier geben wir ganz jungen werdenden Muettern ein zu Hause.) Ich kann nur empfehlen, sich bereits in Deutschland zu ueberlegen, in welches Projekt man moechte. Gluecklicherweise stehen alle moeglichen Projekte in der Projektliste, (die ich zugeschickt bekommen habe.)
Mein Flug zu meinem Projekt nach Colorado war gut organisiert und ich bin auch problemlos abgeholt worden. Der Empfang war einmalig. Mit Spruchband „Welcome Helga“ und vielen Geschenken, von der Zahnseide bis zu den Hausschuhen war alles da, bin ich in mein Zimmer gefuehrt worden.
In der ersten Woche war ich so auf Butterbrot da. Jeder hat mir erklaert, was ich wissen wollte, und Zeit hatte ich genug, um mich einzuleben.
Inzwischen werde ich voll eingesetzt. Das heisst, ich muss so ungefaehr 9 Stunden am Tag arbeiten. Die Arbeit besteht aus dasein, ansprechbar sein, die Maedchen ermahnen, ihre Arbeiten zu machen, Arbeiten fuer sie zu finden und ueberhaupt eine Housemom zu sein. Es stehen 3 Autos zur Verfuegung,mit denen man auch die Maedchen mal transportieren muss. Ansonsten ist man dafuer da, mitzuhelfen, dass die Hausregeln eingehalten werden.
Jedes Maedchen hat nach der Geburt ihres Babys 6 Wochen Zeit gar nichts zu tun, nur fuer das Kindchen zu sorgen. Danach muss es weiter zur Schule gehen oder 20 Stunden arbeiten. Dabei hilft ihnen der Case Manager,das ist im Augenblick Loretta, die sehr einfuehlsam den Maedchen zeigt, wo sie in die Schule gehen koennen und wo sie einen Job bekommen koennen. Die Babys sind in der Zeit im Day-Care, in dem ich auch manchmal arbeiten darf. Die speziellen Nurses helfen dir dann beim Fuettern oder Wickeln, bis die juneghn Muetter es selber koennen. Fuer mich war das natuerlich nichts Neues, ist doch mein Enkelsohn erst 6 Monate.
Bisher komm ich gut mit der Leiterin hier zurecht. Ich weiss zum Beispiel, dass ich ganz schlecht Nachtschicht machen kann, weil ich so lange Zeit zur Regeneration brauche. Ich werde sie also bitten, einen Tag danach frei zu bekommen, weil ich sonst die Zeit nicht wieder aufholen kann. Das ist natuerlich eine Extrawurst, aber ich glaube da hilft mir dann endlich mal mein Alter.
Vom Projekt bekomme ich einige Zuwendungen: eine Busfahrkarte, eine Telefonkarte ueber 650 Minuten, 85$ und immer mal wieder irgend welche Gutscheine fuer Salat oder mexikanisches Essen in ganz bestimmten Laeden.
Fuer die aeussere Verschoenerung des Koerpers gibt es viele gespendete Produkte, die im Office gestapelt werden. Als ich da aufraeumen durfte, war einiges dabei, was ich gut gebrauchen konnte. Nachdem ich nachgefragt hatte, durfte alles mitnehmen.
Da man ja eine Busfahrkarte jeden Monat bekommt, kann man in der Freizeit, das ist meistens Sonntag und manchmal auch noch Samstag, gut nach Denver fahren und sich diese alte Goldgraeberstadt ansehen. Es gibt auch immer mal Familien, die sich anbieten mit mir in die Berge zu fahren, weil sie sich generell um Auslaender kuemmern. Ja, hier sind wir eben Auslaender. Was ich ganz deutlich merke.
Carrol, die Leiterin, ist eine Seele von Mensch, immer auf Achse und sehr schnell, was zu Anfang fuer mich schwer war. Man kann sie zwar fragen, bitte slow down, das macht sie dann auch, aber in einer Sekunde hat sie wieder das gleiche Tempo drauf. Das weiss sie zwar auch, aber es hilft nicht. Mehr faellt mir im Augenblick nicht ein. Ich muss mir ja auch noch was fuer den naechsten Rundbrief aufheben.
Herzliche Gruesse von Helga Steinmann
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