Arm und behindert: ein doppeltes Schicksal
Ein Projekt zur Förderung des Selbsthilfeverbandes Körperbehinderter (AEHPT) im Tschad
Haoua hat Hilfe gefunden:"Dank meiner Mitgliedschaft im Behindertenverband AEHPT konnte ich einen Kredit aufnehmen, der es mir ermöglicht hat, einen Kleinhandel zu eröffnen. Ich verdiene nicht viel, aber ich kann wenigstens die Lebensmittel, meine Wohnung und meinen Marktstand bezahlen. Ich verbringe den ganzen Tag auf dem Markt, und ich habe nicht genügend Zeit für meine Kinder.
In meiner Lage als behinderte Frau im Tschad ist das Leben nicht so einfach. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in unserem Land, dem Tschad, haben alle - auch nicht-behinderte - TschaderInnen ein hartes Leben, besonders seit der Abwertung des zentralafrikanischen Francs."

"Als Frau und Behinderte ist mein Leben voller Leid, das schwer zu ertragen ist. Obwohl meine körperlichen Kräfte eingeschränkt sind, muß ich für mein tägliches Brot kämpfen.
Mein Mann hat mich verlassen, und es fällt mit schwer, ganz alleine für meine vier Kinder zu sorgen. Es ist schwierig, sie zu ernähren, zu kleiden und ihnen Medikamente zu kaufen, wenn sie krank sind. Aber ich bereue nicht, daß ich sie habe, weil ich denke, daß sie mir in Zukunft helfen können.
Im AEHPT komme ich auch von Zeit zu Zeit zu einem Austausch mit meinen behinderten Brüdern und Schwestern. Das holt mich ein bischen aus meiner Isolation heraus und gibt mir das Gefühl, nach meinem Beitritt zum AEHPT aufgeblüht zu sein. Denn vorher haben sich alle über mich lustig gemacht, alle haben mich bloß angestarrt, wenn ich an den Leuten vorbeikam, ich fühlte mich ausgeschlossen und war aggressiv diesen Leuten gegenüber.
"Ich habe das Gefühl, aufgeblüht zu sein". Nach meiner Begegnung mit meinen behinderten Brüdern und Schwestern fühle ich mich akzeptiert. Und ich sehe, daß das Leben um mich herum sich auch ändert. Wenn das Leben schwierig wird, kann ich mich auf den Verband verlassen, auf die Kommission für Sozialfälle. Wenn jemand krank ist oder wir nicht genug zu essen haben, nimmt sich die Kommission meiner und der Kinder an.
Aber die Kommission kann nicht immer und in allem für uns sorgen, also muß ich schon um mein tägliches Brot kämpfen und mit dem Wohnproblem, das immer schwieriger wird."
Maoua Moussa, ab der Taille gelähmt, alleinerziehend, 36 Jahre alt
Die Behinderten fordern Hilfe zur Selbsthilfe
Die Arbeitsgemeinschaft "Behinderung und Dritte Welt" schätzt die Zahl der Behinderten in den Ländern des Südens auf 200 - 250 Millionen. Gerade einmal ein bis zwei Prozent von ihnen erhalten die notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen. Es ist in viele Fällen die Armut, die zur Behinderung führt oder ihre Behandlung verhindert. Oft werden behinderte Kinder von ihren Eltern aus Scham auch im Haus versteckt und damit einer Förderung und Ausbildung beraubt. Man sieht sie auf Krücken oder auf Knien im Staub, meist bettelnd oder auf die Versorgung durch Familienangehörige angewiesen. In Entwicklungsprogrammen werden Behinderte nur selten berücksichtigt. Behinderung ist aber nicht nur ein medizinisches Problem!
EIRENE hat bereits 1989 die Zusammenarbeit mit Behinderten im Tschad begonnen. Es gibt in diesem Projekt einige Besonderheiten, die hervorzuheben sich lohnt:
- EIRENE arbeitet zusammen mit der Association d'Entreaide des Handicapés Physique au Tchad (AEHPT / Vereinigung der Körperbehinderten im Tschad zur gegenseitigen Hilfe), einer Selbsthilfevereinigung der Behinderten. Es geht also nicht um ein Engagement für die Behinderten, sondern mit ihnen.
- Das Projekt zielt auf Öffentlichkeitsarbeit und politische Einflußnahme, die die Situation der Behinderten im Land verbessern sollen, bzw. ihre Diskriminierung aufheben (z.B. dürfen Behinderte im Tschad nicht im öffendlichen Dienst arbeiten).
- Ein weiterer Sektor des Projektes will die wirtschaftliche Situation der Behinderten verbessern und sie durch die Schaffung von Kleinstunternehmen unabhängig machen. Eines dieser Unternehmen, eine Schlosserei, baut Rollstühle für Behinderte, die man inzwischen auch überall in N'Djaména sieht.
Außerdem wird behinderten Kindern durch Stipendien ein Schulbesuch ermöglicht und die nach wie vor vorhandenen Sozialfälle werden unterstützt.
Ein von EIRENE unterstützter internationaler Kongreß der Behinderten im Jahre 1992 in der Hauptstadt N'Djaména hat auch in den Provinzstädten zur Gründung von Selbsthilfevereinigungen geführt. Mittlerweile existieren bereits 36 Vereine in allen Provinzen des Tschad. Die Unterstützung dieser lokalen Gruppen ist das Programm für die Zukunft.
Zur Finanzierung dieser Arbeit ist EIRENE auf Spenden angewiesen. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende unter dem Stichwort "AEHPT-Tschad".
Materialien zum Projekt
- Faltblatt - gegen Porto
- Dia-Reihe (ausleihbar)
- Buch: Lebensakrobaten (Ein Buch zwischen Poesie und Dokument) 5,00 EUR
- Aktionsmaterial: Streichholzdosen mit Faltblatt 30 St. für 8,00 EUR
Alle Preise verstehen sich zzgl. Porto und Verpackung.







