Internationaler Christlicher Friedensdienst

Das Dorfleben gefällt mir sehr - auf dem Dorf wird man viel öfter angesprochen und die Leute versuchen trotz einer mehr oder minder großen Sprachbarriere ein Gespräch aufzubauen.

Jakob Glück berichtet in seinem ersten Rundbrief von seinem Projekt Ovidiu Rom in Bacau/Rumänien und er beschreibt eindrucksvoll den Unterschied zwischen dem ländlichen und dem städtischen Leben in Rumänien. (November 2008)

 

1.Rundbrief vom 30.Okt. 2008



von Jakob Glück


Einsatzort: Projekt Ovidiu Rom Bacau, Rumänien

Dienstzeit: 07/08-09/09



Liebe Unterstützer, liebe Freunde,


nun ist es also soweit: Ich sitze gerade im Zug von Bacau nach Bukarest und nach einer langen Zeit des Beobachtens und Analysierens meiner Umgebung und mir und nach 2 Kulturschocks gibt es endlich den ersten Rundbrief von mir - lange musstest ihr warten, doch dafür gibt es umso mehr zu erzählen.

Ich werden den Bericht einteilen. Wer also nicht alles lesen möchte , kann sich auf folgende Abschnitte auch einzeln stürzen:



- Die Vorbereitung in Deutschland / was mache ich hier?

- Mein Projekt – was macht es, was mache ich dort.

- Der Kulturschock Rumänien – oder auch nicht... was ich in der Zeit hier so gemacht und erlebt habe.



Die Vorbereitung in Deutschland / was mache ich hier?

Beginnen möchte ich erst einmal mit einer Erklärung, was ich hier so mache und warum ich das tue. Wie ihr sicher alle wisst, müssen viele der jungen Männer in Deutschland einen Dienst bei der Armee oder bei etwas Anderem als Ersatz dafür leisten. Zu dieser Gruppe gehöre ich. Da ein Dienst bei der Armee für mich nicht in Frage kam, schaute ich mich nach etwas Anderem um. Der einfachste und direkte Weg wäre ein Zivildienst in Deutschland gewesen, doch ich erfuhr auch davon, dass man ersatzweise ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland als Anderen Dienst im Ausland machen kann. Diese Idee gefiel mir, da ich in einem anderen Land sicher mehr als in Deutschland helfen kann und für mich selber auch noch viele Erfahrungen sammeln könnte. Somit bewarb ich mich bei der Organisation EIRENE für einen Friedensdienst in Rumänien und wurde nach dem Durchlaufen eines Auswahlverfahrens auch genommen. Zwar für kein Projekt, auf das ich mich beworben hatte, aber so schlecht klang der Vorschlag auch nicht. EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland anerkannt ist. 1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten. Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENE-Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENE-Mitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelferInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.

Dieser Dienst musste jetzt sein, da ich im Juni mit der Schule und dem Abitur fertig war. Somit ging es 1 Woche nach dem Abiball zum Ausreisekurs, welcher eine Vorbereitung auf meinen Dienst darstellte. Dieser fand in Neuwied und Odernheim (beide im Großraum Frankfurt am Main gelegen) statt. Er war eine gute Vorbereitung auf das kommende Jahr und noch einmal eine schöne Zeit mit 20 sehr interessanten Menschen meines Alters in Deutschland. 3 Tage danach stieg ich am 23. Juli in den Bus um am 25.Juli nach 31 Stunden Busfahrt in Bacau, meinem neuen Wohnort anzukommen.



Mein Projekt – was macht es, was mache ich dort.

Mein Projekt heißt Ovidiu Rom, wurde 2001 von einer Amerikanerin namens Lessly Hawk gegründet und hat einige Zentren in Rumänien neben einem Hauptbüro in Bukarest. Es beschäftigt sich mit der Förderung von sozial benachteiligten Kindern, was in Rumänien viele Roma und Sinti sind. Aber nicht nur. Die Organisation ist eine NGO (siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtregierungsorganisation ) und finanziert sich vor allem durch Gelder von Firmen und anderen Spenden. Dabei spielt der alljährliche Halloween-Charity-Ball eine entscheidende Rolle. Dieser war nun letztes Wochenende: Deswegen verbrachte ich die letzte Woche in Bukarest und habe im dortigen Büro meiner Organisation gearbeitet. Gewohnt habe ich bei dem Freiwilligen von EIRENE in Bukarest. Diese Woche war sehr schön und kraftgebend für mich. Zwar war sie körperlich relativ anstrengend (wenig Schlaf und Donnerstag bis Samstag viele Sachen, vor allem Getränke, schleppen), doch half der Austausch mit dem Freiwilligen und das Sehen des Balles und Helfen bei diesem. Es war zwar insgesamt sehr anstrengend, auch weil ich dort wieder mal nicht mit ansehen konnte wie sich Nadia, die Kollegin mit der ich die Woche zusammen gearbeitet habe, abarbeitet und alles organisiert und ihr helfen musste. Ein kleiner Nebeneffekt dessen war, dass ich in der Nacht von Samstag zu Sonntag zum ersten Mal mit einem Auto meiner Organisation fahren durfte, da ich der einzige war, der nichts getrunken hatte und nicht zu müde war. Nun muss dieser „Notfall“ nur noch in der normalen Arbeit berücksichtigt werden...

Inzwischen bin ich wieder in Bacau und arbeite mit neuer Energie.


Bei der Arbeit mit den Kindern setzen wir bei uns in Bacau vor allem auf die Nachmittagsbetreuung der Kinder. So liegt unser Zentrum in einem kleinen Ausläufer einer Schule am Rand des Stadtzentrums. Die Kinder kommen nach der Schule zu uns. Wir gehen zuerst mit ihnen in eine Kantine einer anderen Schule 2 Straßen weiter, damit sie wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag bekommen. Danach machen sie mit Lehrern der Schule in Räumen der Schule Hausaufgaben und Nachhilfeunterricht. Zum Schluss ist dann Baseball-, Computer- oder Art-Club nach Plan. Das alles trifft auf die Ältesten, also Klasse 5-8 zu. Daneben gibt es noch andere Gruppen, z.B. auch eine Kindergartengruppe, die natürlich andere Rhythmen haben, aber mit denen habe ich nicht so viel zu tun. Der Ablauf ist ganz gut organisiert und funktioniert auch größtenteils... natürlich nicht nach deutschem Maßstab , aber mit etwas Flexibilität läuft es.

In den Sommerferien (in Rumänien 3 Monate) gibt es ein gänzlich anderes Programm – die sogenannten Sommerschulen – dann fährt immer einer von den Mitarbeitern in eine Schule weiter weg, oft auf dem Dorf und macht dort mit den Kindern etwas. Dazu gibt es eine Philosophie mit 10 Tagen und 10 Themen – z.B. Wasser, Natur oder Familie. Da ich genau in dieser zeit ankam bin ich schon 2 Wochen lang bei diesen Sachen mitgefahren.

Die Organisationsstruktur im Projekt ist sehr hierarchisch. Zu Oberst steht das Büro in Bukarest mit seiner Chefin Maria. Darunter kommt die lokale Chefin Oana, der ich irgendwie auch „unterstellt“ bin. Darüber hinaus haben wir in Bacau noch Gabi, die vor allem allen möglichen organisatorischen Kram macht, Sorin, der für den Sport und fürs Fahren zuständig ist und Anka, die eigentlich fast nur mit den Kindern arbeitet. Darüber hinaus gibt es noch 2 Carmens für die mittleren Gruppen und Narcisa für die Kindergartengruppe. Außerdem gibt es noch 2 Cleaningwomens, die aber nicht nur sauber machen sondern auch sonst viel mithelfen. Leider ist die Sprache mit allen bis auf die beiden letztgenannten komplett Englisch, was meinem Rumänisch nicht gerade förderlich ist. Da muss ich auf jeden Fall was ändern, da ich unbedingt Rumänisch reden will.

Zurzeit ist auch der 2. amerikanische Freiwillige in Folge, sein Name ist Douglas, da. Diese Freiwillige bleiben immer 2 Jahre und es wird wahrscheinlich kein Nachfolger kommen, wenn er nächstes Jahr zwischen März und Mai irgendwann geht. Mit Douglas gibt es das Problem, dass er in seine Bewerbung ausdrücklich geschrieben hatte, dass er nicht mit Kindern arbeiten will – was er jetzt hier nur machen muss.....


Die Kinder und Jugendlichen im Projekt.

Da unser ganzes Projekt nur für die Kinder und Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, gestrickt ist, will ich auf diese hier einmal etwas genauer eingehen.

Sie sind, wie schon erwähnt, sozial benachteiligte Kinder, teilweise evtl. auch aus dem Heim - das habe ich noch nicht ganz heraus finden können. Ich war einmal bei einem Hausbesuch der Wohnung der Familie von 2 Kindergartenkindern dabei. Die Wohnung bestand aus einem Raum, in dem alle 4 Familienmitglieder wohnen und schlafen. Beheizt wurde er elektrisch und wo die Familie kochen will war mir ein Rätsel. Einen Herd gab es nicht, höchstens evtl. draußen eine Feuerstelle.

Die Kinder sind wenig und wenn, dann schlecht erzogen – ein krasser Gegensatz also zu den Kindern, die ich in Deutschland im Segelclub hatte. So schlagen sie sich gerne einfach so aus Spaß und haben auch keine Manieren, wie es der Deutsche beschreiben würde. Eine Kollegin erzählte mir letztens, dass es ein Jahr ständiges Einwirken gebraucht hat, bis sie nicht mehr das Essen am Tisch umher geschmissen haben. Auch sonst muss man aufpassen, dass die 12-15-jährigen nicht auf dem Weg vom und zur Kantine irgendwo Weintrauben klauen oder sich irgendwo verstecken um einen zu Ärgern. Somit ist nicht nur das, was wir den Kindern anbieten wichtig sondern auch das allgemeine Arbeiten und Zusammensein mit Ihnen – das ständige mehr oder weniger starke Einwirken auf sie und sie es nur als gutes Vorbild. Z.B. lege ich genauso viel Wert darauf, dass die Kinder die von ihnen benutzten Laptops weg räumen wie auf die Stunden an sich. Auch kommen die Kinder nicht regelmäßig – nicht zu uns und auch nicht in die Schule. Das ist zwar in Rumänien weiter verbreitet als bei uns, aber unsere Kinder sind da schon nicht mehr normal.. ich will da auf jeden Fall mit Ihnen mal ein Gespräch drüber führen, doch zurzeit reichen meine Sprachkenntnisse noch nicht aus.

2 Kinder, die ich einmal bei uns im Zentrum sah, hatte ich vorher schon einmal bettelnd am Plus bei mir um die Ecke gesehen. Dort sahen sie aber natürlich wesentlich zerrupfter und dreckiger aus.. Wahrscheinlich sind die beiden Geschwister. Nach diesem Tag war nur der Junge noch einmal dort, sonst immer andere Kinder. Den Jungen hatte ich sogar mal in einer Computerstunde. Nach der Gruppe hat sich meine Kollegin erst einmal die Hände gewaschen.


Meine Arbeit / Situation als Freiwilliger im Projekt

Das Projekt hatte nur Erfahrung mit Freiwilligen von der amerikanischen Organisation „Peace Corp“, welche in Rumänien sehr groß ist. Ich bin der erste deutsche Freiwillige und somit auch der erste Freiwillige meiner Organisation dort. Letztes Jahr war schon mal eine anderen Freiwillige in paar Monate im Büro in Bukarest, doch sie hat in ein anderes Projekt gewechselt. Dadurch und dass die Gründerin auch als solche Freiwillige hier war, ist mein Projekt sehr auf diese Freiwilligen geprägt. So dürfen Freiwillige kein Auto fahren und auch andere Sachen, die bei EIRENE selbstverständlich sind, wissen sie einfach nicht. Das muss ich dann einfach ansprechen.

So war meine Situation als Freiwilliger am Anfang, dass ich kommen und gehen konnte, wann ich wollte.. Doch als dann die Schule Ende September wieder los ging (ich habe davor nicht nur rum gesessen, doch dazu später) wurde ich auch in die Wochenplanung integriert. Da ich durch meinen Besuch des Beruflichen Gymnasiums für Informations- und Kommunikationstechnologie jetzt hier der mit den meisten Computerkenntnissen bin, sind die Computerkurse meine Sache geworden . Bei den Computerkursen habe ich eine ungewohnte Rolle: Ich muss die alle das ganze Jahr theoretisch vorbereiten, was ich noch nie so gemacht habe. Zu Anfang habe ich einen groben Plan für das ganze Jahr gemacht, den meine Chefin gar nicht so schlecht fand. Das „Unterrichten“ an sich habe ich ja in Deutschland im Segelclub schon gemacht, aber nicht diese große Vorbereitung.

In den Computerkursen habe ich alle Kinder vom Kindergarten bis zum Alter von 16 Jahren in verschiedenen Gruppen, was zum einen natürlich mehr Vorbereitung und Ideen fordert, zum anderen aber auch mehr Chancen ermöglicht.

Meine Arbeitszeit gefällt mir sehr – ich beginne so gegen 10 Uhr, was mir ein Aufstehen um 9 ermöglicht und bin meist so nach 17 Uhr fertig, was mir noch genügend Zeit für Abendgestaltungen lässt.

Mit den Computerkursen, die mein Ding sind und dem Helfen 2 mal die Woche beim Sportunterricht in Buhusi, einer benachbarten Stadt fühle ich mich ganz wohl und gut im Projekt integriert. Es ist nicht das, was ich mein Leben lang machen will, aber in meiner Freizeit werde ich solche Arbeit mit Kindern auf jeden Fall fortsetzen.



Der Kulturschock Rumänien – oder auch nicht... was ich in der Zeit hier so gemacht und erlebt habe.

In Bacau blieb ich nach meiner Ankunft am 25. Juli nur 8 Stunden – danach ging es mit fast dem ganzen Projekt in ein Sportcamp, genauer wurde Baseball gespielt. Dass ich hier auf Baseball als Nachmittagsbeschäftigung für Kinder und Jugendliche treffen würde hätte ich nicht gedacht, aber da haben die amerikanischen Freiwilligen ihre Spuren hinterlassen... Bei der Fahrt zum Camp hatte ich mich den Rumänen schon etwas angepasst – ich wusste bei der Abfahrt nicht wie lange wir dort bleiben und wann ich wieder zurück kommen würde.

Dort habe ich dann auch mal so ein bisschen Tagebuch schreiben müssen, da es der totale Kulturschock war von den neuen Leuten über die neue dörfliche Umgebung, die ich so noch nie gesehen hatte, bis zum Essen und ich viele Beobachtungen gemacht habe. Die Situation dort war schon ungewohnt, da niemand meine Sprache sprach. Da ich mich jedoch mit manchen Englisch unterhalten konnte, ging es. Auch gab es viel zu Beobachten. Meine Haupterkenntnis nicht nur aus dieser Zeit ist: Rumänen sind auch nur Menschen.

Danach ging es dann endlich wirklich nach Bacau, wo ich erst einmal bei dem amerikanischen Freiwilligen einzog, da meine Kollegen noch nichts gefunden hatten, was ich mit dem Geld von Eirene bezahlen konnte. Ich fühle mich wie in der Stadt mit dem größten Anteil von Kommunistischen Wohnblocks in Rumänien. Bacau ist, denke ich, eine typisch rumänische Stadt mit Wohnblocks, orthodoxen Kirchen, Märkten, Bettlern und auch sehr Reichen .. Generell ist Bacau eher eine etwas reichere Stadt Rumäniens, aber bei weitem auch nicht die Reichste.


Eine Beschreibung von ersten Eindrücken von den Rumänen

Die Rumänen sind generell weniger aufgesetzt höflich als die Deutschen, was man besonders in der Stadt merkt. Im Dorf ist das was anderes – da sind die Menschen netter und offener. Generell muss man sagen, dass es in Rumänien einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt. Wobei man vorher noch Rumänien und Bukarest unterscheiden muss. In der Stadt ist alles generell sehr unpersönlich. Die Leute wohnen eng beieinander in den Blocks und hören sich auch (da gibt es keine wirkliche Dämmung – wenn der Nachbar den Fernseher lauter macht weiß man welches Programm er hat), ja sie grüßen sich sogar doch so richtigen Kontakt hat man nicht.. jeder macht sein Ding. Soviel durfte ich von der dörflichen Seite noch nicht erleben, aber das, was ich gesehen habe, hat mir sehr gefallen – auf dem Dorf wird man viel öfter angesprochen und die Leute versuchen trotz einer mehr oder minder großen Sprachbarriere ein Gespräch aufzubauen. Dort laufen die Pferde und Kühe manchmal noch frei herum und das Bild ist von Pferdewagen, sogenannten Karuzen, geprägt.

Am meisten ist mir eine gewisse Oberflächlichkeit der Rumänen aufgefallen – sie fragen z.B. zwar sehr oft (fast immer) wenn man jemanden begrüßt auch gleich, wie es einem geht, doch selbst wenn man sagt, dass man krank ist, gehen sie darauf überhaupt nicht ein. Somit wird es für mich wahrscheinlich schwer werden echte, evtl. sogar tiefgehende Freundschaften zu schließen. Wenn man aus der Wohnung geht und am öffentlichen Leben teil nimmt, z.B. zu öffentlichen, von der Stadt organisierten Konzerten geht, lernt man schon Leute kennen, aber nur so etwas an der Oberfläche. Temporäre schöne Momente kann man hier jedoch sehr gut erleben. So war ich z.B. bei so einem Konzert, bei dem Folkloregruppen ihr Können darboten. Bei den Rumänen spielt die Familie da wahrscheinlich eine sehr große Rolle.

Vielleicht auch deswegen machen Rumänen unter der Woche nach der Arbeit oder der Schule nicht sehr viel. Inzwischen habe ich ein paar Leute in meinem Alter kennen gelernt, mit denen ich wahrscheinlich ab und zu etwas machen kann, doch das war gar nicht so einfach und erst nach einigen Bemühungen, die wie für so vieles hier in Rumänen das Ansprechen von Leuten, dass sie doch mal rum fragen sollten, ob sie jemanden kennen beinhalteten, mit Erfolg gekrönt. Mal sehen was sich da entwickelt, denn das schwierigste für mich bis jetzt war, dass ich in der Woche nach der Arbeit nur zu Hause saß und nichts richtig zu tun hatte, aber eigentlich ja etwas für mein Rumänisch tun wollte. An den Wochenende war ich ja oft unterwegs oder habe geschrieben, wie jetzt gerade auch. Ich falle in Rumänien immer auf – am schlimmsten ist es mit dem Fahrrad, dass mein Vater mir mitgebracht hat nachdem es meine Schwestern in knalligen Farben angemalt haben. Doch auch so mit nicht nur dunkler Kleidung, längeren blonden Haaren und einem Bart, den ich inzwischen habe, falle ich in Rumänien auf. Nicht immer werde ich sofort als Ausländer eingestuft, doch spätestens nachdem 3. Satz, den ich sage, ist es allen klar...

Das größte Problem in Rumänien wird wohl werden, dass die Leute oft nicht sagen, was sie meinen und ich bin nun mal ganz schlecht im Erraten von versteckten Meinungen. So musste ich z.B. 3 mal nachfragen bis ich heraus bekam, warum ich nun eigentlich im Projekt nicht Auto fahren darf, obwohl ich seit mehr als 2 Jahren einen deutschen Führerschein habe und wahrscheinlich ein besserer Fahrer als Anka, die eine Kollegin, die vor allem im Sommer oft fährt, bin. Aufgrund der amerikanischen Freiwilligen ist das im Moment einfach nicht vorgesehen und es gab wohl auch ein paar Unfälle in letzter Zeit mit Autos des Projekts und nicht zuletzt haben die Kollegen Angst um mich im Rumänischen Straßenverkehr, weil ja alle so schlecht fahren – was ich nicht finde.

Die den Rumänen oft zugeschriebene Lockerheit kann ich im großen und ganzen bestätigen. So sagt man zwar das eine, doch letztendlich wird spontan doch alles anderes gemacht – vor allem zu einer späteren Zeit. Jedoch gibt es vereinzelte Ausnahmen: Im Camp sollte es einmal um 10 Uhr mit einer Einheit los gehen: Douglas, der amerikanische Freiwillige und ich staunten nicht schlecht, als sie 9:45 die Einheit ohne uns begonnen wurde.

Ich war noch nie soviel krank wie jetzt in Rumänen. Jetzt plagt mich immer noch ein wenig Husten, doch auch der wird vorbei gehen.. Dabei konnte ich feststellen, dass die Apotheke für Rumänen wie ein Supermarkt ist – sie schlucken für alles gleich Medizin – ob die hier sowas wie homöophatische Mittel kennen? - als ich nur mal etwas gehustet oder so wurde ich gleich gefragt, ob ich dies oder das schon genommen habe. Da bin ich mit meiner Überzeugung, dass der Körper sich meistens selbst hilft, ein etwas anderer Pol.

Rumänen stürzen sich auf alles Neue – am meisten wenn es aus dem Westen kommt. Egal ob es gut oder schlecht ist: Autos, Schuhe, Kleidung – So sind z.B. die Dacia noch gut und fahren auch noch - vielleicht sogar länger als die neuen Autos, aber jeder will halt was neues haben, was es früher nicht gab...


Eine Beschreibung meiner Unternehmungen

Auch wenn ich „erst“ 3 Monate hier bin habe ich doch schon so einiges von Rumänien gesehen:

Zuerst habe ich das dörfliche in dem Camp mit dem Projekt in der ersten Woche gesehen. Danach war ich 2 Tage mit dem Mann meiner Chefin Oana wandern. Das war eine typisch rumänisch sehr spontane Aktion – 24 Stunden bevor es los ging wusste ich noch nichts davon. Das war eine sehr schöne Erfahrung und ich habe Blut geleckt – habe ich also doch nicht umsonst meine Campingausrüstung aus Deutschland mitgeschleppt. Ich will auf jeden Fall wieder wandern gehen und irgendwo auf dem Berg übernachten, vielleicht nicht einmal in einer Schutzhütte.

Vom 25.August bis zum 7.Sept. war in Bukarest Herbstakademie. Dies ist eine zweigeteilte Veranstaltung: Vormittags Sprachkurs Rumänisch und Nachmittags etwas über Land und Leute. Alles ist in Deutsch, jedoch von Rumänen veranstaltet. Daran nehmen viele Freiwillige teil, aber nicht nur. Von meiner Organisation haben bis jetzt alle Freiwilligen teilgenommen, so auch dieses Jahr. Gewohnt habe ich mit zwei anderen Freiwilligen, die mit mir ausgereist sind in der ersten Woche bei einem italienischen und eine portugiesischem Freiwilligen und in der Zweiten bei dem Freiwilligen unserer Organisation in Bukarest. Dieses Zusammenleben hat mir sehr gut gefallen und viel Kraft gegebene sowie natürlich auch Spaß gemacht. Am Wochenende dazwischen haben wir mit dem Projekt einen Ausflug zu einigen Sehenswürdigkeiten weiter außerhalb gemacht, doch der Höhepunkt war das Übernachten in einem Dorf, wobei ich mit 3 anderen Jungen das Beste, weil einfachste und richtig typisch rumänische Bauernhaus (wie so eins aussieht zeig ich irgendwann mal auf einem Bild), abbekommen habe! - Ich habe dort zum ersten Mal Feuer machen müssen um ordentlich abwaschen zu können. In der Herbstakademie habe ich einiges an Sprachgrundkenntnissen bekommen, sodass ich einkaufen kann und durch die Gegend komme, also z.B. heraus finde, wann wo welcher Bus wohin fährt, doch alles verstehe ich lange noch nicht - da heißt es noch kräftig lernen und auch mal das ein oder andere Missverständnis weg stecken. Nach der Herbstakademie bin ich nach Tulcea ins Donaudelta gefahren, da dort meine Großeltern nach der großen Donaufahrt mit zwei anderen Booten zusammen angekommen waren und zurück wollten. Am Abend des Sonntag kamen dann auch die beiden Fahrer, unter ihnen mein Vater, mit dem Auto und dem Bootshänger, um meine Großeltern und ihr Boot wieder nach Deutschland in die Heimat zurück zu bringen. Am nächsten Vormittag konnte ich dann auch mit meinen Großeltern und noch einem Sportfreund das Boot aus dem Wasser auf den Hänger holen. Danach hatten die Fahrer ausgeschlafen und es ging für alle anderen zurück nach Deutschland. Inzwischen sind alle inkl. Boot wohlbehalten in Deutschland zurück - trotz der schlechteren rumänischen Straßen. Für mich war es gut nochmal meine Großeltern zu sehen, da ich mich von ihnen nicht richtig verabschiedet hatte. Auch das Treffen mit meinem Vater verlief besser als gedacht - ich scheine doch nicht mehr so an der alten Heimat zu hängen. In Tulcea blieb ich den Tag noch und segelte mit dem anderen Sportfreund noch einmal ein wenig ins Donaudelta. Mein Vater hatte mir ein Fahrrad mitgebracht(hinzu war das Auto ja nahezu leer..) und mit dem im Gepäck ging es dann endlich mal mit einem schönen alten Bummelzug nach Constanta. Dort blieb ich auf dem Weg nach Apold bei Sighisoara noch einen Tag und badete im schwarzen Meer. Der Besitzer des Hotels, in dem ich übernachtet habe, hat mich auch gleich zu einer Regatta mit seinem Schiff auf dem schwarzen Meer eingeladen… Diese war jetz letztens an einem Wochenede. Die Reise nach Apold, zum Treffen der (meisten) deutschen Freiwilligen in Rumänien, war dank Fahrrad auch nicht so langweilig - von Constanta nach Bukarest mit dem Bus und dann bis Sighisoara mit dem Zug, von wo ich die restlichen 15 km (das es so viel sind wusste ich nicht) mit dem gesamten relativ schweren Gepäck nach 21 Uhr mit dem Fahrrad gefahren bin - wären die Straßenhunde nicht gewesen hätte es fast einfach nur romantisch sein können - einsamer Radfahrer mit wenig Licht auf fast unbefahrener, sich leicht schlängelnder Landstraße…. Das Treffen war gut als Austausch und zum Kennen lernen. So ganz nebenbei gefiel mir wieder das dörfliche von Apold. In Apold leben seit 2,5 Jahren 2 ehemalige Freiwillige (beides Frauen). Sie haben ein altes Pfarrhaus wieder bewohnbar gemacht und bauen ein Begegnungszentrum auf - wer mehr wissen will suche einfach mal im Internet nach “Casapold” - das Trennklo (es gibt 2 Eimer!) und die Freiluftdusche sowie das abendliche Lagerfeuer waren wieder Höhepunkte für mich. Dort bin ich dann nun auch endlich krank geworden - ohne kommt man eigentlich nie richtig in Rumänien an - bei mir also 7 Wochen später. Sonntag fühlte ich mich nicht mehr gut und wollte nur noch ins Bett, woraufhin ich meine Abreise um einen Tag verschoben habe und erst Montag nach Bacau zurück gekommen bin. Seit dem Freitag vor dem Treffen gibt es in Rumänien auch nicht mehr Sonnenschein und über 30 Grad sondern regnerisches Wetter und 13Grad! - Das hab ich dann Montag Abend in vollen Zügen genießen dürfen. Meinem noch nicht wieder voll genesenen Körper hat es nicht so gut getan, aber dafür gab es ja einen Lichtblick: Endlich eine eigene Bleibe - und was für eine: Seit ich auch von Apold wieder nach Bacau gekommen bin, habe ich endlich eine eigene Bleibe: Eine 2-Zimmer-Wohnung (ich hatte noch nie 2 Zimmer für mich!) mit Parkettfußboden, Deluxebad mit Massagedusche und generell frisch renoviert und programmierbarer kleiner eigener Zentralheizung. Ich habe sogar wieder eine Uhr über’m Bett, die ich nachts ticken höre. Einen Kühlschrank hab ich inzwischen auch nachdem ich mit meinem Kollegen an vielen Stellen nach einem gebrauchten, aber funktionsfähigen Kühlschrank gefragt habe. Für die Wohnung hat sich das lange Warten und Bangen echt gelohnt. Durch das suchen nach Gegenständen, die die Einrichtung meiner Küche verbessern, kenne ich inzwischen auch so einige gute Einkaufsmöglichkeiten in Bacau. Inzwischen habe ich auch ein sehr schnelles Internet und die Telefonleitung liegt schon, nur das Telefon fehlt noch. Eine solche Wohnung würde normalerweise mehr als das doppelte kosten, was Eirene bezahlt, doch es ist die alte Wohnung des Bruders meines Kollegen...

Seitdem war ich noch ein Wochenende in Schineni, einem benachbarten Dorf, wo noch zwei andere deutsche Freiwillige sind (der Rest ist weit weg, meist im westlichen Teil Rumäniens, wo früher die Siebenbürger Sachsen gewohnt haben) und ich war zur schon beschrieben Regatta.

In dem Dorf hat es mir sehr gut gefallen – ich werde auf jeden Fall wieder mal vorbei kommen, zumal es nur 20 Minuten Busfahrt entfernt ist.

Zuletzt war ich nun ein langes Wochenende in Balchik, in Bulgarien auf dem schwarzen Meer segeln. Das war wieder mal sehr schön - dort habe ich auch wieder einen Kulturschock erlebt - zuerst einmal war es das erste Mal für mich, dass ich in einem Land war, in dem kyrillische Buchstaben benutzt werden. Auch musste mir erstmal jemand wieder in Erinnerung rufen, dass die Bulgarien ja den Kopf für Verneinung und Zustimmung genau anders herum bewegen – das das in Bulgarien so ist wusste ich, doch für mich war Bulgarien bis jetzt immer ein Land, das weit weg ist.... Zum anderen haben an der Regatta nur Leute mit einem schönen Boot und somit relativ viel Geld teilgenommen - ich habe also mal die Welt der Rumänen, die die großen westlichen Autos fahren, erlebt - und ich muss sagen, sie gefällt mir nicht - da war ich lieber mit den anderen Jugendlichen in Dresden auf der Elbe unterwegs - auch wenn die Boot kleiner waren und es nicht durch einen guten Sponsor sehr gutes Essen, ein freies T-Shirt und andere Annehmlichkeiten gab. Segeln war ich mit dem Besitzer des Hostels in Constanta... So ist das halt: Man trifft Leute, unterhält sich mit ihnen und schon entdeckt man Gemeinsamkeiten und Möglichkeiten. Ich habe mich mit ihm in Constanta getroffen und dann sind wir mit seinem Auto nach Balchik gefahren, wo sein Boot schon lag. Dabei konnte ich endlich auch mal Auto fahren. Die Rückfahrt bin ich dann komplett gefahren – somit auch endlich mal mit Constanta in einer rumänischen Stadt – so schlimm ist das gar nicht auch wenn man sagen muss, dass die Rumänen schon einen sehr eigenen Fahrstyl haben. Wir sind Sonntag Abend um 7 aufgebrochen und ich wollte Montag wieder arbeiten. Also habe ich nach der Ankunft in Constanta noch 2 Stunden gewartet und bin dann um 11 Uhr Abends in den Nachtzug nach Bacau gestiegen. Das war jedoch ein voll beleuchteter Doppelstockzug, welcher das Schlafen nicht einfach machte. In Bacau bin ich morgens um halb 7 angekommen – da ist ja auch in einer rumänischen Stadt schon richtig was los.. danach habe ich zuerst geduscht, noch 2 Stunden geschlafen und bin dann ganz normal auf Arbeit... - bin ja noch jung und dynamisch



Nun bin ich erst einmal am Ende meines Rundbriefes und auch meiner Zugfahrt angekommen. Ich habe euch hoffentlich nicht gelangweilt und konnte trotzdem noch interessante Sachen vermitteln. Ich freue mich auf Nachricht von euch aus Deutschland oder irgendwo anders auf der Welt. Auch Besuch empfange ich in meiner Wohnung gerne.



Viele liebe Grüße aus Bacau

von Jakob



Zuletzt noch ein paar Links zu Internetseiten:

Ovidiu Rom, mein Projekt: www.ovid.ro (oben rechts auf die englische Flagge klicken)

Der Halloween Ball meines Projekts: halloween-ball.ovid.ro

EIRENE, meine Entsendeorgansiation: www.eirene.org