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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. Im Projekt sind noch keine Kinder, aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. In 10 Minuten werden mindestens 30 Kinder das Projekt wie eine Burg erstürmen… Miriam Strunge schreibt von ihrem Leben in der "neuen Heimat" Cluj/Rumänien, von ihrem Projekt und den ersten Reiseerlebnissen im "wilden Osten" (November 2007)
Rundbrief 1- Die ersten drei Monate in Rumänien
19.10.07- 2 Monate in Transsilvanien
Das ganz normale Rumänien
Es ist kühl, doch die Sonne scheint am strahlend blauen Himmel. Nicht eine Wolke ist zu sehen. Das muss ja ein guter Tag werden.
Ich gehe aus dem Haus, die grüne Allee entlang bis zur Straßenecke. Wie jeden morgen treffe ich den Hausmeister dieses Blocks. Er ist an die 70, war früher Polizist und ist immer zu einem Schwätzchen bereit, auch wenn ich noch so schlecht rumänisch spreche. Obwohl es ca. 15 Grad ist werden sein Kopf und seine Ohren mit einer dunkelblauen Wollmütze warm gehalten. Er grinst mich an. An dieses fast Zahnlose Lächeln hab ich mich längst gewöhnt, doch ich muss weiter, schließlich bin ich wie immer spät dran, will aber doch pünktlich bei der Arbeit sein. Also grins ich zurück und beende unsere Unterhaltung mit einem einfach „la revedere“ (Auf Wiedersehen)
Die Bahnhaltestelle liegt mitten auf der Straße. Um zu ihr zu gelangen muss man einen günstigen Moment abwarten, um nicht von den rasenden Autos mitgenommen zu werden. Obwohl die letzte Bahn vor 5 Minuten fuhr, ist die Haltestelle schon wieder mit Menschen überfüllt. Aus den Lautsprechern trällert rumänische Musik aus dem „Infotraffic“ Sender, um einem die Wartezeit zu versüßen. Diese wird jedoch so häufig von Werbepause unterbrochen, dass man eher gestresst als entspannt in die Bahn steigt. Im Gegensatz zu Deutschland, bleibt man hier jedoch von den leeren Versprechungen der Anzeigetafeln „ Linie 66 1min“ verschont, denn so was modernes, geschweige denn einen Fahrplan, gibt es in unserem schönen Rumänien nicht. Ich bin allerdings ganz begeistert davon, nicht mehr zur Bahn rennen zu müssen, sondern gemütlich dahin zuschlendern, weil man sowieso nicht weiß, wann die Bahn kommt, oder besser gesagt, man weiß das oft eine Bahn kommt und die Wartezeit nie länger als 10 Minuten ist.
Für jeden der zum ersten Mal in Rumänien besucht, ist Bahnfahren ein Erlebnis- für mich mittlerweile Alltag. Die guten alten Deutschen Bahnen aus Magdeburg erweisen den Rumänen ihren letzten Dienst. Laut knatternd fährt die Bahn die Haltestelle an, die orangefarbenen Türen öffnen sich, und die Menschenmassen drängen in die Bahn. Viele junge Menschen machen sich gar nicht erst die Mühe einen Sitzplatz zu erhaschen, da sie eh sofort wieder aufstehen müssten, um den alten Kopftuch tragenden Frauen Platz zu machen oder auch den alten Männern, die oft sehr schwach auf den Beinen sind. Aber sogar für die jungen Menschen ist eine Bahnfahrt im Stehen immer wieder eine neue sportliche Herausforderung. Die alten Bahnen, fahren viel zu schnell um die oft relativ scharfen Kurven und so geht alle 3 Minuten ein ordentlicher Ruck durch Bahn, und wenn man nicht aufpasst kann man leicht in den Armen der, um einen herumstehenden, Leute liegen. Wirklich umfallen oder sich verletzen kann man sich meistens jedoch nicht, dass dies durch die dicht aneinander gedrückten Menschen verhindert wird. Obwohl viele Menschen so dicht auf einen Haufen gedrängt sind, ist es in gewisser Weise erstaunlich still in der Bahn, jedenfalls sprechen die Menschen nicht, jedoch nicht weil sie sich nichts zusagen hätten, sondern aus Weiser Voraussicht, die Stimmbänder noch für den Rest des Tages zu schonen, anstatt gegen den Lärm, den die Bahn während der Fahrt verursacht, anzukämpfen und natürlich um sie ganz auf das „nicht-auf-den –Nachbarn-fallen“ konzentrieren zu können. Da die eben beschriebene Geräuschkulisse natürlich auch das MP3- Player hören verhindert, bleibt mir nichts anders übrig, als mich während der Fahrt an der Landschaft und an den schönen deutschen Hinweisen, die immer noch in der Bahn hängen, zu erfreuen. So kann ich das Magdeburger Bahnnetz von 1900 irgendwas studieren oder über die Schilder „während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen“ lachen. Überhaupt kann man der deutschen Sprache, sehr schwer entfliehen. Von der Bahn aus sehe ich Werbeplakate für Praktiker und Baumax „Superweiss“ Farbe. Neben uns fährt ein Lastwagen, der für Hochland Frischkäse wirbt und gerade als die Bahn um die Kurve biegt kommt die Fabrik mit dem Namen „Alu König Stahl“ zum Vorschein. Kurz darauf muss ich aussteigen, und sehe mal wieder das Roma Mädchen an der Ecke vom kleinen Lebensmittelladen stehen. Sie sieht aus wie ein Zigeunermädchen aus dem Bilderbuch. Langes braune Zöpfe, in denen ein rotes Band eingeflochten ist, umrahmen ihr dunkles Gesicht, ein roter warmer Pullover schützt sie vor dem Herbstwind und der typische bunte Rock mit ganz vielen kleinen Blümchen drauf, weht um ihre Beine Sie winkt mir zu- wir kennen uns und haben schon oft miteinander geplaudert. Sie ist 13 Jahre alt, geht angeblich zur Schule, verkauft oft Gegenstände am Markt und hat einen Freund mit blauen Augen, aber dass ist ein Geheimnis und darf keiner wissen, also- pssst! Da ich pünktlich zur Arbeit kommen will, bleibt heute nicht viel Zeit für Smalltalk. Ein „ce faci-bine- si tu“? (wie gehts- gut- und dir) muss reichen. Vielleicht habe ich nach der Arbeit noch etwas Zeit zum plaudern, dann wird sie wahrscheinlich immer noch dort stehen.
Im Projekt sind noch keine Kinder, aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. In 10 Minuten werden mindestens 30 Kinder das Projekt wie eine Burg erstürmen… Und da kommen sie schon, die Erst- und Zweitklässler, bewaffnet mit rosa Schulranzen, ein paar allerdings auch nur mit Plastiktüten, in denen ihren Schulsachen sind. Sie haben es auf mich abgesehen, rufen den Belagerungszustand aus, nehmen mich als Geisel, damit ich mit ihnen gemeinsam die Hausaufgaben mache. Und da sie davon ausgehen, dass ich über überdimensionale Kräfte und vor allem Gehirnwindungen verfüge, soll ich alle Hausaufgaben auf einmal mit den Kindern machen. Mit ein bisschen Geduld bringe ich die Kinder nun auf den Boden der Tatsachen zurück, erkläre ihnen, dass ich erstmal nicht mit mehr als mit 3 Kindern gleichzeitig arbeiten kann und das ich den anderen später ihre Mathehausaufgaben erkläre und sie erstmal versuchen sollen ihre rumänisch Hausaufgaben zu meistern. Dabei kann ich ihnen noch nicht helfen.
Durchatmen, der erste Ansturm überstanden! Nun kann ich mich in Ruhe meinen 3 süßen Erstklässlerinnen widmen und ihnen zeigen, wie man fünfen und zweien malt. Danach helfe ich einem Zeitklässler bei seinen Matheaufgaben. Im rechne ist er sehr fit und löst fast alle Aufgaben ohne Probleme, aber die Textaufgaben, scheinen schier unlösbar zu sein, denn er kann fast überhaupt nicht lesen, geschweige denn, schreiben. Das wird noch problematisch werden. Eine Stunde später kommt es zur zweiten Erstürmung der Burg, dieses Mal von Dritt und Viertklässlern. 3 Mädels erkläre ich nun die römischen Zahlen. Mitten in der Aufgabe springt Simona, eine der cleversten Vierklässlerinnen, auf und will nach Hause gehen.- Der Grund, ihre Schwester aus der ersten Klasse ist mit Hausaufgaben fertig und möchte nun gehen. Mit Engelszungen überrede ich Simona dazu, noch zu bleiben und wenigstens die Aufgabe an der wir gerade arbeiten, zu beenden. Glück gehabt! Simona rechnet noch die Aufgabe zu ende, doch dann ist sie nicht mehr auf zu halten. Sie verspricht mir die Hausaufgaben zu Hause zu beenden, ich weiß, dass sie es nicht tun wird. Nun ist es ruhiger im Projekt. Die Erstklässler sind nach Hause gegangen, nun kommen die Fünf- und Siebtklässler und quälen mich mit richtig schwierigen Klammeraufgaben und Brüchen. Erstaunlicherweise finde ich in meinem Hinterkopf vergraben noch sehr viele Mathematik Gesetze, die sich auf die Aufgaben anwenden lassen. Wenn ich Glück habe, kann ich manchmal auch Englisch Hausaufgaben machen, eine schöne Abwechslung zu dem ganzen Zahlen Wirr War in meinem Kopf. Doch die Freude wird oft schnell wieder zerstört. Wie soll ich Siebtklässler einen Text über ihre Ferien schreiben lassen, wenn sie noch nicht einmal wissen, was „I am“ geschweige denn „I was“ bedeutet. An diesem Punkt bin ich schier überfordert, gerade weil ich nicht den Kurs meiner Kolleginnen fahren will, die den Kindern in Englisch oder Französisch alles vorsagen, wenn diese nicht wissen wie sie einen Text schreiben sollen. Ich versuche nun jedes englische Wort aus den Kindern herauszukitzeln und mit ihnen gemeinsam einen Text zu schreiben. Leider komme ich dann auch in die Situation ihnen sehr viel vorsagen zu müssen, weil sie einfach unglaublich große Lücken haben. Ein sehr unbefriedigendes Gefühl.
Nun ist es 15 :30 Uhr langsam wird es ruhiger in der Burg und ich habe Zeit, mich mit 3 kleinen Rittern zu beschäftigen, die bereits mit dem Hausaufgaben fertig sind, aber erst in einer Stunde von ihrem Eltern abgeholt werden. Wir spielen heute zu ersten Mal Memory, das Spiel hatte ich zufällig auf dem Schrank im Abstellraum gefunden. Die Kinder sind begeistert. Jedes Mal wenn sie ein Pärchen finden, freuen sie sich wie Schneekönige und ich lobe sie tüchtig für ihre kleinen Erfolge. Am Ende ist es schon fast egal wer gewonnen hat, denn jeder fühlt sich mit seinen Pärchen in der Hand, wie ein kleiner König. Um 17 Uhr ist mein Arbeitstag auch schon zu Ende. Die letzten Kinder verlassen das Zentrum, und ich begleite sie zur Bahnhaltestelle. Jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als mich den Feierabendverkehr zu stürzen und zu hoffen, in der Bahn nicht zerquetscht zu werden. Zuhause angekommen gehe ich noch mal meine Hausaufgaben für den Sprachkurs durch, der gleich beginnt. Da klingelt es schon, meine rumänisch Lehrerin steht vor der Tür. Also, ich muss aufhören und mich in der rumänischen Sprache üben, damit ich den Kindern bei der nächsten Erstürmung der Burg, klarere Anweisungen geben kann und sie mich nicht so lange als Geisel nehmen.
Mein Projekt
Mein Projekt hat keinen Namen, also keinen richtigen. Die einen nennen es „Centru comunitar pentru copii si familii“ die anderen nennen es „Dumbrava rosie“, das ist der Name der Straße indem mein Projekt ist und auf einer Broschüre über das Zentrum, heißt das Projekt einfach nur. „The 2nd community Center from Cluj“, denn es gibt auch das „1st community center from Cluj“ und das hat sogar einen Namen, nämlich „Everychild“. Dort sollte ich ursprünglich arbeiten, aber da meine Hilfe im Projekt ohne Namen dringender gebraucht wurde, arbeite ich nun dort jeden Tag. Für mich ist das Tageszentrum im Norden von Cluj einfach „mein Projekt“
Im Jahre 1997 begann die NGO FRCCF (fundatia romana pentru copii, comunitate si familii ) in Cluj, wie auch in anderen Städten Rumäniens, mit ihrer Arbeit .Hauptpartner und Unterstützer ist der der britische Wohlfahrtsverband „EveryChild“. Das Ziel von FRCCF und EveryChild ist es, Kindern aus benachteiligten Familien gleiche Bildungschancen zu eröffnen, und zu verhindern, dass sie vorzeitig die Schule abbrechen. Die Eltern der Kinder, erhalten zum Teil finanzielle Unterstützung, haben Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung und werden durch Sozialarbeiter betreut, die die Familien bei Ämtergängen oder bei der Jobsuche unterstützen.
Soweit in der Theorie. In der Praxis ist für 100 Familien ein Sozialarbeiter zuständig und auch die Kinder können nicht immer optimal betreut werden, da oft zu viele auf einmal im Projekt sind. Dennoch, der Wille die Lebensumstände der Kinder zu verbessern ist da, jedoch ist die Umsetzung oft sehr problematisch. Momentan betreut mein Projekt um die 100 Kinder. Da die Kinder jedoch nicht jeden Tag kommen, werden im Durchschnitt 50 bis 60 Kinder pro Tag betreut. Kommen dann doch mal 80 Kinder auf einem Schlag, sind alle Kollegen hoffnungslos überfordert. Um allen Kindern einigermaßen gerecht zu werden, gilt die Regel: „Wer mit den Hausaufgaben fertig ist, muss nach Hause gehen“. Einerseits verstehe ich, dass diese Regel existiert, da nicht genug Platz für alle Kinder auf einmal da ist und deshalb die Erstklässler schon zu Hause sein müssen, wenn die Fünft- und Sechstklässler kommen. Andererseits macht mich diese Regelung sehr traurig, weil die Kinder hier nicht spielen dürfen und das Augenmerk (außer Samstags) nur bei den Hausaufgaben liegt. Will man aber wirklich etwas im Leben dieser Kinder verändern, muss man sie den ganzen Nachmittag betreuen, ihnen Aufmerksamkeit schenken, mit ihnen malen, basteln und spielen.
Letzte Woche hatten die Grundschulkinder eine Woche Schulfrei. So konnte ich mit ihnen spielerisch Englisch lernen, Spiele spielen, basteln und malen. Dafür hab ich jede Menge Figuren aus einem Malbuch kopiert. Gerade den kleinen Kindern hat das ausmalen von schönen Bildern so viel Spaß gemacht, dass sie mich nun jeden Tag fragen, ob ich ihnen etwas neues zum ausmalen geben kann. Das Problem: Ich darf nicht! Seitdem die Schule wieder begonnen hat, dürfen alle Kinder nur noch ihre Hausaufgaben im Projekt machen und alles was darüber hinausgeht, ist verboten. Mit meiner Chefin konnte ich nun aushandeln, dass ich den Kindern Ausmalbilder geben darf, wenn sie dann sofort nach Hause gehen und zu Hause malen. Nach 15:30 darf ich sogar nach Ausmalbilder im Projekt verteilen, weil dann nicht mehr so viel los ist. Da aber alle kleinen Kinder spätestens um 14 Uhr zu Hause sind, macht diese Regelung ziemlich wenig Sinn.
Im Allgemeinen gefällt mir mein Projekt jedoch super gut, auch wenn man sich daran gewöhnen muss, dass man den einzelnen Kindern nicht soviel Aufmerksamkeit schenken kann, wie sie eigentlich nötig hätten. Dafür sind einfach zu viele Kinder im Projekt. So bekommt jedes Kind ein bisschen Aufmerksamkeit, das eine mehr, das andere weniger, jedoch keins genug.
Normalerweise arbeite ich montags bis Freitags von 12 bis 17 Uhr. Meine Hauptaufgabe liegt bei der Hausaufgabenbetreuung, überwiegend in Mathe aber auch in Englisch und Französisch. Allerdings habe ich als Freiwillige noch die Möglichkeit eigene Ideen zu verwirklichen. So biete ich einmal in der Woche für jeweils 4 Kinder eine Entspannungstunde an, in der wir Mandalas malen. Nächste Woche werde ich wahrscheinlich noch mit einem Englischkurs für die Kinder beginnen. Auch samstags ist das Zentrum von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Da unter der Woche kaum Zeit für spielerische Aktivitäten bleibt, kann man samstags dann mit den Kindern basteln oder Spiele spielen. In der Weihnachtszeit möchte ich nun mit einigen Kindern Plätzchen backen, mal sehen ob sich diese Idee verwirklichen lässt.
Freizeit- Cluj, die tollste Stadt Rumäniens
Wenn ich mal gerade nicht mit Arbeiten, Aufräumen oder Spülen beschäftigt bin, kann ich meine Freizeit in Cluj voll und ganz auskosten. Das Kulturprogramm ist einfach gigantisch. Ständig gibt es Theater- und Filmfestivals oder Konzerte. Vor kurzem war hier ein internationales Theaterfestival. Momentan läuft ein Dokumentarfilmfestival mit erstklassigen Filmen wie z.B. „Favela Rising“ und das Stummfilmfestival, konnte ich gar nicht besuchen, weil mir dazu einfach die Zeit gefehlt hat. Zudem war ich vor 3 Wochen noch auf einer Lesung von György Dalos, über sein neustes Buch „1956-der Aufstand in Ungarn“. Diese Lesung wurde vom deutschen Kulturzentrum Klausenburg organisiert. So habe ich direkt noch einige deutsche Erasmus Studenten kennen gelernt, über die ich dann wieder Rumänen kennen gelernt habe. Nach der Lesung, habe ich mich noch kurz mit dem Autor unterhalten, weil ich sein Buch kaufen wollte, jedoch keinen Bücherstand gesehen hatte. Kurzer Hand schenkte er mir sein Exemplar, da er keine Bücher zum Verkauf dabei hatte. Der Abend hat sich gelohnt!
Freizeit- Reisen in Rumänien
In den ersten 3 Monaten meines Freiwilligendienstes bin ich schon wirklich viel herum gekommen. Mein erster Tag in Rumänien begann schon mit einer Tagestour durchs Land:
19. August 2007
Ein Klopfen an der Zimmertür weckt mich aus meiner ersten Nacht auf rumänischen Boden. Es ist 7 Uhr morgens und ich liege im Zimmer einer Pension. Ein eigenes habe ich noch nicht. An der Tür steht Samy, ein Rumäne der in Italien lebt, momentan aber in der gleichen Pension wohnt wie ich, weil er sich hier seine Zähne auf Vordermann bringen lässt. Das ist wohl billiger als in Italien. Samy hab ich gestern Abend kennen gelernt, nachdem in der Pension angekommen war. Er will mich auf eine Tagestour zum Dracula Schloss mitnehmen. Schnell mache ich mich fertig und springe in Samys Auto. Sein Freund, ein 40igjähriger Italiener ist auch mit an Bord. Ein bisschen mulmiges Gefühl hab ich ja schon, mit 2 Männern die ich überhaupt nicht kenne einen ganzen Tag unterwegs zu sein, man hat einfach zu viele schlechte Filme gesehen. Mein unangenehmes Gefühl verfliegt jedoch an der nächsten Straßenecke. Ein junger Mann, Samys Cousin, und seine Freundin steigen ein. Das Mädel hat schon gehört, dass ich mit komme. Sie lacht mich an und erklärt mir, dass sie ein bisschen deutsch spricht, oder doch ein bisschen mehr. Sie hat ihren Abschluss auf einer deutschen Schule gemacht. Also habe ich direkt eine Gesprächspartnerin. Unseren ersten Stopp machen wir nach einer Stunde in Tirgu Mures, der ungarischen Hauptstadt Rumäniens. Hier gehören 50% der Bevölkerung zur ungarischen Minderheit. Wir laufen durch Städtchen und frühstücken in einem Café. Danach gehts weiter bis nach Sighisoara, zu Deutsch : Schäßburg. Ein wunderschönes mittelalterliches Städtchen auf einem kleinen Hügel, lädt uns zu einem Rundgang ein. Obwohl der Ort sehr durch Tourismus geprägt ist, wird die Stadt nicht um ihre mittelalterliche Atmosphäre beraubt, es ist einfach schön. Nur die ganzen Dracula Bilder auf Postkarten und T-Shirts stören mich ein wenig. Zurück im Auto, nähern wir uns nun unserem eigentlichen Ziel, Das Dracula Schloss Bran in der Nähe von Brasov (Kronstadt). Hier werden wir von Menschenmassen und Touristenständen erschlagen. Vor dem Schloss gibt es alles Erdenkliche zu erwerben, was man Touristen nur irgendwie andrehen kann. Von Mützen, Tassen, Vampierzähnen bis zur Plastikfiguren, die unter ihren Draculaumhang ihr Gemächt entblößen, gibt es hier alles zu finden. Im Schloss selbst findet man nun gar nichts mehr über Dracula. Hier gibt es, wie in jedem anderen Schloss auch, alte Schwerter, Möbel und so weiter zu bestaunen. Jetzt gehts wieder zurück nach Cluj. Ungefähr 5 Stunden Rückfahrt liegen vor uns Auch wenn das Dracula Schloss nun nicht das spannendste der Welt ist, war dieser Tag doch sehr beeindruckend für mich und hat mir schon eine Menge von Rumänien gezeigt.
Email an Freunde über das Frewilligenseminar in Apold Ende September
Am Donnerstag sind Lennart und ich nach Apold zum Freiwilligenseminar gefahren. Apold ist ein ganz kleines Dorf in der Nähe von Sighisoara, falls das jemanden was sagt :-)
Dort hatten wir alle die Möglichkeit mal das rumänische Landleben kennenzulernen. Die Kinder im Dorf wollten mit uns spielen, die Dorfbewohner hat man auf der Straße gegrüßt, und man musste die ganze Zeit aufpassen, dass man nicht von Pferdekutschen überfahren wird....
Wir, die 40 deutschen Freiwilligen, haben entweder im alten Pfarrhaus des Dorfes übernachtet, dass von 2 deutschen Mädels als es schon halb verfallen war, wieder renoviert wurde und nun eher wie eine Landkommune wirkt, oder auf der Kirchenburg des Dorfes steht. Kirchenburgen, gibt es gerade in Transsilvanien ziemlich zahlreich. Sie wurde früher als Zufluchtsort für das ganze Dorf benutzt wenn mal wieder die Türken angegriffen haben.
Der Sinn dieses Seminar war eigentlich nur, die anderen Freiwilligen, die in Rumänien sind, kennenzulernen und sich mit dem Land Rumänien an sich auseinander zu setzen. Das Orgateam hatte sich gedacht, dass man sich wohl am besten beim Arbeiten kennenlernt, uns so konnte man sich beim Kürbis einmachen, Plumpsklo bauen oder Kochen, tiefsinnigen oder weniger tiefsinnigen Diskussionen widmen. Ich bin mit einem Bauern aus dem Dorf auf sein Feld gelaufen und hab dort zum ersten Mal in meinem Leben Kartoffeln geerntet. Das war eigentlich echt witzig, weil ich immer dachte, dass man die Kartoffeln mit den Händen aus der Erde zieht, aber man in Wirklichkeit mit großen Haken, die Furchen, in denen die Kartoffeln gepflanzt wurden umgräbt.
Später habe ich mich dann noch am Krautwickel machen versucht, und nach anfänglichen Schwierigkeiten, lief das sogar auch ganz gut.
Während des ganzen Aufenthaltes hatte man das Gefühl in einer Kommune zu wohnen. Die Sanitärenanlagen waren ziemlich einfach aber doch komfortabel. Es gab ein Plumpsklo und eine "Sommerdusche", das heißt, kalte Dusche draußen. Glücklicherweise war es dieses Wochenende nicht so kalt, sodass man auch diese Dusche überleben konnte.
Lustig war dann auch noch die Rückfahrt. Lennart und ich mussten früher als die anderen los, weil unser einziger Zug schon um 12 Uhr mittags fuhr. Da sonntags in Apold aber nur ein Bus nach Sighisoara fährt (der Ort, indem wieder Zivilisation und ein Bahnhof ist) und dieser Bus erst um 17 Uhr fährt, blieb Lennart und mir eigentlich nichts anderes übrig als zu trampen..... dachten wir. Das Problem war nur, dass wir nicht bedacht hatten, dass Sonntags morgens anscheinend niemand nach Sighisoara will und so mussten wir, nachdem 45 Minuten versucht hatten zu trampen und in dieser Zeit nur 4 Auto und 10 Pferdekutschen vorbei gekommen waren, doch ein Taxi nehmen, weil wir sonst den Zug verpasst hätten. Also das mit dem Trampen müssen wir noch mal üben.
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