Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.

Fünf erlebnisreiche Monate in Rumänien liegen nun schon hinter mir. Manches ist mittlerweile alltäglich geworden, Anderes ist und bleibt spannend.

Manuela Goldberg berichtet von ihrer Arbeit im Projekt „Ambulante Altenbetreuung“ in Sibiu, Rumänien (Oktober 2007)

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte,

ich hoffe, Ihr hattet alle einen schönen Frühling und Frühsommer. Fünf erlebnisreiche Monate in Rumänien liegen nun schon hinter mir. Manches ist mittlerweile alltäglich geworden, Anderes ist und bleibt spannend. Wenn ich es so recht bedenke, habe ich bis jetzt überwiegend gute Erfahrungen mit den Menschen hier gemacht, sowohl mit den Leuten, mit denen ich arbeite oder bekannt geworden bin, als auch unterwegs, mit Fremden. Ein bisschen kann ich mich inzwischen auf rumänisch verständlich machen, wobei die Grammatik zum großen Teil noch aus böhmischen Dörfern besteht. Da müsste ich mich einfach mehr disziplinieren und auf den Hosenboden setzen! Aber nun will ich nicht weiter abschweifen und wünsche viel Spaß und wenig Langeweile beim Lesen des Rundbriefs.

 „Vorgeplänkel“

Weil ich mein Vorhaben im Vorfeld nicht allzu öffentlich gemacht habe, fasse ich an dieser Stelle ganz kurz meinen „Werdegang“ bis zum Dienstantritt zu-sammen. Schon 2004 hatte ich ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, trotz meines hohen Alters den Schritt zu wagen und zum ersten Mal in meinem Leben fuer längere Zeit ins Ausland zu entschwinden. Da ich dort nicht nur in der Sonne liegen sondern auch etwas Sinnvolles tun wollte, suchte ich demnach eine sinnvolle Beschäftigung im Ausland, am liebsten irgendwo in Osteuropa. Sinnvoll beschäftigen kann man sich unter anderem, indem man einen Freiwilligen- oder Friedensdienst im Ausland leistet. Fehlte nur noch „jemand“, der mich – organisatorisch – dabei unterstützte. Ich habe also gesucht – und den Internationalen Christlichen Friedensdienst e. V. EIRENE gefunden (mittels eines Artikels in der Sächsischen Zeitung und per Nachforschung im Internet: www.eirene.org ). Mit den Grundsätzen dieser Organisation konnte und kann ich mich gut identifizieren. Außerdem ist es mit EIRENE möglich, in nahezu jedem Lebensalter einen Friedensdienst zu leisten. Nachdem ich mir (2004) hatte Infomaterial zuschicken lassen, passierte erst einmal weiter gar nichts. Ich wechselte meinen Arbeitsplatz, aber der Hintergedanke blieb. Und so, nach langem Überlegen und vielen Gebeten, entschloss ich mich im Februar 2006: ‚Ich bewerbe mich für ein Infoseminar von EIRENE’. Gedacht, getan, angenommen. Im Mai fuhr ich für ein Wochenende nach Berlin, um nähere Infos zur Organisation zu bekommen. Von dort nahm ich die Bewerbungsunterlagen mit nach Hause, um wieder, fast bis zum Ende der Bewerbungsfrist (für eine Ausreise im Januar oder Februar 2007 war das der 31. Juli 2006), mit mir zu ringen, ob ich mich bewerbe oder nicht. Offensichtich habe ich es dann doch noch getan ...  Im Oktober 2006 nahm ich an einem Bewerberauswahltreffen in der Geschäftsstelle von EIRENE in Neuwied bei Koblenz teil, bekam Nachricht, dass ich angenommen bin und machte mich Anfang Dezember 2006 mit dem Reisebus auf nach Rumänien, um mir das Projekt anzusehen. Nach meiner Rückkehr, in der Woche vor Weihnachten, entschied ich mich endgültig zu gehen – wieder nach intensivem Nachdenken und Gebet. Dann ging alles ziemlich schnell: im Januar zwei Wochen Ausreisekurs mit vielen netten Leuten, in den letzten anderthalb Wochen auf Arbeit alles so gut wie möglich übergeben, pausenloses Staunen, wer mich alles unterstützt, Restliches regeln und erledigen, diverse Erinnerungslisten anfertigen, packen, verabschieden, nochmal den Geburtstag meiner Mutter mitfeiern und schon saß ich irgendwie im Bus nach Rumänien. Und es bzw. er (der Freiwilligendienst) begann ...

„Was mach’ ich hier eigentlich?“

Diese Frage kam mir anfangs schon hin und wieder in den Sinn, aber dazu später noch ganz kurz etwas. Das, „was ich eigentlich hier mache“, gemeinsam mit einem zweiten Freiwilli-gen, ist ein Projekt der ambulanten Altenbetreuung. Genau gesagt, sind es zwei Projektteile. Am besten lässt sich das Ganze anhand meiner Arbeitswoche erklären, denke ich. Montags und freitags fahre ich zur Orthodoxen Kirche von Valea Aurie (dt. Goldtal). Dort wird seit einigen Jahren ein Sozialprojekt umgesetzt (in der orthodoxen Kirche ist das weit weniger üblich, als in der evangelischen oder katholischen), durch das einerseits bedürftige Menschen mit einem Mittagessen und andererseits Kinder unterstützt werden, indem sie ebenfalls ein warmes Mittagessen sowie Hilfe bei den Hausaufgaben und bei schulischen Problemen bekommen. Mit dem Kinderprojekt habe ich kaum etwas zu tun. Sozusagen im Keller der Kirche befindet sich neben einem Büro- und einem Mehrzweckraum auch eine Küche mit einem großen Lager- und Arbeitsraum. Dort wird montags bis freitags das Essen für maximal 40 bedürftige Personen (aufgrund von Krankenhausaufenthalten sind es oft zwei bis vier weniger) gekocht. Das Essen besteht aus einer „ciorbă“ (einer säuerlichen Suppe) oder einer („normalen“) Suppe, einem Hauptgang und einem viertel Laib Brot. Dazu gibt es in der Regel etwas Obst, eine Konserve oder etwas Gebackenes. Transportiert wird das Ganze in einer „sufertaş“. Das sind zwei Töpfe und zwei Teller, die abwechselnd übereinandergestapelt und in einen Metallbügel eingehangen werden, sodass alles gut transportier- und tragbar ist. Eben dieser Transport erfolgt mittels eines Dacia-Kastenwagens, dessen Schaltung furcht-bar schwer geht, dessen rückwärtige Tür nicht richtig schließt und der durch einen „şofer“, sprich: Fahrer, durch Hermannstadts Straßen gesteuert wird. Der ciorbă-Verlust ist dabei möglichst gering zu halten, was bei den zahlreichen Schlaglöchern auf den Nebenstraßen nicht einfach ist. Meine Aufgabe ist es, die Essenstöpfe zusammenzusetzen, wenn nötig in der Küche anzupacken, die Töpfe mit ins Auto zu räumen, mich neben den Chauffeur zu setzen und das Essen, gemeinsam mit dem Chauffeur, an die Leute in der Stadt zu verteilen.Diese verfügen über wenig Geld (z. B. über eine Rente von 200 RON = ca. 63 EUR pro Monat), sind überwiegend schon älter und leben oft unter sehr einfachen Wohnbedingungen. Ob jemand Essen aus Valea Aurie bekommt, wird durch eine Sozialassistentin geprüft. Die meisten Leute freuen sich, wenn jemand kommt und wir wechseln ein paar Worte. Ich überreiche ihnen das Essen und sie geben mir die leeren Töpfe vom Vortag zurück. Manchmal ist es ein logistisches Rätselspiel, wer wann zu wem geht und wo das Auto parken kann – besonders in der Innenstadt. An den anderen Tagen, meistens dienstags bis freitags, besuche ich regelmäßig zehn Personen. Mit meinem Kollegen, der ebenfalls mit Essen ausgefahren hat, hatten wir uns die Besuche so aufgeteilt, dass nicht eine Person zweimal am Tag Besuch bekommt, sondern sich das Ganze ein wenig über die Woche ver-teilt. Sein Freiwilligendienst ist nun zu Ende, doch sein Nachfolger kommt Mitte August. Der Besuchsdienst ist direkt an die Mitropolie, dem Sitz des Mitropoliten (sozu-sagen des Bischofs) des orthodoxen Erzbistums Sibiu, angebunden. Unsere unmittelbare Ansprechpartnerin für das Projekt und Vorgesetzte im Allgemeinen ist Frau G. Sie lebt seit 15 Jahren in Rumänien und ist die zuständige Person für soziale Projekte der orthodoxen Kirche im Erzbistum Sibiu. Wir treffen uns regelmäßig, können Fragen stellen, bekommen Impulse für die Arbeit und Hilfe bei Problemen – es ist eine richtig gute Zusammenarbeit. Es ist eine wirklich blöde Art, Menschen in Form ihrer körperlichen Versehrun-gen vorzustellen. Ich möchte letztere aber trotzdem hier erwähnen, einfach um die Verschiedenheit zu verdeutlichen. Das Ganze reicht von Schwerhörigkeit, Hautproblemen, fehlenden Fingern, über überstandene Herzinfarkte und Schlaganfälle, einen halben fehlenden Arm, Epilepsie, Spondelose und Nieren-problemen bis hin zum Rollstuhl, in welchem eine Frau von Mitte 40 aufgrund eines Unfalls sitzt, Multipler Sklerose mit allen damit verbundenen fortschrei-tenden Einschränkungen (Augenprobleme, abnehmendes Gehvermögen, Inkontinenz etc.) und einer Geschwulst an der Wirbelsäule, die bewirkt hat, dass eine Frau, ein wenig jünger als meine Mutter, seit über 10 Jahren nur noch im Bett liegen kann. Ich bewundere immer wieder, wie alle trotzdem klarkommen, ihre Strategien entwickelt haben, den Alltag zu meistern, und sich dort, wo eine Familie da ist, gegenseitig helfen. Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass das Projekt im Grunde ökumenisch ist, da wir sieben RumänInnen (orthodox) und drei Siebenbürger Sächsinnen (evangelisch und Mitglieder der deutschstämmigen Minderheit in Rumänien) betreuen. Aus meiner Sicht bin ich für „unsere“ Leute in erster Linie Kontaktperson und Gesprächspartnerin. Aus eben diesen Gesprächen, der Konzeption des Projek-tes, den jeweiligen Bedürfnissen und den sich entwickelnden Beziehungen und Vertrauensverhältnissen ergeben sich dann die nachfolgenden Aufgaben. So helfe ich bei Bedarf im Haushalt (klopfe z. B. Teppiche oder schrubbe mit einer abenteuerlichen Mischung aus warmem Wasser, viiiiiiiel Waschpulver, Dusch-gel und Chlorlösung die Küchendiele) oder im Garten, frage bei der Spenden-apotheke nach Medikamenten, bezahle Strom-, Gas-, Wasser- oder Telefon-rechnungen (werden hier üblicherweise noch in einer „casierie“, also in bar in einer Kassenstelle oder z. T. bei der Post bezahlt) und gehe auf die Jagd nach Pampers und anderen Hygieneartikeln. Zur Spendenapotheke ist zu sagen, dass sie eine Einrichtung der Evangelischen Kirche ist, welche gespendete Me- dikamente, z. B. aus Deutschland, bekommt und diese hier kostenlos oder ge- gen eine Spende an Bedürftige, egal welcher Konfession, ausgibt. Wir sind sehr froh, dass wir von dort Vieles für „unsere“ Leute bekommen, denn viele Medi-kamente sind hier zwar zu haben, aber teuer, d. h. für Personen mit niedrigen Renten teilweise unbezahlbar. Bei den Pampers, Inkontinenzeinlagen etc. ist es ähnlich, von der Beschaffung her jedoch im Moment noch schwieriger. Nicht dass es diese Dinge nicht zu kaufen gäbe, aber sie sind eben teuer. Daher sind wir dankbar, dass uns das Diakonische Werk mit zwei Packungen Pampers im Monat unterstützt. Auch das Altenheim der Siebenbürger Sachsen in Hermannstadt hilft uns hin und wieder mit verschiedenen Artikeln weiter, doch das Spendenaufkommen fuer das Heim scheint sich seit dem EU-Beitritt von Rumänien Anfang diesen Jahres sehr verringert zu haben. Also kann auch weniger weitergegeben werden. Nicht zu vergessen sind natürlich die Dinge, die unsere Chefin organisiert. Doch im Großen und Ganzen bleibt die Beschaffung dieser Dinge aus meiner bisherigen Erfahrung immer ein gewisser K(r)ampf. Wir haben als nächstes vor, mit „unseren“ Leuten einen Sommerausflug zu machen, wie in den letzten Jahren, müssen aber sehen, ob wir dafür irgendwo Geld herbekommen. Es bleibt also spannend. Zum Kontakt mit „unseren“ Leuten kann ich nur sagen, dass ich ganz viel an Zuneigung zurückbekommen. So habe ich noch nie so viele Komplimente be-kommen, so viele Dankesworte und bin so viel gedrückt worden. Außerdem unterstützen mich zwei von den rumänischen Frauen von sich aus ganz intensiv, indem sie sich vorgenommen haben, mir Rumänisch beizubringen. Bei der einen muss ich zum Beispiel ab und zu wiederholen, was sie gesagt hat, damit sie überprüfen kann, ob ich sie auch wirklich verstanden habe. Die andere hat mir endlose Wortlisten diktiert, die ich dann noch für ihren 16jährigen Neffen ins Englische übersetze und wir (der Neffe und ich) beide etwas davon haben. Es macht Spaß!

„Bis du Großmutter bist ...“

„... ist alles wieder vergessen.“ So sagt man doch, wenn sich ein Kind wehgetan hat, nicht? Bei mir dauerten die körperlichen Schmerzen ca. zwei Wo-chen. Keine Angst, es war nichts Schlimmes. Aufgrund von Rissen in den alten hatte ich mir im Januar noch neue Wanderschuhe gekauft und diese natürlich nicht einlaufen können. Hier in Hermannstadt hatte ich sie nun jeden Tag an und war anfangs viel zu Fuß unterwegs. Außerdem zeichnete sich meine vor-herige Arbeit eher durch Sitzen als durch Gehen aus. Die Folgen waren schrecklich schmerzende Füße und Knöchel, bis diese sich an die Schuhe ge-wöhnt hatten. Aber wie schon gesagt: das ging vorbei. Soviel nur als kleiner Einstieg, um ein wenig meinen Alltag vorzustellen. Gemeinsam mit Diana, einer Rumänin, wohne ich in einer Zwei-Zimmer-Woh-nung in einem Plattenbaublock am südlichen Rand von Sibiu. Wir haben eine kleine Küche, ein kleines Bad und jede ein Zimmer. Meines ist ein Durchgangs- zimmer, wobei mein eigentlicher Wohnraum durch einen Vorhang vom Kühl-schrank, einem Tisch und einem schmalen Gang abgetrennt ist. Ich war sehr froh, dass ich das Zimmer von meiner Vorgängerin übernehmen konnte. Mit Diana verstehe ich mich sehr gut. Sie hilft mir beim Rumänisch-Lernen und irgendwann will sie wieder intensiver mit dem Deutsch-Lernen anfangen. Was wir nicht haben, ist eine Waschmaschine. Also heißt es: per Hand wa-schen. Inzwischen geht das ganz gut und im Internet kann man Tipps für spe-zielle Probleme finden. (Z. B. „lege“ ich verschwitzte T-Shirts vor dem eigent-lichen Waschen immer in Essigwasser „ein“.) Und es gibt hier speziell Wasch-pulver für die Handwäsche – einfach weil Waschmaschinen nicht zum Standard gehören, denke ich. In der Stadt bin ich meist mit dem Fahrrad unterwegs. Das hat meine Vor-gängerin hiergelassen, die es wieder von ihrer vorherigen Kollegin, welche aus der Nähe von Neschwitz kommt, hat. Und so gurke ich jetzt mit einem Moun-tainbike mit Kettenschaltung von Zweirad-Schlenkrich aus Bautzen durch die Gegend. Ach ja, da das Gefährt einen (sehr harten) Sportsattel hat, musste noch ein anderes Körperteil außer meinen Füßen eine schmerzhafte Gewöhnungsphase durchmachen... Inzwischen habe ich bereits einen Schlauch gewechselt (der war schon platt, als ich kam), einen Bremsbowdenzug und alle Bremsbacken ausgetauscht. Jetzt reicht’s aber erstmal mit Reparaturen, hoffe ich. Mittwochs gehe ich regelmäßig zum Bachchor in die Evangelische Stadtpfarrkirche (deutschsprachig). Es macht mir viel Spaß, auch wenn ich manchmal arg an meine Grenzen komme (z. B. beim hohen „G“). Am Gründonnerstag und Karfreitag haben wir je eine Passionsmusik siebenbürgisch-sächsischer Kompo-nisten gesungen, gemeinsam mit der Meißner Kantorei. Das war sehr beein-druckend. Nach einem Chorausflug Ende Juni ist jetzt erstmal Sommerpause, aber im September geht’s weiter. Am 30. September wird hier sogar ein Gottesdienst fürs Fernsehen aufgezeichnet (vom ZDF, glaub’ ich), der dann ein oder zwei Wochen später ausgestrahlt wird. Also: unbedingt in die Zeitung schauen, dann seht Ihr mal den Chor! Wenn ich in Hermannstadt bin, gehe ich sonntags zum ev. Gottesdienst. Dieser ist unserem zu Hause sehr ähnlich, wenn auch etwas altehrwürdiger. So steht die Gemeinde beispielsweise auf, wenn die Pfarrer ein- und ausziehen, ebenso bei jedem Gebet und bei jeder Schriftlesung. Außerdem gibt es kleine Unterschiede in der Liturgie, aber die gibt es auch innerhalb Deutschlands. Für mich hat der Gottesdienst immer ein bisschen mit Heimat zu tun. Ansonsten lese ich viel oder mache Handarbeiten. Mit dem Briefeschreiben bin ich gerade ziemlich im Rückstand. Die Gartenarbeit fehlt mir. Doch da habe ich die Möglichkeit zum Ausgleich bekommen, indem ich manchmal einer der von uns betreuten Siebenbürger Sächsinnen im Garten helfen kann. Nicht zu vergessen sind natürlich diverse Konzerte oder andere Veranstaltungen, die in diesem Kulturhauptstadtjahr en masse stattfinden. An den Wochenenden haben wir schon viele Ausflüge gemacht, besonders dann, wenn mich andere Freiwillige besuchen. Über Ostern sind wir zu Fünft in einer Hütte in den Fogarascher Alpen, einem Teil der Karpaten direkt vor unse-rer Haustür, gewesen. Ende April hatten wir ein EIRENE-Zwischenseminar in der Maramuresch ganz im Norden von Rumänien. Und im Mai waren wir zu Viert für ein verlängertes Wochenende in der Republik Moldova (= Moldawien), inklusive Abstecher in die abtrünnige Region Transnistrien. Außerdem habe ich im Juni ein Wochenende auf einem Biohof hier in der Nähe geholfen. Ich hoffe, dass ich noch viel mehr von diesem schönen Land zu sehen bekommen. Engere Kontakte außerhalb der Arbeit und der Wohnung entstehen bis jetzt eigentlich nur zu Siebenbürger Sachsen oder Deutschen. Das hat neben der Tatsache, dass ich da sowieso meist viel Zeit brauche, aus meiner Sicht ganz viel mit der Sprache zu tun. Über die Sprache kommt man in Kontakt, tauscht sich aus (nicht nur über das Wetter), scherzt und streitet man. Wenn einer die Sprache des anderen nicht versteht bzw. nicht spricht, sind dort einfach Gren-zen, die nicht so ohne Weiteres zu überwinden sind. Es fehlt die Basis, um überhaupt feststellen zu können, ob es beispielsweise gemeinsame Themen und Interessen gibt. Im Großen und Ganzen fühle ich mich wohl. In den ersten Wochen und Monaten überkam mich oft ein Gefühl der Unsicherheit, z. T. verbunden mit der bereits erwähnten Frage „Was mach’ ich hier eigentlich?“. Ich denke, das war so, weil alles neu und ungewohnt war, ich kaum etwas verstand und ich sehen musste, wie ich mit verschiedenen Leuten und Dingen umgehen konnte. Doch das hat sich mittlerweile gelegt. Von großen Heimwehattacken bin ich bis jetzt verschont geblieben, was nicht heißt, dass ich nicht oft an zu Hause denke!!! Aber im Moment bin ich halt hier. Ich freue mich jedoch immer, etwas von daheim zu hören oder zu lesen und zu merken, wieviel Leute an mich denken. Natürlich ist es auch schön, bekannte Gesichter zu sehen. Solch eine Überraschung bereitete mir ein befreundetes Ehepaar, mit dem ich schon zweimal in Rumänien war, an meinem Geburtstag. Es war ein Sonntag, ich saß im Gottesdienst, der gerade begann, schaute nach rechts und da standen sie auf einmal. Ich war total geplättet und hab’ mich riesig gefreut. Jetzt bin ich gespannt auf den nächsten Besuch, wer auch immer das ist. Soviel erstmal von hier. Ich hoffe, für den nächsten Rundbrief brauche ich nicht so lange. Ich bin gespannt, was ich noch erleben werde, und dankbar, dass ich hier sein darf.


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