Internationaler Christlicher Friedensdienst

Mediation zwischen Viehhaltern und Bauern im Tschad

Gewaltprävention und gewaltfreie Konfliktbearbeitung

Durch den jahreszeitlichen Viehtrieb zwischen Norden und Süden des Tschad gibt es bereits eine Jahrhunderte alte Symbiose zwischen nomadisierenden Viehhaltern und sesshaften Bauern. Ganz konfliktfrei sind die Beziehungen nie gewesen, denn es gab immer eine Tendenz zur Konkurrenz um knappe Ressourcen wie Weideland und vor allen Dingen Wasser. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Zusammenleben aber deutlich und nachhaltig gestört worden. Die ökologische Degradation im Sahel, zunehmende landwirtschaftliche Produktion für den Export (Baumwolle) und politische Auseinandersetzungen lassen den Kampf um die knapper werdenden Ressourcen schärfer werden.

Im Tschad trifft die wirtschaftlich prekäre Situation der Kleinbauern und auch der einfachen nomadisierenden Hirten zusammen mit einer politisch instabilen Situation. Schon seit Jahrzehnten befindet sich das Land in einer mehr oder weniger kritischen Lage, die immer wieder in Bürgerkrieg ähnliche Zustände ausartet. In der jetzigen Zeit hat sich eine kleine Bevölkerungsgruppe den Staat zur Beute genommen. Die Vertreter der Behörden werden vor allem von den Bauern nicht als neutrale Instanzen zur Regelung von Konflikten angesehen, denn viele Funktionäre und Militärs sind selbst Eigentümer von Rinderherden und deshalb parteiisch. Außerdem ist das Land unkontrolliert mit Kleinwaffen überschwemmt worden und staatliche wie private Sicherheitskräfte nutzen ihre Waffen, um ihre Interessen gegen die Zivilbevölkerung durchzusetzen. Gewalttätige Konflikten sind fast an der Tagesordnung.

Das Projekt wird von EIRENE gemeinsam mit den tschadischen Organisationen ATNV (Association Tchadienne pour la Non-Violence), AMECET (Association pour la Médiation entre Cultivateurs et Elévateurs au Tchad) und ACTT (Association des Chefs Traditionels au Tchad) durchgeführt. Es zielt auf eine produktive Regelung der immer wiederkehrenden Konflikte. Die Zielgruppen (Vertreter von Viehhaltern und Bauern in ausgewählten Regionen des Tschad; traditionelle Chefs; Vertreter der lokalen Behörden) werden unter Mitarbeit der örtlichen Behörden Konfliktregelungskomitees auf lokaler Ebene bilden. Durch Fortbildung und die Erarbeitung geeigneter Lösungsmuster werden dauerhafte Regelungen bzw. Mechanismen zur ihrer Umsetzung erarbeitet. Begleitend wird das Thema durch Medien, Bildung und politische Lobbyarbeit in der Öffentlichkeit präsentiert. In der Kooperation mit Entwicklungsprojekten werden auch die Lösungen der Konflikte, die in Maßnahmen der ländlichen Entwicklung liegen (Einfassung von Wasserstellen, Umzäunung der Felder, Brunnenbau ...), einbezogen. Das Projekt hat bereits im Jahr 2001 begonnen.

Die Schaffung eines Netzes von comités d'entente (paritätisch von Bauern und Viehhaltern besetzte lokale Komitees, die in Streitfällen vermitteln) stand im Mittelpunkt des bisherigen Projekts. Durch Kontaktgespräche und Rundreisen sollte die Bildung von comités d'entente angeregt werden, die Mitarbeiter dieser Komitees und andere Akteure vor Ort sollten in Methoden der Konfliktbearbeitung fortgebildet werden. Dazu sollten auch die MitarbeiterInnen der Partnerorganisationen durch Fortbildungen gestärkt werden. Hinzu kommen eine Informationskampagne und Lobbyarbeit auf nationaler Ebene. In der ersten Phase des Projekts ist deutlich geworden:

Das Konzept der comités d'entente hat sich bewährt: Wo diese eingerichtet und begleitet werden konnten, hat sich eine deutliche Verbesserung der Lage beobachten lassen, wenn auch nicht immer Gewalt verhindert werden konnte.

Neben der Weiterführung der Arbeit an der Basis muss die Lobbyarbeit auf nationaler Ebene ausgebaut werden, um die Probleme grundsätzlicher angehen zu können. Frauen, die bislang nur eine sekundäre Rolle in diesem Konfliktfeld gespielt haben, können mit positiven Ergebnissen in die Maßnahmen einbezogen werden.

Die Zusammenarbeit der Trägerorganisationen muss gestärkt und besser koordiniert werden. Sie müssen auf eine dritte, eigenständige Phase vorbereitet werden.

Die Zusammenarbeit der Partnerorganisationen spiegeln in ihren Schwerpunkten und aufgrund ihrer Geschichte selbst die Konfliktkonstellationen wieder (ACTT hat seine Basis vor allem unter den Chefs des Nordens, ATNV ist eine christlich geprägte Organisation des Südens, AMECET erreicht nur an der Basis - vor allem in Sarh - Vertreter von Viehhaltern). Eine gute Zusammenarbeit, die in der Lage ist, auftretende Konflikte zu thematisieren und zu regeln, ist die Grundlage für eine wirksame Intervention. In das Projekt integriert ist auch die Fortsetzung von zwei in 2002/3 durchgeführten Kurzzeitmaßnahmen zur Qualifizierung von lokalen HörfunkjournalistInnen.

Dauer des Projektes: bis 31.12.06
Personal: 2 ZFD-Friedensfachkräfte, 3 lokale Friedensfachkräfte