Internationaler Christlicher Friedensdienst

Friedensarbeit mit Opfern sexueller Gewalt in Maniema, Demokratische Republik Kongo

Die Provinz Maniema steht im Vergleich zu den Kivus weniger im Blickpunkt der Berichterstattung aus der Krisenregion. Die relative Sicherheitslage hat sich verbessert, dennoch befindet sich Maniema nicht in einer Post-Konfliktphase. Es ist Teil der Konfliktdynamik des Ostkongo, die unterzeichneten Abkommen sind noch nicht vollständig umgesetzt.

Wiedereingliederungsprogramme vernachlässigen Frauen und Ex-Kombattanten, die selbst die Waffen niedergelegt haben und bieten Vorteile für Kriegsverbrecher, die straffrei ausgehen und deren Taten mit der Aufforderung nach einer allgemeinen Vergebung durch Opfer öffentliche Aufwertung erfahren. Deren Leid wiederum findet keine entsprechende Anerkennung.

Die Tatsache, dass die Täter von staatlichen Programmen versorgt werden, verstärkt bei Frauen, die von keinem offiziellen Programm der Wiedergutmachung profitieren können, das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden. Ex-Kombattanten, die nicht in staatlichen Programmen erfasst werden oder der neu aufzubauenden nationalen Armee anghören, fahren fort, Frauen sexuell zu demütigen und zu vergewaltigen.

Die systematische Anwendung von sexualisierter Gewalt als Kriegsstrategie durch alle Milizen und nationale Armeen hat die ohnehin untergeordnete Position von Frauen in einer stark patriarchalen Gesellschaft weiter unterminiert. Sexuelle Gewalt gegen Frauen ist gesellschaftlich akzeptiert, so auch in Polizei- und Justizsystem. Die körperliche Gewalt an Frauen zielte und zielt auch in Maniema auf die systematische Demütigung und Zerstörung des militärischen Gegners. Vergewaltigte Frauen wurden bis auf wenige Ausnahmen von ihren Familien und Gemeinschaften verstoßen.

Das Projekt zielt darauf ab, dass Frauenorganisationen in Maniema gemeinsame Strategien zur Anerkennung und Verankerung ihrer Friedensarbeit im nationalen Transformationsprozess entwickeln und berücksichtigen bei der Umsetzung grenzüberschreitende Aspekte. Ex-Kombattantinnen sind in Wiedereingliederungsprogrammen berücksichtigt, ihnen werden spezifische Angebote unterbreitet, die ihren Lebenssituationen und auch Gewalterfahrungen entsprechen. Dabei arbeitet das Vorhaben mit anderen zivilgesellschaftlichen, kirchlichen und staatlichen Akteuren zusammen.

Maßnahmen des Projekts sind u.a. die Fortbildung von Mitarbeiterinnen von lokalen Frauenorganisationen in Traumatisierung und möglicher psychosozialer Betreuung, Fortbildung von Demobilisierten in Konfliktbearbeitung, etc. um sie zu befähigen, eine aktivere Rolle in Friedensprozessen in der Region zu spielen, und mit ihnen Instrumente zu entwickeln, Ex-Kombattantinnen und Unterstützerinnen von Milizen in Reintegationsprogrammen zu berücksichtigen.

Zur Schaffung eines Mechanismus zur Beobachtung von Konfliktgeschehen soll ein regelmäßiges Treffen von lokalen Organisationen, die mit Frauen mit Gewalterfahrungen arbeiten, eingerichtet werden. Auf diese Weise wird der Austausch über den Kontext und angemessenen Strategien gefördert, um u.a. die Fragen der sexuellen Gewalt durch Angehörige militärischer Gruppierungen, der öffentlichen Thematisierung von Straflosigkeit zu bearbeiten und mögliche Bündnispartner einzuschätzen.

Partnerorganisation: APEFT- Association pour l' Encadrement des Femmes Traumatisées

Handlungsfelder / Kategorien: Psychosoziale Betreuung, Trainingsmaßnahmen, Reintegration, Netzwerk

Zielgruppe: Frauenorganisationen sowie Frauen in verantwortlichen Positionen in Staat und Gesellschaft; demobilisierte EntscheidungsträgerInnen internationaler Akteure, die im Rahmen von Wiedereingliederungsprogrammen in der Region intervenieren

Anzahl der Friedensfachkräfte: 1