Internationaler Christlicher Friedensdienst

Solidarischer Lern- und Fachdienst

"Solidarischer Lern- und Fachdienst: unter diesem Stichwort bin ich nach Nicaragua gekommen. Nicht solche Entwicklungshilfe zu betreiben, wo ich die "Große Weiße" bin, sondern lebendige Begegnungen auf gleicher Ebene zu wagen, selbst zu lernen. Ich habe auch gelernt, meine Erfahrungen einzubringen und mich nicht nur aus Angst vor neokolonialistischem Verhalten schamhaft zu verstecken."

Lebendige Begegnung (die Idee):

Während der langjährigen Arbeit von EIRENE im Bereich der personellen Entwicklungszusammenarbeit haben wir die Erfahrung gemacht, daß unsere Fachkräfte nicht nur Wissen, Erfahrung und Lebensweisen vermitteln. Sie lernen auch sehr viel von den Menschen, den Gesellschaften, Kulturen und Problemen ihrer Gastländer.
Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung sind nicht durch"Entwicklungshilfe" im Sinne der Anpassung an die Industrieländer zu beseitigen. Ein gerechtes Zusammenleben aller Menschen wird nur möglich, wenn sich die Rahmenbedingungen der Weltwirtschaftsordnung und unser Lebensstil ändern. Für diese Veränderungen hin zum bewußteren Umgang mit den natürlichen Ressourcen, weltweiter sozialer Gerechtigkeit etc. braucht es einen lebendigen Erfahrungsaustausch und intensiven Dialog zwischen dem reichen Norden und dem arm gehaltenen Süden.

Deshalb versucht EIRENE, auf die Menschen in der sogenannten "Dritten Welt" zu hören und ihre Anliegen solidarisch hier bei uns in den reichen Ländern zu vertreten. Für engagierte Menschen, die mit einer Partnergruppe im Süden in Verbindung stehen und deren Mitarbeit in einem konkreten Projekt von der Partnergruppe gewünscht wird, bietet EIRENE seit 1982 das Programm des Solidarischen Lern- und Fachdienstes (SLFD) an.

Beziehungen an der Basis stärken (das Ziel):

Vorrangiges Ziel des Solidarischen Lern- und Fachdienstes (SLFD) ist es, den Dialog zwischen Aktions- und Solidaritätsgruppen in den Industrieländern und Basis- und Selbsthilfebewegungen in der sog. Dritten Welt zu stärken und durch gegenseitiges VoneinanderLernen und Sich-auf-einander-Einlassen eine Brücke der Verständigung zwischen Völkern und Kulturen zu ermöglichen.

Der Dienst geschieht in Zusammenarbeit mit einem Partner im Gastland, der die Freiwilligen aufnimmt und für sie direkter Ansprechpartner ist. Der/die im Rahmen des SLFD tätige Freiwillige lebt und arbeitet mit der Partnergruppe im Gastland. Dieses Eingebundensein in eine einheimische Basisgruppe ermöglicht es, die politische, soziale und kulturelle Umwelt des Gastlandes unmittelbar zu erleben. Gleichzeitig können die Freiwilligen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen und damit die Arbeit ihrer Partner-gruppe unterstützen.

Insbesondere die Aspekte des Lernens und der Rückbindung der Erfahrungen in das Heimatland sind ein zentraler Bestandteil des Programms. Durch den regelmäßigen Kontakt der Freiwilligen zu einem Unterstützerkreis und durch eine rege Öffentlichkeitsarbeit sollen ein direkter Dialog und eine unmittelbare Partnerschaft zwischen "erster" und "dritter" Welt ermöglicht werden. Die Erfahrungen der Freiwilligen fließen durch den engen Kontakt zu ihrer Unterstützergruppe in unsere Industrie- und Wohlstandsgesellschaft zurück. Probleme der sog. Unterentwicklung, die wir sonst nur in Form von abstrakten Zahlen kennen, werden durch den persönlichen Bezug über die Freiwilligen viel eher greifbar.

Der Weg zum Solidarischen Lern- und Fachdienst

Mit dem SLFD bietet EIRENE engagierten Menschen, die mit einer Partnergruppe in der sog. Dritten Welt in Verbindung stehen und deren Mitarbeit in einem konkreten Projekt von der Partnergruppe gewünscht wird, ihre Unterstützung an. Im Regelfall haben die Freiwilligen eine abgeschlossene Berufsausbildung.

So kann ein Solidarischer Lern- und Fachdienst entstehen:

  1. Eine Basisgruppe in einem Industrieland (Dritte-Welt-Laden, Kirchengemeinde, Aktionsgruppe, ...) steht mit einem Projektpartner in einem sog. Entwicklungsland in Verbindung.
  2. Der Partner im Ausland äußert den Wunsch, für einige Zeit (in der Regel zwei Jahre) eine Person aus der Partnergruppe bei sich aufzunehmen.
  3. Der/die Interessent/in nimmt Kontakt mit EIRENE auf und bewirbt sich, die Partnergruppe im Süden fordert den/die Freiwillge/n bei EIRENE schriftlich an, und die europäische Basisgruppe erklärt sich bereit, den/die Freiwillige/n zu unterstützen.
  4. EIRENE nimmt daraufhin Kontakt mit der Partnergruppe im Ausland auf und nimmt eine Projektprüfung vor.

Für eine positive Entscheidung ist Voraussetzung:

  1. Teilnahme des/der Bewerber/in an einem EIRENE-Informations-Seminar. Der/die Bewerber/in identifiziert sich mit den EIRENE-Grundzielen.
  2. Die Arbeit des Partners sollte den allgemeinen Kriterien von EIRENE entsprechen (vgl. Grundsatzdokument "Quo Vadis").
  3. Der/die Bewerber/in wird in einem Bewerbungsverfahren von EIRENE akzeptiert.
  4. Der/die Bewerber/in ist mindestens 21 Jahre alt und sollte über eine Berufsausbildung verfügen. In der Regel wird ein Entwicklungshelfervertrag über eine Dienstzeit von wenigstens zwei Jahren abgeschlossen. Im Rahmen eines Freiwilligen-Vertrages sind kürzere Einsätze (mind. ein Jahr) möglich.
  5. Der/die Bewerber/in sieht sich in der Lage, einen Teil der Kostendeckung durch den Aufbau eines Unterstützerkreises zu gewährleisten.

Wird eine positive Entscheidung getroffen, ist EIRENE behilflich bei der Vorbereitung und Begleitung des Dienstes:


Neben dem Dienstvertrag zwischen EIRENE und dem/der Freiwilligen wird ein zusätzlicher Vertrag über die Zusammenarbeit mit dem Projektpartner geschlossen und eine Kooperationsvereinbarung mit dem Unterstützerkreis getroffen.

Die Rolle des Unterstützerkreises

Die Unterstützergruppe hat zwei zentrale Aufgaben:

  1. Um die Erfahrungen der Freiwilligen in unsere Industrie- und Wohlstandsgesellschaft zurückfließen zu lassen und einen breiten, unmittelbaren Dialog zwischen "erster und "dritter" Welt zu ermöglichen, ist ein enger Kontakt zwischen dem/der Freiwilligen und dem Unterstützerkreis notwendig. Durch regelmäßige Rundbriefe und die persönlichen Berichte des/der Freiwilligen werden die Lebensbedingungen in der sog. "Dritten Welt" für die Menschen im Unterstützerkreis zumindest indirekt erfahrbar. Die Erfahrungen der Freiwilligen können über Informationsveranstaltungen, Zeitungsartikel etc. einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: Die Zusammenhänge zwischen Entwicklung und Unterentwicklung werden so an konkreten Beispielen deutlich.
  2. Außerdem finanziert der Unterstützerkreis durch regelmäßige Spenden in einem erheblichen Maße die Kosten des Auslandsdienstes sowie der Vor- und Nachbereitung seines/r Freiwilligen mit.

Kosten und Finanzierung des Solidarischen Lern- und Fachdienstes

EIRENE leistet einen monatlichen Beitrag zur Finanzierung des SLFD (im Jahr 560,- EUR für Entwicklungshelfer/innen, 355,-EUR für Freiwillige). Gleichzeitig entstehen EIRENE für die Betreuung und Begleitung jeder/s Freiwilligen erhebliche Kosten, von denen der Unterstützerkreis 260,-EUR monatlich an EIRENE erstattet.

Bei einem Solidarischen Lern- und Fachdienst mit einem Entwicklungshelfervertrag werden - einschließlich Rentenversicherungsbeiträgen und Wiedereingliederungsbeihilfe - etwa 2.000,-EUR monatlich benötigt. Dies variiert je nach Lebenshaltungskosten des Gastlandes. Zu seiner Finanzierung trägt EIRENE mit 560,-EUR bei. Der Unterstützerkreis hat also noch eine Finanzierung von ca. 1.440,-EUR pro Monat aufzubringen.

Im Falle eines Freiwilligendienstvertrags, ohne die soziale Absicherung im Rahmen des Entwicklungshelfergesetzes, betragen die monatlichen Kosten ungefähr 755,-EUR bis 985,-EUR, wozu EIRENE mit 355,-EUR beiträgt. Der Unterstützerkreis hat hier die restlichen Kosten, die zwischen 400,-EUR und 630,-EUR pro Monat liegen, zu finanzieren.

Immer wieder hören wir: "Diese Summe können wir nicht aufbringen". Dieser Sorge steht unsere Erfahrung gegenüber, daß von den bisher über 120 Solidarischen Lern- und Fachdienstdiensten nicht ein einziger scheiterte, weil das Geld nicht gereicht hätte, sondern alle ihre Finanzierung sicherstellen konnten.

Über die materielle Unterstützung seiner Bezugsgruppe in der Heimat schreibt ein SLFD-Freiwilliger: "Ich war skeptisch, ob das funktioniert. Und ich bin angenehm überrascht worden. Nicht nur im Materiellen fühle ich mich von Euch getragen. Es fordert mich stark heraus, das, was ich hier tue und vorhabe, kritisch im Auge zu behalten, denn ich lebe und arbeite hier mit dem Geld von Euch, die Ihr mir näher seid als irgendeine anonyme Großorganisation mit ihren Lohnzahlungen."

Sollten Sie an einem solchen Dienst im Rahmen des SLFD-Programms beteiligt sein, so wenden Sie sich bitte schriftlich oder per Email an unsere Geschäftsstelle.