Internationaler Christlicher Friedensdienst

So viele neue Freunde, Bekanntschaften und einen Berg von wichtigen Erfahrung und dann dieser Abflug ohne einen wirklichen Abschied war schon nicht so einfach. Ich tröstete mich damit, dass ich zurückkehren würde, auch wenn ich noch nicht genau wusste ob es in diesem Jahr noch klappen würde.

Niklas Oelerich berichtet in seinem Rundbrief von seiner unfreiwilligen kurzzeitigen Rückkehr nach Deutschland.

Liebe Unterstützer, Freunde und Bekannte,



Nach den Vorkommnissen der vergangenen Zeit gibt es wieder einiges zu berichten. Von dem gesundheitlich notwendigen Aufenthalt in Deutschland und die dabei gemachten „Rückkehrererfahrungen“ möchte ich Ihnen/Euch in diesem Rundbrief berichten. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!



Die Rückkehr nach Deutschland


Nach meiner Operation in Managua machte ich die Erfahrung, was es eigentlich bedeutet, körperlich eingeschränkt zu sein. Kurze Wege bloß mit Hilfe und später dann endlich mit Laufgestell wieder einige Meter laufen zu können. Ich denke diese Erfahrung war sehr wichtig für mich.


Vier Tage vor meinem Rückflug durfte ich dann sogar schon an der Jubiläumsfeier zu 50 Jahre EIRENE in Managua mitmachen. Es war sehr schön die angereisten Freiwilligen aus Brasilien und Bolivien, die ich bereits aus dem Ausreisekurs vor meiner Ausreise kannte, wiederzutreffen. Umso trauriger war, dass ich an dem anschließenden EIRENE-Zwischentreffen mit all den Freiwilligen noch nicht teilnehmen konnte.


Zwei angereiste EIRENE-Mitarbeiter flogen dann mit mir zusammen zurück nach Deutschland. So musste ich die lange Strecke noch nicht alleine bewältigen, wobei das Fliegen erstaunlich gut verlief. Ab und an musste ich mal ein paar Schritte auf dem Gang machen, da das lange Sitzen schon anstrengend für meinen Rücken war, aber alles verlief glatt und ohne große Schmerzen.


Beim Abheben der Maschine war ich schon sehr traurig. So viele neue Freunde, Bekanntschaften und einen Berg von wichtigen Erfahrung und dann dieser Abflug ohne einen wirklichen Abschied war schon nicht so einfach. Ich tröstete mich damit, dass ich zurückkehren würde, auch wenn ich noch nicht genau wusste ob es in diesem Jahr noch klappen würde.


Ich flog über Miami nach Frankfurt. In Miami fing der Kulturschock bereits an: Der dreistündige Aufenthalt reichte da vollkommen aus, um sich bereits ein wenig klar zu machen, dass die Taxis nun wieder von Mercedes sind und auch sonst die Edelkarossen wieder täglich bestaunt werden können. Die Menschen an dieser internationalen Schnittstelle waren sehr beschäftigt mit Handy, Laptop und Knopf im Ohr. Ich muss gestehen, dass ich mich anschloss und ebenfalls meinen MP3-Player aufsetzte, was ich schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gemacht hatte und mir zunächst ein paar nicaraguanische Lieder anhörte.


Auch eine komische Erfahrung. Abgesehen von der prahlerischen Seite als Weißer einen MP3-Player zu tragen, hatte ich in Nicaragua sehr selten das Bedürfnis, mich mit Musik abzulenken. Es fing in Miami an: Die Massen rauschen an einem vorbei, keiner spricht dich an oder nickt dir mit einem Lächeln zu. Die Menschen weichen einem eher aus. Schauen auf den Boden oder ins Schaufenster um niemandem aus Versehen in die Augen zu schauen. Man bekommt Zeit Musik zu hören. Ich für meinen Teil merke jetzt erst, wie schön es eigentlich ist, viel mehr „unter Menschen“ zu leben.


Ich könnte noch viele weitere Beispiele nennen, wie das Einkaufen in den riesigen Einkaufscentern, in denen ich mir zu Beginn wie ein Lemming vor kam, der am Fließband abgefertigt wird. Man wird von einer unsichtbaren Kraft durch den Laden geschoben und an der Kasse schnell abgehandelt. Ein zunächst gewöhnungsbedürftiger Ablauf, an den man sich aber leider auch sehr schnell wieder anpasst. Mit Knopf im Ohr...




Zurück in Deutschland


Meine Physiotherapie in Deutschland verlief sehr gut und die Ärzte waren mit der Genesung sehr zufrieden. Vor allem die Bestätigung des deutschen Orthopäden, dass die Operation in Managua sehr gut durchgeführt wurde, brachte einige Erleichterung, auch wenn ich schon ein sehr gutes Gefühl gehabt hatte.


In den vergangenen zwei Monaten waren mehrmals die Woche Krankengymnastik und weitere Untersuchungen in meinen Alltag eingebunden. Gezielte Rückenübungen für Zuhause wurden mir gezeigt und diese werde ich auch die nächsten Jahre noch täglich machen müssen.


Schritt für Schritt ging es vorwärts und nun fühle ich mich auch wieder sehr gut, auch wenn ich natürlich noch nicht schwer tragen kann und in einigen Bewegungen noch ein wenig eingeschränkt bin.


In der Zeit in der Heimat sprang ich bei einem personellen Engpass kurzzeitig bei EIRENE im Empfang ein und übernahm Telefondienst und sonstige kleine Arbeiten des Zivis. Außerdem machte ich eine kleine Präsentation zum Thema „Möglichkeiten nach der Schule“ über den freiwilligen Entwicklungsdienst im Berufsinformationszentrum in Neuwied (BIZ), und auch in einem Gymnasium in der Nähe erzählte ich vor einer 12. Klasse von meiner Arbeit in Nicaragua.


Dabei wurde mir erst klar, was ich eigentlich in so kurzer Zeit alles erleben durfte und wie eindrucksvoll das Ganze wirken muss. Ich merkte beide Male deutlich, dass viele so beeindruckt waren, dass ich auch sagen mal musste: „Hey, das könnte jeder von euch!“


Natürlich war es auch sehr schön, meine Familie wiederzusehen. Nicht nur meine Eltern und meine Schwester Annika sondern auch Oma, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. Doch am schönsten war es wohl unerwartet ein wenig mehr Zeit mit meiner Freundin Laura verbringen zu können die ich sehr vermisst habe.




Wie geht es weiter?


Nachdem die Ärzte mir bestätigt haben, dass es möglich ist, werde ich am kommenden Mittwoch zurück nach Nicaragua fliegen. Ich freue mich schon riesig auf das Wiedersehen und auch auf meine Arbeit bei den Pipitos.


Ich möchte Ihnen/Euch/Dir an dieser Stelle mitteilen, dass ich die zwei Monate in Deutschland an meine Dienstzeit anhängen werde. Ich werde also nicht wie geplant Mitte Februar sondern Mitte April meinen Dienst endgültig beenden. Diese Entscheidung war nicht sehr einfach, doch ich freue mich nun, diese Zeit noch in Nicaragua sein zu dürfen und kann Ihnen/Euch/Dir so sagen, dass die finanzielle Unterstützung, die ihr in den letzten zwei Monaten gegeben habt auf diese Extramonate umgelegt werden. Da ich hier bei meinen Eltern untergekommen bin, fielen natürlich keine Unterhaltskosten an. Natürlich bekommt ihr einen weiteren Rundbrief, auch wenn die Unterstützung formell im Februar ausläuft.


Bei den Pipitos werde ich nun allerdings meine Tätigkeitsfelder ein wenig anpassen müssen. Die Arbeit in der Tischlerei kann ich in dieser Form nicht weiter leisten und auch in der Kinderbetreuung muss ich nun mit der körperlichen Arbeit ein wenig vorsichtiger sein.


Ich werde vor Ort mit den Pipitos absprechen, welche Tätigkeiten ich nun übernehmen werde. Fakt ist: Arbeitskräfte werden immer gebraucht! Ich kann mir vorstellen mehr in den klassischen Lese-, Lern- und Matheunterricht einzusteigen oder Aufgaben in der Administration zu übernehmen.


Ich freue mich jedenfalls riesig auf die neuen Herausforderungen und wieder mit neuem Antrieb an meine Arbeit zu gehen!


Ich Grüße Sie/Euch alle herzlich, bedanke mich für Ihre/Eure Unterstützung und wünsche Ihnen/Euch eine frohe Weihnachtszeit und einen Guten Rutsch in das Jahr 2008!


Ihr/Euer,


Niklas