EIRENE aktuell
"Wir lassen uns nicht mundtot machen"
Protestaktion in Neuwied
EIRENE und das Ökumenische Netz protestieren gegen Kriminalisierung von Aktivisten der Kampagne für 'saubere' Kleidung
Neuwied, 17.12.2007. Gemeinsam mit anderen 0rganisationen in ganz Europa protestiert am heutigen Montag der Internationale Christliche Friedensdienst EIRENE zusammen mit dem Ökumenischen Netz Rhein/Mosel/Saar gegen die Kriminalisierung von befreundeten Aktivisten der niederländischen Clean Clothes Campaign (Kampagne für Saubere Kleidung/CCC). Ein indisches Gericht hatte einen Haftbefehl gegen die Aktivitsten erlassen. Besonders skandalös: Der Haftbefehl wurde auf Drängen des indischen Jeansproduzenten FFI (Fibres and Fabrics International) ausgestellt, einem Zulieferunternehmen, das unter teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen u.a. für europäische Bekleidungsunternehmen produzieren lässt.
„Es ist ein Skandal, wie Menschen, die sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Zulieferbetrieben einsetzen, mundtot gemacht werden sollen. Letztlich ist das auch ein Angriff auf das Engagement der Kampagne für 'Saubere' Kleidung, an der sich unser Ökumenisches Netz und auch EIRENE seit Jahren beteiligen“, sagt Dr. Sabine Ferenschild vom Ökumenischen Netz. So befürchten die Neuwieder Organisationen, dass für den Fall des Ausstellung eines Internationalen Haftbefehls demokratische Grundrechte in Frage gestellt werden. „Wenn unsere KollegInnen in den Niederlanden verhaften werden, wird das Recht auf Meinungsfreiheit aufgelöst. Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen, der weltweit Aktivisten zum Schweigen bringen soll“, befürchtet Thomas Oelerich, Pressesprecher von EIRENE.
Die internationale Kampagne für Saubere Kleidung macht seit 2005 auf massive Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten der FFI in Indien aufmerksam. Lokale Organisationen berichten von erzwungenen Überstunden, physischen und psychischen Misshandlungen der Näherinnen und fehlenden Arbeitsverträgen. ArbeiterInnen, die sich gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen wehrten, wurden geschlagen und diskriminiert. Es ist nicht das erste Mal, dass FFI gerichtlich gegen Arbeitsrechtsaktivisten vorgeht. Das Unternehmen hat bereits im Juli 2006 eine Anzeige gegen lokale Arbeitsrechtsorganisationen erstattet. Per Gerichtsbeschluss wurde es lokalen Organisationen verboten, öffentlich über die Arbeitsbedingungen bei FFI zu sprechen.
Der bisherige Protest hat zumindest schon einen Erfolg gehabt: Das europäische Unternehmen G-Star hat seine Zusammenarbeit mit dem Zulieferbetrieb FFI in Indien aufgekündigt, solange sich die Arbeitsbedingungen nicht verbessert haben.
Weitere Informationen unter www.saubere-kleidung.de





