Internationaler Christlicher Friedensdienst

Mein Friedensdienst!!!

Oliver Wolf gibt einen Einblick in seine Projekte und seine Tätigkeit mit MVS in Toronto ,Kanada ( November 2006)

1. Das EIRENE Vorbereitungsseminar

Mein Friedensdienst begann bereits am 3. September mit einem zweiwoechigen EIRENE – Vorbereitungsseminar. Zu dem Seminar, das teils in der EIRENE – Geschaeftsstelle und teil in der Bannmuehle in Odernheim, einem Bio-Bauernhof, stattfand, kamen insgesamt 23 Freiwillige, die wie ich die naechsten 12 Monate in verschiedenen sozialen Projekten in unterschiedlichen Laendern verbringen werden. Ziel und Zweck des Kurses ist es gewesen uns auf die kommende Zeit bestmoeglich vorzubereiten. Das straffe Programm beinhaltete einige Vortraege, die uns vor allem ueber organisatorische Dinge wie Versicherung, Einreise, Regeln innerhalb der verschiedenen Projekten usw. aufklaeren sollten. Ausserdem berichteten uns ehemalige EIRENE – Freiwillige ueber ihre Erfahrungen waehrend ihres Dienstes, gaben uns Ratschlaege und standen uns fuer jegliche Fragen zur Verfuegung. Zwischen den unterschiedlichen Themenbloecken gab es immer ausreichend Zeit um Fussball zu spielen, in dem Glan, der direkt an der Bannmuehle vorbeifliesst, zu schwimmen oder Kanu zu fahren oder auch um sich einfach mit anderen Teilnehmern ueber Erwartungen, Hoffnungen oder auch Aengste auszutauschen!

Zwei Tage nach dem Seminar konnte es dann endlich losgehen und so begann meine „Reise“ am 17. September am Frankfurter Flughafen. Nach einem ruhigen zehn – stuendigen Flug bin ich schliesslich in Toronto angekommen, wo mich bereits meine Gastfamilie, erwartete. Waehrend sie mich zu meinem zukuenftigen Zuhause fuhren, konnte ich bereits erste Blicke von dem breiten Highway aus ueber die Silhouette Torontos schweifen lassen. Die naechsten drei Tage verbrachte ich groessten Teils damit, die Stadt via U-Bahn, Bus und Strassenbahn zu erkunden und ausserdem meine drei Mitbewohner G. und A. aus Deutschland und S. aus Winnipeg in Kanada, kennenzulernen. Sie arbeiten auch alle drei in verschiedenen sozialen Projekten. An meinem vierten Tag sollte ich dann schliesslich anfangen zu arbeiten.

2. Mein erstes Projekt “Global Closet Thrift Shop“

Drei Tage die Woche arbeite ich im „Global Closet Thrift Shop“, einem Second – Hand Laden, der neben Kleidern vor allem Haushaltsgeraete, Geschirr und Moebel fuehrt. Global Closet ist, wie ich finde, ein ganz besonderes Projekt, weil es so viele verschiedene soziale Aspekte aufweist. Zunaechst mal muss man wissen, dass die Gegend der Niederlassung ein sozialer Brennpunkt ist, in dem hauptsaechlich Immigranten und Fluechtlinge in „billigen“ Appartement – Hochhaeusern wohnen. So ist es fuer die einwandernden Familien, die zumeist alles zuruecklassen mussten um nach Kanada zu kommen, zu Beginn eine sehr grosse finanzielle Entlastung, wenn sie ihren ganzen Bedarf an Haushaltsgeraeten und Moebeln sehr guenstig aus unserem Geschaeft beziehen koennen. Fuer sehr viele Menschen aus dieser Gegend ist Global Closet allerdings vielmehr ein gesellschaftlicher Treffpunkt als ein „billiges Geschaeft“. Denn einige unserer Kunden kommen jeden Tag, teilweise fuer mehrere Stunden, um sich schlicht und einfach ein wenig zu unterhalten, weil sie sonst niemanden haben, der ihnen zuhoert. Sie setzen sich dafuer in einen unserer Sessel oder auf ein Sofa und erzaehlen uns ihre Geschichte und Probleme, manche bitten um Ratschlaege, zum Beispiel, wo sie Arbeit finden koennten u.s.w. Einer dieser Kunden ist Mr K.. Es vergeht kein Tag, an dem er nicht vorbeischaut. Mr. K. ist vor neun Jahren nach Kanada gekommen und lebt seitdem in einem der Appartment - Hochhaeuser. Ich persoenlich habe seine Wohnung nicht gesehen, man hat mir aber erzaehlt, dass er sich darin kaum noch bewegen kann, weil alles mit Moebeln und anderen Gegenstaenden aus Global Closet versperrt sei. Wenn Mr. K. kommt, dann bringt er meistens einen Kaffee von der benachbarten Mc. Donalds Filiale und viel Zeit mit. Haeufig bittet er darum, dass wir ihm ein wenig mit seinen Englischproblemen helfen, manchmal kommt er aber auch einfach nur um sich ueber seine Appartmentnachbarn zu beschweren.

Ein weiterer sehr wichtiger Bestandteil von GC ist die Zusammenarbeit mit dem Projekt „Circles of Support“, das versucht Menschen, die frisch aus der Haft entlassen wurden zu helfen. So arbeiten also D., G. und M., drei ehemalige Sexualstraftaeter, die alle in das Programm von „Circles of Support“ involviert sind bei uns in GC. Fuer sie ist die Arbeit sehr wichtig, weil sie dadurch einerseits Beschaeftigung haben und andererseits auch Anerkennung und Selbstachtung zurueckgewinnen koennen. Nun also zu meiner Arbeit: Jeden Montag und Donnerstag fahre ich mit G. in einem Moebelwagen quer durch Toronto um saemtliche Moebelspenden ( Tische, Stuehle, Sofas, Sessel usw.) fuer GC abzuholen. Diese Tage sind haeufig insofern sehr anstrengend, als zum einen die Moebelstuecke oft unglaublich schwer sind ( ganz besonders Sofabetten, die wir leider nicht gerade selten haben) und zum anderen G. sehr viel Aufmerksamkeit braucht. Wenn er mir gerade nicht von Neufundland, seiner eigentlichen Heimat erzaehlt, dann singt er ununterbrochen bei jedem Countrysong, der im Radio laeuft lautstark mit. Aber alles in allem komme ich sehr gut mit ihm zurecht. Freitags arbeite ich dann als „Assistant Manager“ mit M. zusammen im Geschaeft. Hier fallen Dinge wie Kundenservice, das Oeffnen und Schliessen des Geschaeftes und auch das Entgegennehmen von Spenden in meinen Aufgabenbereich. Anfangs bereitete mir der Gedanke daran mit ehemaligen Sexualstraftaetern zusammen zu arbeiten ein wenig Angst , vor allem die Tatsache zwei ganze Tage mit G. allein auf engstem Raum in einem Kleinlaster zu verbringen. Mittlerweile allerdings macht es mir gar nichts mehr aus, ganz im Gegenteil, es macht mir sehr viel Spass mit G., M. und D. zusammenzuarbeiten.

3. Mein zweites Projekt „Ten Thousand Villages“

Kurz vor meiner Abreise erreichte mich eine e-mail aus Kanada, um mir mitzuteilen, dass die Projektstelle bei „World Vision Refugge Centre“, die fuer mich vorgesehen war, geplatzt sei, und dass die Suche nach einer passenden Ersatzstelle am laufen sei…

So bin ich dann schliesslich bei „Ten Thousand VVillages“ (kuenfitig mit TTV abgekuerzt) gelandet. TTV ist einen nordamerikanische Kette von Dritte – Welt – Laeden in Nordamerika, die von Mennoniten gegruendet wurde und auch weiterhin von ihnen verwaltet wird. Das Konzept ist ganz einfach: TTv verkauft verschiedene Produkte aus mehr als dreissig Entwicklungslaendern, wie zum Beispiel Kisii – Stein Skulpturen aus Kenia, Porzellan aus Vietnam aber auch Kaffee aus Suedamerika und sogar einige Moebelstuecke. Alle Produkte werden direkt und ohne Zwischenhandel bei den Herstellern gekauft und diese werde gerecht dafuer bezahlt, Ausserdem ist gewaehrleistet, dass bei der Herstellung der Ware keine Kinderarbeit involviert war. Des Weiteren sind alle Arbeiter bei TTV bis auf den jeweiligen Manager unbezahlte Freiwillige, so dass der komplette Gewinn, den das Geschaeft macht fuer karitative Zwecke gespendet wird. Ich arbeite zwei Tage die Woche, naemlich dienstags und mittwochs, bei TTV. Und zwar wird momentan eine neue TTV – Filiale in Toronto errichtet, wo ich beim Aufbau und Einraeumen helfe. Hier verrichte ich zumeist Arbeiten wie das Zusammenschrauben von Regalen und Tischen, das Auspacken diverser Pakete, ausserdem muss noch gestrichen werden, eine Inventarliste erstellt werden usw. Geplant ist, dass das Geschaeft rechtzeitig zu dem Weihnachtsgeschaeft eroeffnen soll. Ich werde voraussichtlich nach der Eroeffnung noch bis Ende September ein wenig im Verkauf arbeiten und dann in ein anderes Projekt wechseln, von dem jetzt noch nicht feststeht, was es sein wird. Es bleibt also spannend.

Oliver Wolf