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Jacob Balz berichtet von seiner Arbeit im Projekt Eco Seeds in Nordirland (November 2007)

 

Meine Arbeit…



Jetzt ist gerade die letzte Phase des Erntens angesagt. Wir holen die letzten Samen der Wildblumen vom Feld und die letzten Blumenzwiebeln aus der Erde. Meistens arbeite ich hier im Freien, da ich beim Samenreinigen gegen einige der Samen allergisch bin. Ist aber nicht so tragisch wie es sich jetzt anhört. Die Allergie macht mich halt schlapp und müde und ich bekomme rote Augen. Zum Glück sind es soweit ich das jetzt herausgefunden habe, auch nicht alle Samentypen, sondern nur ganz spezielle. Mein Chef hat aber immer ein Auge darauf, wenn es andere Arbeiten gibt, dass ich dann diese ausführe. Wenn es gar nicht anders geht, habe ich eine Spezialmaske von ihm bekommen, die auch im chemischen Labor verwendet wird, die hält alles draußen.

Meine Aufgaben bestehen also neben dem Ernten aus viele Holzarbeiten, die mein Chef schon immer mal erledigen wollte. Zum Beispiel habe ich ein Holzregal für Plastikplanen, um diese besser sortieren zu können und eine Holzverkleidung für das automatische Bewässerungssystem gebaut. Im Augenblick bin ich dabei das automatische Bewässerungssystem wieder so einzurichten, dass es alle Pflanzen gleichmäßig bewässern kann. Ich bin für alle Blumenzwiebeln, die wir verkaufen, verantwortlich. Das ist im Augenblick ziemlich viel Arbeit, da jetzt gerade sehr viele Blumenzwiebel bestellt werden.

Für das Ernten gibt es hier mehrere Methoden. Die Stressigste ist, wenn die Wildblumen geschnitten werden und wir sie dann als Ganze trocknen. Es macht ziemlich viel Arbeit diesen ganzen Haufen zum Trocknen zu bewegen und bei so viel „Abfall“ ist das Säubern der Samen auch kein Spaß, da all die Stiele und Blätter ja wieder entfernt werden müssen. Dann gibt es noch die Methode des Sammelns per Hand. Diese ist bei schönem Wetter die von den Freiwilligen präferierte Methode. Sie funktioniert aber nur, wenn die Samen relativ groß und gut zu greifen sind. Die letzte Methode ist die Bürstenerntemethode. Für diese Erntemethode haben wir eine Spezialmaschine aus Kanada, die man sich als eine große, horizontal liegende Autowaschanlagenbürste vorstellen kann. Diese Bürste kann man einstellen, dass sie genau über den oberen Teil der Pflanzen bürstet und dabei alle Samen aus ihren Samenkapseln in einen Auffangbehälter bürstet. Diese Methode hat zwei Vorteile. Erstens kommen die Samen schon beinahe verkaufsfertig heraus, weil die Maschine fast keine anderen Gegenstände wie Stiele in den Auffangbehälter bürstet. Zweitens können wir auch die Samen der Felder von Farmern abernten, die diese für die Futtermittelversorgung ihrer Tiere im Winter angebaut haben. Wenn wir mit dieser Bürste über das Feld gehen, entnehmen wir fast nichts außer den Samen. Die Wildblumen und Gräser stehen spätestens nach zwei Tagen wieder auf, so dass der Bauer sie ganz normal ernten und als Tierfutter verwenden kann. Diese Bürste gibt uns also die Möglichkeit viel größere Flächen zur Samengewinnung zu benutzen, als wir hier selbst besitzen.

Die meiste Zeit haben wir im Augenblick mit Bestellungen zu tun. Wir fangen aber auch schon mit ersten Vorbereitungen für den Winter an. Im Winter wird hier alles für den Sommer vorbereitet, ganz getreu nach dem irischen Sprichwort: ein Stich zur rechten Zeit spart zehn Stiche in Zukunft.

Ja und außer dieser direkten Arbeit mit den Wildblumen machen wir natürlich auch noch Öffentlichkeitsarbeit. So gibt Mark (mein Chef) zum Beispiel regelmäßig Workshops über die richtige Anpflanzung von Wildpflanzen. Dabei ist sehr wichtig , dass man sie nicht einfach auf den Boden wirft, weil es ja Wildpflanzen sind und das gewohnt sein müssten, sondern man muss den Boden sehr genau und sehr sorgfältig bearbeiten. Man muss zuerst gegen die Ursachen, warum Gras und andere Pflanzen die Wildblumen vertrieben oder besser beinahe vertrieben haben,vorgehen. So brauchen Wildblumen zum Beispiel einen nährstoffarmen Boden um sich gegen das Gras durchsetzen zu können. Außerdem muss der Boden einmal komplett vom Gras befreit worden sein, sonst haben Wildblumen auch keine Chance. Ein kleiner Trick ist die Schlüsselpflanze Yellow Rattel, eine Wildblume die sich als eine Art Parasit an die Graswurzeln heftet und von deren Wasser und Nährstoffen lebt. Deswegen pflanzt man meistens zuerst Yellow Rattel um das Gras zu schwächen. Damit gibt man den Wildblumen die Möglichkeit sich erst einmal zu entwickeln, bevor sie mit dem Gras konkurrieren müssen.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit haben wir auch Fotos für ein Schulbuch gemacht. Das Schulbuch will Schülern Möglichkeiten zeigen, wie sie sich nach ihrer Ausbildung aktiv für die Umwelt einsetzen können.

Bei meiner Arbeit ist mir ein völlig anderes Verständnis von Material und Arbeitskraft aufgefallen. In Deutschland war ich es gewohnt, speziell durch meine Arbeit im Bauhaus, dass man so viel Material für eine Arbeit benutzen durfte, wie man wollte. Hauptsache es ging schnell von statten. Ich erinnere mich an den Aufbau der Weihnachtsdekoration, für die ich frisches Holz aus der Bauabteilung benutzen sollte, obwohl es danach eh verkleidet wurde, da es zu teuer ist das Holz ein Jahr zu lagern und es zu lange dauert bis der nächste verstanden hat, wie es aufgebaut wird. Hier ist ein ganz anderes Verständnis vorhanden: Hier wird grundsätzlich alles so lange benutzt, bis es wirklich zu nichts mehr zu gebrauchen ist. Es wird auch nicht davor zurückgescheut einen hohen Arbeitsaufwand zu betreiben, um Materialien ein weiteres Mal zu benutzen. So würden wir hier ein Nagelbrett von den Nägeln befreien und es wieder benutzen. Im Bauhaus hätten wir es weggeworfen. Dies mag einerseits dadurch bedingt sein, dass die Arbeitskräfte hier von der EU bezahlt werden, andererseits ist aber auch ein ökologischer Gedanke damit verbunden. Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen und den sinkenden Materialvorräten erscheint mir das aber sehr sinnvoll.



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