Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.

ich kann sagen, dass das Wishing Well Family Centre genau das richtige Projekt für mich ist und dass ich mich hier absolut wohlfühle und auch das Gefühl habe wirklich gebraucht zu werden.

Torben Larocque schildert seine Vorbereitung auf seienn Friedesndienst mit EIRENE, erzählt von ersten Erfahrungen mit der irischen Bürokratie und von seiner Arbeit im Projekt "Wishing Well Family Centre" in Belfast

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,

hier bin ich nun also schon seit ca. drei Monaten in Belfast/Nordirland und habe schon sehr viele neue Erfahrungen gemacht von denen ich euch nun in meinem ersten von vermutlich vier Rundbriefen erzählen werde. Zunächst einmal möchte ich mich bei allen bedanken, die mir dieses Jahr sowohl durch finanzielle als auch durch ideelle Unterstützung ermöglicht haben und die mich in diesem Jahr mit Gedanken, Besuchen oder/und Briefen, in diesem für mich einzigartigen Jahr begleiten. Es bedeutet mir sehr viel, zu wissen, dass Menschen mich auf diesem Weg begleiten und diesen mit Interesse verfolgen. Vielen von euch habe ich durch meine Wochenberichte schon viel über mein neues Leben in Belfast berichtet. Durch diesen Rundbrief möchte ich nun aber einen allgemeineren Eindruck über mein Leben hier in Belfast geben, wo ich wohne, wo ich arbeite, was ich so in meiner Freizeit treibe und was ich schon alles an neuen Erfahrungen gemacht habe.

Ausreisekurs, Abreise, Ankommen

Mein Freiwilliges Soziales Jahr in Belfast/Nordirland, anstelle des Zivildienstes in Deutschland, begann mit einem 2-wöchigen Vorbereitungsseminar am 1.Juli in Odernheim und Neuwied. Dieser Ausreisekurs diente dazu, meine anderen 17 Mitfreiwilligen des Nordprogramms (USA, Kanada, Belgien, Niederlande, Irland und Nordirland) von EIRENE kennen zu lernen, zudem wurden wir intensiv auf unseren Auslandsaufenthalt vorbereitet. Themen dieses Ausreisekurses waren unter anderem: Probleme und Gefahren während unseres Auslandsaufenthaltes, das Kennen lernen der Geschäftsstelle von EIRENE, Klären von organisatorischen und versicherungsrechtlichen Fragen und vieles mehr. Nach einer Woche noch mal daheim, bei Familie und Freunden und einer super Abschiedsgrillparty ging es dann am Sonntag, den 22. Juli 2007 um 13 Uhr los an den Flughafen nach Baden-Baden von dem aus mein Reise nach Belfast losging. Ich flog mit Ryanair nach Dublin und bin von dort aus mit dem Bus nach Belfast gefahren. Zufälligerweise sind Frenni, eine Mitfreiwillige von EIRENE und ich mit dem gleichen Flugzeug geflogen. An meinem neuen Zuhause angekommen hat mich Stefan, ebenfalls ein Mitfreiwilliger von EIRENE, auch gleich ganz herzlich mit einem Tee empfangen. Durch meine Projektreise im Mai diesen Jahres wusste ich schon ziemlich viel über das, was mich erwarten wird, trotzdem gab es noch sehr viele offenen Fragen für mich: wie sieht meine Wohnung aus?, wie komme ich mit der Sprache zurecht?, wie verstehe ich mich mit meinen Arbeitskollegen und den Kindern?, was mache ich in meiner Freizeit?, habe ich alles dabei was man in einem Jahr braucht?... Meine erste Woche hat mir das Wishing Well Family Centre frei gegeben, damit ich mich erst einmal in einer für mich neuen Umgebung einleben kann. Zudem musste ich noch einige wichtige Dinge erledigen, wie Housing Benefit (bezahlt meine Miete) beantragen, Medical Card beantragen (für Arztbesuche), Bankkonto eröffnen …. Diese Zeit brauchte ich auch echt, denn um das Ganze so zu bekommen wie man das will, muss man jede Menge Formulare ausfüllen und Nachweise bringen, dass man auch wirklich Volunteer ist und auch wirklich dort wohnt und nirgendwo anders und auch wirklich nur ein Taschengeld bekommt und keinen Lohn. Außerdem hatte ich Zeit um Belfast kennen zu lernen und mich schon ein bisschen in Belfast zurechtzufinden. Nach dieser Woche mit viel Bürokratiekram, habe ich mich dann richtig danach gesehnt, im Wishing Well Family Centre anfangen zu können und meiner ganzen Freude darauf freien Lauf zu lassen. Mit dem Fahrrad kommt man in Belfast eigentlich ganz gut voran, man muss zwar ein bisschen tricksen und vielleicht auch mal den Ärger eines Autofahrers auf sich ziehen, aber im Großen und Ganzen ist es, glaube ich, die beste Fortbewegungsmethode in Belfast, da die Straßen vor allem in den Rush Hours immer überlastet sind. Ich fahre jeden Tag 25 Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit. Zum einen halte ich mich dadurch ein bisschen fit und zum anderen ist es einfach das Beste was ich tun kann. Denn Bus fahren ist zu teuer und kostet zudem auch viel mehr Zeit, als mit dem Fahrrad zu fahren, zudem ist man flexibler und es macht echt Spaß jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und bereits morgens neue Eindrücke von Belfast zu gewinnen. Ich weiß nicht wie ich es geschafft habe, hier noch keine Reifenpanne zu haben, denn die Straßen gleichen oft einem Scherbenmeer, vor allem nach dem Wochenende. Das Fahrrad und ich sind eigentlich schon ein ganzer Rundbrief für sich, denn mit Fahrrädern habe ich hier schon so viel erlebt, wie in meinem ganzen bisherigen Leben noch nicht. Aber gut ich versuche mich kurz zu fassen. Zunächst hatte ich das Fahrrad meines Vorgängers, was ein gebrauchtes Fahrrad war, in einem nicht allzu guten Zustand, aber es fuhr. Irgendwann war es aber viel zu unsicher mit dem Fahrrad im Straßenverkehr zu fahren und es zu reparieren hätte sich auch nicht gelohnt. Also hat mir das Wishing Well Family Centre ein nagelneues Fahrrad gekauft und ich musste dafür nur eine Kaution bezahlen. Mittlerweile habe ich jedoch schon mein drittes Fahrrad, da mir mein zweites Fahrrad vor einer Woche vor dem Belfast Institute gestohlen worden ist. Soviel zum Fahrrad.

Das Wishing Well Family Centre

Das Wishing Well Family Centre ist eine Kindertagesstätte in Ardoyne im Norden Belfasts. Es ist eine Cross-Community Kindertagesstätte, das heißt, dass sowohl katholische als auch protestantische Kinder im Centre sind, was zur Zeit der Gründung (1990) der Kindertagesstätte, und auch heute noch aufgrund des Nordirlandkonflikts sehr wichtig ist, da Ardoyne sehr von den Unruhen während des Nordirlandkonflikts betroffen war. Es gibt 6 verschiedene Gruppen: Babys (0-1 Jahre alt), Toddlers (1-2 Jahre alt), Playgroup (2-3 Jahre alt), Senior Playgroup (3 Jahre alt), Preschool (3-4 Jahre alt) und die Afterschools (5-12 Jahre alt). Ich arbeite hauptsächlich in der Preschool und in der Afterschools. Die Preschool ist wie der Name schon sagt, eine Art Vorschule und geht von 9 – 12Uhr, wobei viele Kinder auch zum Lunch bleiben und dann erst um 14 Uhr von ihren Eltern abgeholt werden, oder gar erst um 17 Uhr. Die Kinder kommen hier schon mit 4 Jahren in die Schule und werden in dem Jahr von Muriel, Lynsey und mir auf die Schule vorbereitet. Das Wichtigste dabei ist ihnen Regeln für das tägliche Leben und ein gutes Benehmen beizubringen, sodass sie später in der Schule ruhig auf dem Stuhl sitzen können, ihr Toast selber streichen können und in der Lage sind den Stift richtig zu halten. Eine weiterer großer Bestandteil unserer Arbeit ist, „Observations“ durchzuführen, das heißt die Kinder zu beobachten, wie sie sich innerhalb diesen Jahres entwickeln und dies in Notizen festzuhalten, da am Monatsende ein Bericht über jedes Kind geschrieben werden muss. Muriel, Lynsey und ich haben uns die Aufgaben untereinander aufgeteilt, so dass jeder seinen Aufgabenbereich in der Gruppe über den Tag verteilt hat, was vieles vereinfacht. Ich verstehe mich sehr gut mit den beiden und unsere Arbeitsatmosphäre ist sehr angenehm. Da immer einer von uns auf die Kinder aufpassen und ich nicht alleine mit den Kindern sein darf, da ich ja nur ein „Volunteer“ bin haben wir immer getrennt Mittagspause, jedoch haben immer zumindest zwei zusammen Lunch. Oftmals heißt es dann „Torben, can you go to the shop?“, das bedeutet dann soviel wie “Torben, du hast doch ein Fahrrad, kannst du nicht schnell zum Laden fahren und uns einen Sandwich oder Sausage Rolls bringen?”. Meistens kommt dann noch die Frage hinterher „Do you want something?“ und wenn ich dann an die frischgemachten Sandwiches oder die warmen Sausage Rolls denke, kann ich diese Frage nur selten verneinen und somit gehe ich dann für uns drei zum Shop und kaufe ein. Wie ihr seht verstehe ich mich super mit den Beiden und sie sind echt super nette Arbeitskolleginnen. Hier habe ich euch nun einmal einen typischen Tagesablauf von mir zusammengestellt.

7:45 Uhr:

Der Tag beginnt: Aufstehen, Duschen, Frühstücken, Lunch richten

 8:30 Uhr:

Abfahrt mit dem Fahrrad zum Wishing Well Family Centre… jeden Tag ein schönes Erlebnis vom Süden, durch die City in den Norden Belfasts zu fahren und dabei viele unterschiedliche neue Erlebnisse und Erfahrungen zu machen.

9:00 Uhr:

Arbeitsbeginn in der Preschool. Freies Spielen für die Kinder, malen, bauen, basteln, Bücher anschauen, Sand… 2-3mal in der Woche machen entweder Muriel, Lynsey oder ich auch ein kleines Projekt mit den Kindern. Ich habe z.B. letzte Woche einen Regenwurmkasten mit den Kindern gebaut, wovon die Kinder voll begeistert waren, und sich auch jetzt noch jeden Tag um die Regenwürmer kümmern. Sie haben sie ja schließlich auch selbst im Garten gesucht und das „Haus“ für die Regenwürmer selbst hergerichtet.

10:30Uhr:

Break- Time. Die Kinder bekommen Toast, Obst und Milch/Wasser, was zuvor von mir gerichtet wurde. Manchmal dürfen die Kinder ihr Toast auch selbst mit Butter beschmieren.

11:00 Uhr:

Zurzeit können wir um diese Uhrzeit noch in unseren eigenen Garten gehen, wenn dies nicht mehr möglich ist, ist zu dieser Zeit schon Story Time. Während die Kinder mit Muriel und Lynsey im Garten sind, wasche ich die Teller und Tassen vom Break ab und räume den Preschoolraum auf. Die Kinder räumen ihre Sachen zwar vor dem Break auf, jedoch bleiben immer ein paar Sachen übrig die geputzt werden müssen oder erneuert werden müssen…

11:30 Uhr:

Story Time: Es werden Geschichten vorgelesen, Lieder gesungen, kleine Bewegungsspiele gespielt…

12:00 Uhr:

Lunch Time. Die Kinder, welche nicht um 12 Uhr von ihren Eltern abgeholt werden, essen nun ihren Lunch, der aus Toast, Chips, Schokoriegeln und einem Saft besteht. Ich schaue in dieser Zeit darauf, dass sie ordentlich essen und zuerst ihren Toast essen und dann die Chips und nicht andersrum. Manchmal muss ich zu dieser Zeit auch auf den Bus. Das heißt Freddy, der Busfahrer, und ich bringen ein Teil der Kinder von der Preschool mit dem Bus nach Hause. Nach dem Lunch wird meistens ein Film angeschaut.

13:00 Uhr:

Meistens beginnt meine Mittagspause um 13 Uhr, manchmal auch schon um 12 Uhr… 1 Stunde lang.

14:00 Uhr:

Den jüngeren Teil der Afterschools Kinder hole ich nun mit Freddy von der Schule ab. Freddy ist unser Busfahrer und meine Aufgabe ist es, die Kinder auf dem Schulhof abzufangen und an den Bus zu bringen und später vom Bus in den Hausaufgabenraum. Wenn wir dann wieder im Centre sind machen entweder Lynsey, Muriel oder ich mit den Kindern Hausaufgaben. Wir holen nur Kinder von einer Schule ab. Es sind aber auch Kinder von anderen Schulen bei uns in der Afterschools, welche dann von ihren Eltern ins Centre gebracht werden. Es müssen auch nicht alle Kinder ihre Hausaufgaben im Centre machen, diese Kinder haben dann eine große Auswahl an Spielen (Brettspiele, Malen, Billard, Tischfussball, Playstation…). Wie ihr seht ist das Schulsystem sehr unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland. Die Kinder kommen hier schon im Alter von 4 Jahren in die Schule. Sie gehen dann 7 Jahre lang auf eine Art Grundschule und wechseln dann aufs College. Auf dem College können sie dann auch verschiedene Schulabschlüsse machen, je nach dem wie lange sie auf dem College bleiben. Die Schule beginnt hier um 9 Uhr, was sich ja sehr locker anhört, dafür geht sie aber auch bis 14 Uhr für die Jüngsten und bis 15 Uhr für die Älteren.

15:00 Uhr:

Part zwei der Afterschools. Die Älteren, die länger Schule hatten, werden nun abgeholt und anschließend mache meistens ich mit Ihnen die Hausaufgaben. 16:00 Uhr: Break Time Afterschools: Es gibt Kekse, Obst und Milch/Wasser/Saft

16:15 Uhr:

Home-Run. Freddy und ich bringen einen Teil der Kinder mit dem Bus nach Hause, der Rest der Kinder wird bis 17 Uhr von ihren Eltern abgeholt.

17:00 Uhr: Feierabend

Das ist jedoch nur ein grober Überblick darüber was ich den ganzen Tag über mache. Denn jeder Tag bringt sein „Specials“ mit sich und ist immer für Überraschungen gut. So kann es zum Beispiel auch mal sein, dass ich mich eine Zeit lang nur mit dem Kind in der Gruppe beschäftige, das taub ist, oder dass ich den ganzen Tag über aufräumen muss im Wishing Well, da wir im Jahre 2008 eine große Inspektion haben oder dass die Leute von der Bücherei kommen und den Kindern Geschichten vorlesen ….Ab und Zu muss ich auch in anderen Gruppen aushelfen, wenn dort die Anzahl an Erzieherin zu knapp ist. Also ihr seht meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich und bringt fast täglich neue Erfahrungen und Erkenntnisse mit sich. ich kann sagen, dass das Wishing Well Family Centre genau das richtige Projekt für mich ist und dass ich mich hier absolut wohlfühle und auch das Gefühl habe wirklich gebraucht zu werden.


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