Internationaler Christlicher Friedensdienst

Ich fühle mich mittlerweile total wohl und habe das Gefühl, bei CAJ richtig angekommen zu sein

Hanjo Milke berichtet von seiner Motivation, einen Friedensdienst zu machen, seinen ersten Wochen in Belfast und seiner Arbeit im Projekt Committee on the Administration of Jusitce – kurz: CAJ

Fast drei Monate bin ich nun schon in Belfast in Nordirland. Um genau zu sein, 94 Tage. 94 Tage, mit wahnsinnig vielen Eindrücken und Erlebnissen. Aus diesem Grund fällt es mir auch recht schwer, meine Eindrücke zu Papier zu bringen. Ganz besonders, da dieser Rundbrief ein wenig offizieller gestaltet sein soll. Am liebsten wäre es mir, wenn ich jetzt einfach drauf losschreiben und ohne Punkt und Komma alle meine Erfahrungen hier auflisten würde. Aber für Euch, Ihr Lieben, werde ich mein Bestes geben, meine letzten Wochen gut darzustellen

Abreise aus Hamburg und Vorfreude auf das, was mich erwarten wird

Am 27. Juli ging es also endlich los, Hanjo verließ die schöne und große Stadt Hamburg. Warum tat er das? Er hatte sich entschieden, direkt nach dem Abitur einen “anderen Dienst im Ausland” mit der christlichen Friedensorganisation “EIRENE” zu machen. Die Vorfreude auf das, was kommen mag in Belfast, im Projekt und in der neuen WG hat sich, besonders am Flughafen, mit der Angst vor all dem Neuen und mit der Unsicherheit, so vieles, das man lieb hat, hinter sich zu lassen, gepaart. Bevor ich im Flugzeug saß, hatte ich nie wirklich das Gefühl, dass ich bald für ein Jahr weggehen würde. Natürlich sind wir auf dem EIRENE-Ausreisekurs, den wir Anfang Juli hatten optimal auf das Jahr und alle möglichen Szenarien vorbereitet worden. Es war total schön, sich mit anderen Freiwilligen, die alle die gleichen Ängste und Erwartungen hatten, auf ein Jahr vorzubereiten, in dem alle relative ähnliche Erfahrungen machen werden. Wir alle hatten anfangs mehr oder weniger die gleichen Sorgen und Vorstellungen. Aus diesem Grund waren es zwei sehr harmonische und hilfreiche Wochen. Aber dann geht es ja plötzlich wirklich los und es wird ernst. Als ich am Flughafen die ersten Tränen fließen sah, realisierte ich auf einmal, dass es jetzt wohl wirklich soweit ist. Hanjo verlässt sein Hamburg. Das war zu dem Zeitpunkt, glaube ich, für mich, meine Familie und meine Freunde immer noch eine ganz komische , irgendwie irreale Vorstellung. Im Flugzeug, fing ich langsam an, meine Geschenke und Glücksbringer für das kommende Jahr auszupacken. Jedes einzelne Geschenk war so schön und ich kann euch sagen, es war zum Teil recht hart, die Geschenke zu öffnen und gleichzeitig von seiner “alten” Heimat wegzufliegen. Als ich jedoch in Belfast ankam, waren diese Gefühle und Ängste wie weggeblasen. Ich bin ins Taxi gestiegen und fand es richtig toll dem Taxifahrer: “35 Delhi Street, please” zu sagen. Die nächsten Tage verflogen wie im Flug und ich habe alles Neue um mich herum total in mich aufgesogen.

Meine Motivation für einen freiwilligen Dienst

Zur Zeit meines Abiturs, habe ich mir oft die Frage gestellt: Was machst du, wenn du fertig bist? Ich musste mir diese Frage schon recht früh stellen, da ich ausgemustert worden war. Ich hatte also alle Freiheiten, sofort anzufangen mit einem Studium, erstmal zu chillen oder etwas ganz anderes Sinnvolles zu tun. Mir war klar, ich wollte in diesem Jahr etwas Besonderes machen, ich wollte etwas Neues kennenlernen, am liebsten mal raus aus Hamburg kommen. Durch meine Eltern, die über persönliche Kontakte einen engen Draht zu EIRENE haben, bin ich auf die Idee gekommen, mich dort zu bewerben. Im Oktober 2006 habe ich dann auch das erste Infoseminar mitgemacht und war von der Art, wie EIRENE mit einem Dienst im Ausland umgeht, total begeistert. In den nächsten Wochen habe ich mich dann intensiv mit den verschiedenen Projekten von EIRENE auseinander gesetzt, um mich für das für mich richtige Projekt zu bewerben. Als die Bewerbung dann raus war und ich ca. drei Wochen später meine Einladung zum Bewerbungsseminar bekommen hatte, war ich wirklich sehr froh und ich bin guter Dinge nach Neuwied gefahren. Die Teamer auf dem Bewerberauswahltreffen waren der Meinung, dass das Projekt CAJ und Nordirland zu mir passen würde. Die nach wie vor politische Brisanz in Belfast und Nordirland finde ich sehr spannend und ich habe das Gefühl, dass durch die Vermittlungs- und Friedensarbeit von CAJ direkt an der Aufarbeitung und Aufklärung des Konflikts teilgenommen wird.

Mein Projekt CAJ  - Was macht CAJ und mein Aufgabenbereich

Mein Projekt, das Committee on the Administration of Justice, ist 1981 gegründet worden und ist eine Menschenrechts- und Nichtregierungsorganisation. CAJ ist eine neutrale Instanz im Nordirlandkonflikt und versucht vermittelnd und aufklärend zum Beispiel auf die Regierung und die Polizei einzuwirken. Das Committee hat sich zur Aufgabe gemacht, in Nordirland für die Durchsetzung der internationalen Menschenrechte zu sorgen. CAJ arbeitet eng mit internationalen Menschenrechtsorganisationen, wie Amnesty International und Human Rights Watch zusammen. CAJ organisiert zum Beispiel Kongresse, das heißt, sie machen viel öffentliche Aufklärungsarbeit. Gleichzeitig betreuen sie aber auch individuell Opfer und Täter in Rechtsfragen. 1998 wurde CAJ mit dem Council of Europe’s Human Rights Preis ausgezeichnet. Kurz aufgezählt bin ich verantwortlich für folgende Tätigkeiten 1.Telefondienst 2.Internetbetreuung (Website und E-Newsletter) 3.Fertigstellung der monatlichen Zeitung „Just News“ 4.Kommunikation im Team 5.„ Mädchen für alles“ Eindrücke von meiner Arbeit Um meine Arbeit bei CAJ zu beschreiben, denke ich, ist es am Besten, einen Arbeitstag zu beschreiben.

7.45 Uhr

mein Wecker klingelt und ich wache sehr verschlafen auf… Meistens schlafe ich wieder ein und werde um

8.15 Uhr

von Torben durch Klopfen an meiner Tür geweckt

Bis 8.30 Uhr

wird dann ein Toast mit Butter gegessen und dann wird sich auf das Fahrrad geschwungen und der 15 minütige Weg zur Arbeit beginnt. Ich fahre eine der Hauptstraßen von Belfast entlang, und muss jeden Morgen versuchen, mir zwischen hupenden Autos, roten Ampeln (über die hier jeder geht) und tausenden Fußgängern, meinen Weg zur Innenstadt bahnen. Bevor ich zu CAJ fahre, sammele ich jeden Morgen die Zeitungen für unser Büro bei einem Kiosk ein. Wir kriegen immer die 4 Hauptzeitungen (The Irish News, City News Letter, The Guardian, The Irish Times). Nachdem ich sie eingesteckt habe, geht es 2 Straßen weiter zum Büro. Gegen

9.00 Uhr

komme ich meistens im Büro an und häufig bin ich der Erste. Dann muss ich erst einmal die ganzen Türen aufschließen und die Alarmanlage ausschalten. Aufgrund der Erfahrung mit Gewalt in Nordirland gibt es für mich völlig ungewohnte Sicherheitsvorkehrungen! Als nächstes schaue ich auf mein Telefon, ob neue Nachrichten auf dem Anrufbeantworter sind und dann richte ich mich ein bisschen ein. Sodann mache ich mir einen Tee, wie soll es auch anders sein in UK und danach fahre ich den Computer hoch und schalte alle technischen Geräte an. (Kopierer, Drucker, Kamera für den Eingang ) Montags haben wir immer um

9.30 Uhr

“Monday Morning Meeting”. Dann wird erst einmal ausführlich von den jeweiligen Wochenendprogrammen gesprochen und es werden die “wichtigsten” News diskutiert und ausgetauscht. Dann wird die Woche durchgegangen. Wir sprechen darüber, was bei jedem einzelnen ansteht, damit man weiß, wer Meetings hat, oder wer besonders beschäftigt ist und man ihn vielleicht entlasten kann. Ich stelle dann kurz die Website vor, und wir entscheiden, welche Artikel neu geschrieben werden müssen und was verändert werden muss. Nach dem Meeting, fange ich meistens sofort an, die Website upzudaten und dann steht wieder der “normale” Kram auf dem Programm. Meistens gegen

11 Uhr

kommt die Post, die ich dann öffne und sortiere. Meine Haupttätigkeit, die ich auch jeden Tag zu tun habe, ist die Beantwortung des Telefons, alle eingehenden Anrufe laufen über mich. Ich nehme dann die Nachrichten entgegen oder leite die Anrufe direkt an meine Kollegen weiter. In meiner ersten Woche bei CAJ, hatte ich dann gleich mein erstes, heute lustiges, damals jedoch ziemlich erschreckendes Erlebnis: Ich musste eine Message für einen Kollegen entgegennehmen. Die Frau an dem anderen Ende des Telefons hat auf meine Bitte hin schon sehr langsam ihren Namen buchstabiert: beim ersten Mal hatte ich nichts, beim zweiten Mal hatte ich nichts und beim dritten Mal hatte ich auch nichts verstanden, wollte aber nicht weiter nachfragen, da es mir peinlich war. Und deswegen sagte ich nur: „Ah, okay I got it, thank you!“ Naja, es kam Folgendes dabei raus: BROAM WYAMCGRR Ich wusste, dass das nicht der Name sein konnte, also hab ich Liz (Office Managerin von CAJ) gefragt, sie musste sich das Lachen sehr stark verkneifen… Die Frau hieß nämlich Bronwyn Mc Mahon.

Ich fühle mich mittlerweile total wohl und habe das Gefühl, bei CAJ richtig angekommen zu sein. Schon häufig habe ich die Website aktualisiert, 2 Just News Ausgaben (monatliche Zeitung von CAJ) habe ich designed und rausgeschickt, an der dritten für Oktober arbeite ich zur Zeit. Ganz generell habe ich jetzt schon eine ziemliche Routine entwickelt und weiß, wie ich mit den meisten Dingen umgehen muss. Ich fange jetzt so langsam an, die hochinteressanten Artikel, die ich immer bearbeiten muss, auch zu lesen, um einen noch besseren Einblick in den Nordirlandkonflikt, aber auch in die Aufarbeitung des Konfliktes zu bekommen.

Kleines Fazit

Als kleinen Abschlusssatz kann ich nur noch einmal sagen, dass ich mich bis jetzt richtig gut fühle hier in Belfast. Ich habe rundum das Gefühl, dass es genau das Richtige war, diesen Schritt zu wagen. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal ganz ganz herzlich bei meinem Unterstützerkreis bedanken! Ohne Euch könnte ich diese vielen Erfahrungen nicht machen. Vielen, vielen Dank!!