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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.
„Ich fuehle mich in meinem Projekt sehr wohl“
Julia Hermann berichtet in ihrem ersten Rundbrief über ihre interessante Arbeit in dem Projekt „Ecoseeds“ in Strangford/ Nordirland. (November 2006 )
Ich wuensche euch ganz viel Spass beim Lesen dieses Rundbriefs. Ich moechte euch in diesem ersten Brief ein bisschen Einblick in mein Leben hier ermöglichen. Alles zu erzaehlen, was ich hier schon erlebt habe, wuerde einfach den Rahmen sprengen. Deshalb werde ich in diesem ersten Brief versuchen, auf moeglichst viele Punkte einzugehen, die ich dann in weiteren Rundbriefen genauer erlaeutern werde.
Inhalt:
der Ausreisekurs und mein Abschied von daheim
die Ankunft
Ecoseeds – mein Projekt
meine Wohngemeinschaft (WG), das Haus und mein kleines Doerfchen
meine Arbeit
Persoenliches
Eirene
Der Ausreisekurs und mein Abschied von daheim
Nachdem ich mir immer eingeredet habe, wie lange ich doch noch Zeit habe, bis ich mein Zuhause verlasse, war der 2. Juli ganz ploetzlich da. Der 2. Juli, das war das Datum, an dem mein Ausreisekurs fuer ein Jahr Friedensdienst in Nordirland beginnen sollte. So sass ich also an diesem Tag mit vier anderen Freiwilligen, die wie ich ueber die Erzdioezese und Eirene ausreisen wuerden, im Zug. Der erste Teil des Kurses fand in einem kleinen Dorf (Odernheim, ca. eine Stunde von Mainz) statt. Insgesamt waren wir 15 Teilnehmer im Ausreisekurs Juli 2006 Nordprogramm. Von diesen 15 ging eine nach Belgien, vier nach Amerika und zehn nach Irland/Nordirland.
Die ersten Tage haben wir vorallem damit verbracht uns gegenseitig kennen zulernen. Danach kamen Einheiten ueber Versicherungen, unser Taschengeld, die Zeit unseres Dienstes, interkulturelles Lernen und laenderspezifische Einheiten. Am Ende dieser Woche haben wir ausserdem unsere Paten kennengelernt. Paten, das bedeutet, jeder Freiwillige hat einen Paten, der vor ein paar Jahren in demselben Land einen Friedensdienst mit Eirene geleistet hat. Diesem Paten konnten wir nun all unsere Fragen stellen und auch jetzt ist der Pate derjenige, an den wir uns bei Problemen im Land, wenden koennen.
Die zweite Woche verbrachten wir in der Geschaeftsstelle von Eirene, in Neuwied. Dort haben wir viel ueber die Organisation Eirene gelernt. Ausserdem hatten wir Einheiten zum Thema Gewaltfreiheit und die Arten der Gewalt.
Es war am Ende recht schwer von den vielen netten Menschen, die ich dort kennenlernen durfte, Abschied zu nehmen, wo doch der Abschied von meiner Familie genauso kurz bevor stand. Gluecklicherweise konnte ich mich aber auch auf ein Wiedersehen mit einigen in Belfast freuen.
Schwerer wurde der Abschied von Zuhause. Da mein Vater am Tag vor meiner Ausreise Geburtstag hatte, konnte ich mich dort nochmal richtig gut von meiner Familie verabschieden, wobei ich meinen Freunden schon vor dem Ausreisekurs Tschuess gesagt hatte.
Am 19.7. sass ich also im Flugzeug in Richtung Dublin.
Von dort ging es dann mit dem Bus weiter ueber die Grenze nach Nordirland. Dass man die Grenze von Irland nach Nordirland ueberschritten hat, bemerkt man nur durch den veraenderten Seitenstreifen. Zuerst nach Newry und dann nach Downpatrick. Immer dabei war mein unheimlich schwerer Koffer, der schon im Flughafen dank seines Uebergewichts Probleme gemacht hatte….
Ankunft:
In Downpatrick wurde ich von K., einem Mitarbeiter meines Projekts, abgeholt. Er brachte mich in mein neues Zuhause fuer dieses Jahr, wo schon die anderen Freiwilligen auf mich warteten. Dank meiner Projektreise im April war mir nur der neue Freiwillige Umberto aus Italien unbekannt. Am Abend wurde dann noch beschlossen, dass ich gleich am naechsten Tag anfangen wuerde zu arbeiten. Nach einem kurzen Hallo ging ich in mein, schoen fuer mich hergerichtetes Zimmer und fiel todmuede ins Bett.
Ecoseeds – mein Projekt:
Uebersetzten koennte man dieses Wort mit “Oekologischen Samen” kurz Oekosamen.
Ecoseeds ist eine kleine Gaertnerei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, nordirische Wildblumen zu zuechten und die Samen hauptsaechlich zu verkaufen, ohne Profit zu machen. So setzen sie sich ausserdem fuer die Biodiversitaet ein, was ein grosses Ziel der Gaertnerei ist. Das Projekt arbeitet wie oben schon erwaehnt biologisch, das heisst wir verwenden keine Spritzmittel. Ausserdem wird nur Erde verwendet, die zwar aus Nordirland, nicht aber aus den Mooren Nordirlands stammt.
In meinem Projekt arbeiten ausser mir noch drei andere Freiwillige und drei Festangestellte. K. ist fuer die Finanzen zustaendig, A. fuer uns Freiwillige und andere Bueroaufgaben und M.ist sozusagen “Chef” des Ganzen, wobei er oft mit uns bei den Blumen arbeitet. Chef in Anfuehrungszeichen da in Ecoseeds alle auf einer Ebene stehen sollen.
Dies also eine kurze Beschreibung meines Projekts. In einem der naechsten Rundbriefe werde ich dann auf die Geschichte von Ecoseeds eingehen.
Meine WG – das Haus – und mein kleines Doerfchen:
Ich wohne hier in einem kleinen Dorf. Es heisst Strangford und liegt an der Ostkueste Nordirlands. Strangford gibt der Meereszunge, die ab hier ins Land hineinreicht, ihren Namen. Trotzdem wohnen hier nur 350 Menschen. Ich wohne mit den anderen Freiwilligen, die mit mir in meinem Projekt arbeiten, zusammen. Wir leben in einem kleinen Haeuschen, ca. 300 Meter vom eigentlichen Dorf entfernt, mit Blick aufs offene Meer. Um ans Meer zu gelangen, brauche ich ungefaehr 3 Minuten, jedoch ist Schwimmen dort unmoeglich. Die Stroemung, die Ebbe und Flut am Eingang des Strangford Loughs verursachen, ist einfach zu stark. Jedoch ist es schoen, einfach manchmal ein bisschen am Meer zu sitzen.
Unser ziemlich altes Haus besteht im oberen Stock aus 4 Schlafzimmern, einem Bad und einem WC. Unten befindet sich eine Kueche mit Esszimmer und ein Wohnzimmer mit Fernseher, DVD – Player und Videorecorder. Ich wohne bis jetzt leider im einzigen Zimmer ohne Meerblick, da ich als Letzte ankam. Ausserdem hat mein Zimmer keine Heizung, jedoch ist es nicht das kaelteste Zimmer, da unser Wohnzimmer direkt darunterliegt. Im Dezember jedoch werden die Zimmer getauscht. Meine Mitfreiwilligen und gleichzeitig Mitbewohner sind M. aus Portugal, D. aus Spanien und U. aus Italien, der einen Tag vor mir ankam. Alle drei haben schon studiert und ich bin somit mit einem Abstand von 4 Jahren die Juengste in unserem Haus.
In unserer WG haben wir jeder unser eigenes Geld, doch es gibt auch das gemeinsame Geld, mit dem wir einkaufen und Elektrizitaet kaufen (hier in Nordirland ist das so ueblich). Jeder muss einmal die Woche kochen. Am Wochenende, Freitag eingeschlossen, wird dann gegessen, wann jeder Lust hat! Genauso wird das auch mit dem Spuelen gehandhabt, Regeln, die bis jetzt echt super gut klappen.
Meine Arbeit:
Ich bin nun seit 1 ½ Monaten hier und wurde bis jetzt in meine neue Arbeit eingearbeitet. Die Arbeit bei Ecoseeds ist fuer uns im Sommer in vier Bereiche eingeteilt: Harvesting = Ernten, nursery = reparieren, seeds = Samen, propargation = das Aufziehen der Pflanzen.
Zur Zeit nimmt vorallem das Ernten sehr viel Zeit in Anspruch. In den letzten Wochen haben wir verschiedenste Pflanzen mit der Maschine (wir mussten dann aufrechen…) oder per Hand (die verwelkten Blumen pfluecken) geerntet. Das passierte entweder im walled garden (mein Hauptarbeitplatz, ein mit Mauern umgebener Garten) oder wir sind direkt in den Wald oder auf die Wiesen um unsere Blumen zu pfluecken. Es ist wichtig neue frische Samen in unseren Bestand zu bekommen. Oft ernten wir aber auch Samen an bestimmten Plaetzen zum Beispiel in Belfast, die dann nicht weit entfernt wieder ausgesaet werden, um eine zu grosse Veraenderung fuer die Samen zu vermeiden.
Die beiden Bereiche, die das ganze Jahr ueber gleich wichtig sind, sind Propargation und Seeds. Jeweils ein Freiwilliger hat die Verantwortung ueber einen dieser Bereiche. Zur Zeit ist M. Seeds – Verantwortliche und D. ist Propargation – Verantwortlicher. In meinen ersten Wochen wurde also abgewechselt. Eine Woche habe ich mit M. gearbeitet eine mit D..
Die Arbeit mit M. war das Samensaeubern! Wir haben mit verschiedensten Maschinen versucht, die Samen so sauber wie moeglich zu bekommen. So haben wir viele Siebe benutzt und gegen Ende sogar mit Pinzetten gearbeitet.
Mit D. ging es anfangs vor allem um die Kuerbisse, die wir hier zur Zeit fuer den Verpaechter anbauen muessen. Das hiess viel giessen, da Sonne und Wind die Erde sehr schnell austrocknen. Ausserdem mussten wir viel Unkraut jaeten – eine Aufgabe die hier in der gesamten Gaertnerei wohl nie ein Ende nehmen wird.
Ausserdem haben wir Pflanzen fuer Bestellungen gerichtet. Das sind Wildblumen, die die Menschen dann sofort in die Erde pflanzen koennen.
Letzte Woche mussten wir uns entscheiden in welchem Bereich wir lieber arbeiten moechten und in welchem Bereich wir dann ab Dezember, wenn M. und D. gehen die Verantwortung tragen wollen!! Fuer mich war ziemlich schnell klar, ich moechte draussen arbeiten, ich moechte mit den Pflanzen arbeiten! Deshalb werde ich ab jetzt speziell in diesem Bereich arbeiten. Dazu aber in einem der naechsten Rundbriefe mehr.
Alle zwei Wochen haben wir ausserdem ein Treffen mit M. in dem besprochen wird, was wir in der naechsten Zeit so zu tun haben.
Persoenliches:
Persoenlich geht es mir hier sehr sehr gut!! Ich habe mich schon sehr gut eingelebt. Auch Dinge wie meine Waesche waschen, das Spuelen von Hand oder das Kochen sind schon immer mehr zum Alltag geworden.
Ich fuehle mich in meinem Projekt sehr wohl und komme mit meinen Mitbewohnern sehr gut aus. Auch koerperlich gewoehne ich mich immer mehr an meine Arbeit, die manchmal sehr anstrengend sein kann. Auch an meine Arbeitszeiten (8:15 – 16:30 mit Pausen) habe ich mich gewoehnt: Ich bin abends nicht mehr todmuede und komme morgens ganz gut aus dem Bett. Es war schon eine ziemliche Umstellung zum Schulleben.
Nach einer Woche habe ich ausserdem ein Fahrrad bekommen, mit dem ich jetzt jeden Tag zur Arbeit fahre. Dieses Fahrrad beschert mir morgens eine halbe Stunde mehr Schlaf.
Jeden Dienstag Nachmittag haben wir frei, um einen Englischkurs zu besuchen, der am 12. September beginnt. An diesem Tag gehen wir auch einkaufen. Dies alles geschieht in Downpatrick – ca. 20 min mit dem Bus von Strangford. Dort gibt es ausserdem ein Schwimmbad, einen Kunst-Center, eine Bibliothek und viele viele Geschaefte. Sonntags jedoch bin ich sehr von der Aussenwelt abgeschlossen, da keine Busse nach Downpatrick oder sonst irgendwohin fahren. Die einzige Moeglichkeit hier rauszukommen ist dann mit der Faehre, die fuenf Minuten ueber den Eingang der Meereszunge nach Portaferry, unser “Gegenueber-Dorf”, braucht. Von dort ist es dann moeglich, mit dem Bus nach Belfast zu gelangen.
Seit meiner Ankunft war ich schon drei Mal in Belfast, um die anderen Eirene- Freiwilligen zu besuchen. Diese Besuche tun mir sehr gut, denn es ist einfach wichtig manchmal aus meinem kleinen Doerfchen rauszukommen und ein bisschen Stadtluft zu schnuppern. Zwar brauche ich fast 1 ½ Stunden nach Belfast, doch fuer ein Wochenende lohnt es sich auf jeden Fall. Viele Auseinandersetztungen mit dem Konflikt hatte ich noch nicht. Doch Belfast spricht vorallem im Norden, mit seinen Murals und den Maerschen, denen ich dort begegnet bin, Baende. Jedoch habe ich mich hier im sonnigen und regnerischen Nordirland bis jetzt immer sehr sicher gefuehlt.
Vor 2 Wochen durften wir ausserdem die Freiwilligen aussuchen, die ab Dezember hier mit uns arbeiten werden. Es werden eine Ungarin und ein Franzose bei uns einziehen.
Ich bin schon jetzt dankbar fuer all die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und merke wie viel ich hier noch erleben und lernen kann!
In meinem Projekt, aber auch von all den Menschen um mich herum und dem mir noch fremden Land.
EIRENE:
Um einen Friedensdienst im Ausland zu absolvieren, ist eine paedagogische und organisatorische Begleitung sehr wichtig. Fuer die Vorbereitung, die Begleitung, fuer Versicherungsfragen, Zwischenseminare und Auswertungstreffen ist die gemeinnuetzige Organisation EIRENE verantwortlich. Bereits seit 1957 unterstuetzt EIRENE im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Projekte in Afrika und Lateinamerika durch finanzielle Hilfen und durch Fachkraefte (Suedprogramm). Im Jahr 1980 wurde das Freiwilligenprogramm in den Industrielaendern entwickelt (Nordprogramm), um (junge) Menschen fuer weltweite soziale Fragen zu sensibilisieren. Das Eintreten fuer Frieden und Gerechtigkeit wird fuer interessierte Maenner und Frauen in der Praxis ermoeglicht. Mitte der 90er Jahre wurden erste Freiwillige auch in Osteuropa (Ostprogramm) eingesetzt. Bis heute haben ueber 1200 junge und aeltere Menschen einen Friedensdienst mit EIRENE in aller Welt geleistet.
EIRENE ist eine von sechs in Deutschland staatlich anerkannten Personaldiensten in der Entwicklungszusammenarbeit. Ausserdem ist EIRENE durch die rheinland – pfaelzische Landesregierung als Traeger des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und vom Bundesamt fuer den Zivildienst als Traeger des “Anderen Dienstes im Ausland” anerkannt.
Das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts fuer soziale Fragen (DZI) wird EIRENE seit1993 jaehrlich zuerkannt und belegt, dass die Organistaion verantwortlich mit Spendengeldern umgeht (weitere Informationen unter www.dzi.de).
Verabschieden moechte ich mich mit diesem Regenbogen, der in der ersten Woche von unserem Haus aus zu bestaunen war.
Viele liebe Gruesse , Julia
Homepage EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst
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