Internationaler Christlicher Friedensdienst

"Auch nach 2 Monaten gefällt mir die Arbeit noch sehr gut"

Rene Landmann arbeitet in einem Projekt, das altes Werkzeug einsammelt, repariert und in Entwicklungsländer verschifft. (September 2005)

Rene Landmann

Tools for Solidarity

10.             9. 2005

Rundbrief Nr 1

 

Hey Freunde,                                        1.Bericht

 

Heute ist der 10.09.2005 und ich bin schon 8 Wochen hier in Belfast.

Da hier, gerade in der Anfangszeit, viel passiert, möchte ich schon jetzt einen Bericht schreiben.

Anfang Juli hatte mich die Hektik und der Umzugsstress noch voll im Griff und mein Abschied in Meißen war kaum mehr als eine Visite. Ich hatte gerade mal 1½ Tage um meinen Krempel in Meißen noch mal durchzusehen und für Belfast zu packen. Dank der Hilfe meiner Eltern hatte am Ende alles noch gut geklappt. Ich konnte mir noch einen Überblick über Meißen verschaffen, noch ein letztes Barbecue im „eisernen Kern“ und natürlich noch den Abschied in der Familie bestreiten.

Dann ging es also los mit Rucksack und Tasche hatte ich 25 kg Marschgepäck und das Limit von der Fluggesellschaft ausgereizt. Aber vor dem Flug, ging es erst einmal mit der Bahn zum Ausreiseseminar von „Eirene“.

Die zwei Wochen waren zu meinem Erstaunen recht voll mit theoretischer Vorbereitung, von der ich mir bewusst wohl nicht so viel behalten habe. Aber ich denke in den entsprechenden Situationen kann ich das Gehörte doch anwenden. In der Zeit konnte ich aber mal sehen, wie man einen Unterricht aktiv gestalten kann, das Team hat wirklich gute Arbeit geleistet. Neue Bekannte und Freunde konnte ich auch gewinnen und jetzt in Belfast, wo es 5 Eirene-Freiwillige gibt, weiß man, mit wem man es zu tun hat.

 

Nach dem Kurs war ich noch mal einen Abend bei meinen Freunden in Fellbach um am nächsten Tag von Stuttgart nach Dublin zu fliegen und von da mit dem Bus nach Belfast zu fahren. Mit Margret und Ulli hatte ich noch eine schöne Radtour unternommen, ein letztes Mal richtiger Wald und ein gescheites Fahrrad.

 

Mein derzeitiges Heim ist unter Freiwilligen für Partys bekannt und kaum war ich angekommen, wurden die letzten Vorbereitungen für Florians Abschiedsparty getroffen. Wie ich hörte ging es noch lange in die Nacht, ich hatte schon recht früh Schluss gemacht, da die Hektik der letzten Tage, mir doch etwas zu schaffen machte.

 

Da ich ja schon vorher eine Besichtigung des Projektes gemacht hatte, wusste ich, auf was ich mich einlasse.

In dem Arbeitsplan für die kommenden 4 Monate, ist es neben anderen Sachen meine Aufgabe mir ein besseres System zur Lagerung der Tools auszudenken.

Wenn das Bild den richtigen Eindruck vermittelt, kann man erkennen, dass die Aufgabe nicht zu unterschätzen ist. So wollen wir jetzt die billigen Tools und die Kaputten schon vorher und nicht erst in der Werkstatt aussortieren.

Auch nach 2 Monaten gefällt mir die Arbeit noch sehr gut, die Verständigung und auch das gegenseitige kennen lernen wird immer besser. In den ersten Tagen ging gleich eine Lieferung nach Uganda raus, ich baute dafür noch ein paar Transportkisten. Bei dieser Lieferung wurden Zimmermannswerkzeuge, Nähmaschinen und eine Box mit Werkzeugen für Autoreparaturen verschickt. Wenn die Paletten abgeholt werden ist das normal immer ein besonderer Moment, da ich dafür noch keine Werkzeuge instand gesetzt hatte, empfand ich nicht so viel. Beim nächsten Mal, mit eigener Anteilnahme wird es sicher etwas Besonderes sein. In einem Jahr wollen wir 30 Werkzeugkisten hauptsächlich nach Afrika aber auch nach Nicaragua schicken.

Kaum war die Hektik und der Termindruck vorbei, wurde ich intensiv von John, meinem Chef, in das Reparieren und Kontrollieren von verschiedenen Holzbearbeitungswerkzeugen eingewiesen. Bei dem so genannten Training kamen mir meine Vorkenntnisse mit Werkzeugen zu Gute, so konnte ich die sprachlichen Hürden besser überwinden.

 

Langsam wurde mir bewusst, wie wichtig meine Rolle im Freiwilligendienst ist, gleich in den ersten Wochen hatten wir ein workcamp in der Werkstatt, das waren 6 Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen die für 2 Wochen das Leben in der „Tools“-Werkstatt kennen lernen wollten. Da diese Jugendlichen noch nie mit solchen Werkzeugen zu tun hatten, mussten sie entsprechend eingewiesen werden. Mit einfachsten Englisch-Kenntnissen wurde dann oft auch mit Händen und Füßen kommuniziert.

Mit dem workcamp hatte es Spaß gemacht zu arbeiten, der Alltag in der Arbeit sowie am Abend war noch abwechslungsreicher als normal. Einmal im Jahr veranstaltet „Tools“ einen so genannten „Flag-Day“, da baten wir im belfaster Zentrum um Spenden. Diese Einnahmen werden für die Versandkosten, Miete der Werkstatt und für Ersatzteile eingesetzt. Mit zahlreicher Unterstützung der workcamper hatten wir einen sehr guten Betrag von £580 zusammen bekommen, mein Anteil davon war £42. Interessant war, dass viele Spender gar nicht wissen wollten, für was sie ihr Geld ausgaben.

Nach den 2 Wochen und vielen reparierten Werkzeugen hatte ich alle Hände voll zu tun, sie auch schnell auf ihre Tauglichkeit zu prüfen, denn der Platz wird wieder gebraucht. Ich dachte immer, es ist schwierig Werkzeuge umsonst zu besorgen, aber durch das über 20 jährige Bestehen brauchen wir keine Werbetrommel mehr zu schlagen. Jeden Tag kommt jemand mit alten Werkzeugen vorbei und unser Lagerraum wird voller und voller. Wie man auf dem Bild sieht, muss ich auch mal etwas vorsortieren, wenn ich durch die Regale schaue finde ich immer wieder Tools, die nicht mehr reparabel sind und uns den Platz wegnehmen.

 

In der Freizeit ist jede Menge los, so war ich gleich in den ersten Tagen auf dem nächstgelegen Berg und hatte eine super Sicht auf Belfast. Oder ich war mit kleiner Gruppe am so genannten achten Weltwunder, dem Giants Causeway, der sich an der nördlichen Küste Irlands befindet. Dublin konnte ich mir auch schon zum zweiten Mal ansehen, als wir ankamen, hatten wir kaum noch Platz auf den Fußwegen gefunden, es waren unglaublich viele Menschen unterwegs. ...

Ich muss jede Gelegenheit nutzen, mal raus zu kommen, denn Irland ist ja eher für seine Landschaft als für seine Städte bekannt. So kam es, dass ich letztes Wochenende zu einem 20. Jubiläum eines Partnerprojektes auf´s Land fuhr, dass tat mal richtig gut. Wenn ich das Meer und die Küsten mit ihren kleinen Dörfchen sehe, ist das Leben doch sehr angenehm.

Wenn ich nicht gerade weg fahre, so wie dieses Wochenende, an dem ich endlich mal dies´n Bericht fertig machen will, lerne ich die Pubs der Stadt kennen. Ist eine ganz nette Beschäftigung, wäre es nicht unheimlich teuer, sonst könnte ich das jeden Abend machen.

Da ich noch ein bisschen mehr Abwechslung wollte, gehe ich jetzt einmal die Woche zu einer Jonglierschule, und ich konnte mir schon einige neue Tricks aneignen. Inzwischen war ich auch schon ein paar Mal beim Sprachkurs und ich glaube die recht niedrige Einstufung ist gerade gut für mich. Da bekomme ich eine solide Basis, die ich zwar eigentlich schon haben sollte, aber mangels Praxis größtenteils wieder vergessen habe. Man soll sich ja an Besseren messen, dass hatte ich in meiner Schulzeit lange genug probiert und dann immer mehr den Anschluss verpasst. Hier ist jetzt einiges anders, ich habe Vorkenntnisse, einen guten Lehrer und die nötige Motivation. So blicke ich optimistisch in die Zukunft.

Die nächsten Wochenenden sind auch schon verplant, so werde zwei ähnliche Veranstaltungen besuchen, die eine behandelt das Thema „Alternatives Wohnen“ und die darauf Folgende ist in Dublin und da geht es um alternatives Bauen. Wie ich von Daniel, einem ehemaligem Freiwilligen der jetzt in Dublin als Zimmermann arbeit, hörte, sind das in Irland ganz neue Töne. Ich bin sehr gespannt, was mich da erwartet.

Was den Sommer angeht, kann ich mich nicht beklagen, es sind ein paar Grad weniger, es ist recht oft bewölkt aber regnen tut es nicht so oft. Der schnelle Wetterumschlag ist eigentlich das Nervigste. Wenn wir Ausflüge machen wollten, war das Wetter immer recht gut. Da freut man sich doch.

 

Ich hoffe das Ihr nicht zu lange auf Nachricht gewartet habt, es fehlt mir immer die Zeit um die Post schnell zu beantworten.

 

Beste Grüße aus Belfast

 

René