"Das Heilen von Spaltungen zwischen Menschen und Menschen und der Erde."
Martina Neininger berichtet von Tieren und Menschen in ihrem Projekt beim Kilcranny House. 1. Rundbrief (November 2004)
Martina Neininger
Kilcranny House
Coleraine, Northern Ireland
November 2004
Hey!
Jetzt ist es schon drei Monate her, seit ich am 18.07.2004 das Festland fuer meinen einjaehrigen Friedensdienst auf der gruenen Insel verlassen habe.
Zeit, mal kurz innezuhalten und die letzten Wochen revue passieren zu lassen.
Doch zunaechst moechte ich mich noch einmal bei all denjenigen bedanken, die diesen Dienst erst ermoeglicht haben, sei es durch Geldspenden, moralische Unterstuetzung oder durch Gesten wie die Abschiedsgottesdienstvorbereitung oder aehnliches. Ausserdem moechte ich „Danke“ sagen fuer die Paekchen, Briefe, Anrufe und eMails, die mich hier in den letzten Monaten erreicht haben.
Tja, wie packt man drei Monate in einen Brief??
Ich wuerde ja mit der Beschreibung meiner taeglichen Routine beginnen, doch die einzige Konstante hier ist das Aufstehen irgendwann zwischen 8:00 und 9:15, je nach Laune, Zimmertemperatur und Tagesprogramm.
Im Moment ist die Zimmertemperatur das Kriterium, da es manchmal empfindlich kalt ist –trotz Heizung-, so dass ich so lange wie moeglich im Bett bleibe.
Wenn wir jedoch eine Tagesgruppe dahaben, wie beispielsweise die Schulklassen oder diverse Komitees, beginnt der Tag schon frueher, damit alles so gut wie moeglich vorbereitet ist.
Ansonsten beginnt mein Arbeitstag 9:30, meistens in der Kueche, dem inoffieziellen Treffpunkt hier im Haus; zu gewissen Zeiten trifft man hier einfach jeden und die neuesten Infos werden ausgetauscht oder man unterhaelt sich einfach so ein bisschen.
Die ganze Atmosphaere hier ist sehr familiaer, und jeder versucht dazu beizutragen, dass sich die Freiwilligen hier wie zu Hause fuehlen, was auch super gelingt; das liegt nicht zuletzt daran, dass man hier meistens irgendwo ein erfrischendes Lachen hoeren kann.
Nach einem kurzen Blick auf die Worklist, die jede Woche im Staffmeeting erneuert wird, hoert dann die Routine auch schon auf. Je nach Tag, Wetterlage, Worklist und sonstigen Umstaenden geht es zum Shopping in die Stadt, zum Waschen und Putzen ins Gaestehaus, Arbeiten im Garten oder den Animalhouses, ins Buero, zum Staffmeeting oder auch mal ins Freizeitcenter in der naechsten Stadt, um das Sommerferienprogramm zu betreuen. (Natuerlich gibt es noch einige andere Moeglichkeiten, aber das wuerde den Rahmen sprengen!)
Nachdem ich 13 Jahre einen durch Schule, Miniarbeit und Hobbies wohlstrukturierten Tagesablauf hatte, musste ich mich erstmal daran gewoehnen, dass ich morgens noch nicht weiss, was ich abends getan haben werde; jeder Tag steckt voller Ueberraschungen. Hier ist das Sprichwort: „Es kommt alles anders als man denkt.“ taegliche Realitaet. Und das ist nicht das Schlechteste, man lernt, alles viel relaxter zu betrachten. Richtig „Stress“ hat man hier selten, wenn man konstant seine Arbeit erledigt, ansonsten kann es schnell passieren, dass man den Ueberblick verliert.
Eine andere Sache, an die ich mich gewoehnen musste, ist, dass ich oftmals erst einige andere Dinge erledigen muss, bevor ich das machen kann, was ich eigentlich wollte.
Ein Beispiel: Ich wollte die Animalhouses sauber machen. Eigentlich kein grosses Ding, koennte man denken: man nehme Schaufel, Besen und Schubkarren, gehe zum Ziegenhaus, miste aus, bringe das alte Stroh zum Misthaufen, streue neues ein, fertig.
Nicht so in Kilcranny House:
Zuerst muss der Schubkarren geleert werden, weil noch das Unkraut vom Jaeten am Tag vorher drin liegt, dann verbringt man einige Minuten damit, die Schaufel zu suchen, um sie beim Zementhaufen zu finden, wo man dann hilft, den Beton fertig zu mischen; wenn man Glueck hat, ist der Besen am Platz, ansonsten wird der auch noch gesucht. Schliesslich und endlich geht’s zum Ziegenhaus, wo ich mit meistens mit einem begeisterten „Maaaaeeeeeehhhhhhh“ empfangen werde.
Und jetzt beginnt der schwierige Teil: unsere Ziegen, vor allem Poppy, sind Meister im Ausbuechsen und nutzen auch jede Gelegenheit dazu!!!
Deswegen ist das Gatter mit drei „Riegeln“ und einer Palette gesichert, so dass man erst mal etwas braucht, um das Gatter aufzubekommen, dann muss man die Kunst beherrschen, den Schubkarren so durch das Gatter zu bekommen, dass die Ziegen nicht abhauen und das Gatter sofort hinter sich wieder zuzumachen; das macht man fuer einmal Ziegenhaus ausmisten insgesamt 4mal, leerer Schubkarren rein, mit Mist beladenem raus, mit sauberem Stroh wieder rein und schliesslich leer wieder raus; die Chancen fuer eine kleine Gartentour fuer die Ziegen sind also bestens, und das wissen sie auch ganz genau....mittlerweile haben wir aber ein richtig stabiles Gatter bekommen, und bis jetzt haben sie es noch nicht geschafft, es zu ueberwinden, aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend!
Manchmal kommt es aber auch vor, dass die beiden Damen der Schoepfung im Ziegenhaus liegen und einfach nicht zu bewegen sind; dann heisst es, zurueck zum Haupthaus zu gehen, um mit dem verheissungsvollen blauen Eimer, in dem normalerweise Ziegenfutter ist, zurueckzukehren; man sollte nicht glauben, wie schnell sie sich dann bewegen koennen!
Ist dann der Mist endlich da, wo er hingehoert, naemlich auf dem Misthaufen, den ich zuerst noch umschichten muss, damit der neue Mist ueberhaupt Platz hat, geht’s mit einem Schubkarren voll frischem Stroh, Heu und Saegespaene zurueck; waehrend ich die Saegespaene einstreue, tun sich Poppy und Clover am Stroh guetlich, um dann ganz empoert zu sein, wenn ich es wage, ihnen das Stroh zum Einstreuen wegzunehmen........
Das gleiche in gruen kann man beim Saubermachen des Huehnerhauses erleben!
Mit den Tieren hier hab ich schon einiges erlebt, beispielsweise duerfen die Huehner seit 2-3 Wochen auch ausserhalb ihres Geheges frei herum laufen, weil wir im Moment nichts im Garten haben, das sie kaputt machen koennten; wenn ich dann auch im Garten arbeite, kommt es schon oefters vor, dass ich auf einmal Gesellschaft von einer Katze, die sich fuer ein Huhn haelt, und vier Huehnern habe, die mir dann auch auf Schritt und Tritt folgt, was regelmaessig fuer Gelaechter seitens meiner lieben Mitarbeiterinnen sorgt......
Doch leider haben wir jetzt nur noch drei Huehner, weil wir gestern eines beerdigen mussten, aber es war auch schon extrem alt, so dass wir nicht allzu ueberrascht waren.
Ein anderes Erlebnis, das ich nicht so schnell vergessen werde, ist der Besuch einer Kuh im Gaestehaus: unser Haus liegt im Tal, so dass man es von der Strasse aus sehen kann, der kleine Zufahrtsweg jedoch fuehrt kurvig durch Gebuesch und an alten Stallungen vorbei, so dass die Sicht auf unser Gelaende versperrt ist.
Eines regnerischen Nachmittages kommen Abbie, meine Mitfreiwillige, und ich aus der Stadt zurueck, und ich meine noch zu Abbie, dass die Kuehe heute irgendwie naeher am Haus zu sein scheinen als sonst, fuehrte das aber auf die schlechte Sicht zurueck. Der Schreck war umso groesser, als wir dann um die letzte Kurve kamen und feststellen mussten, dass die benachbarten Kuehe tatsaechlich ausgebrochen waren und unser gesamtes Grundstueck bevoelkerten, sie waren wirklich ueberall: in den Schrebergaerten, im Gemuesegarten, im Obstgarten, auf dem Rasen, beim Teich usw.usw.
Abbie mag Kuehe nicht wirklich und hat sich dann auch gleich ins Haus gefluechtet, um den Bauern anzurufen, waehrend ich draussen versucht habe, die Kuehe irgendwie auf ihre Weide zurueckzubekommen, was nicht einfach ist, denn hier ist alles offenes Gelaende, weil wir nicht wirklich viele Zaeune oder Absperrungen haben. Die beste Loesung war dann, vor den Kuehen in Richtung Weide herzulaufen und sie hinter mir her zu locken; das ging solang gut, bis die Leitkuh sich zurueckgesetzt gefuehlt hat, und deswegen versuchte mich „anzugreifen“, um ihre Position klar zu machen. Da ich nichts bei mir hatte, um sie irgendwie fern zu halten, hab ich mich dann in den Werkzeugschuppen gefluechtet, was aber dazu fuehrte, dass die Kuehe sich dann
davor versammelten und ich nicht mehr rauskam, weil sie das Tor blockierten.
In der Zwischenzeit ist dann gluecklicherweise der Bauer angekommen, und trieb die Kuehe zurueck auf ihre Weide. Bei einem Kontrollgang entdeckte ich dann die vermeintlich letzte Kuh, die sich hinter der Scheune „versteckt“ hatte, und jagte sie Richtung Weide. Leider, oder zum Glueck, wollte sie nicht so, wie ich wollte und bog nach dem Gaestehaus in die andere Richtung ab, so dass ich hinter dem Gaestehaus entlanglief, um sie zurueckzuscheuchen. Ich war schon am Gaestehaus vorbei, als ich auf einmal im Augenwinkel eine Bewegung im Haus wahrnahm. Ich lief zurueck und traute meinen Augen nicht: da stand tatsaechlich eine Kuh im Schlafzimmer!!!!
Das arme Vieh konnte sich zwischen den Betten nicht umdrehen und war total veraengstigt, so dass es eine Weile dauerte, bis ich es herauslosten und zu den uebrigen Kuehen bringen konnte. Leider waren wir alle so perplex, das wir gar nicht daran dachten, ein Foto zu machen, das waer das Foto des Jahres geworden!
Um unsere kleine Farm zu vervollstaendigen, sollte ich auch noch die Katzen erwaehnen, zwei Haus- und zwei Wildkatzen. Alle vier werden taeglich morgens und abends gefuettert, aber wenn man sie hoert, koennte man meinen, dass sie schon einige Tage nichts mehr bekommen haben und kurz vorm Verhungern waeren.
Besonderes Ereignis ist immer, wenn die Wildkatzen sich ins „gefaehrliche“ Haus wagen und auf Erkundungstour gehen, dann wird alles andere liegen und stehen gelassen, oder wenn sie sich streicheln lassen und mit uns spielen wollen.
Wie wenn sie es gerochen haette, dass ich gerade ueber die Katzen schreibe, kam gerade Sweeny, unsere aelteste (Haus)Katze in mein Zimmer geschlichen, als ob sie kontrollieren wollte, ob ich auch das Richtige schreibe.
Eigentlich duerfen die Katzen nicht in mein Zimmer, wenigstens nicht, wenn ich nicht darin bin, aber hin und wieder kommt es vor, dass meine Tuer nur angelehnt ist und sie dann reingehen und es sich auf meinem Bett oder Sessel bequem machen. Vor wenigen Tagen lag ich dann noch im Bett, weil ich am Tag davor „Spaetschicht“ hatte, als auf einmal die Tuer aufgeschubst wurde, und Sappy, unser Kater, hineinkam und mich ganz verbluefft anschaute, wie wenn er sagen wollte: „Wie, du liegst noch immer im Bett, meinem Territorium???“ (Dabei war es grade mal 9 Uhr an einem Sonntagmorgen!!)
Soweit zu meinen Erlebnissen mit den Tieren hier, ich bin ja schon mal gespannt, was ich in meinem naechsten Rundbrief ueber sie zu erzaehlen hab, weil unsere kleine Farm bis dahin (hoffentlich) Zuwachs erhaelt: geplant sind zwei Schweine, zwei Schafe, einige Hasen und Enten und noch ein paar Huehner mehr; die Gehege sind seit gestern auch fertig gebaut, aber wir brauchen jemanden, der sich um die Tiere kuemmert, weil das dann fuer die Freiwilligen echt zuviel wird, und nicht alle kennen sich so gut mit Tieren aus. Das Problem ist nur, dass diese Stelle schon seit einigen Monaten ausgeschrieben ist, aber niemand sich dafuer bewirbt.
Tja, die meisten werden sich nun fragen, ob ich den ganzen Tag mit den Tieren beschaeftigt bin, aber leider nehmen sie nur einen Bruchteil meiner Zeit hier ein, ich wuerde gern mehr Zeit mit ihnen verbringen. Die andere Frage ist, wofuer wir die Tiere hier haben; das haengt mit der Grundphilosophie von Kilcranny House zusammen, die sich mit einem kurzen Satz zusammenfassen laesst:
„Das Heilen von Spaltungen zwischen Menschen und Menschen und der Erde.“
Und es wirklich faszinierend, die Kinder, die groesstenteils aus sozial schwachen Familien und der entsprechenden Umgebung in Belfast stammen, mit den Tieren zusammen zu erleben, manchmal sind sie wie ausgewechselt. Wenn sie dann in den Auswertungsboegen, die sie nach jedem Besuch ausfuellen, schreiben, dass das Fuettern und Streicheln der Tiere ein besonderes Highlight waren, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Doch zurueck zu der Grundphilosophie von Kilcranny House:
„Kilcranny House ist ein Rueckzugscenter mit erzieherischem Hintergrund. Wir haben uns verpflichtet, die Spaltungen, die zwischen Menschen bestehen, zu heilen und Gewaltfreiheit als eine Lebensform und als Mittel, am Wandel unserer Gesellschaft zu arbeiten, zu erkunden. Wie bemuehen uns, einen Lebensstil zu leben, der die Umwelt wertschaetzt und schuetzt und zu einem groesseren Bewusstsein unseres Platzes in der Welt ermutigt.
Wir glauben, dass Menschen in ihren Beziehungen miteinander durch kooperatives Arbeiten, Diskussionen und Entspannung wachsen koennen. Kilcranny stellt einen sicheren Ort fuer Gruppen und Einzelpersonen zur Verfuegung, damit sie mit dem Verstehen von Unterschieden und herausfordern von persoenlichen Grenzen experimentieren koennen.“ – Kilcranny House Mission Statement.
Dem habe ich eigentlich wenig hinzuzufuegen, ausser dass einige Ausdruecke nicht leicht ins Deutsche uebertragbar sind, und es sich deswegen etwas gestelzt anhoert.
Das Gute an Kilcranny House ist, dass das nicht nur leere Worte und Phrasen sind, sondern dass wirklich versucht wird, nach diesen Grundsaetzen zu leben und arbeiten. Das liegt vielleicht auch am geschichtlichen Hintergrund von Kilcranny:
„Im Jahr 1985 wurden die Samen fuer Kilcranny House gesaet. Eine kleine Gruppe von Leuten gab freiwillig ihre Zeit und widmete einen Teil ihres Lebens, um die Idee zu verwirklichen, ein Rueckzugscenter ins Leben zu rufen, welche auf einer ganzheitlichen Annaeherung an Gewaltfreiheit basierte.
Kilcranny House wurde urspruenglich von den „Peace People“ gegruendet, einer Gruppe aus Belfast, die den Nobelpreis gewann. Sie wollten ein Center ins Leben rufen, wohin sie Gruppen jeden Alters und Hintergrunds bringen und Programme durchfuehren konnten, die auf den drei Kernelementen basieren: Arbeit, Erholung und Diskussionen.“
Diesen Gedanken tragen wir weiter, und so kommt es, dass wir fast jedes Wochenende eine sogenannte Externgruppe aus Belfast hier haben. Die Kinder (9-14 Jahre) in diesen Gruppen hatten meistens schon was mit Drogen zu tun, haben Diebstaehle oder sonstige Delikte begangen, kommen aus Familien, wo sie geschlagen werden, die Eltern alkoholabhaengig sind usw.usw. Anbetracht dieser Verhaeltnisse ist es ein Wunder, dass sie ueberhaupt noch ein bisschen normal sind. Ueber die einzelnen Kinder wissen wir eigentlich so gut wie nichts, ihr Hintergrung wird wie ein Geheimnis behandelt, wir wissen nur, was sie uns erzaehlen, und das ist meistens nicht viel. Unsere Aufgabe ist es, diesen Kindern ein schoenes Wochenende zu bereiten, damit sie wenigstens fuer 2 Tage aus ihrer Umgebung rauskommen und alles vergessen koennen, was nicht leicht ist. Gerade fuer diese Kinder sind auch die Tiere ganz wichtig, und die friedvolle Athmosphaere hier, und die meisten Kinder schaffen es auch, diesen Ort hier zu respektieren und mit uns in Interaktion zu treten. Doch auf die Arbeit mit den Wochenend- und Schulgruppen werde ich in meinem naechsten Rundbrief tiefer eingehen.
Einen anderen grossen Teil meiner Zeit hier nimmt der Garten ein; wir betreiben organischen Anbau, das heisst wir verzichten komplett auf kuenstliche Duengemittel, Herbizide, Insektizide und Pestizide. Das bedeutet einiges an Arbeit mehr, und wir haben fast die halbe Kohlernte an Raupen verloren, doch wenn man dann das frische Gemuese aus dem Garten holt und es hundertmal besser schmeckt als das, was man im Supermarkt kaufen kann, weiss man, dass es die Muehe wert ist!!
Die Hauptverantwortung fuer den Gemuesegarten hat Abbie, eine Freiwillige aus den USA, mit ihr wohne ich auch zusammen. Sie schon seit November letzten Jahres hier, und gluecklicherweise komme ich echt super mit ihr aus, da doch vieles von den Mitarbeitern bzw. –bewohnern abhaengt, ob dieses Jahr schoen wird oder nicht.
Unterstuetzt werden wir im Garten von Joan, unserer Umweltarbeiterin, die fuer alles, was irgendwie mit Natur und Umwelt zusammenhaengt, zustaendig ist.
Julie, die nur noch bis Ende November hier arbeitet und dann in Mutterschutz geht, arbeitet die Schulprogramme aus und betreut die Arbeit mit den Gruppen.
Die Buchhaltung und die Finanzen werden von Pauline erledigt, und dann gibt es noch Lyn, unsere Co-ordinatorin, die die Oberverantwortung hat und auch oft auf Konferenzen Kilcranny House vertritt oder Konferenzen hier im Haus leitet.
Bei sovielen Leuten, die alle ihren eigenen Bereich haben, ist es wichtig, dass die Kommunikation gut funktioniert, da sich die einzelnen Aufgabengebiete auch oft ueberschneiden. Deswegen haben wir jede Woche, meistens Montag morgens, ein Staffmeeting, wo die gesamte Belegschaft zusammenkommt und dann ueber die kommende Woche und andere anstehende Themen geredet wird und wichtige Entscheidungen im Konsens getroffen werden, eines der Grundprinzipien hier.
Ich finde das einen ganz angenehmen Start in die Woche, da als erstes auch jeder nach seinem Befinden und seinen Schwerpunkten in der kommenden Woche gefragt wird, so dass man genau weiss, ok. der eine hat mehr oder weniger Zeit, der andere tut dies und jenes, dem gehts grad nicht so gut usw.; die Zusammenarbeit wird einfach einfacher dadurch.
Doch genug von der Arbeit fuer heute, schliesslich besteht mein Leben hier nicht nur aus arbeiten (was man allerdings meinen koennte, wenn man sich meine Uebrstundenliste anschaut, im Moment sind es mehr als 60 Stunden, aber die bekomme ich alle frei, beispielsweise geh ich in einer Woche fuer eine Woche „in Urlaub“, dh. ich treff mich mit anderen Freiwilligen und wir gehen irgendwohin).
Ich hab mich hier mittlerweile ganz gut eingelebt, gehe dienstags und donnerstags mehr oder weniger regelmaessig zum Englischunterricht, denn ich moechte am Ende des Jahres das offizielle Cambridgeexamen machen, das mich berechtigt, an englischsprachigen Universitaeten zu studieren, ohne vorher einen Sprachtest machen zu muessen.
Mittwoch abends zeigen sie im Nachbarort eine Serie von alternativen Kinofilmen aus aller Welt, und ausserdem bin ich dort Mitglied in einem „Kunstclub“, das heisst, dass ich die verschiedenen Ateliers und Studios dort benutzen kann und Einladungen zu Kunstausstellungen usw. bekomme, ausserdem finden dort oft Konzerte statt, fuer die ich dann ermaessigten Eintritt bekomme.
Im Dezember werde ich dann, wenn hoffentlich alles klappt, mit irisch-schottischem Volkstanz anfangen, da bin ich ja schon mal gespannt! Ausserdem suche ich noch immer eine Gelegenheit zum Reiten.
Und gegen Irish Folk Music bzw. die hier sehr populaere Ulster-Scotts Music und das ein oder andere Pint of Guiness habe ich natuerlich auch nichts einzuwenden.....
Das hoert sich jetzt alles ganz aktiv an, aber ich fuehre hier eher ein beschauliches Landleben. Bevor mir dann die Decke auf den Kopf faellt, fahr ich ab und zu mal nach Belfast runter, um die Freiwilligen dort zu besuchen, oder sie kommen hoch nach Coleraine. Nur leider ist es fast garantiert, dass es, wenn ich Besuch bekomme, regnet, aber nicht nur ein bisschen, sondern richtig heftig; das verfaelscht ein bisschen das Bild vom Wetter hier, denn wir haben auch wunderschoene Sonnentage, an denen es nichts schoeneres gibt, als barfuss am Strand entlang zu laufen, und ich konnte sogar noch in der ersten Oktoberwoche im Meer schwimmen.
An meinen freien Wochenenden moechte ich natuerlich auch ein bisschen was von der Insel hier sehen, und so war ich schon auf einem Kurztrip in Donegal, war fuer ein Wochenende in den Mourne Mountains wandern, und hab auch schon fast die gesamte Nordkueste Nordirlands gesehen.
Ich habe Glueck gehabt und bin an einem der schoensten Fleckchen hier gelandet, von meinem Zimmer aus hab ich einen Ausblick ueber die ganze Bucht bis nach Donegal rueber, so dass ich auch viel Zeit einfach mit dem Geniessen der Natur hier verbringe.
So, das soll genug sein fuer diesen Brief, und ich hoffe, dass ich es schaffe, den naechsten schneller fertig zu bekommen; in ihm werde ich dann mehr ueber die Arbeit mit den Schulklassen und anderen Gruppen schreiben, ueber die Nikolausfeier, die auf meine Anregung hin am 6.Dezember stattfindet, und ueber unseren bis dahin hoffentlich neuen Freiwilligen, denn eigentlich ist das Haus und die Arbeit fuer drei Freiwillige ausgelegt, aber leider sind wir im Moment nur zu zweit, was zu meinen vielen Ueberstunden gefuehrt hat; und natuerlich ueber einiges mehr.
Ich hoffe, das Lesen war nicht allzu anstrengend und hat ein bisschen Spass gemacht; ansonsten freue ich mich natuerlich immer ueber Anregungen, Fragen, ernstgemeinte Kritik, Briefe und sonstige Reaktionen.
Wie immer,
bis denne,
Martina
PS: Ich wuensche allen einen schoenen und besinnlichen Advent, eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2005!







