Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.

Seit März 2006 macht Siggi Herz(48) im Rahmen des IFL- Programmes (Internationaler Freiwilligendienst in unterschiedlichen Lebensphasen) einen Freiwilligendienst in Europas neuer Kulturhauptstad Sibiu/Hermannstadt.

Dabei hat er, bedingt durch seine Arbeit in der ambulanten Altenpflege, vor allem die kleinen Leute im Blick, deren Leben er in seinen Rundbriefen beschreibt. (März 2007)

2.Rundbrief

Romania Armenhaus oder Kornkammer?

1.Arbeitsalltag in Sibiu 2.Leben in völliger Armut, ca. 1 Euro am Tag 3.Soziale Rentenunterschiede, Romania – Germany 4.Mein Leben in der rum. Orthodoxen Gemeinde 5.Erkundung der näheren Umgebung, Todesängste des Rumänen 6.Betreuung von EIRENE während des Dienstes 7.Visa, auch geschafft 8.Auch deine Spende hilft! Danke 9.Nächste Rundbrief: meine Rolle in der Kulturhauptstadt Europas 2007, Tourist oder Einheimischer?


1.Arbeitsalltag in Sibiu

Nun möchte ich einen Teil meines umfassenden Tätigkeitsfeldes beschreiben. Das Projekt der ambulanten Altenbetreuung besteht ca. 10 Jahre und ist recht weit gefasst. Hausbesuche der letzten Deutschstämmigen älteren Menschen. Beschaffung von Medikamenten, Winterhilfe und alles was ein bedürftiger Mensch so braucht. Die Hausbesuche sind eine wichtige Kommunikation der alten Leute, um überhaupt ein wenig soziale Integration zu spüren. 2 Mal pro Woche bin ich Beifahrer bei unserem Essentransport-Dacia, ca. 40 Mahlzeiten werden 5 mal pro Woche an die Ärmsten verteilt. Habe selbst schon probiert, es gibt immer Suppe, dann im Wechsel Huhn, Schwein, Rind, Kartoffeln, Reis und Brot. Westlich vegetarische Gewohnheiten sind mir nicht bekannt. Mit den geringen Mitteln wird ein Höchstmaß an Ehrgeiz bei der Fertigstellung der Speisen verlangt. Das Essen wird im Sozialtrakt der rum.orth.Gemeinde gekocht.

2.Leben in völliger Armut, 1 Euro am Tag

Was ist Armut in Rumänien? Was bedeutet 1 Euro am Tag? Völlige soziale Ausgliederung, einseitige Ernährung, immer Kleiderspende, auch der kleinste Wunsch kann nicht erfüllt werden. Während andere in Rumänien im Porsche Chayenne oder im neuen MB Jeep mit gehobener Nase und überhöhter Geschwindigkeit durch die Lande fahren, bleibt vielen alten Leuten nur die Luft zum atmen, selbst die ist stickig in den alten feuchten Gemäuern. Was für eine neue EU Welt?

3.Soziale Rentenunterschiede Romania – Germania

Leider sind die jungen Leute in Deutschland nicht mehr bereit so viele Kinder zu bekommen, dass ein natürlicher Regenerationsprozess erwächst. Deshalb vergreist unsere Gesellschaft, mit 22 Mio. Rentenempfängern ein Graus. Ein deutscher Rentner bekommt zur Zeit ca. 870 Euro im Durchschnitt pro Monat, so wie alle möglichen Sozialleistungen. Meine hier in Rumänien zu betreuenden alten Menschen bekommen 30 bis 60 Euro pro Monat, das ist bittere Armut, Nullrunden ein Fremdwort. Sicherlich sind viele Dinge hier in Rumänien etwas billuger, aber ohne Geld immer noch zu teurer.

4.Mein Leben in der rumänisch-orthodoxen Gemeinde

2 mal pro Woche helfe ich im sozialen Bereich der rum.orth. Kirche. Es wird nur rumänisch gesprochen, der Fahrer vom Essenauto spricht englisch, welch ein Glück. Die Mitarbeiterinnen sind freundlich und um mein leibliches Wohl besorgt. Es gibt immer gut zu essen. Das Gebäude ist noch nicht völlig fertig, aber vieles defekt, krumm und schief, die Installationen oh weih, keine deutsche Norm. Aber dafür wird beim Aufteilen der Mahlzeiten für die alten Leute, alles sehr genau gemacht, Erbsenzählerei ist angesagt. Es wird viel erzählt bevor gehandelt wird, furchtbar. Langfristige Entscheidungsfindung bei Kleinigkeiten.

5.Erkundung der näheren Umgebung, Todesängste des Rumänen

Der Personalzug ein Erlebnis der Superlative, alles ist alt, immer voll, aber preiswert. Rumänen scheuen offene Zugfenster. Zugluft ein Schreckenswort für sie, so dass in den Abteilen meist ein schrecklicher Mief herrscht. Trampen ist wegen des mangelnden öffentlichen Verkehrsystems sehr beliebt. Alles trampt, Alt, Jung, Pfarrer, Arzt, ganze Familien und ich auch. Am liebsten fahre ich LKW, man kann gut schauen und die Fahrer sind sehr nett, teilen oft Cola und Chips. Ein minimales Entgeld wird gegeben. Der Fahrer eines großen MB Lasters mit 25 Tonnen sagte mir, er wäre schon 30 Stunden am Steuer. Aber durch eine kleine finanzielle Spende an den Schutzmann ist vieles möglich in Romania.

Glücklicher Weise kann ich mit dem Rad meiner Vermieterin die Schönheit der Siebenbürgischen Landschaft erkunden. Das Leben in den Dörfern ist wie eh und je, von der nahenden EU Mitgliedschaft 2007 keine Spur. Als Radfahrer ist man leider kein anerkannter Verkehrsteilnehmer, der stärkere hat Vorfahrt.

6.Bertreuung von Eirene während des Dienstes

Das Zwischenseminar im Mai 2006 war für mich sehr aufschlussreich. Ich habe meine Mitstreiter und deren Projekte näher kennen gelernt. Es gab Aufschluss über die verschiedenen Tätigkeitsfelder. Der Kontakt zu unserer Referentin Elisabeth Freise ist super, alles klappt bestens, auch die Überweisung der ausgelegten Gelder für Wohnraum und Betriebskosten funktioniert reibungslos. Außerdem werden wir mit Informationen gut versorgt (Eirene Rundbrief, Jahresbericht usw.) der Kreis beginnt sich zu schließen. Durch den informativen Ausreisekurs wurden wir auf viele Dinge vorbereitet ( Phasen des Dienstes, Probleme im Projektalltag ). Alles tritt ein, daher kann ich mit vielen Gegebenheiten, auch in meinem Alter, besser umgehen. Danke

7.Visa, auch geschafft

Alles muss in rumänischer Sprache besorgt werden. Bestätigter Mietvertrag, Zeugnisse, Gesundheitszertifikat aus Bukarest, Passfoto, Bestätigung vom Bürgermeister, Tätigkeitbeschreibung, Versicherung usw.. Dann ging es 6 mal zur örtlichen Polizei, weil immer noch etwas fehlt. Aber nach 3 Monaten war alles fertig, Ordnung muss sein. Visakarte in der Tasche, hurra! Es wäre wünschenswert, wenn man bei der Sanierung der Altstadt in Sibiu so viel Sorgfalt in Anwendung bringen würde. Deutsche Bauherren würden verzweifeln.

8.Auch deine Spende hilft! Danke

Zum Schluss noch ein kleiner Spendenaufruf. Sicherlich wird das Leben in Deutschland auch immer schwieriger. Jeder muss sich einschränken, die Welt verändert sich zunehmend. Die Globalisierung naht, Spaltung Arm und Reich wird größer. Täglich wird man durch unsere Medienwelt zum Spenden aufgerufen. Jeder soll entscheiden ob, wie viel und welche Organisation etwas Geld bekommen. Da ich hier vor Ort in Rumänien die Notwendigkeit täglich sehe, kann ich ehrlichen Gewissens sagen, das EIRENE bestimmt eine gute Organisation ist und mit viel Erfolg und Engagement weltweit fast 50 Jahre arbeitet. Eirene Internationale Geschäftsstelle Engerser Str. 81 Neuwied Deutschland Kontonummer 10 11 38 00 14 BLZ 350 601 90 Stichwort: Siegfried Herz


3. Rundbrief

1.was bin ich, fremder oder einheimischer ? 2.gute oder schlechte handwerkskunst in romania ? 3.gibt es auch reiche rentner hier im land ? 4.bukarester herbstakademie 2006(sprachkurs, kulturprogramm) 5.auch deine spende zählt bestimmt! 6.nächster rundbrief an freunde, bekannte, verwandte und mitstreiter


1.Was bin ich, Fremder oder Einheimischer,in der Kulturhauptstadt Europas 2007 ? die zeit läuft und läuft, alles ist mir längst vertraut. nehme keine notitz mehr von vielen widrigkeiten. ich stolpere nicht mehr hinweg über schlecht verlegte gehwegplatten, auch fehlende gulliöffnungen übersteige ich gefahrenlos. bin auch als radfahrer teil einer für mich chaotischen verkehrsführung geworden. der in rumänien erworbene führerschein kostet ca.150,00 euro, dementsprechend schlecht ist auch die fahrleistung der schüler, viele fahren wie die wildschweine. alles läuft für mich in gewohnten zyklen ab. tägliche rumänische redewendungen sind auch mir längst vertraut, die schlechten wörter prägen sich erstaunlicherweise am besten ein. Bin schon lange kein fremder mehr, als dauerfußgänger, fahrradfahrer und businsasse kenne ich die stadt bestens mit allen für mich interessanten gebäuden, geschäften und einrichtungen. Aber einheimischer werde ich kaum sein. bin durch das leben in germany geprägt. eine verabredung um 18.00 uhr, heißt für mich 18.00 uhr (plus, minus 30 min.). möchte nicht 2 bis 3 stunden warten. die rumänen laden mich 22.00 uhr zum grillen ein, was soll das? Auch die sündhaften fahrzeugabgase von schlecht gewarteten alten dieselfahrzeugen werde ich als zeitrumäne nicht mit freuden entgegen nehmen. Die menschen leben hier in der gegenwart, wenige reden von alten zeiten, auch die zukunft hat für viele hier keinen hohen stellenwert. bei immer vollen gläsern und tassen sowie maßlosigkeit bei vielen dingen. Bei uns in der ehemaligen DDR schwärmt man oft von vergangenen angeblich schönen zeiten… war alles sooo gut? in deutschland werden ständig zukunftsängste geschürt, wie soll das alles noch werden. hier in romania wäre es mentalitätsbedingt äußerst schwierig, rister-, rürupp-renten (trotz staatlicher zuschüsse), oder andere schwindelversprechen an den mann oder an die frau zubringen. Nur heute ist important in romania. lasst uns noch den kleinen rest vernaschen. Habe eine menge gelernt und werde einen guten mix aus beiden kulturen für mich in zukunft in anspruch nehmen.

2.Gute oder schlechte Handwerkskunst? Rumänen contra Zigeuner

meine beobachtungen bei der sanierung der siebenbürgischen hermannstädter kulturmetropole. die blecharbeiten, verlegung von kupferdachrinnen und fallrohren an alten ehrwürdigen gebäuden, durch eine besondere gruppe der zigeunerhandwerkskaste hat mich massiv in erstaunen versetzt. beim über die schulter schauen sah ich die äußerste sorgfalt bei der vorbereitung und fertigung ihrer arbeiten. ohne große arbeitsschutztechnische sicherungsmaßnahmen klettern sie in für mich schwindelnder höhe und verlegen dachbleche sowie montieren dachrinnen. als akribischer deutscher und mit argusaugen betrachteten arbeitsausführungen kann ich diese arbeiten der zigeuner nur beifallsbestimmend entgegen sehen. weiter so… dennoch sind 80% der zigeuner arbeitslos, gepaart mit einer anderen lebenseinstellung sowie lustlosigkeit zum produktiven arbeiten. Der rumänische handwerker (maurer, maler, straßenbauer usw.) arbeitet dagegen sehr oberflächlich. es fehlt die ausbildung, vieles sind nur anlerntätigkeiten. besucht mich hier und teilt mit mir meine erlebnisse! Erstaunlicherweise sind die neuen rum. Orthodoxen kirchen schmuckstücke, gefertigt mit viel liebe und sorgfalt.

3.Gibt es auch reiche Rentner in Romania?

ja sie gibt es! wie bei uns in deutschland: die am meisten bekommen, jammern auch am lautesten. eine siebenbürgische sächsin, welche ich betreue, bekommt 600,00 ron (170,00 euro) rente pro monat. sie ist leider am unzufriedensten von allen (krankheitsbedingt konnte sie nur wenig arbeiten im Leben). ich kann sie nicht davon überzeugen, das einige ihrer landsleute für 90,00 euro im monat den ganzen tag schwer körperlich im straßenbau hier in sibiu schuften und müssen mit dem wenigen geld eine frau und zwei kleine kinder ernähren (7,00 euro kindergeld pro monat für ein kind), sowie einige essengutscheine im wert von 30,00 euro. Erspare mir die ausführungen einiger alten sächsischen rentenbetrüger, welche in deutschland gemeldet sind, hohe deutsche renten kassieren und weiterhin paradiesisch in rumänien mit dem vielen geld leben. mögliche strafen von 200,00 bis 300,00 euro rentenabzug werden lächelnd beglichen.

4.Bukarester Herbstakademie 2006

mit einer vielzahl von jugendlichen in einer 2-raumwohnung im bukarester außenbezirk, habe ich mein isomatten-schlafabenteuer auch gemeistert. Der rumänisch-sprachkurs war in mehreren, von den kenntnissen der teilnehmer abhängigen kleingruppen unterteilt. ich bin und bleibe anfänger, aber mit der zeit ist auch einiges bei mir hängen geblieben. bin genau 30 jahre aus der schule raus, viele meiner mitstreiter bei der aufnahme ihrer tätigkeit erst 3 wochen. sie leben noch in einer schulwelt, können kaum verstehen, wie schwer es für mich ist. sie sagen, die rumänische sprache ähnelt mit dem italienischen, oder es ist wie im spanischen, französischen. aber leider wurden diese sprachen in meiner DDR-schulzeit nicht vermittelt. Die täglichen kultureinheiten bei der bukarester herbstakademie (stadtbesichtigungen, vorträge verschiedenster themen) waren für mich gut. lehrinhalte sehr informativ und gut ausgesucht. 5.Auch deine Spende hilft!!! Danke


Romania in der EU 2007 4. Rundbrief

Inhalt: 1.Kleines EIRENE Zwischenseminar 2.Der dunkle lange Winter hat es in sich! 3.Silvester 2006/2007 in Brasov/Kronstadt: der EU-Beitritt 4.Sibiu/Hermannstadt: Kulturhauptstadt 2007 5.Ambulante Altenbetreuung und Essen auf Rädern 6.Spende auch Du, DANKE!


1. Kleines EIRENE Zwischenseminar

Ein dreitätiges von den EIRENE-Mitstreitern selbst organisiertes Zwischenseminar Anfang Dezember 2006 fand in einem kleinen siebenbürgischen Dorf Apold (Nähe Schäßburg) statt. Alle Teilnehmer kennen sich seit vielen Monaten und bringen ihre eigenen Erfahrungen im vertrauten Kreise zum Ausdruck. Wir sprachen über schöne Erlebnisse und Sorgen, die es im Projektalltag hier landesweit gibt. Alles wurde erläutert (Arbeitsklima, eigene Erfahrungen als Ausländer, Freizeitgestaltung, Einsamkeit sowie unsere Integration in Rumänien). Das äußerst rustikale Ambiente des Beherbergungshauses (Trockenklo, Wasser aus der Pumpe, Elf-Personen-Hochbett usw.) hat mir gut gefallen. Nach meiner Rückkehr hier nach Hermannstadt kann ich alle für mich normalen Dinge viel besser würdigen (z.B. fließend warmes Wasser). Ich hoffe sehr, dass unsere Verbesserungsvorschläge, Hinweise usw. hinsichtlich der EIRENE-Betreuung auf offene Ohren stoßen und wir gemeinsam zu einer optimalen Lösung kommen. Jetzt nach dem EU-Beitritt 2007 ist Rumänien bestimmt kein Billigland mehr. Der gesamte politische und wirtschaftliche Gesetzes- und Strukturwandel hier im Land wird vieles zum Ausdruck bringen.

2. Der dunkle lange Winter hat es in sich!

Der Dienst des Älteren. Wie weit bin ich belastbar? Diese Frage stelle ich mir oft selbst. Der schöne erlebnisreiche Sommer ist lange vorbei gewesen. Meine andere EINRENIS leben altersebedingt oft in Wohngemeinschaften, sie haben mit 20 Jahren oft gleiche Gesprächsthemen, gleiches Freizeitverhalten und die Weltanschauungen sind ähnlich. Meine Ein-Raum-Wohnung ohne TV-Kabelanschluss lässt bei mir schon Langeweile im dunklen Winter aufkommen. Die sozialen Kontakte hier im Wohnblock sind nicht vorhanden. Leider wohnen hier nur alte Leute (ca. 70 Jahre), dafür ist es ruhig. Wie finde ich Freunde? Wer spricht meine Sprache? Durch meine Projektarbeit im Bereich der ambulanten Altenbetreuung ist es auch kaum möglich dauerhafte und neue soziale Freizeitkontakte zu bekommen.

Auch den eigenen inneren Frieden zu finden ist bestimmt eine der wichtigsten Erfahren, die ich hier in Rumänien gemacht habe.

Ich kann mich bestimmt zum Teil in die Lage meiner älteren Leute versetzen, was es heißt, nicht im Blickpunkt einer wohlbestimmenden Gefühlsbalance zu stehen. Ich freue mich auf die Austauschgesprche mit ehemaligen „Älteren Freiwilligen“ um meine Erfahrungen mit Ihnen zu teilen.

3. Silvester 2006/2007 in Brasov/Kronstadt: der EU-Beitritt

Romania EU-Beitritt 2007 Hurra? Oder… Den von vielen erwarteten Jahreswechsel, verbunden mit dem Eintritt in die Europäische Union habe ich in Brasov (350.000 Einwohner) miterleben können. Mit ehemaligen Teilnehmern der Bukarester Herbstakademie trafen wir uns in dieser schönen siebenbürgischen Großstadt, um gemeinsam diesen von vielen umjubelten Ereignis mit den Rumänien zu feiern. Es fiel mir auf, dass nicht halb so viele Feuerwerkskörper in den Himmel abgeschossen wurden wie in meiner Heimatstadt Rostock in Mecklenburg Vorpommern, dafür war das Müllaufkommen in der Fußgängerzone doppelt so hoch wie ich es gewohnt war. Kurz nach Mitternacht hatte unsere kleine Gruppe Glück und wir konnten noch einige Getränke in einem noblen Irish Pub in der Fußgängerzone zu uns nehmen. Die vor der Tür parkenden neuen PKWs der Gäste kostete es ab 70.000 Euro aufwärts. Die von uns umgebenen , in vornehmen Zwirn gekleideten Gäste begossen kräftig mit euren westlichen Getränken das historische Jubiläum. Romania EU 2007! Ich bin sicher, diese Leute werden massiv davon profitieren, wie viele andere tausende Menschen in diesem Land auch, aber aber aber … Was macht der Rest des Landes? Sind diese Menschen dem „Strukturwandel“ gewachsen? Wird Rumänien vom Schmuddelkind zum EU-Tigerstaat aufsteigen? Viele Firmen werden sterben wie die Fliegen. Angefangen vom Laden um die Ecke bis hin zu den noch existierenden Betrieben (Industrie, Landwirtschaft, Fischfang usw.) Wir werden Ihnen unseren westlichen Stempel aufdrücken, das ist sicher! LEIDER! Im Land steht die gesamte Wirtschaft auf Messers Schneide. Eine große Gefühlsverreisprobe für viele Millionen Menschen in diesem Land, das seit vielen Jahrhunderten Traditionen, Brauchtum in allen wirtschaftlichen Bereichen versucht hat zu bewahren – ob Donaufischer, Milchfrau, Gemüsehändler oder sonstiger Kleingewerbetreiber: alle müssen sich den neuen EU-Gesetzen aus Brüssel beugen.

4. Hermannstadt: Kulturhauptstadt 2007

Hermannstadt wurde zur Europäischen Kulturhauptstadt 2007 ernannt. Auch Luxemburg ist gemeinsam mit Sibiu Kulturhauptstadt. In diesem Jahr werden die Besucher während des ganzen Jahres auf ein facettenreiches, unverwechselbares und tolles Angebot an kulturellen und touristischen Highlights stoßen, das den gesamten Charme dieser dynamischen städtischen Landschaft wiederspiegelt. Die Sanierung der Altstadt, die weitreichenden Modernisierungsprogramme der Stadt und der Ausbau von Industrie und Dienstleistungen verleihen dieser Stadt Vitalität und die Kraft zu einer grundlegenden Erneuerung.

Sibiu/Hermannstadt. Das Herz Siebenbürgens, der Pulsschlag Rumäniens.

Und damit wird Hermannstadt wieder das, was es in seiner Geschichte schon immer war: Schnittstelle für Begegnungen verschiedenster Zivilisationen und Kulturen zwischen Ost und West, Byzanz und Balkan, Nord und Süd und über alle Grenzen hinaus.

5. Ambulante Altenbetreuung und Essen auf Rädern

Von meinem Arbeitsfeld aus hat sich nicht sonderlich viel geändert. Immer noch verbringe ich meine Tage damit, neun Rumänien und Siebenbürger Sachsen in Hermannstadt zu besuchen und mit ihnen ein paar Worte zu wechseln und mal für sie kleine Erledigungen zu machen. Morgen bin ich zum Namenstag einer Seniorin eingeladen, das ist natürlich schon ein schönes Gefühl. Für sozial schwache Familien fahre ich mit einem Helfer auch dreimal die Woche Essen aus – etwa 40 Portionen sind das, aber hier geht es dann weniger um Kontakte, sondern nur um das reine Abladen des Essens und wieder Abholen der alten Töpfe. Letzte Woche haben wir noch Kleider dabeigehabt, die wir tütenweise verteilt haben. Wenn ein Lächeln kommt, reicht das schon als Dankeschön. Durch eine Bekannte, die bei der Zeitung in Hermannstadt gerade Praktikum macht, wurde meine Arbeitsweise und die Organisation auch genauer vorgestellt, sowohl beider Allgemeinen Deutschen Zeitung, als auch bei der Hermannstädter Zeitung.

6. Spende auch Du, DANKE!

Euer Siggi Herz


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