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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen.
Aus jeder Herausforderung lernen wir und haben Spass an ihr!
Lukas Schneider erklärt uns, was er in Frankreich in der Organisation Compagnons Bâtisseurs macht und welche Eindrücke er gewonnen hat. ( November 2006)
Wir Ihr alle wissen solltet, hatte ich bereits vor langer Zeit beschlossen, mein freiwilliges Jahr in Frankreich zu verbringen und bei wem? Ja genau bei den Compagnons Bâtisseurs (CB)!
Zusammen mit meiner Tägerorganisation, EIRENE, hatte ich mir das Projekt schon vor halben Ewigkeiten ausgesucht.
Wenn immer noch alle interssiert lesen, müsste jetzt ein lauter Aufschrei kommen: «Stooopp. Lukas, das war zu viel. Wer war nochmal EIRENE und die Compagnons Bâtisseurs?»
Also. EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des sogenannten “Anderen Dienstes im Ausland” (anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist.
1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten.
Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENE-Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENE-Mitgliedern zählen.
In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelferInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.
So, nun zu den Compagnons Bâtisseurs. Die CB sind nach dem zweiten Weltkrieg entstanden, um mit Hilfe von Freiwilligen die vom Krieg zerstörten Häuser wiederaufzubauen. Anfangs gab es sie in vielen Ländern, auch mal kurz in Deutschland. Mittlerweile sind die CB nur noch in Frankreich und Belgien tätig.
Als Compagnon Bâtisseur -ganz speziell als Volontaire auf den chantiers famille- versucht man, begleitet von einem animateur technique und einer équipe (Mannschaft) von Volontaires die Behausung -das kann von einer einfachen Wohnung in der Stadt bis zum kleinen Haus in ländlicher Gegend alles sein- einer Familie, in finanziellen und meist auch anderen Nöten, zu renovieren.
Im besten Fall sollte die Familie im Sinne von «Auto-Réhabilitation accompagné (grob übersetzt: begleitete Wiedereingliederung -in die Gesellschaft- aus eigener Kraft)» so schnell wie möglich motiviert sein, die Wohnung/ das Haus selbst -mit nur ein klein bisschen oder auch mal einem klein bisschen mehr Hilfe von uns- zu renovieren, zu beklopfen, behammern, verschönern, aufzupimpen, stylen, bearbeiten, betüddeln, polieren, eben agréable (angenehm) machen.
Wir, die équipe, sind «eigentlich» nur ein Unter-den-Arm-greifen. Wir arbeiten mit der Familie und machen auch gern mal mehr, aber wir arbeiten nicht für die Familie.
Wir wollen, dass die Familie nach unserem Besuch wie ein Flummi rumtitscht und schreit: «Wer hat Arbeit für mich? Ich bin motiviiiiiiert. Ich will weiter an meiner Wohnung arbeiten und noch was: ICH BIN GLÜCKLICH! Ich habe einen Bombenjob mit den CB gemacht. Ich bin gut. Zack Lächeln. Bäm»
Das erreicht man leider nicht immer,vor allem nicht in der kurzen Zeit von ungefähr zwei Monaten -kann aber auch viel kürzer oder viel länger sein-.
Wir setzen darauf, dass die Familie viel mit uns lernt und so viel Mut in der Zeit schöpft, dass es nach Beendigung des chantiers selbstverständlich ist, ein bisschen Beton zu mischen, um den Boden neu auszugiessen. Haha na, wir wollen mal nicht übertreiben, aber es ist klar was gemeint ist.
Es entwickelt sich meistens erst mit der Zeit, dass motiviert mit uns gearbeitet wird.
Ein chantier gab es als gutes Beispiel, bevor ich nach Frankreich gekommen bin, dass ein Projekt der CB auch manchmal von vorn bis hinten glatt läuft. Heute noch habe ich dieses chantier besucht. Der Mann der Familie war wohl schon Ewigkeiten nicht mehr aktiv und hat getrunken, Frau schwanger. Als meine Vorgänger dann angefangen haben, ist der Mann wohl richtig aufgeblüht und hat innerhalb einer Woche Küchenmöbel und Arbeitsflächen vom Feinsten hergezaubert. Alles handmade.
Und heute -ich kanns anhand von Fotos und von Zeugenaussagen meines animateurs beweisen haben wir gesehen, dass der Mann weitergearbeitet hat, nachdem die CB abgezogen waren. Hat mal eben so einen Kamin aus dem Ärmel geschüttelt und noch einige Kleinigkeiten.
Wie ihr seht, besuchen wir die Familien auch noch nach den chantiers. Das ist zeittechnisch manchmal schwierig, aber wir versuchen unser bestes.
Während eines chantiers wird viel geredet, gelacht, getobt, geschrien, gesungen, gefragt und gearbeitet.
Alles frei nach dem Motto: erstens«Das macht Spaß, und das ist auch gut so! Zack Lächeln.» und zweitens «Schmeiß mir mal den Hammer und ein kühles Blondes aus dem Kühlschrank zu.»
Wer hat die Fehler im zweiten Mottospruch entdeckt?
Na klar. Bier gibt es erstens nicht, weil es leicht vorgekommen kann, dass Familienmitglieder Alkoholiker sind, zweitens oft Kinder anwesend sind, denen man nicht unnötig schlechtes Beispiel sein sollte und drittens mit Alkohol das chantier langsamer vorangeht.
Was letzteren Grund angeht habe ich zwar auch schon Gegenbeispiele gehört, aber die beiden ersten Gründe reichen mir vollkommen aus.
Und der zweite Fehler ist, dass Hämmer nicht einfach geschmissen werden.
(Naja und Hämmer werden übrigens auch nicht im Kühlschrank aufbewahrt. Haha)
Ich bin mit der Erwartung zu den CB gegangen, dass vor allem in südlicheren Gefilden von Frankreich das Thema Sicherheit recht locker behandelt wird. Das kommt vielleicht in einzelnen Situationen vor, aber alles ist auch nicht drin.
Man kann eben nicht alles machen, zum Beispiel Hämmer werfen.
Wo wirklich penibel auf Sicherheit geachtet wird -liegt wahrscheinlich auch an dem ursprünglichen Beruf meines animateurs: Elektriker-, ist das Themengebiet Elektrizität. Wehe es labbert nur eine Steckdose so in der Gegend rum. Zack wird der Strom im ganzen Häuserblock ausgeschaltet und die OP beginnt:
Chefarzt animateur: «Schwester, Schraubenzieher.»
Ansonsten wird es ohne Hohn und Spott toleriert, wenn man sich schützt, wo andere es nicht tun. Ich habe zum Beispiel immer Ohrstöpsel in der Tasche. Wo der ein oder andere mit tauben Ohren ins Heimatland zurückkehrt, werde ich hoffentlich keine Probleme haben.
Wie schon erwähnt wird viel geredet und so bekommt man nach einer Weile eine ganze Menge über das Leben verschiedenster Familien mit. Für die Familien ist es eine Möglichkeit, einmal alles rauszulassen.
Nicht jeder Sozialarbeiter hat viel Zeit -eigentlich hat keiner so richtig Zeit- und oft hört er auch nicht dringend zu.
Da wir hingegen den ganzen Tag da sind und mit zu Mittag essen, sind wir näher an den Familien dran und immer mit offenen Ohren bei der Arbeit.
Ziel der ganzen Arbeit ist, dass sich die Familie in ihrer eigenen Wohnung wohlfühlt und ruhigen Gewissens andere Leute einladen kann, was wichtig ist im Bezug auf das soziale Umfeld.
Und wir wollen eine motivierte Familie bilden, die stolz darauf ist, was sie geschafft hat und sich fähig fühlt auch, die anderen Probleme, ob es die fehlende Versicherung oder der Hang zum Alkohol ist, in die Hand zu nehmen.
Wenn ich im Folgenden von meinem ersten Tag und meiner jetztigen Realität rede, möchte ich darauf hinweisen, dass eine Baustelle nie, nie, nie ganz glatt läuft und das auch natürlich ist.
Jede Baustelle hat ihre individuellen Probleme und aus jeder Herausforderung lernen wir und haben Spass an ihr.
Des weiteren sind alle Namen frei erfunden.
Hier die Realität:
Eines Morgens stieg ich aus meinem Bett und ich wusste, das würde mein erster Arbeitstag sein.
Ich kann mich gut erinnern, dass ich irrsinnig stolz war, bald in der Arbeitskleidung eines Stuckateurs die Baustelle betreten zu können, ganz in der Tradition meiner Familie väterlicherseits. In Köln habe ich schon mehrmals mit meinem Patenonkel auf einer Baustelle gearbeitet und ich habe ein genaues Bild, wie ein Stuckateur auszusehen hat. Ob das nun wirklich die traditionelle Arbeitskleidung eines Stuckateurs ist, das weiss ich nicht. Ist mir auch egal, denn für mich ist es sie. Sowohl mein Patenonkel, als auch mein Grossvater treten in meiner Vorstellung immer in einer weissen, aber aus starkem Stoff bestehenden Hose auf, in die am rechten Bein kurz über Kniehöhe eine enge tiefe Tasche eingelassen ist (für den Zollstock zum Beispiel) und einem karierten Holzfällerhemd.
Wie sehr ich an diesem ersten Arbeitstag enttäuscht wurde, merke ich erst jetzt, während ich schreibe.
Es war geradezu ein Schock, als Bertha -einer meiner Mitbewohnerinnen und Mitvolontairin- in normaler Strassenkleidung gekleidet mir mitteilte, an diesem Tag und darauf und darauf den Tag wäre erstmal Réunion angesagt. Wie sehr ich dieses Wort hasste.
Ich musste mich umziehen und mir drei Tage lang mit meinem schlechten Französisch die Réunions anhören, in denen jedes Thema dreimal wiederholt und durchgekaut wurde, um dann nach nicht enden wollenden Minuten und Stunden zum Schluss zu kommen, dass wir Compagnons Bâtisseurs wirklich Familien mit finanziellen Nöten helfen, was allen von Anfang an klar war und mir schon seit einem halben Jahr.
Wie stolz war ich, nun wirklich in der Stuckateurskleidung endlich bei einer Familie anzufangen.
In der Familie angekommen, wurde ich gleich wieder vom Pferd gestossen. Mein Französisch, das sich als gar nicht soo übel herausgestellt hatte, half nichts gegen dieses verstümmelte Murmeln im schlimmsten Dialekt, dem ich dort begegnet bin.
Hier eine Beschreibung der Familie:
Anais, die Frau des Hauses, hat acht Kinder zur Welt gebracht. Das erste gebahr sie mit 15 Jahren. Heute leben nur noch fünf. Zwei starben bei einem Motorradunfall und eins an einer Krankheit. Drei Mal hat sie abgetrieben. Nur zwei ihrer Kinder leben bei ihr.
Manchmal kommt für eine kleine Weile, vor allem zum Bauen mit uns, François, der Vater einiger Kinder. Er ist jedoch weder Ehemann von Anais, noch Vater der Kinder, die bei Anais leben. François betrinkt sich immer wieder mal. Und während seiner Trunkenheit ist es auch schon vorgekommen, dass er dem kleinsten Anais' Kinder, Mathilde, gesagt hat, dass er sie hasst. Ausgerechnet dem kleinen Mädchen, das -trotzdem er nicht Vater ist- ihn liebt und Freude mit ihm hat.
Von der Mutter Anais hören die beiden Kinder meistens nur, so wörtlich: «Hau ab!; Haha, kannst nicht Mama schreiben, ne, haha.; Lass das oder ich schmeisse dich wie die Mutter aus den Nachrichten in den Fluss. (Das kam in einer Nachrichtensendung an diesem Tag. Mathilde hatte mitzugeguckt.)» Mathilde hatte Angst, zitterte und weinte.
Anais hat weder die Wohnung, noch die Kinder, noch sich selbst in irgendeiner Weise versichert. Bei einer Krankheit, wie vor kurzem, muss sie selber alles bezahlen.
Nicht einfach, wenn man nur 500 Euro im Monat bekommt und anstatt Medikamente, Versicherungen oder Strom -sie stand schon einaml kurz davor, den Strom gekappt zu bekommen und nun zum zweiten Mal- zu bezahlen, am Anfang des Monats gleich für fast die ganzen 500 Euro Weihnachtsgeschenke: Nintendospiele, Gameboyspiele etc. einkauft.
Irgendwo hat sie zwar noch Nebeneinkünfte, sonst könnte keine Miete und kein Essen bezahlt werden, aber die Finanzsituation ist dennoch kritisch.
Dies scheint ihr Lebensstil geworden zu sein: die Kinder werden gefüttert, angezogen, und der Ersatz für Liebe sind die Weihnachtsgeschenke.
In dem Stress des Alltags kommt man oft nicht zur Ruhe, die Traurigkeit und die Weite des Problemes zu erkennen. So ist dieser Schreibprozess eine gute Möglichkeit, mit Euch zusammen zu reflektieren. Der Rahmen stimmt so, aber ist selten so duster in meinenGedanken. Man redet und lacht eben doch oft zusammen mit der Familie, was alle trotz der grossen Kacke (Entschuldigung) zusammenschweißt.
Mir ist auch bewusst, dass meine Beschreibung von oben teilweise als wertend begriffen werden kann und ich vielleicht gar nicht das Recht habe, über die Familie zu urteilen, aber so versteht man besser, wie es manchmal in mir aussehen kann.
Es gibt auch Positives zu berichten. Wir als équipe haben es geschafft, in dieser Familie aus einer heruntergekommenen Wohnung eine Pracht an Wohnung zu fabrizieren.
Außerdem hat sich Anais, auf unseren Druck (sachter, freundlicher, Zack-Lächeln-Druck) hin, mittlerweile darum gekümmert bestimmte Anträge auszufüllen, die ihr finanzielle Unterstützungen und Versicherungen versprechen.
Nachdem sie gesehen hatte, was wir da in ihrer Wohnung geschaffen hatten, fing sie auch an immer originellere Mittagessen vorzubereiten.
Letztens gab es einen riesigen Kessel voll mit Schnecken. Hmm lecker. Schüttel.
François arbeitet fleißig mit und Mathilde hat riesen Spaß, mit mir Türen abzuschmiergeln oder Luftballons fliegen zu lassen.
Ein Ziel, dass innerhalb eines Zeitraumes von zwei Monaten unlösbar scheint, ist die Erziehungsmanier. Wie baut man eine Beziehung mit den Kindern auf, die auf Liebe beruht? Und wie bringt man seinen Kindern bei, nicht die gleichen Fehler zu machen, die man selber in seinem Leben gemacht hat?
Verzweiflung hat sich schon manchmal in mir ausgebreitet, wenn ich erkannt habe, dass wir die Familie verlassen würden ohne alle Probleme zu lösen.
Meine Erwartungen waren sehr, sehr niedrig, bevor ich angekommen bin, aber als ich dann erstmal in der Familie selbst war, wollte ich alles.
Für Probleme wie Alkoholismus und festgefahrene Gedankenschemata gibt es keine Lösung innerhalb eines kurzen Zeitraums. Das muss ich akzeptieren lernen.
Mal ganz auf den technischen Part meiner Arbeit reduziert, blühe ich auf.
Ich habe gelernt, auf dem Boden Fliesen zu verlegen, zu tapezieren, zu streichen (Nochmal möchte ich großen Respekt für die Maler meiner Familie mütterlicherseits aussprechen. Ist gar nicht so einfach, wie ich dachte.), mit Holz umzugehen, alle möglichen Matschepampen anzumischen und letztens habe ich meine erste Steckdose und Lampe installiert. Natürlich gibt es noch einiges, dass ich nicht erwähnt habe, aber alles wäre einfach zu viel, um es hier zu erwähnen, denn auch menschlich nehme ich viel mit.
Der Vollständigkeit halber möchte ich noch hinzufügen, dass es bei den Compagnons Bâtisseurs noch viel mehr Projekte gibt, als das Chantier Famille mit den Volontaires, sondern auch noch das «Atelier Quartier», bei dem ein animateur technique mit den Familien des Viertels versucht, mit Familie A und Familie B die Wohnung der Familie C zu renovieren und später mit Familie C und Familie B bei Familie A zum Beispiel.
So soll ein soziales Netz innerhalb des Viertels aufgebaut werden. Das ist wichtig, weil viele Familien Maghrebins sind. Soll heißen, sie kommen zum Beispiel aus Algerien in Afrika oder Marokko etc. und leben noch nicht lange in Frankreich.
Aber auch für französische Familien ist es oft wichtig, ein soziales Netz aufzubauen, da sämtliche Kontakte schon längst abgebrochen sind.
Übrigens im Atelier Quartier arbeite ich auch manchmal. Man muss sich nur drum kümmern, dann kann man einiges hier machen.
Das ist wahrscheinlich der beste Zeitpunkt bekanntzugeben, dass ich hier in Fontès lebe und zwar in Südfrankreich zwischen Montpellier und Béziers.
Beides ist sehr gut mit dem Auto bzw. mit unserer Klapperkiste zu erreichen.
Und natürlich sind hier im Süden die meisten Maghrebins angesiedelt, was deutlich an der Häufigkeit des uns vorgestzten Couscous auszumachen ist, der übrigens vorzüglich schmeckt.
Ich, als Deutscher, bin eigentlich Ausländer unter vielen anderen Ausländern. Meine équipe besteht aus einer Polin und einer Spanierin und die Maghrebinfamilien -ich war erst in einer, aber es werden noch einige folgen- fühlen sich meist auch noch nicht französisch.
Auf der Straße sieht man viele Nationen umherspazieren und mit den Franzosen in meinem Dorf assoziiere ich eher einen typischen Italiener in Süditalien, zumindest so, wie ich ihn mir vorstelle.
Darüber hinaus habe ich gemerkt, dass ich deutscher bin, als ich dachte.
Pünktlichkeit darf man hier einfach nicht erwarten. Grrr. Kann schon auch mal nervig sein.
Und ich werde auch gelegentlich auf dem chantier daran erinnert, wenn ich meine Aufgabe wieder zu genau und zu exakt erfüllen will, dass so ungefähr auch reicht und ich doch irgendwie dem deutschen Bild im Ausland entspreche: genau und ordentlich.
Vielleicht habe ich doch ein bisschen einen typischen Deutschen in mir stecken.
Meine ersten Monate, weg von zu Hause, sind sehr holprig verlaufen.
Nach meinem Ausreisekurs musste ich nochmal zwei Wochen auf ein stage initial von den CB.
Das war eine kleine Einführung in die CB und am Schluss wurde entschieden, in welche Region man letztendlich gehen würde. So wusste ich erst nach eineinhalb Monaten, dass Fontès meine Bestimmung sein sollte. Das zehrt ganz schön an den Nerven so lange haltlos von Platz zu Platz zu schwimmen.
Da hat mir vor allem geholfen zu wissen, dass ich eine Heimat und eine Familie und Euch habe. Die Sprache hat mir zwar noch so den ein oder anderen Stein in den Weg geworfen, aber alles in allem ging es mir immer gut. Ich denke einfach zu positiv, als das es anders sein könnte.
Mir ist aufgefallen, dass es immer die kleine Dinge sind, die mich zum Lachen, wenn François sich mal wieder die Zigarette aus Versehen am Filter anzündet hat, oder zum Weinen bringen, wenn die ach so kleinen Ecken an der Decke gestrichen werden müssen,.
Zwischendurch tanke ich immer wieder Energie. Und wisst ihr wo?
In La Fleyssiere.
Das ist eine kleine Lebensgemeinschaft, die sich mit der LaBorieNoble (beides Archen von Lanza del Vasto), in der Nähe von Lodève mitten in die Natur gesetzt hat, um dort autark und gewaltlos zu leben.
Mit den dort lebenden EIRENIES habe ich dann gearbeitet, entspannt und die Nase in die frische Luft gesteckt.
Danach von La Fleyssiere selbstgemachten Käse und von LaBorieNoble gebackenes Brot. Es gibt nichts Besseres.
Lukas
Homepage EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst
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