EIRENE-Archiv:
Ende einer Revolution - Verlust einer Vision (1990)
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Hilflosigkeit dessen, was sie uns sagen an diesem Tag: es tut doch gut, zu sprechen, den Druck loszuwerden, der sich in dieser Nacht angestaut hat. Erste Treffen der Internationalisten werden einberufen, ein großes Bedürfnis sich auszutauschen, sich gegenseitig moralisch Unterstützung zukommen zu lassen, die Einschätzung der anderen zu hören, macht sich breit. Nachbarn kommen ins Büro, sie sind entschlossen zu gehen, sagen sie. Wir werden nicht zugucken, wie hier alles kaputtgeht." So gut ich ihre Verzweiflung verstehe, regt sich in mir auch spontan der Protest: Wenn wir jetzt alle unsere Sachen packen, unsere Arbeit, unsere KollegInnen, unser Projekte verlassen, in DIESER Situation, in der noch keiner weiß, was passieren wird, wo bleibt da unsere Solidarität mit diesem Volk, mit dem Prozeß dieser Revolution, mit diesen Menschen hier um uns, die uns doch ans Herz gewachsen sind und die auch nicht gehen können. Und wohin sollen wir gehen? Ja, wir haben es noch gut, wir können in unser Land zurück, in dem wir, anders als Tausende von Asylanten in Nicaragua, die aus Chile oder El Salvodor kommen, nicht mit Verfolgung rechnen müssen. Aber wohin geht es denn mit uns? Was wird unser Weg sein nach diesem 25.Februar 1990, woran glauben wir noch, dennoch, immer noch, jetzt erst recht? Nein, ich gehöre nicht zu denen, die am nächsten Tag schon wieder die Fahne in der Hand hatten, ungebrochen wirkten und Optimismus und Kampfgeist verbreiten wollten. Ich fühle mich noch heute, zwei Wochen nach dem Wahltag, sehr unsicher in meiner Einschätzung dieses Ereignisses. Und ich denke, wenn wir eins daraus lernen müssen ist es, genauer hinzusehen, Unsicherheiten auszuhalten und uns nicht mit sonnenklaren Analysen gegenseitig zu übertrumpfen und uns erneut mit Blindheit zu schlagen. ..."
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