EIRENE-Archiv:No Resignation" (1984)
Erst Jahre später wurden diese Urteile aufgrund einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes wieder aufgehoben. Zu den Verurteilten gehörte auch Paul Gentner, der unter dem Titel No Resignation" Gedanken über die weitere Arbeit formulierte. Sein Artikel erschien im März 1984, im EIRENE-Rundbrief 1/84. No Resignation" lesen wir auf der Umschlagseite des EIRENE-Grundsatzheftes Quo Vadis?". Diese Überschrift ruft uns zu: Werft euer Vertrauen nicht weg, auch wenn das Jahr 1983 in erschreckender Weise deutlich machte, daß der Abrüstungswille von Millionen von Menschen an die Wand gespielt wurde. Die Forderung der Friedens- und Ökologiebewegung paßte nicht in das Rüstungskonzept der ganz Großen. Eine neue atomare Rüstungswelle mußte rollen, obwohl die Hochrüstung ohne Krieg schon Millionen Menschenopfer fordert. Wir resignieren nicht. Wir gehen den Weg des Friedens weiter und dieser Weg ist unvereinbar mit dem Weg der Hochrüstung. Das Ziel, mit anderen Völkern in Frieden zu leben, kann nicht mit einer Feindbildpolitik erreicht werden, die Erhaltung der Menschheit nicht mit dem Wettlauf der Massenvernichtungsarsenale. Eine der wesentlichen Einsichten, die ich lernte, ist: Wenn Ziel und Mittel identisch bleiben, brauche ich nicht zu verzagen, wenn ich nicht bis zum Ziel vorzustoßen vermag, denn die angewandten Mittel weisen immer auf das Ziel hin, und andere Freunde werden diesen Weg weitergehen, wenn ich nicht mehr kann. Wenn junge Menschen über Landesgrenzen hinweg Wege des Friedens gehen und den Fremden zum Freund werden, verschwinden Haß- und Feindbilder. Vertrauen kann wachsen. Das EIRENE-Nordprogramm und das Programm des Solidarischen Lerndienstes in der Dritten Welt sind kleine, aber dauerhafte Schritte auf dem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden. Solidarischer Lerndienst heißt, mit armen Bevölkerungsgruppen leben und arbeiten, eine zeitlang die gewohnte Sicherheit aufgeben, selbst erfahren, wie ungerecht die Güter dieser Welt verteilt werden und sich ändern lassen. Unsere Friedendienstler in Europa, USA und der Dritten Welt geben uns viel Mut und Hoffnung. Im Nordprogramm arbeiten zur Zeit 22 und in der Dritten Welt 29 Freiwillige. Wir freuen über die größer werdende Zahl. Auch die Spenden, die wir von Ihnen, liebe Leser, erhalten, steigen von Jahr zu Jahr. Weil unsere Programme so unkonventionell sind, kann auch Unkonventionelles passieren. Zum Beispiel lassen die Finanzierungsrichtlinien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit es nicht zu, daß Entwicklungshelfer in einem Krisengebiet wie dem Tschad unterstützt werden. Wir meinen aber, daß sich gerade dort, wo Unrecht und Not am größten sind, unsere Freundschaft bewähren muß. Was geschah also? Ein französischer Mathematikprofessor, der mit seiner Familie in einfachster Weise in einem afrikanischen Land lebt und arbeitet, teilt sein Gehalt Monat für Monat mit drei EIRENE-Fachkräften im Tschad. Und ein anderes Beispiel: Für die Finanzierung neuer Aufgaben in Nicaragua ist ein Spender eingesprungen. Damit wird es möglich, daß für 1984 vorgesehene Programm zu realisieren. Das sind Zeichen der Hoffnung. Unsere Hoffnungsträger, die Freiwilligen, wollen wir auch in diesem Rundbrief wieder ausführlich zu Wort kommen lassen. Die Berichte sind zugleich unser Dank an die Leser und Unterstützer, die es möglich machen, solche kleinen Schritte der Versöhnung und der Veränderung zu tun. Ein Netz von Friedensgruppen verbindet so Menschen aus Deutschland, der Schweiz, Holland, Frankreich, Belgien, Spanien, Italien, England, Irland, Nordirland, den USA, Nicaragua, Ecuador, Peru, Chile, Marokko, Senegal, Kamerun, Niger, Tschad, Bangladesh und Sri-Lanka miteinander. Die Menschen sind der Reichtum, nicht Gold und Silber". Diesen Ausspruch von Gandhi möchte ich umwandeln in: Der Dienst am Menschen ist unser Reichtum, sei es durch direkte Aktion oder indirekte Unterstützung. Helfen Sie uns auch 1984, daß die Quelle des Reichtums nicht versiegt, daß weiterhin Mißtrauen in Vertrauen, Resignation in Hoffnung umschlägt."
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