EIRENE-Archiv:
Tun, was irgend in unseren Kräften steht" (1974)Im März 1974 schreibt der damalige Vorsitzende des Deutschen Zweiges von EIRENE, Wolfgang Kelm, folgende einleitende Passagen im Rundbrief, aus denen bereits herauszulesen ist, daß sich innerhalb der EIRENE-Arbeit der Horizont von der reinen Projektarbeit hin auf verstärktes Engagement zu Hause" auszuweiten beginnt.
Liebe Freunde! Die Belastbarkeit unserer Gefühle ist begrenzt. Auch Mitleid oder Entsetzen, oft Anlaß spontaner Hilfsbereitschaft, halten sich nicht einfach über Jahre hin. Zwangsläufig erlahmt unser Interesse, wir stumpfen ab und es bedarf immer größerer Katastrophen, um uns aufzuschrecken. Wohl alle, an die dieser Rundbrief geht, wissen grundsätzlich davon, wie unsagbar katastrophal die Situation in der Dritten Welt sich darstellt. Die meisten von Ihnen sind seit Jahren engagiert, um auf irgendeine Weise dazu beizutragen, das Elend zu lindern, und möglichst einen Umschwung in der Entwicklung herbeizuführen. Noch wird die Lage Jahr um Jahr schlimmer. Dom Helder Camara, jener zäh und kompromißlos für die Lebensmöglichkeit der Brasilianer kämpfende Bischof, formulierte es kürzlich so: Wie auf einem sicheren Luxusdampfer fahren die Weltschmarotzer durch das Meer der internationalen Armut". Uns allen ist mehr als unbehaglich dabei. Nur zu verständlich, daß man versucht, dieser unerträglichen Situation zu entgehen, sei es durch Verharmlosung und unrealistischen Optimismus, sei es durch Zuflucht bei politischen Radikallösungen. Beides geht an der Sache vorbei und wird nicht weiterhelfen, allenfalls nur emotional entlasten. Wir werden bei EIRENE nicht umhinkommen, auch weiterhin im vollen Bewußtsein der Unzulänglichkeit und Geringfügigkeit unserer Hilfe zu tun, was irgend in unseren Kräften steht. Neben der praktischen Arbeit in den Projekten fällt uns hier in der Bundesrepublik die Aufgabe zu, bei uns und den anderen für eine sachgemäße Kenntnis der Probleme zu sorgen."
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