EIRENE-Archiv:Unterstützung von Kriegsdienstverweigerern in Spanien (1976)
In der Bundesrepublik wird das Recht auf Kriegsdienstverweigerung durch das Grundgesetz garantiert. Aber dieses Recht gibt es nur in wenigen Ländern. Fast überall in der Welt werden KDV´s verfolgt und inhaftiert, so z.B. auch in Spanien. Dort werden sie wie Kriminelle behandelt und im Schnitt mit sechs Jahren Haft bestraft; nach ihrer Entlassung sind sie aller politischen Rechte beraubt. Aus Protest hat sich eine Kommission Justitia et Pax" gebildet, die einen Alternativvorschlag für eine sozialen Zivildienst ausgearbeitet und an die Regierung geschickt hat. Die Ableistung eines solchen zweijährigen Zivildienstes soll von der Militärdienstpflicht befreien. In einer Unterschriftenaktion haben sich 1.200 Jugendliche spontan zu einer Mitarbeit bereiterklärt. Die Regierung hat bis heute nicht auf diesen Vorschlag geantwortet; stattdessen werden KDV´s und Sympathisanten weiter verhaftet, teilweise auch in psychiatrische Anstalten geschafft. Daraufhin haben fünf wehrpflichtige Jugendliche im letzten Herbst die Initiative ergriffen und leisteten einen Zivildienst nach dem erarbeiteten Vorschlag ab. In einem Elendsviertel von Barcelona organisierten sie Altentreffen, einen Kindergarten, Alphabetisierung für Erwachsene, einen Treffpunkt für die Bewohner des ganzen Viertels und Kinderfreizeiten für über 100 Kinder. Ihre Arbeit wurde von der Bevölkerung lebhaft unterstützt, nicht jedoch von offizieller Seite. Alle fünf wurden verhaftet und sitzen zur Zeit ohne Prozess in einem Madrider Gefängnis! EIRENE, die sich für ihr Schicksal interessiert, hat sich an einer Briefaktion beteiligt und zusammen mit der Gewaltfreien Aktion Bonn" eine zweitägige Mahnwache vor der spanischen Botschaft durchgeführt und eine Spende von 3.000 DM weitergeleitet. Auch haben wir Kontakt aufgenommen zu José Gallard, der in Brüssel gemeinsam mit dem Internationalen Versöhnungsbund und den War Resisters International die Inhaftierten unterstützt und die Solidaritätskampagne koordiniert. Mit ihm werden wir nach Möglichkeiten suchen, die KDV´s weiter zu unterstützen, wenn möglich auch im Rahmen einer direkten Zusammenarbeit in Spanien.
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