Alles nur ein schöner Traum?

Von Priscille Mékoulnodji N’Djérareou, Tschad

Madame Priscille Mékoulnodji N’Djérareou ist eine der MitarbeiterInnen von EIRENE im Tschad, die seit Beginn unserer Projektarbeit im Tschad vor mehr als 20 Jahren mit EIRENE verbunden ist und eine wichtige Stütze unserer Arbeit vor Ort bildet.

Priscille wählte eine literarisch-poetische From, um auf unsere Frage nach ihrer Vision des Tschad für das nächste Jahrhundert zu antworten. Daß sie eine "literarische Ader" besitzt, bewies Priscille bereits mit dem wunderschönen Buch "Die Lebensakrobaten", das sie gemeinsam mit Günter Simon geschrieben hat. Das Buch beschreibt das Leben körperbehinderter Menschen im Tschad in einer sehr liebenswerten, witzigen und zugleich informativen Form und wurde von EIRENE im Marinus-Verlag verlegt (vgl. Bestellkarte).

Priscille geht in ihren folgenden Zeilen auf die geplante Ölforderung im Tschad ein, ein wirtschaftliches Projekt, das mit viel Hoffnungen, aber auch mit viel Skepsis hinsichtlich seiner sozialen und ökologischen Folgen verbunden ist. Den Originaltext haben wir im nebenstehenden Kasten abgedruckt.

Für die Übersetzung des Textes danken wir Christiane Kimmler-Sohr.

Was wird aus Tschad im Jahre 2050 geworden sein?
Das Jahr 2000 nähert sich mit Riesenschritten.
Aber Afrika südlich der Sahara bittet, dass es Zwergenschritte mache.
Man kann wirklich eine zu große und deutliche Marginalisierung kommen sehen,
die uns in das nächste Jahrtausend mitreißt,
im Gepäck all unsere womöglich noch verschärften Übel.

Zweifellos wird jedes betroffene afrikanische Land
all seine Probleme in das neue Jahrtausend mitschleppen.
Der Tschad und wir Tschadianer,
wir werden es schon schaffen so gut wie möglich ineinzukommen
Aber sicher nur so, dass wir unsere Übel in große offnungen einhüllen.

Der Grund: das Öl
Diesem schwarzen Gold, das uns Gründe gibt zu hoffen,
werden wir die einfache Frage stellen:
Was wird aus Tschad im Jahre 2050 geworden sein?
Und in der Tat wird es antworten müssen,
denn es wird zur Welt kommen!
Viele unter uns haben schon die Lebenserwartung überschritten, die unter der Wirkung der Übel eines ausklingenden ahrhunderts immer mehr zusammenschrumpft.

Im Jahr 2050 wird die Ausbeutung des Öls im Tschad
ein reifes Alter erreicht haben und wird uns sagen können:

Unsere Kinder in ihrem Ruhestand, deren Kinder und Enkel werden
Wasserlöcher und Brunnen gegen Wassertürme eintauschen.
Sie werden in ihrem Land umherreisen, ohne ihre Körper auf
löchrigen Straßen schinden zu müssen.
Sie werden arbeiten, um zu leben und nicht um zu überleben.
Sie werden sich gegenseitig helfen,
ohne sich der Korruption zu bedienen.
Sie werden die beste Gesundheitsversorgung
und die besten Ausbildungsmöglichkeiten genießen.
Sie werden gerechtere und aufrechtere Reden halten.
Sie werden ruhig in ihren Häusern schlafen,
ohne sich wehren zu müssen,
selbst nicht gegen Moskitos.
Sie werden morgens erwachen, ohne sich die Frage stellen zu müssen, welches Übel sie diesmal vor Sonnenuntergang heimsuchen wird.

Und wenn ich mich mal in meinem Grab umdrehen sollte,
dann, Öl, sag mir bloß nicht, dass das alles nur ein schöner Traum gewesen sein soll.




Homepage      Südprogramm      Nordprogramm      Freiwillige
News      Infomaterial      Kampagnen      Kontakt mit uns