Träumen von Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden
Von Thu-Khué Dangoisse-Nghiêm, Belgien/Vietnam
Die Autorin des folgenden Artikels, Thu-Khué Dangoisse-Nghiêm, ist gebürtige Vietnamesin. Sie kam im Alter von 23 Jahren nach Belgien und ist nun belgische Staatsbürgerin. Seit über 20 Jahren ist sie Mitglied der Archegemeinschaft von Jean Vanier, einer langjährigen Partnerorganisation von EIRENE.
"Ich werde nicht glauben, daß der Traum der Menschen lediglich ein Traum bleiben wird und daß der Tod das Ende sein wird. Aber ich wage an einen göttlichen Traum zu glauben, an einen neuen Himmel, an eine neue Erde, wo Gerechtigkeit wohnt." (Dom Helder Camara)
Wie Camara wage auch ich an eine neue Erde zu glauben. Diese Erde ist kein Ort, den man geographisch festlegen kann, sondern diese Erde befindet sich vielmehr im Herzen des Menschen, der bereit ist "den Anderen" willkommen zu heißen und zu achten.
Solch einen gewagten Weg schlagen wir täglich in der kleinen Hausgemeinschaft der Archebewegung in Brüssel ein. Unser Haus heißt "La Ruche" (der Bienenkorb) und hier leben sechs Menschen mit geistigen Behinderungen zusammen mit Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlicher Kultur und Religionszugehörigkeit.
Ich kenne dieses Haus seit 20 Jahren. Unser Alltag, das Leben hier ist sehr dicht, das heißt: Liebe, Zärtlichkeit, Wut, Gewalt, Spannungen, Frieden und Gemeinschaft prägen unser Leben. Aber wir scheuen uns nicht, immer wieder den Frieden zu suchen mit "dem Anderen", der anders ist als ich, um ihn zu verstehen und anzunehmen, so wie er ist, mit all seinen Schwächen und Unvollkommenheiten.
Manchmal ist das sehr schwierig, oft aber geradezu einfach faszinierend. Faszinierend, da man Schritt für Schritt auf dem Weg des Friedens ist. In erster Linie bedeutet das eigentlich, erst einmal zu lernen, Frieden mit sich Selbst zu schließen, da man sich selber annehmen lernen muß, so wie man ist. Und erst danach kann man sich auf den Weg machen, den Anderen kennenzulernen und auch ihn annehmen lernen, indem wir uns austauschen.
Und überwältigend ist dann die grundlegende Entdeckung - die auch zu einer tiefen Freude führt, wenn man entdeckt, daß es möglich ist, unvollkommen zu sein, daß es in Ordnung ist, wenn man Fehler macht und daß man dennoch geliebt wird und einen festen Platz hat, ja einfach dazugehört in dieser Gemeinschaft, die gar nicht anders kann als das zu sein, was sie ist: authentisch und einander in Treue verbunden.
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