Visionen und Hoffnungen für das Jahr 2050 in den USA
Von Todd Reish, USA
Todd Reish, der Autor des folgenden Artikels, arbeitete lange Jahre für den Brethren Volunteer Service (BVS), die Partnerorganisation von EIRENE in den USA.
BVS vermittelt EIRENE-Freiwillige in verschiedene Projekte in den USA und entsendet selber Freiwillige ins Ausland. Todd Reish war in der organisation für die Seminare zur Vorbereitung der Freiwilligen zuständig.
Das BVS-Büro in Genf, die europäische Außenstelle der Church of the Brethren, ist Gründungs- und Mitgliedsorganisation von EIRENE.
"Ich habe sehr viele Visionen oder Hoffnungen für die Zukunft der USA im Jahre 2050, und diese beziehen sich auf den Staat USA aber auch auf die Individuen, die in diesem Staat leben. Ich möchte aber nur einige wenige dieser Visionen ansprechen.
Ich bin sehr stark davon überzeugt, daß sich zuerst die Individuen einer Gesellschaft verändern müssen, bevor eine gesamte Gesellschaft einen Neubeginn starten kann.
Meine erste Vision bezieht sich auf eine persönliche Angst von mir: Diese Angst heißt Technologie! Ja, ich weiß, ich schreibe gerade einen Artikel für den EIRENE-Rundbrief und sitze 7.000 Meilen von Neuwied entfernt und schicke den Text anschließend mit E-mail über das Internet. Ich möchte nicht von Leuten mißverstanden werden, die vielleicht den Eindruck haben, daß ich die Technologie hassen würde, aber meine Befürchtung ist, daß die manische Begeisterung für die Elektronik, die wir benutzen, dazu führen wird, daß diese Elektronik an die Stelle der zwischenmenschlichen Begegnung tritt.
Ja, ich weiß, ich gehöre zu diesen emotionalen Menschen aus den Vereinigten Staaten, die leicht zur Übertreibung neigen, aber ich hasse die Vorstellung, daß die menschliche Rasse und deren Errungenschaften auf die Speicherkapazitäten von ein paar Mikrochips zusammengepreßt werden. Wenn wir den direkten Kontakt mit anderen Menschen mittels der Stimme, des Blickkontaktes und der Berührung verlieren, verlieren wir die Essenz des Lebens.
Was kann ich dafür tun, daß diese Technologie-Vision keine Realität wird? Ich weiß nicht genau, ob ich dieses Thema in einer größeren Dimension erörtern kann als in der Form, wie ich als Individuum bei mir und zuhause Veränderungen vornehme. ... Ich schaue kein Fernsehen, ich trage keinen "Beeper" mit mir herum und besitze auch kein Handy. Ich schicke kein E-mail zu jemanden, der in dem Büro neben mir sitzt.
Brethren Volunteer Service hat vor langer Zeit gesagt: "Lebe einfach, so daß andere einfach leben können". Das ist für mich eine tiefgreifende Wahrheit. Das Zeitalter der Elektronik wird bleiben, aber ich kann meinen Anteil zu einer besseren Gesellschaft beitragen, indem ich auch weiterhin mit anderen Menschen auf altmodischer Weise "rede".
Die andere Vision, die ich habe und die eher einem Traum gleicht, ist, daß unsere Regierung endlich erkennt, daß unser Land voller Ungerechtigkeit und Ungleichheit ist. Und der Wunsch geht noch etwas weiter, da ich mir wünsche, daß der tiefe Graben zwischen Arm und Reich verschwindet. Ist das nun Sozialismus? (Hier in den USA kann man das Wort "Sozialismus" nicht in den Mund nehmen, ohne daß man ein Kommunist genannt wird). Ja, vielleicht ist das "Sozialismus", aber ich sehe auch, wie Menschen sterben, weil sie keine Krankenversicherung besitzen, weil sie keine Heizung zuhause haben und weil sie Nichts zu essen haben. Die USA sind das reichste Land der Welt, aber unsere Regierung verschließt immer wieder die Augen vor unseren eigenen Problemen.
Für alle die Probleme, die ich angesprochen habe, können Lösungen gefunden werden. Aber bin ich als Individuum bereit, einen radikalen Wandel in meinem Lebensstil durchzuführen, mehr von meinem eigenen Geld abzugeben? Meine Theorie ist, daß je reicher man wird, so paranoider wird man auch und umsomehr meint man, seinen Wohlstand verteidigen zu müssen. Wir brauchen einen guten "coup d’etat", eine Revolution. Natürlich mache ich einen Scherz, aber es müßte etwas sein, durch das das Individuum Vertrauen gewinnt und Mut bekäme, sich an dieser gesellschaftlichen Revolution zu beteiligen.
Der Prophet Jeremia schrieb, daß das Volk Juda so handelte, als gäbe es überall "Frieden, Frieden". In der Realität war Juda vom Frieden weit entfernt, es gab vor allen Dingen keinen sozialen Frieden und keine innere Gerechtigkeit. Genauso sieht es heutzutage in den USA aus und wir müssen endlich aufwachen und uns um unsere Brüder und Schwestern kümmern!"
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