Der KommentarDie Globalisierung der Herzenvon Pater Andreas Müller, Leiter der Missionszentrale der Franziskaner in Bonn
Damit können und dürfen wir uns nicht abfinden. Die Globalisierung der Märkte darf nicht absoluten Vorrang haben. Gott sei Dank regt sich auch allenthalben der Widerstand. Immer mehr Bewegungen und Initiativen der Zivilgesellschaft wollen einfach nicht hinnehmen, daß auf den internationalen Devisenmärkten täglich ca. 1500 Milliarden Dollar den Besitzer wechseln, einzig um des Profites willen, während 500 Millionen Menschen an chronischer Unterernährung leiden und 1,3 Milliarden Menschen keine Trinkwasserversorgung haben, daß auch in den Industriemetropolen immer mehr Arme, Obdachlose und Arbeitslose leben, daß Spitäler und Schulen geschlossen und Renten gekürzt werden. Es gilt, sich gegen diese menschenunwürdigen Verhältnisse zur Wehr zu setzen und nicht zuzulassen, daß ganze Völker dem Mammon geopfert werden. Als Christen sind wir Hoffnungsträger einer neuen Kontrastgesellschaft. Wenn wir wirklich an den menschenfreundlichen Gott glauben, der sich der Welt selber mitgeteilt und dabei seine Vorliebe für die Armen kundgetan hat, dürfen wir uns niemals abfinden mit der gnadenlosen Durchsetzung der Starken gegen die Schwachen, müssen wir der Globalisierung des Marktes die Globalisierung der Herzen entgegensetzen. Konkret heißt das: Wir müssen die Aspekte von der Würde der Person, der Solidarität, der Gerechtigkeit, der Befreiung der Armen in die Globalisierungsdebatte einbringen. Nach dem Geist des Evangeliums darf nicht der wirtschaftliche Erfolg der erste Maßstab sein für eine menschenwürdige und nachhaltige Entwicklung in der einen Welt, sondern der Aufbau einer auf Werten und Zielen beruhenden Menschheitsfamilie, die dauerhaft in Gerechtigkeit und Frieden leben kann und in der nicht die einen auf Kosten der anderen leben. Das ist die globale Botschaft Gottes, die wir bis an die Grenzen der Erde tragen sollen. Gewiß, das Evangelium bietet kein politisches Programm für die Umsetzung dieser Werte und Ziele. Aber es ist ein Kompaß, der die Richtung angibt. Solange es Menschen gibt, die diesem Kompaß unbeirrt folgen, gibt es immer noch Hoffnung für diese Welt. |
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