EIRENE Partner Interview:

Ousmane Kato
, der sich als Demokrat und Moslem bezeichnet und mit einem EIRENE-Projekt im Niger zusammenarbeitet, äußert sich in folgendem Inter- view zu Fragen der Demokratie, der Religion und sei- nem Verhältnis zu EIRENE.

Es gibt Leute, die Dich Marabout nennen. Warum?

Freunde, mit denen ich gelebt und gearbeitet habe, bemerkten durch meine Praktiken und mein Handeln meine Zugehörigkeit zum Islam. Das brachte sie dazu, mich "Malan" zu nennen. Das heißt in der korrekten Übersetzung "der Gläubige", wird aber landläufig mit "Marabout" übersetzt.

Du arbeitest nun schon seit vielen Jahren mit EIRENE. Gibt es bei EIRENE Werte, die nach Deiner Meinung gut mit dem Islam übereinstimmen? Was könnte man tun, damit die Arbeit von EIRENE noch mehr mit den Vorgaben des Propheten übereinstimmt?

Während vieler Jahre habe ich mit EIRENE zusammengearbeitet, ich habe ihre Tätigkeiten beobachtet und habe festgestellt, daß sie nicht im Widerspruch zum Islam stehen. Zum Beispiel das Vorbild des Teilens, die Einschätzung menschlicher Werte, die Toleranz usw. sind ganz und gar auch islamische Werte. Damit die Aktivitäten von EIRENE noch mehr mit den islamischen Wertschätzungen übereinstimmen, sollte darauf geachtet werden, daß die entsandten Verantwortlichen gut die EIRENE-Philosophie verstehen und wirklich Gläubige sind. Wir haben nämlich festgestellt, daß wir mit gläubigen Personen weniger Probleme haben und uns besser verstehen. Das erleichtert den Dialog. Man kann behaupten, EIRENE wird von den Leuten geschätzt, weil, wie ich es ja schon sagte, sie nicht mit den islamischen Werten im Widerspruch steht.


nach oben Das landwirtschaftliche Entwicklungsprojekt "PAAP" ist nach basisdemokratischen Regeln aufgebaut. Alle haben das Recht, ihre Meinung einzubringen. Heißt das auch, daß alle ernst genommen werden? Wie könnte dieses Funktionieren verbessert werden?

Das Arbeitskonzept von PAAP basiert darauf, allen ein Mitspracherecht einzuräumen. Das heißt auch, daß alle sowohl zuhören als auch angehört werden müssen. Diese Vorgehensweise ist darauf ausgelegt, daß jeder seine Argumente einbringt und die dann diskutiert werden. Durch diese Diskussionen wird ein wirklicher Austausch erreicht. Ich finde dieses System gut, denn ich habe eine absolute Verbesserung feststellen können im Vergleich mit den vergangenen Jahren.

Die Formen von Demokratie unterscheiden sich in den verschiedenen Ländern. Gibt es eine Demokratieform, die Du für ein Land wie den Niger geeignet hältst?

Die fundamentalen Richtwerte der Demokratie stehen für mich fest, nichtsdestoweniger sollte man sie den Eigenarten des Landes anpassen. Das ist wichtig im Niger, wo die Demokratie schnell und ohne Vorbereitung eingeführt wurde. Aber ich hoffe, daß wir schrittweise zu einem für uns richtigen Modell kommen. Denn es gibt kein Standard-Modell, das für alle Länder gut ist.

Was könnte man tun, damit alle an den Entscheidungen, die sie betreffen, besser beteiligt werden können?

Damit alle betroffenen Personen an den Entscheidungen teilnehmen können, muß man die jeweiligen Leute einbinden, d.h. ihnen die zu treffende Entscheidung verständlich machen und diesbezüglich ihre Meinung erfragen.

Das Gespräch mit ihm führte Louis Lindner, Koordinator von EIRENE im Niger




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