EIRENE-Arbeit im Niger hat ein spezifisches Gesicht

Eines der größten Probleme des Landes Niger, das ja zu den ärmsten Ländern dieser Erde gehört, ist, daß es in den Augen der Mächtigen dieser Welt nicht viel zählt. Viele Menschen in Europa verwechseln es entweder mit Nigeria oder halten es für eine Sandwüste, die Amerikaner haben vielleicht ein strategisches Interesse aufgrund der Nachbarschaft zu Lybien und den Franzosen gefällt diese große Fläche voll mit französisch-sprechenden Menschen. Von ähnlich geringer Bedeutung ist die Regierung vom Niger für seine Einwohner; der bekannteste Regierungsbeamte ist der Steuereintreiber. Nach dem Staatsstreich im Jahre 1996 stoppten viele Investoren ihre finanzielle Unterstützung für die Entwicklung und den Friedensprozeß dieses Landes, was dazu führte, daß die Mili- tärregierung nur noch schwulstige Phrasen und keine finanziellen Mittel mehr zur freien Verfügung hatte.

Im September 1997 eskalierte die Situation: Indem sie vortäuschten, daß das Land befriedet sei und sie die Lage unter ihrer Kontrolle hätten, brachte die nigrische Regierung Europa, Amerika und die internationalen NRO‘s dazu, die Flüchtlinge zurückzuführen und wieder in den Frieden zu investieren. Die Rebellen reagierten prompt und verstärkten ihre Überfälle und Diebstähle von Geländewagen. Die Armee überfiel darauf hin die Rebellenstützpunkte im AIR-Gebirge und plünderte und vergewaltigte die Menschen, die dort leben: 10.000 flohen aus diesem Gebiet und nur wenige kommen jetzt langsam zurück.

Das EIRENE-Team von PAAP und die Koordination in Niamey wurden sowohl von der Regierung als auch von manchen NGO‘s dazu gedrängt, doch ihre Erfahrung und ihre Kenntnisse aus ihrer Arbeit im Norden vom Niger verstärkt zu nutzen, woraufhin ein Friedens-Konsolidierungs-Programm (COPA) für 1998 entwickelt wurde, das von Novib und ECHO finanziert wird.

 

nach oben Mit diesem COPA-Programm wird das Gebiet, das von den PAAP-BeraterInnen abgedeckt werden soll, verdoppelt, ebenso wie die Anzahl der lokalen DorfberaterInnen. Es ist nun genügend Zeit vorhanden, um BeraterInnen anderer NRO‘s auszubilden und in Kooperation mit ihnen eine gemeinsame Animation anzubieten, da nun eine finanzielle und technische Unterstützung gewährleistet wird. Wenn dieses gelingt, wird am Ende des Jahres praktisch die gesamte südliche Region des AIR-Gebirges von vielen Autopromotions-Aktivitäten überflutet sein. Es werden auch größere Projekte sein, die von den Menschen selbst entwickelt wurden; vorgesehen sind Ufer- schutz-, Brunnenbau- und Schafzuchtprojekte, an denen Frauen und Männer, Nomaden und seßhafte Kleingärtner, Ortsansässige und Flüchtlinge, Vertriebene und ehemalige Rebellen beteiligt sein werden.

Das PAAP-Team hat kurzfristig die Anzahl seiner MitarbeiterInnen erhöht, der interessanteste Aspekt von COPA ist der Bereich der gemeinschaftsbildenden Aktivitäten, mit denen die Menschen vor Ort unterstützt werden sollen, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Etwas Neues entsteht auch in der Ingall-Oase, in der PAAP seit langem schon aktiv ist: An diesem Ort soll der erste unabhängige Spar- und Kreditverein des Nordens enstehen. Währenddessen hat sich im Süden des Landes, eingekeilt von Nigeria und Benin, folgendes ereignet: Das KOOKARI-Programm hat sich räumlich von der Koordination getrennt und auch den Entwicklungshelfer ausgewechselt. Das neue Büro in Dosso ist von vielen Fruchtbäumen umgeben, wahrscheinlich ein Zeichen für eine hoffnungsvolle Zukunft. Ein zweites Arbeitsgebiet wurde in Tesa erschlossen, das augenscheinlich noch unzugänglicher ist als Faray, da die BeraterInnen Sandscheibenwischer für ihre Sonnenbrillen benötigen. In Niamey geht die Arbeit in der Abteilung Mathematik des pädagogischen Institutes INDRAP weiter voran. Alle Bü cher für die Grundschule (6 Jahre) sind nun fertiggestellt. Die Mitarbeiter sind jetzt damit beschäftigt, die Bücher für die weiterführende Schule zu erarbeiten.
EIRENE-Niger hat 1997 mit dem Einsatz von Kurzzeitfreiwilligen experimentiert. Ein belgisch-deutsches Paar hat aufgrund ihrer reichlichen Lebenserfahrung mit den Goumantché an der Grenze zu Burkina Faso gearbeitet. Zwei StudentInnen kamen, um eine Studie über die Methode der Autopromotion zu schreiben und um eine sozioökonomische Studie über die Entwicklung des Kreditvereins in Ingall zu erstellen. Und Martin Weicker, ein alter EIRENE-Mitarbeiter und Ex-Freiwilliger im Niger, hat die Kleingärtner von Assada beim Aufbau von Uferschutzmaßnahmen unterstützt.

Um das alles abzurunden, entwickelt EIRENE-Niger im Moment ein nationales Programm für Gewaltfreiheitstrainings, das für die städtischen Zentren des Landes gedacht ist.

Louis Lindner
EIRENE-Koordinator in Niger

Brigida Ferber
Afrikareferentin  



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