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40-JAHRE ENGAGEMENT FÜR GEWALTFREIHEIT UND
ENTWICKLUNG
Mit diesen beiden Stichworten sind
auch wesentliche Teile des Programms
von EIRENE in Vergangenheit und
Gegenwart umrissen. Es gibt eine
Kontinuität, die durch aktuelle Entwicklungen noch einmal bestätigt worden ist.
Unsere Veranstaltungen waren deshalb
nicht in erster Linie Rückschau, sondern
wir haben damit einen Beitrag zur
Bearbeitung von Problemen geliefert, die
auch für die Zukunft noch weiter
anstehen werden. Dabei sind besonders
hervorzuheben:
- Die Jubiläumsveranstaltung mit dem
Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf
am 18.2., bei der der Generalsekretär,
Konrad Raiser, mit Blick auf aktuelle
Konflikte eine Neubestimmung des
Verhältnisses von Gerechtigkeit und
Frieden forderte: "Es sind Situationen, in
denen die Bereitschaft, Frieden zu stiften,
die Bereitschaft, Akte der Versöhnung zu
leisten, die Voraussetzung dafür ist, daß
überhaupt Gerechtigkeit geschaffen werden
kann. Jedenfalls: eine einlinige kausale
Abhängigkeit des Friedens von der Erfüllung
der Voraussetzung von Gerechtigkeit führt
uns in eine absolute Sackgasse."
- In dem von uns herausgegebenen
Sammelband "Die Wahrheit einer
Absicht ist die Tat - Friedensfachdienste für den Norden und den
Süden" sind einerseits Erfahrungen von
EIRENE aus diesem Arbeitsfeld, das in
den letzten Jahren erst neu in der
Öffentlichkeit wahrgenommen worden
ist, dokumentiert. Andererseits wird
auch verdeutlicht, daß Frieden und
Entwicklung nur unterschiedliche Zugänge zum gleichen Arbeitsfeld sind. Die Entwicklungsarbeit muß sich dieser
Herausforderung wieder neu stellen und
entsprechende Instrumente und Methoden erarbeiten. Aktive Gewaltfreiheit
ist allerdings mehr als eine Methode.
Wenn die Bemühungen nicht durch die
Lebenspraxis gedeckt sind, werden sie
langfristig immer ins Leere laufen.
- Vom 5.-7. November führten wir mit
der Akademie Klausenhof und mit
Unterstützung des Kirchlichen Entwicklungsdienstes der Ev. Kirche eine
Fachtagung zu diesem Thema durch, um
den Dialog mit und zwischen
VertreterInnen unser Partner in Nord
und Süd fortzusetzen. In diesem
Austausch Süd-Süd, Süd-Nord und
Nord-Nord lag der besondere Wert der
Veranstaltung. Es wurde diskutiert, in
welcher Weise Gewalt in den unterschiedlichen Projekten erlebt wurde.
Ebenso wurden Fragen des methodischen Vorgehens erörtert, wenn es um
die Überwindung von Gewalt geht.
Dabei relativierte die Erfahrung, daß
andere auf dem gleichen Weg sind, die
eigenen Probleme.
Den TeilnehmerInnen wurde deutlich,
daß Entwicklungsprobleme nicht nur im
Süden existieren. Auch in den
Industrieländern werden täglich politische Entscheidungen zu Fragen der
industriellen und sozialen Entwicklung
hier im Norden gefällt, die am status quo
rütteln. Und damit sind Konflikte unausweichlich. Auch in Europa werden in
zunehmendem Maße diese Konflikte
wieder gewaltsam gelöst. Die wirtschaftliche Polarisierung, die Auflösung
sozialer Verbände und die ethischen
Orientierungsschwierigkeiten führen zu
einem beängstigenden Gewaltpotential
auch in den hochentwickelten Industriegesellschaften.
Die Tagung war ein Beitrag zum
Programm "Gewalt überwinden" des
ÖRK. Mit dieser Inititative wollen die
Kirchen ein Zeichen setzen, das dem
immer noch legitimierten Einsatz von
Gewalt auf der Welt den Boden
entziehen und einen Beitrag zu einem
dauerhaften, auf Gerechtigkeit gründen -
den Frieden leisten soll. Eine besondere
Kampagne "Friede für die Stadt"
konzentriert sich auf sieben über die
Welt verteilte Städte (Rio de Janeiro,
Belfast, Boston, Colombo, Kingston,
Suva, Durban), in denen originelle
Ansätze zur Versöhnung zwischen
Gemeinschaften, die durch Gewalt in
Konflikte hineingezogen wurden, gefördert werden sollen. In zwei dieser Städte sind auch Freiwillige von EIRENE tätig.
Die TeilnehmerInnen an der Tagung
verabredeten, ihre Aktivitäten im
Rahmen dieses Programms zu koordinieren und aufeinander abzustimmen.
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