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Hinweis: Dieser Bericht spiegelt die persönlichen Erfahrungen von einem EIRENE-Freiwilligen wieder und nicht in jedem Fall die Meinung von EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. . Viel Spaß beim Lesen. Zur Rückkehr auf die "offiziellen" EIRENE-Seiten. Bevor Sie dieses Fenster verlassen: Dieses Fenster schließen. Es wurde mir nochmal bewusst, dass es sich einfach lohnt, Neues zu wagen - die Erfahrungen und Begegnungen in diesem Jahr haben mich so bereichert Hannah Nitschmann schreibt in ihrem letzten Rundbrief über verschieden Ferienfreizeiten mit ihrem Foyer, die letzten Tage in der Arche, ihre Rückkehr und über ihr Leben nach dem Freiwilligendienst (Oktober 2008)
Hannah Nitschmann Köln, den 12.10.08 Projekt: Arche Namur/Belgien Dienstzeit 09/07-09/08 Rundbrief Nummer 4
Liebe Unterstützer und Unterstützerinnen, liebe Freunde, Verwandte und Bekannte, liebe EIRENIES,
Heute schreibe ich den vierten und somit letzten Rundbrief meines Dienstes. Mittlerweile habe ich mein Studium in Köln begonnen und meine Zeit in der Arche erscheint weit entfernt. Ich versuche deshalb, die Sommermonate in Namur kurz zusammenzufassen und dann noch ein bisschen von meinem „neuen Leben“ als Studentin zu berichten.
Anfang Juli fuhren wir mit der ganzen Gemeinschaft in den Urlaub nach Österreich. Alle waren furchtbar aufgeregt und es war ein großes Ereignis, das im Voraus einiger Planung bedurfte. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt bei mir Zuhause. Es war toll, einem Teil meines Foyers stolz meine Heimat zeigen zu können. Wir aßen Grießnockerl und Maultaschen :-) mit meiner Mutter und die personnes entdeckten mit großem Interesse unser Haus und den tollen Garten.
Die Ferien in Österreich waren eine schöne Erfahrung. Anfangs musste ich mich erst an die große Gruppe und den entsprechenden Geräuschpegel gewöhnen. Fast alle Mitarbeiter waren mit ihren Familien mitgefahren und im ganzen waren wir ca. 50 Leute. Alles ging noch langsamer als sonst, aber nach kurzer Zeit hatte ich den Rhythmus angenommen und konnte die Zeit dort wirklich sehr genießen. Ich lernte viele Menschen nochmal besser kennen und Beziehungen vertieften sich. Es war eine wirklich tolle, familiäre Atmosphäre! Leider hatten wir etwas Pech mit dem Wetter. Trotzdem unternahmen wir viele schöne Sachen- Sesselliftfahrten, Schwimmen gehen, Wandern, Spielen, Faulenzen und natürlich der obligatorische Touristenbesuch im Schloss Neuschwanstein! Ein Highlight war für mich auch das Besteigen der Jöchelspitze mit Natalie. Sie war die einzige der personnes, die den Aufstieg (an meiner Hand) bewältigte. Sie war so stolz auf sich- und ich erst!! In diesem Urlaub gab es viele besondere, privilegierte Momente mit den personnes, an die ich mich gerne erinnere.
Leider musste ich den Urlaub nach einer halben Woche abbrechen, da meine Mama schwer krank geworden war. Ich verbrachte daraufhin 2 Wochen zu Hause. Es war keine leichte Zeit für mich, in der ich mich zudem anfangs „fremd in der Heimat“ fühlte und zeitweise nicht mehr so recht wusste, wo mein Platz war und zu wem ich gehörte. Ich wusste, dass die Archegemeinschaft für mich da ist, an mich denkt und ich fühlte mich von ihnen getragen. Vor meiner Abreise aus Österreich sagte eine Mitarbeiterin „Arche ist Familie- in guten wie in schlechten Zeiten“- das mag jetzt ziemlich kitschig klingen, aber ich empfand das in dieser Zeit wirklich so.
Kaum war ich wieder in Namur, ging es auch schon in den nächsten Urlaub. Dieses Mal aber nur mit meinem Foyer und zwar nach Holland. Wir nahmen an einer Fahrradfreizeit der Jesuiten teil, die der Arche sehr nahe stehen. Es waren 20 jugendliche Teilnehmer zwischen 12 und 15 Jahren und Rita, Natalie, Noel, Martine und ich mittendrin. Es war eine tolle Stimmung, so lebendig und die Kids waren unermüdlich und voller Energie. Martine begleitete die Gruppe mit dem Minibus, um Verletzte oder Müde auf der Strecke einzusammeln. Ich fuhr entweder auf meinem Fahrrad oder mit Natalie auf dem Tandem. Nach einer Zeit des gegenseitigen Beschnupperns waren die personnes gut integriert und es war schön, diesen Prozess zu beobachten. Ich stand ein bisschen zwischen den Stühlen und nahm sowohl bei den Kindern, als auch unter den jugendlichen Teamern eine Sonderstellung ein, die mir einerseits Freiheiten ließ, mich aber andererseits auch zeitweise etwas ausschloss. Es war mir aber auch recht, etwas außerhalb zu stehen, denn in dieser Woche beschäftigte mich die Wahl meines Studienortes sehr und ich war mental oft abwesend. Ich bekam per SMS mit, an welchen Hochschulen ich eine Zusage erhalten hatte und ohne Zugriff auf die Unterlagen zu haben, ohne Internet und ohne jegliche Entscheidungsgrundlage, zerbrach ich mir den Kopf darüber, wo ich in Zukunft studieren wollte.
Mit einem Tag Pause nach der Rückkehr aus Holland, sollte es gleich in den nächsten Urlaub gehen- dieses Mal für eine Woche nach Frankreich. Dort sollte das Tournesol bei einer Familienfreizeit der Jesuiten für die ca. 70 Teilnehmer kochen. Als wir von Holland zurück kamen, erfuhr ich per Telefon den genauen Inhalt der erhaltenen Zusagen- zum Beispiel, dass einige Einschreibefristen schon in eben dieser Woche ausliefen, dass man zuvor bestimmte Unterlagen in Deutschland besorgen musste und dass teilweise auch nur eine persönliche Einschreibung möglich war. Da ich meine Entscheidung noch nicht getroffen hatte und sie auch nicht so übers Knie brechen wollte, entschied ich mich dafür, den Frankreichurlaub abzusagen- einen Tag vor der geplanten Abreise. Diese Entscheidung fiel mir unheimlich schwer, weil ich den Eindruck hatte, mein Foyer im Stich zu lassen. Martine war natürlich entsprechend verärgert. Letztlich war es aber die richtige Entscheidung, denn so hatte ich genug Zeit, um eine fundierte Entscheidung zu treffen und alles Nötige für die Einschreibung zu erledigen. Ich entschied mich also für Köln und fuhr in dieser Woche dorthin, um mich einzuschreiben und bereits nach einem Zimmer zu suchen. Es kostete mich sehr viel Kraft, da alles so überstürzt und aus dem Archerahmen heraus sehr stressig zu organisieren war. Ich fuhr mit dem naiven Glauben nach Köln, dort bestimmt gleich ein nettes Zimmer zu finden- die Realität sah anders aus: eine Männer-WG, die eine Putzfrau suchte, Raucherhöhlen, ein Zimmer, wo im darunter liegenden Stockwerk in roten Leuchtbuchstaben in ein Freudenhaus eingeladen wurde oder Zimmer in Vierteln, in denen man ohne Türkischkenntnisse auf der Straße nicht sehr weit kam. Viele Preise sprengten jeden Rahmen und lagen in keinem Verhältnis zur Zimmergröße und eigentlich hätte ich mir mit keinem der Bewohner eine Wohngemeinschaft vorstellen können- außer in einer WG, die aber zu weit außerhalb lag.
Etwas entmutigt und nicht gerade optimistisch in die nahe Zukunft blickend, fuhr ich zurück nach Namur. Die letzten beiden Wochen im Projekt vergingen im Flug. Die vorletzte Woche kam mich noch meine Freundin Laura besuchen- es war so natürlich, unkompliziert und einfach toll mit ihr den Projektalltag zu erleben und sie in mein Leben dort einzuführen, das mir zu diesem Zeitpunkt so vertraut war. Aber sie machte mir auch Vorfreude auf Schwäbisch Hall und alles, was wir dort zusammen machen konnten, wenn wir endlich wieder beide dort sein würden. Ich war mit dem Basteln von Abschiedsgeschenken beschäftigt und schwups stand der Abschied bevor. Jörg, ein guter Freund, holte mich ab und sein Combi war sehr gut gefüllt mit dem ganzen Kram, der sich in einem Jahr so ansammelt. Ich hatte das Gefühl, mental schon lange Abschied genommen zu haben- auch dadurch, dass ich mich in den Augustwochen so intensiv mit dem Studium beschäftigte. Meine Zeit in Namur war einfach vorbei. Am Tag nach meiner Abreise sollte auch schon die neue Freiwillige ins Tournesol kommen und im Bartrès kam der Neue noch am selben Tag. Es war gut und auch Zeit zu gehen, denn ich hörte schon die Uhr ticken, die meine so dringend benötigte Zeit der RUHE und ENTSPANNUNG vor dem Neustart runterzählte. Drei Wochen blieben mir Zuhause, bevor das Rückkehrerseminar und anschließend der Studienstart in Köln begann. Diese drei Wochen waren TOLL, einfach WUNDERSCHÖN und ich habe das Nichtstun zelebriert, Freunde getroffen, viel Sport getrieben, gelesen, die Zeit vergessen und mich einfach so pudelwohl gefühlt. Lange fühlte ich mich nicht mehr so ruhig und entspannt. Der Aufbruch zum Seminar und dem bevorstehenden Studium fiel schwer. Erneut musste ich meine Sachen packen, die ich erst drei Wochen zuvor an ihren Platz geräumt hatte, der Umzug musste organisiert werden...Als dann aber alles fertig war, war ich auch bereit, das geliebte Nest wieder zu verlassen.
Das Seminar von EIRENE war toll und vom Programm auch nicht zu voll. Es war schön die Leute wiederzusehen, die mir mittlerweile schon vertraut sind und auch Neue kennen zu lernen. Der Austausch tat gut und irgendwie hat das EIRENE Haus schon was heimeliges und ich fühlte mich sehr wohl. Es wurde mir nochmal bewusst, dass es sich einfach lohnt, Neues zu wagen- die Erfahrungen und Begegnungen in diesem Jahr haben mich so bereichert. Mit diesem Bewusstsein fiel es mir leichter in Köln zu starten.
Ja, und jetzt sitze ich in meinem Zimmer im Studentenwohnheim, das mir dann Ende August per Telefon angeboten wurde. Ich habe gleich zugesagt, denn ich war froh, erstmal eine Bleibe zu haben, um dann vor Ort eventuell ein anderes Zimmer zu suchen. Ich habe hier noch drei Mitbewohner (ein Mädchen und zwei Jungs) und wir teilen uns eine Küche und zwei Bäder. Die Lage ist sehr gut und das Zimmer echt groß. Ich fühle mich hier eigentlich ganz wohl. Die WG ist zweckmäßig, hier kocht jeder sein eigenes Süppchen, aber das kann sich ja auch noch ändern. Bisher war ich auch fast immer alleine in der Wohnung, weil das Semester für die älteren Studenten (also auch für meine Mitbewohner) offiziell erst morgen beginnt- ich hatte bisher noch Einführungsveranstaltungen. Mein Alltag ist das krasse Gegenprogramm zur Arche- ich genieße dieses selbstbestimmte Leben sehr und erfreue mich beispielsweise daran, einzukaufen und zu kochen, worauf ich Lust habe. Ich fühle mich frei und habe das Gefühl mir stehen unheimlich viele Möglichkeiten offen. Außerdem haben Köln als Stadt und die große Uni auch sehr viel zu bieten.
Von der Uni habe ich einen guten Eindruck. Ich habe mir meinen Stundenplan zusammengestellt und habe jetzt auch eine konkrete Vorstellung von dem, was auf mich zukommt. Die Inhalte der Sonderpädagogik sagen mir sehr zu und als Fächer habe ich Deutsch und Englisch gewählt, worauf ich mich auch sehr freue. Ich habe auch schon nette Leute kennen gelernt. Ich blicke meiner Zukunft hier sehr positiv entgegen!
Ja, morgen habe ich dann die erste Vorlesung- ich bin gespannt!
Von Köln bin ich ja auch echt schnell in Namur- sobald ich mich hier richtig eingelebt habe, fahre ich sicher ab und zu mal rüber. Ich weiß, dass ich dort immer herzlich willkommen bin und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. Ja, die Menschen fehlen mir oft et le français! Ich habe meine Erfahrungen aus diesem Jahr liebevoll in einem Fotoalbum dokumentiert und beim Durchblättern durchlebe ich die ein oder andere Phase nochmal in Gedanken. Wenn ich es dann zuklappe und wieder in der Realität ankomme, freue ich mich über diese tolle und reiche Erfahrung, die ich in der Arche gemacht habe und über alles, was ich gelernt habe!
In diesem Sinne danke ich Ihnen/euch noch ein letztes Mal ganz herzlich für die Unterstützung, die mir meinen Freiwilligendienst ermöglicht hat.
Ganz liebe Grüße aus dem spätsommerlich- sonnigen Köln,
Eure Hannah
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