Internationaler Christlicher Friedensdienst

EIRENE aktuell

EIRENE-Neujahrsempfang

Positive Bilanz und neue Herausforderungen (14.01.2007)

A. Koenig
EIRENE-Geschäftsführerin Angela König bei ihrer Ansprache
Neuwied, 14.1.2007 - Mit einem Neujahrsempfang in der Geschäftsstelle in Neuwied läutete der Internationale Christliche Friedensdienst EIRENE den Beginn des Jubiläumsjahres ein. Auf 50 Jahre Einsatz für Frieden und Entwicklung kann die Organisation dieses Jahr mit stolz zurück blicken. Seit der Gründung 1957 engagierten sich über 1.500 Fachkräfte und Freiwillige in vielen Teilen der Welt in sozialen Brennpunkten. Aktuell ist EIRENE in Afrika, Lateinamerika, Europa und Nordamerika tätig.

Die Geschäftsführerin von EIRENE, Frau Angela König, hielt anlässlich des Neujahrsempfangs auch Rückschau auf das vergangene Jahr. "Neben der Arbeit für die Projekte sind schon im letzten Jahr viel Engagement und Arbeitszeit in die Vorbereitungen und Planungen für unser Jubiläumsjahr geflossen. Zusätzlich haben wir neue Programmbereiche in unsere Arbeitsfelder aufnehmen können und unser Projektprofil erweitert", so Frau König in ihrer Ansprache.

So hat EIRENE in der westafrikanischen Sahelregion mit Mali und Burkina Faso zwei neue Einsatzländer hinzu bekommen. Mit den traditionellen Projektländern Niger und Tschad engagiert sich EIRENE nun in vier Ländern der Region. Außerdem soll noch in diesem Jahr mit der Entsendung von Friedensfachkräften nach Burundi und in den Kongo das Engagement in Afrika erweitert werden. In Lateinamerika wurde die intensive Zusammenarbeit mit Nicaragua und Bolivien fortgeführt, die Anzahl von Freiwilligenentsendungen nach Brasilien wurde deutlich erhöht.

Außerdem wurde der Aufbau eines Freiwilligenprogramms für Marokko beschlossen, um die interkulturellen Begegnung mit muslimisch geprägte Gesellschaften auszubauen. In diesem Kontext steht auch das verstärkte Engagement in Bosnien ab Mitte diesen Jahres, mit dem das Tätigkeitsfeld in Osteuropa über Rumänien hinaus erweitert wird. Im Sommer 2007 werden die ersten Freiwilligen bei Partnerorganisationen in Marokko und Bosnien ihren 18monatigen Friedensdienst beginnen.

"Mit einer Anzahl von 117 Freiwilligen und Fachkräften haben wir im Jahr 2006 einen neuen Höchststand erreicht. Der Ausbau unserer Aktionsfelder war nur möglich, weil wir auch im vergangenen Jahr von über 4.500 Spenderinnen und Spendern aus dem ganzen Bundesgebiet die dafür notwendige finanzielle Unterstützung erhalten haben. Mit einem Spendenaufkommen in Höhe von fast 700.000 Euro können wir auch in diesem Bereich auf ein gutes Jahr zurück blicken", so Frau König gegenüber den über 100 Gästen des Neujahrsempfangs.

Besorgt äußerte sich die EIRENE-Geschäftsführerin gegenüber zunehmenden Tendenzen in den internationalen Friedensbemühungen, zivile und militärische Komponenten miteinander zu verknüpfen. "Im Einzelfall, etwa in der Katastrophenhilfe, mag dies sinnvoll sein. Die Vermischung des militärischen Auftrags einer Armee mit dem humanitären Auftrag von Nichtregierungsorganisationen birgt aber mehr Gefahren als positive Möglichkeiten. Geradezu skandalös wird es, wenn Nichtregierungsorganisationen die Rolle übernehmen sollen, nach militärischen Interventionen die 'Kollateralschäden' zu beseitigen." Frau König forderte in diesem Zusammenhang auch eine andere finanzielle Gewichtung der Friedensarbeit durch die Bundesregierung. So hätte allein der dreimonatige Militäreinsatz der Bundeswehr im Kongo über 65 Millionen Euro verschlungen, eine Summe, mit der EIRENE seine laufende Arbeit für fast 20 weitere Jahre sicherstellen könnte. "In die Krisenprävention wird noch viel zu wenig investiert. Stattdessen werden oft erst dann Gelder mobilisiert, wenn Konflikte bereits zu gewalttätigen Auseinandersetzungen eskaliert sind. Und es zeigt sich wie am Beispiel Afghanistan, dass militärischer Einsatz letztlich keinen nachhaltigen Frieden bringen kann."

Bezugnehmend auf die aktuelle Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), durch den Aufbau eines neuen entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes mittelfristig bis zu 10.000 jungen Leuten zwischen 18 und 28 Jahren die Möglichkeit zu einem freiwilligen Engagement in Enwicklungsländern zu ermöglichen, äußerte sich die Geschäftsführerin von EIRENE positiv. "Für die Ausgestaltung des geplanten Programms haben wir dem Bundesministerium unsere Mitarbeit angeboten", so König. "EIRENE kann auf mehrere Jahrzehnte der Erfahrung in der Entsendung von Freiwilligen zurückblicken. Wichtig ist für uns: Qualität muss vor Quantität gehen. Bei der Entsendung von Freiwilligen in Entwicklungsländern haben wir eine besondere Sorgfaltspflicht gegenüber den Freiwilligen, aber auch gegenüber den Menschen in den Projektländern."


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