EIRENE aktuell
Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter
EIRENE zum Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen (24.11.2005)
Neuwied – Weltweit tragen Frauen und Mädchen nicht nur das größere Armutsrisiko, sie sind auch in besonderem Maße Opfer von Gewalttätigkeiten. Darauf machte der Internationale Christliche Friedensdienst EIRENE anlässlich des UNO Tages gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November aufmerksam. Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter: Innerhalb der Familien durch Missbrauch und Schläge, im Rahmen von Frauenhandel und Zwangsprostitution, und auch als Genitalverstümmelung. "Für viele Frauen ist Gewalt tägliche Realität. Es macht jedoch Mut, dass sich immer mehr Frauen damit nicht abfinden wollen, sondern sich in Selbsthilfeinitiativen und Projekten für ihre Rechte einsetzen", sagte EIRENE-Lateinamerikareferentin Martina Richard. EIRENE unterstützt seit vielen Jahren in Afrika und Lateinamerika Projekte, die für die Stärkung von Frauenrechten eintreten. Zum Beispiel in Nicaragua: Dort fördert EIRENE die Arbeit des 'Movimiento de Mujeres Maria Elena Cuadra' (MEC). Die nicaraguanische Frauenorganisation engagiert sich mit Arbeiterinnen in internationalen Textilfabriken. Arbeitsschutz ist in den Fabriken der Freihandelszonen Nicaraguas ein Fremdwort. Staub, Hitze und zuwenig Frischluft verursachen bei vielen Textilarbeiterinnen Atembeschwerden und Lungenerkrankungen. Durch den enormen Arbeitsdruck, verursacht durch eine zehnstündige Akkordarbeit, Überstunden und Wochenendschichten, leiden viele Frauen unter chronischen Muskelschmerzen und Menstruationsausfall. Auch die Rate der Fehlgeburten liegt weit über dem nationalen Durchschnitt. Im Frauenzentrum MEC erhalten die Arbeiterinnen Rechtsberatung und Unterstützung bei ungerechter Behandlung. Inzwischen hat das MEC unter den Arbeiterinnen ein Netz von fast tausend Beraterinnen aufgebaut, die ihren Kolleginnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Darüber hinaus finden die Frauen im Projekt Beistand bei den rapide zunehmenden Fällen von häuslicher Gewalt, die sehr oft von Ehemännern oder Vätern ausgeübt wird. EIRENE-Lateinamerikareferentin Richard sieht diese Gewalt auch im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umbrüchen in Nicaragua: "Nur jeder zweite Mann in Nicaragua hat eine bezahlte Arbeit. Immer mehr Frauen sind zu den Haupternährerinnen der Familie geworden, sei es als Textilarbeiterinnen, als Hausangestellte bei den Reichen Nicaraguas oder in ihrer Not auch als Prostituierte. Viele Männer suchen dann ihre Selbstbestätigung in einem gewalttätigem 'Machismo'. Verarmung und gesellschaftliche Ungerechtigkeit verbinden sich mit einen obskuren Verständnis von patriarchalen Traditionen. EIRENE unterstützt Organisationen wie MEC, weil sie die Probleme von beiden Seiten angehen, und sich für die Rechte der Frauen in der Arbeitswelt wie auch im privaten Bereich einsetzen."







