Internationaler Christlicher Friedensdienst

EIRENE aktuell

Erinnern gegen das Vergessen

EIRENE gedachte zum 20. Jahrestag der Ermordung von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero in El Salvador und zum 1. Jahrestag des Kriegsbeginns der NATO gegen Serbien (Neuwied 24.3.2000)

Nachdenkliche Stille herrschte im Tagungsraum des Internationalen Christlichen Friedensdienstes EIRENE, als dort am heutigen Vormittag in einer Gedenkfeier an zwei Ereignisse erinnert wurde, die für die Arbeit des Friedens- und Entwicklungsdienstes EIRENE von großer Bedeutung waren: Die Ermordung des salvadorianischen Erzbischofs Oscar Arnulfo Romero vor 20 Jahren und die Aufnahme der Bombardierungen Serbiens durch die NATO vor genau einem Jahr. Erzbischof Oscar Arnulfo Romero wurde am 24.März 1980 von Todesschwadronen während des Gottesdienstes am Altar erschossen. Nach am Tag zuvor hatte er das Militär aufgerufen, endlich dass Morden an der Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg einzustellen. Dafür mußte er, der schon zu Lebzeiten als Prophet bezeichnet wurde, sterben. Sein Engagement, sein radikaler Einsatz für die Armen und Unterdrückten in dem mittelamerikanischen Land El Salvador, machte Romero für viele Menschen in Lateinamerika, aber auch in Europa und anderen Kontinenten, zu einem Vorbild. Zu einer Person, die das Evangelium und die Aufforderung zur Nächstenliebe wahrhaftig ernst nahm und beides auch gegen den Widerstand der reichen Oligarchie in seinem Land zu leben versuchte. "Sie alle dienen einem falschen Gott. Sie dienen Götzen, die nach Menschopfern verlangen. Sie dienen dem Götzen Moloch.", hatte Romero noch einige Monate vor seiner Ermordung in einer Predigt gesagt. EIRENE unterstützt seit vielen Jahren Basisorganisationen in El Salvador, die sich bemühen, den von Romero formulierten Herausforderungen zum Dienst für die Armen gerecht zu werden. Die Spuren von Erzbischof Romero sind überall zu finden, auch heute noch, 20 Jahre nach seinem Tod. "Nur wenn wir an Romero erinnern, verhindern wir, dass er in Vergessenheit gerät. Und vergessen hieße, sich nicht mehr von ihm herausfordern zu lassen.", so Thomas Oelerich, katholischer Diplomtheologe und Öffentlichkeitsreferent bei EIRENE. Gegen das Vergessen stand ebenfalls die Erinnerung an den Krieg, den die NATO gegen den Diktator Milosevic am 24.März 1999 begann und der - entgegen den damaligen Verlautbarungen - nicht einige Tage, sondern fast drei Monate andauerte. Schon im vergangenen Jahr hatte sich EIRENE in einer öffentlichen Erklärung gegen den Militäreinsatz in Serbien und im Kosovo gewandt. Überzeugt davon, dass Gewalt auch in diesem Konflikt nicht das angemessene Mittel sein würde, um Frieden zu erreichen. Unzählige Menschen starben durch die Luftangriffe, die Infrastruktur wurde gravierend getroffen, internationales politisches Porzellan wurde zerschlagen. Doch Frieden, dass zeigen nicht erst die heutigen Bilder und Berichte aus dem Kosovo, konnten auch ein Jahr danach noch nicht durchgesetzt werden. "Wir müssen uns erinnern, wie im heutigen Medienzeitalter die öffentliche Meinung auf Krieg eingeschworen werden kann. Auf einen vermeintlich 'sauberen' Krieg aus 5.000 Meter Höhe, der im NATO-Jargon lediglich 'Kollateralschäden' hin nterläßt. Sich daran erinnern bedeutet dann zugleich nicht zu vergessen, dass mit dem Einsatz von Gewalt ein wirklicher Frieden nicht geschaffen werden kann.", so Eckehard Fricke, Geschäftsführer von EIRENE. Unter dem Titel "Erinnern gegen das Vergessen - Denn Vergessen heisst verraten" hatte EIRENE zur Gedenkfeier eingeladen. Für die TeilnehmerInnen war es eine nachdenklich stimmende Veranstaltung, wie von verschiedener Seite im Anschluß an die Feier zum Ausdruck gebracht wurde. 3.200 Zeichen Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Verantwortlich: Thomas Oelerich, Tel. 02631/8379-17


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