Internationaler Christlicher Friedensdienst

"Meine anfängliche Skepsis wandelt sich immer mehr in Begeisterung für die Landschaft, die Städte, die Menschen und die Kulturen im "Osten"

Annkte Ewerts 1. Rundbrief über ihre Arbeit in der Jugendorganisation Philothea in Tirgu Mures. (Dezember 2006)

Ich lebe nun schon dreieinhalb Monate in Tîrgu Mureş, Rumaenien. Manchmal frage ich mich, wie es eigentlich dazu kam, dass ich in Rumaenien gelandet bin, obwohl ich doch noch vor einem Jahr umbedingt nach Belgien oder Frankreich wollte, und auf keinen Fall in den „Osten”.

Meine anfängliche Skepsis wandelt sich jedoch immer mehr in Begeisterung, für die Landschaft, die Städte, die Menschen und die Kulturen im „Osten“. Jeden Tag erlebe ich aufs Neue, kleine und große Abenteuer.

Mit meinen Rundbriefen möchte ich versuchen einen kleinen Einblick in mein Leben hier zu geben.


Inhaltsverzeichnis

1. Wer oder was genau war noch mal EIRENE? 2. Wo arbeite ich? a.) Der Philothea Klub b.) Der EC c.) Dorcas Gyermekotthon 3. Tîrgu Mureş, Marosvásárhely, Neumarkt an der Mieresch 4. Wo wohne ich? 5. Abenteuer Mercurea Ciuk (Szeklerburg) 6. Treffen mit anderen Freiwilligen 7. *Deutschlandbesuch 8. Links


Gleich zu Anfang möchte ich mich bei meinen Unterstützern bedanken, ohne die meine Arbeit hier nicht möglich wäre, ob sie mich durch Geld und/oder Gedanken unterstützen.

Eine Anmerkung, die ich im weiteren Verlauf des Rundbriefs ausführlicher erklären werde: Wenn ich in den nächsten Zeilen von „Ungarn“ schreibe, dann meine ich die ungarische Minderheit der Rumänen, die in Siebenbürgen (Transsylvanien) leben.

Die Organisation, die mich in Rumänien begleitet, heißt EIRNE, aber

1. Wer oder Was genau war noch mal EIRENE?

EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und  Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des so genannten “Anderen Dienstes  im Ausland” (anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist. 1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzen wollten.  Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten  und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund  und den EIRENE-Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden  zu den EIRENE-Mitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelferInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.

Zusammen mit EIRENE hatte ich also im April beschlossen nach Rumänien zu gehen. Das Projekt in dem ich arbeiten sollte und dem ich momentan 5-6mal in der Woche arbeite, ist der Philothea Klub.

2. Wo arbeite ich?

a) Der Philothea Klub Der Philothea Klub, dass bedeutet für die Menschen hier „Teehaus“. Das Büro und die anschließenden zwei Räume sind 6 Tage die Woche geöffnet. Menschen aller Altersgruppen kommen täglich um zu klönen, Tee zu trinken oder sich über unser Programm zu erkundigen. Der Philothea Klub ist christlich geprägt und bietet hauptsächlich Programme für die ungarische Minderheit der Rumänen in Tîrgu Mureş an. Zwei Hauptamtliche Mitarbeiter kümmern sich um das Organisatorische; das Programm wird von vielen rumänischen Freiwilligen unterstützt. Gabi, die Chefin, Tünde, die Sekretärin und ich wechseln uns mit der Arbeit im Büro ab. Der Philothea Klub gehört zum rumänischen CE = Christian Endeavor (näheres später) und wird von diesem finanziell unterstützt. Regelmäßig finden statt: - einmal wöchentlich: - Mini-Kinderklub (6-8 Jahre) Kinderklub (8-11 Jahre) Mini-Tiniklub (12- 14 Jahre) Tiniklub (15- ca.20 Jahre) Bibelstunde (für Erwachsene)

Alle zwei Wochen gibt es einen Filmklub.Unregelmässig finden noch Camps für alle Altersgruppen (hauptsächlich im Sommer), Treffen für Psychologen und Kunstausstellungen, hauptsaechlich jüngerer Künstler, statt. Zusätzlich können Jugendliche in unseren Räumen Filme schauen, Geburtstag feiern, etc. Wir unterstützen verschiedene soziale Projekte , in dem wir unsere Räume zur Verfügung stellen oder Geld sammeln. Zum Beispiel wurde letzten Monat ein Projekt aus Deutschland gestartet, dass Jugendlichen, aus sozial schwächeren Umfeldern, hilft eine Arbeit zu finden, wenn sie mit der Schule fertig sind, indem Praktika bei verschiedenen Firmen angeboten werden. Es gibt eine kleine Bücherei mit deutschen, englischen und ungarischen Büchern und zusätzlich verkaufen wir auch einige ungarische Bücher und Karten, meistens mit theologischen Hintergründen. Ungefähr zweimal im Jahr organisiert der Philothea Klub Konferenzen. Zum Beispiel fand im September eine Konferenz statt für Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, Lehrer, Ärzte, Sozialarbeiter etc. Auch ich habe mitgeholfen, am Bufetttisch, wo meine geringen Sprachkenntnisse am wenigsten störten.

Ich persönlich komme fünfmal die Woche in den Philothea Klub, halte die Räume sauber, koche Tee, bin bei den meisten Veranstaltungen dabei und mache alles was so anfällt. Auch kümmere ich mich viel um unsere zu verkaufenden Bücher und mache die Inventur.

Schon in den ersten Wochen ist Gabi und mir aufgefallen, dass ich mit der Arbeit im Philothea Klub allein, zur Zeit unterfordert bin. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass zwei andere Projekte, die beide mit dem Philothea Klub verbunden sind, händeringend nach Hilfe suchten.

b) Der CE

Stichworte zum CE International CE steht für Christean Endeavor, in Deutschland heissen sie EC= Entschieden für Christus Der EC Bund (CE Union) ist in erster Linie ein Verein, dem es darum geht Jugendliche in die Kirche zu Integrieren und sie zu einem christlichen Leben anzuleiten. Es gibt EC Verbände in 67 Ländern rund um die Welt

Im CE- Verbund in Tîrgu Mureş arbeiten fast ausschliesslich Ungarn. Dies kommt daher, dass Transylvanien noch zu Ungarn gehörte, als der Verbund gegruendet wurde. Waehrend des kommunistischen Regimes arbeiteten die Mitglieder im Untergrund, Erst 1991 wurde der CE neu gegründet und gehört jetzt zum CE-Rumaenien. Der CE in Tîrgu Mureş ist schon lange keine Jugendorganisation mehr. Die Jugendarbeit übernimmt der Philothea Klub. Dafür unterstützt der CE im Bereich ihrer diakonischen Arbeit, verschiedene soziale Projekte die mit Geld aus dem Ausland gesponsert werden. Für die ständigen Besuche von Sponsoren steht ein Gästehaus zu Verfügung, in dem auch ich den ersten Monat lang gelebt habe. Um Geld zu verdienen betreibt der CE mehrere Secondhand-Läden, Fahrradwerkstätte und eine Wäscherei. Sie unterstützen Altersheime, wie auch Kinderheime. Zweimal in der Woche arbeite ich in der Diakonie des CE. Es gibt drei Hauptprojekte, die alle von Dorcas Aid International (mehr über Dorcas Aid International bei  Links) unterstützt werden.

Abandon Prevention Junge Mütter werden unterstützt, um zu vehindern, dass sie ihre meist noch sehr kleinen Kinder verlassen.

Granny Care Um die 90 älteren Menschen, die meistens alleine wohnen und nur eine minimale Rente bekommen, werden einmal im Monat mit einer kleinen Geldsumme (meistens für Medikamente) und einem Essenspaket ( Nudeln, Öl, Mehl, Zucker, etc.) beliefert. Jeder dieser Grannys wird im Ausland von einem Sponsor bis zu seinem oder ihrem Tod unterstützt.

Family Care Ca. 120 Familien bekommen regelmäßig ein Essenspaket und ein Sack mit Kleidung. Zusätzlich bekommen manche auch weitere Unterstützung, indem sie regelmäßig von einer Sozialarbeiterin besucht werden, die hilft beim Kinder und Klamotten waschen (oft werden die Klamotten wenn sie dreckig sind einfach verbrannt), aufräumen, etc. Die meisten dieser Familien sind sehr groß, oft mit bis zu 9 oder sogar mehr Kindern. Viele dieser Frauen haben ihr erstes Kind vor ihrem 20igsten Lebensjahr bekommen. Sie wohnen hauptsächlich in Dörfern und die Väter sind meist arbeitslos und Alkoholiker. Oft sind es aber auch gesundheitliche Probleme, die dafür sorgen dass z.B eine fünfköpfige Familie mit weniger als 100Euro im Monat auskommen muss. Das ist sehr wenig, vor allem wenn man die hohen Heizkosten im Winter bedenkt.

Was mach ich also genau im CE-ház (EC-Haus)? Ich arbeite zusammen mit Magdi, der Sozialarbeiterin, die sich um alle drei Projekte kümmert und „organisiere“ sie. Ich räume das Büro auf , dass gleichzeitig als Lagerstätte für Matratzen, Dosen, sämtliches Essen, Kisten voller Spielzeug, Seife, Zahnpasta und Bürsten, Schreibzeug, Klamotten und was sonst alles gesponsert wird, dient. Also ein unglaubliches Chaos! Jede Woche kommen neue Sachen an und andere werden an die Familien gebracht. Neulich habe ich eine Kiste mit „In Christs Name brewed soup“ (In Christus Namen gebraute Suppe) gefunden. Das war selbst für mich als doppelte Pastorentochter ein bisschen viel. Zurück zu meinen Aufgaben: Ich sortiere das Büro und passe auf, dass nichts untergeht. Zusätzlich kümmere ich mich um die Quittungen, die bei Erhalt eines Essenspaket unterschrieben werden müssen, ich packe die Essenspakete zusammen, helfe mit beim verteilen und Familien besuchen und werde in Zukunft auch mit Einkaufen gehen. In der letzten Woche war ich hauptsächlich damit beschäftigt, Weihnachtskarten für alle Familien und Grannys zu bemalen und Weihnachtsmann zu spielen, für Familien, die in den Doerfern der Umgebung leben.

Meine Arbeit im EC Haus macht mir sehr viel Spaß. Magdi achtet immer darauf, dass meine Arbeit nicht zu eintönig wird und, dass wir regelmaessig Pausen einlegen, für die sie selbstgemachte Brotaufstriche mitbringt. Wie bei vielen sozialen Projekten kommen ständig neue Familien und Grannys dazu. Das fuehrt dazu, dass man jeder Familien nur wenig helfen kann. Langweilig wird mir jedenfalls im ECHaus nie!

c) DORCAS Gyermekotthon Das Dorcas Kinderheim in Tîrgu Mureş wurde mit Gelder von Dorcas Aid International aufgebaut. D.A.I. hat nämlich ein Programm, dass Projekte in ärmeren Ländern für 5 Jahre sponsert. In der Zeit müssen sich die Leute vor Ort nach anderen Unterstützern umsehen. Die fünf Jahre für das Kinderheim waren dieses Jahr um. Jetzt werden sie ebenfalls vom EC unterstützt Angefangen hat das Kinderheim in 1998 mit nur 16 Kindern. Seitdem sind einige Kinder wieder zurück in ihre Familien integriert worden oder haben das Heim verlassen, nachdem sie alt genug waren um sich eine Arbeit zu suchen. Inzwischen betreut das Heim 12 Kinder, von denen zwei zur Zeit im Internat sind. Die jüngste Heimbewohnerin ist 4, die älteste 16. Das Heim unterstützt die Kinder unbegrenzte Zeit, versucht ihnen eine gute Ausbildung und Beruf zu ermöglichen. Zum Beispiel kommt täglich eine Lehrerin, die bei den Hausaufgaben hilft. Das Heim hat nicht besonders viel Geld und somit kann nicht jedes Kind an kostenpflichtigen Sportvereinen etc. teilnehmen. Trotzdem versucht der Heimleiter, Istvan den Kindern Abwechselung zu bieten und bringt ihnen Schwimmen, Rad fahren, Schlittschuhlaufen, Skilaufen, Tischennis etc. bei. Zitat: „ I don’t want them to say: I’m an orphan and I know nothing, but I want them to say: I am an orphan, but I can swim, ski etc.”(Ich möchte nicht, dass sie sagen müssen: “Ich bin ein Waisenkind und habe keine Ahnung von nichts”, sondern “Ich bin ein Waisenkind, aber ich kann Schwimmen, Skilaufen, etc.”) Viele dieser Kinder haben noch Eltern, oder Elternteile, die sie sogar zeitweise besuchen können. Vor allem in der Pubertät ist es für diese Jugendliche schwer zu verstehen, warum sie nicht mit ihren Eltern zusammen leben. Warum sind sie dann im Heim? Weil die Eltern im Gefängnis sind, abgehauen, tot, die Kinder jahrelang eingesperrt haben, geschlagen haben, etc. Jedes dieser 10 Kinder, die ich inzwischen kennen gelernt habe, trägt eine tragische Geschichte in sich. Oft merkt man es ihnen nicht an, an anderen Zeiten merkt man jedoch, dass es doch keine gewöhnlichen Kinder sind. Alle sind sehr um die Aufmerksamkeit der Erzieher bemüht ob es durch Herumschreien, anschmiegen, Eifersuchtsszenen, etc ist.

Was mach ich jetzt eigentlich im Heim? Ich komme zweimal die Woche um 12 Uhr und spiele bis zum Mittagessen mit den zwei Kleinsten, die erst seit ein paar Monaten im Heim sind: Monika, 4 Jahre alt und Kristina,5 Jahre alt. Beide sind sehr süß aber auch sehr anstrengend. Ihnen macht es zum Glück nicht sehr viel aus, dass ich sie meistens nicht verstehe und vor allem Kristina ist inzwischen sehr gut darin, mir zu zeigen was sie von mir will. Obwohl sie erst 5 Jahre alt ist wirkt sie manchmal schon sehr erwachsen und passt immer auf ihre kleine Scwester auf, die eine kleine Träumerin ist. Als die Kleinsten haben sie es nicht leicht. Die nächst Ältere, die ebenfalls Monika heisst, ist 8 Jahre alt. Ich bastele, spiele verstecken und puzzele mit ihnen. Manchmal versuche ich ihnen ein bißchen etwas beizubringen, wie zum Beispiel das Abc, mit Hilfe eines ABC Puzzles. Leider ist mir aufgefallen, dass ich das ungarische Abc gar nicht wirklich beherrsche. Was zum Beispiel ist Ypsilon auf ungarisch? Also habe ich ihnen einfach das deutsche Abc vorgelesen. Kann ja schließlich auch nicht schaden. Mittagessen gibt es wenn alle Kinder von der Schule zurück sind. Nach dem Essen, helfe ich Julia, Ildiko und Levente mit ihren Deutschhausaufgaben. Julia ist 11, Ildiko ist 12, Levente ebenfalls. Julia und Ildiko lernen zwar erst seit diesem Jahr deutsch, sind aber fleißig und es macht mir Spaß mit ihnen neue Methoden auszuprobieren. Mit Levente habe ich manchmal noch einige Probleme, da ich noch herausfinden muss wie viel deutsch er eigentlich kann und wann er einfach keine Lust hat. Zum Glück habe ich jetzt Unterstützung bekommen von einem ungarischen Freiwilligen, der perfekt deutsch spricht.


Soviel zu meiner Arbeit. Als nächstes erzähle ich ein wenig von der Stadt und den besondere Gegebenheiten in den ich lebe.

3. Tîrgu Mureş, Marosvásárhely, Neumarkt an der Mieresch Die Stadt in der ich lebe heisst je nach Herkunft des Nenners Tîrgu Mureş, Marosvásárhely oder schlicht Neumarkt an der Mierisch. Vor ca. 60 Jahren bestand die Bevölkerung in dieser Stadt aus 80% Ungarn, 15% Deutsche (Siebenbürger Sachsen) und 5% Rumänen und Roma. Diese Verteilung war nicht unüblich in Transylvanien (Siebenbürgen), dass schließlich einige Zeit zu Ungarn gehörte. Inzwischen sind die meisten Deutschen nach Deutschland ausgewandert und mehr Rumänen haben sich in Transylvanien angesiedelt, so dass es inzwischen eine Verteilung von ca. 48% Ungarn und 52% Rumänen vorherrscht. Alle meine drei Projekte befassen sich fast ausschließlich mit der ungarischen Bevölkerung. Ich habe überhaupt in drei Monaten nur einen einzigen Rumänen kennen gelernt. An vielen Ländern stehen Schilder auf rumänisch und ungarisch, jedoch nicht an allen und wehe dem, der es wagt eine rumänische Verkäuferin auf ungarisch anzusprechen. Es gibt hier eine ungarische (und eine deutsche) Schule neben der rumänischen Schule, eine große ungarische Universität und ungarisches Radio. Selbstverständlich empfängt man das Fernsehen direkt aus Ungarn. Manchmal merke ich gar nicht das ich in Rumänien bin und fühle mich in einem abgeschieden Ort irgendwo in Ungarn. Der eine Teil der (rumänischen)Ungarn ist den Rumänen gegenüber aufgeschlossen und freundlich, spricht fließend rumänisch und hat auch rumänische Freunde. Leider kenne ich nur wenige solcher Menschen. Ein anderer Teil spricht kaum rumänisch, ist den Rumänen gegenüber sehr misstrauisch (ständig gehört: “Die mögen und nicht, deshalb mögen wir sie auch nicht“)und hat so gut wie keine rumänischen Kontakte. Das Misstrauen kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Während des Ceausescu-Regimes sind die Ungarn als Minderheit diskriminiert worden. Die dritte Gruppe sieht die Rumänen als notwendiges Übel und arrangiert sich damit. Trotz rumänischer Staatsbürgerschaft, würden sich die rumänischen Ungarn nie, als Rumänen bezeichen, sondern immer als Ungarn, obwohl sie dem Land Ungarn ebenfalls gegenüber Misstrauen hegen. ( „Die (die ungarischen Politiker) kümmern sich nicht um uns, für die sind wir Rumänen). Leider hatte ich bis jetzt noch nicht die Möglichkeit mich mit einem Rumänen zu diesem Thema auseinanderzusetzen.. Ich versuche die Situation hier nicht zu bewerten, sondern schildere nur die Beobachtungen, die ich während der letzten Monate gemacht habe.

Genauso verwirrend wie die Kultur ist die Sprache. Zwar können so gut wie alle rumänisch, in meinen Projekten wird jedoch ausschließlich ungarisch gesprochen. In den meisten Geschäften, allen öffentlichen Büros und jeder Stadt außerhalb von Transylvanien wird ausschließlich Rumänisch gesprochen. Ich habe beschlossen Rumänisch erstmal Rumänisch sein zu lassen und zu erst ungarisch zu lernen. Zum Glück habe ich eine (deutsch) Lehrerin, die mir jede Woche hilft mich in den Wirrwarr dieser Sprache zurechtzufinden. Vorteilhaft ist für mich auch, dass fast alle in meinen Projekten, bis auf die ganz kleinen Kinder, deutsch oder englisch sprechen.

Trotzdem fühle ich mich manchmal wie in einem großen Ratespiel. Vorgegeben sind ein paar Wörter und einfache Grammatikregeln, aus denen man einen Zusammenhang herstellen muss. Auf das vermeintlich Verstandene muss dann aber noch reagiert werden. Manchmal reicht ein Nicken um Menschen zufrieden zustellen ( peinlich nur, wenn dann nachgefragt wird, ob man alles verstanden hat). Andere Situationen sind nicht so einfach und so ist es mir schon passiert, dass ich einem Mann Klopapier ausgehändigt habe, statt dem WC-Tür Schlüssel, nach dem er gefragt hatte.

4. Wo wohne ich?

Gleich nach meiner Ankunft wurde ich im EC Gästehaus untergebracht, wo ich dann auch einem Monat lang blieb. Auf Dauer war das keine Lösung und so bin ich Anfang Oktober in ein kleines einstöckiges Häuschen in eine Studentinnen WG gezogen. Außer mir wohnen noch vier andere ungarische Studentinnen, ein Hund und ein Hase im Haus und Garten.. Allerdings variiert unsere Zahl meist zwischen fünf und zehn Bewohnern, je nachdem wie viele Freunde und Freundinnen ebenfalls bei uns unterkommen. Die anderen teilen sich immer zu zweit ein Zimmer. Ich habe zwar das Glück eines Einzelzimmers, dass jedoch gleichzeitig das Durchgangszimmer in alle Richtungen ist. Zum Glück sind die Mädchen ganz nett und helfen mir bei verschiedensten Sachen, teilen ihr Essen mit mir und wir gehen zusammen feiern oder gemütlich Filme schauen.

5. Abenteuer Mercurea Ciuk (Szeklerburg)

Vor ein paar Wochen hatte mich Erika (eine meiner Mitbewohnerinnen) zu sich nach Hause eingeladen und so machten wir uns Freitagnachmittags auf den Weg eine Tramp-Gelegenheit nach Mercurea Ciuk zu finden. Trampen ist, neben Maxi Taxis (kleine Busse) und Zugfahren, eine der Möglichkeiten in Rumänien zu reisen und meist auch die günstigste. An dem besagten Tag hatte es einen plötzlichen Kälteeinbruch gegeben, die Straßen waren glatt und es schneite. Das Auto, dass uns mitnahm hatte natürlich keine Winterreifen und war so eine Art Kleintransporter. Mercurea Ciuk liegt mitten in den Karpaten und prompt beim ersten Anstieg blieb das Auto stecken und kam, glatt wie es war, kaum von der Stelle. Mit Anschiebehilfe kamen wir dann schließlich doch los, blieben dafür beim nächsten Mal wieder stehen. Wir waren nicht die Einzigen denen es so ging und so bildeten sich vor jedem Anstieg Kolonnen von Autos, die einer nach dem anderen, langsam, im Slalom um die liegengebliebenen Autos, den jeweiligen Berg hoch krochen. Unser Fahrer hatte nach nach mehrfachem stehen bleiben die grandiose Idee, den Weg zurück zu fahren und einen anderen Weg zu nehmen. Wir waren schon fast wieder in Tîrgu Mureş angekommen, da hörte er, dass unsere ursprüngliche Straße grad gestreut werde. Prompt wurde wieder umgedreht und zurückgefahren. Von Streusalz war übrigens weit und breit nichts zu sehen und das ganze Spiel mit stehen bleiben und anschieben lassen ging wieder von vorne los. Irgendwann fand unser Fahrer zwei andere Kleintransporterfahrer, von denen der Eine wohl Winterreifen hatte und anbot beide Transporter (gleichzeitig) den vor uns liegenden Berg hochzuziehen. Unser Auto wurde also mit einem nicht besonders Vertrauen erweckendem Seil an das Auto vor uns gebunden,dass ebenfalls mit einem Seil an dem ersten Auto befestigt war. Und dann setzte ich unsere Kolonne langsam in Bewegung. Gleich nach 5 Minuten riss das zweite Seil. Kein Grund zur Besorgnis für die Männer, die einfach das restliche Seil wieder festbanden. Zum Glück gab es keine weiteren Zwischenfälle als wir langsam den Berg hochgezogen wurden. Nach 9 Stunden waren wir endlich in dem Ort angekommen, den wir gehofft hatten, innerhalb von drei Stunden zu erreichen.

Dort hatte ich eine nette Zeit. Erika’s Familie wohnt wie zahlreiche andere rumänische und ungarische Familien in einer kleinen Wohnung in einem riesigen Häuserblock aus Beton, die in jeder größeren oder kleineren Stadt in Rumänien zu finden sind. Am Sonntag besuchten wir noch kurz ihre Oma, die in einem Dorf in der Nähe wohnt. Sie besitzt ein kleines freundliches Haus mit riesigem Ofen und einen selbstgebauten Stall hinterm Haus mit ein paar Kühen und Pferden. Zum Mittagessen gab es den traditionellen Obstschnaps, natürlich selbstgebrannt. Zurück nach Tîrgu Mureş sind wir übrigens mit dem Zug gefahren.

6. Treffen mit anderen Freiwilligen Gleich zwei Wochen nachdem ich angekommen war, fand das erste Freiwilligenseminar in Apold bei Sighisoara statt. Dort versammelten sich um sie 30 Freiwilligen und Ex-Freiwillign um sich gegenseitig kennen zu lernen und Erfahrungen über Rumänien auszutauschen. Die Landschaft war malerisch, das Wetter schön, kurzum wir hatten eine gute Zeit. Anfang Dezember fand das erste kleine Zwischenseminar von EIRENE statt. Von EIRENE heißt von Eirenies für Eirenies organisiert. Ich habe bei der Organisation mitgeholfen. Die Themen waren Rückblick, Augenblick und Ausblick. Wir haben viel über uns und unsere Arbeit in Rumänien reflektiert, aber auch aus aktuellem Anlass (erster Advent), Plätzchen gebacken, Weihnachtsschmuck gebastelt und einen Kurzausflug nach Sighisoara gemacht. Auch außerhalb der Seminare treffe ich andere Freiwilligen, indem sie entweder mich oder ich sie besuche. Es ist immer wieder interessant zu hören was die anderen machen und wieviele Erfahrungen, die man als Ausländer in Rumänien macht, sich ähneln. Auch Weihnachten und Sylvester werde ich mit anderen Frewilligen zusammen feiern.

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