Internationaler Christlicher Friedensdienst

Niger-Reisebericht

Letzter Bericht: Am Rande der Wüste

In der Region Azawak soll neues Projekt begonnen werden

Meine letzte Projektreise vor dem Rückflug nach Deutschland

Zwischen Niamey und Agadez, etwa auf der Hälfte der 1.000km Distanz, liegt die Stadt Tahoua. Dort lebt und wohnt seit einigen Jahren Alkassum, ein ehemaliger Mitarbeiter von EIRENE im Projekt PAAP/Agadez und KOOKARI/Dosso. Alkassum ist vom Koordinationsbüro beauftragt worden, in der Region Azawak, nördlich von Tahoua, die Möglichkeiten eines neuen Projektes zu prüfen. Es wurden bereits einige Vorstudien durchgeführt in einer Region, die zu den konfliktreichen Zonen in der Vergangenheit gehört hat. Dort leben heute viele Tuareg, die dort im Rahmen der Friedensvereinbarungen nach der Rebellion angesiedelt worden sind.

Zu den Ortschaften, die das Projekt einschließen sollen, gehören insbesondere Telemces und das etwa 250 Kilometer nördlich von Tahoua gelegene Tillia, eine Ortschaft, die nur noch knapp 25 Kilometer von der Grenze zu Mali entfernt liegt. Die Gegend ist extrem trocken, eine der Wüste vorgelagerte Region am Rande der Sahara. Auf dem Weg in die Projektregion, in der es nur noch Sandwege gibt, durchqueren wir kleine Dörfer, die mit den roten Lehmbauten und den vielen runden, für die Haussa-Ethnie typischen Kornspeichern, ein wunderschönes Bild abgeben. Nach etwa zweistündiger Fahrt erreichen wir das Dorf Telemces, wo der Projektsitz vorgesehen ist. Das Dorf wirkt etwas ausgestorben, weil die große Mehrheit der Menschen zur Zeit auf den weit weg gelegenen Feldern die Ernte einbringt. Auf dem Marktplatz sind nur wenige Stände besetzt. Immerhin verfügt das Dorf über einen Wassertank, der durch eine Pumpe aufgefüllt, an vier Stellen des Dorfes den Zugang zu Trinkwasser ermöglicht. Das geplante EIRENE-Haus, für das bereits Grund und Boden erworben wurden und bereits erste Lehmsteine erstellt worden sind, liegt in unmittelbarer Nähe des Wassertanks und wird wohl direkt an die Wasserversorgung angeschlossen werden. Noch ist es schwer vorstellbar, was hier einmal stehen soll, denn alles ist kahl und sandig, Baumbestand ist eigentlich weit und breit nicht zu sehen.

Wir suchen nach drei freiwilligen Promotoren, die im Rahmen des Projektes vor Ort mit ersten Animationsarbeiten beginnen sollten, treffen aber nur Hanata an, ein junges Tuareg-Mädchen, die nur sehr zögerlich von den ersten Versuchen erzählt, kleine Gruppen im Ort aufzubauen. Hannata hat wie die zwei weiteren Promotoren aus Telemces und drei weitere aus Tillia an einer Fortbildung von EIRENE teilgenommen. Sie haben dabei die Arbeit von EIRENE im Projekt KOOKARI im Süden des Landes besuchen können und so den Projektansatz der "Autopromotion", der selbstbestimmten Eigenförderung, kennengelernt. Mit dieser Methode soll in den kommenden Jahren in der Region Azawak eine Organisierung der Bevölkerung erreicht werden, auf deren Basis dann einzelne Entwicklungsvorhaben umgesetzt werden sollen. Vorhaben, die dann von der Bevölkerung getragen sind und von ihnen selber durchgeführt werden. Garant für einen solchen nachhaltigen Entwicklungsansatz soll einerseits Daouda Alkassum sein, dem mittlerweile dieser Ansatz von EIRENE ans Herz gewachsen ist und der mit einer unglaublichen Geduld und Zähigkeit in den Gesprächen mit den Menschen vor Ort immer und immer wieder deutlich macht, dass EIRENE nicht wie andere Projekte irgendwelche Dinge aufbauen wird, sondern lediglich anbieten kann, mit den Menschen gemeinsam einen Analyseprozess anzugehen, aus dem Selbsthilfemaßnahmen entstehen können. Alkassum ist sicherlich eine "Rarität" im Niger, der auf das Engagement der Leute zählt, sie zu motivieren versteht und darin einen ganz zentralen Ansatz zur Entwicklung des Landes sieht.

Das Projekt sieht ebenfalls eine/n Entwicklungshelfer/in als Beratungsinstanz vor, die in dem Dorf Telemces leben soll und von dort die Projektregion betreut. Zu dieser Region gehört auch eine Neuansiedlung eines Dorfes namens Infin kurz vor Tillia, wo ehemalige Tuareg-Rebellen in einem wunderschönen Tal angesiedelt wurden. Die Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort machen deutlich, dass die Erwartungen unter der Bevölkerung an die Umsetzung des Projektes gewachsen sind. Nach mehreren Besuchen in der Region ist die Hoffnung groß, dass EIRENE mit der Umsetzung eines Projektes beginnt. Ob die Menschen verstanden haben, dass es weniger um Investitionsmaßnahmen als um die Mithilfe zur Entwicklung der Selbsthilfe geht, darüber darf sicherlich gezweifelt werden. In Tillia jedenfalls treffen wir drei Promotoren des Projektes, die bislang ehrenamtlich tätig sind und die eine sehr engagierten Eindruck machen. Sie berichten von ersten Gruppengründungen, in denen die Menschen die Lösung einiger ihrer Probleme diskutiert haben. Aber auch sie hoffen darauf, dass das Projekt mit Beginn des kommenden Jahres beginnen kann. Das bringt auch Alkassum zum Ausdruck, der bislang viel Zeit und Energie in die Entwicklung des Projektes gesteckt hat und lediglich seine Ausgaben erstattet bekam. Natürlich hofft er auch auf die Leitung des Projektes und eine Verdienstmöglichkeit, aber eine bessere Person wird kaum in Niger zu finden sein, die bereit ist, in einer solch abgelegenen Region zu arbeiten.

Jedenfalls beginnen Christoph van Edig, der EIRENE-Koordinator in Niger, und ich bereits unter dem Vollmondhimmel bei Tillia und einer kühlen Nacht (ich friere regelrecht, weil wir keine Schlafsäcke dabei haben), uns über die Möglichkeiten der Geldmobilisierung in Deutschland Gedanken zu machen. Ein BMZ-Antrag hat wohl vor März keine Bewilligungschance, das Projekt sollte aber möglichst vorher beginnen, um nicht die Erwartungen zu enttäuschen und um die derzeitige Aufbruchstimmung nutzen zu können. Jedenfalls erscheint mir der Versuch eines Autopromotions-Projektes auch in dieser Region sehr lohnenswert.

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