Internationaler Christlicher Friedensdienst

Auf ein Neues

Auf ein Neues - Reinhard Ross berichtet von seinen durchgeführten Projekten und von seinen Plänen




Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Freundinnen und Freunde,

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In meinem aktuellen Rundbrief möchte ich über folgende Punkte schreiben:

- Erkrankungen der Kinder und ihre möglichen Ursachen - Beginn der Regenzeit - Schafprojekt - zukünftige Projektarbeit

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Erkrankungen der Kinder und ihre möglichen Ursachen

Im letzten Rundbrief hatte ich geschrieben, daß zwei Kinder schwer erkrankt waren. Das Mädchen mit dem Augenproblem wird nun operiert werden können.

Bei dem Jungen, der am Leukämie leidet, hatte sich inzwischen die Krankheit wieder ausgedehnt. Er wurde wieder in Managua behandelt, wo er ein neues Medikament bekam, das in mehr als der Hälfte der Fälle nen Rückfall der akuten myeloischen Leukämie zurückdrängen kann und dabei weniger Nebenwirkungen als eine konventionelle Chemotherapie zeigt. Leider kam es in unserem Fall nicht mehr zu dieser Besserung und der tödliche Ausgang war nicht mehr abzuwenden. Das machte besonders die Familie des Jungen, aber auch alle von CIVITE sehr traurig, weil wir uns mit allen Kräften dafür eingesetzt hatten, das Leben von Alvaro zu retten.

Nach diesem tragischen Ereignis und der Tatsache, daß uns in der Region Tola weitere Fälle von Leukämie und auch anderen Krebsformen bei Kindern bekannt geworden sind, fragen wir uns, woher diese Erkrankungen kommen Außerdem gibt es relativ häufig Herzfehler und auch andere Mißbildungen, wie zum Beispiel auch das Augenproblem des Mädchens, das auf eine angeborene Fehlbildung zurückzuführen ist. Als sehr wahrscheinliche Ursache kommen Rückstände von Pflanzenbehandlungsmitteln in der Nahrung in Frage, außerdem spielen hier auch Zusatzstoffe, besonders künstliche Farbstoffe, eine deutliche Rolle. Solche Zusatzstoffe befinden sich in vielen Erfrischungsgetränken und vielen Süßigkeiten, die besonders von Kindern viel konsumiert werden. Es ist verantwortungslos, wie so die Gesundheit der Kinder in Gefahr gebracht wird.

Vor meiner Reise nach Deutschland habe ich in verschiedenen Dörfern der Region Tola Boden- und Wasserproben gezogen, die aud radioaktive Elemente untersucht werden sollen. Zwar gibt es in Nicaragua keine kerntechnischen Anlagen wie zum Beispiel Kernkraftwerke, aber es ist nicht auszuschließen, daß natürliche Radioaktive Stoffe im Boden gehäuft vorkommen. Das Bundesamt für Strahlenschutz in Berlin hat sich bereit erklärt, die Proben kostenlos zu untersuchen, dafür nochmals vielen Dank. Die Untersuchungen ergaben normale Werte für die natürliche Radioaktivität auf einem niedrigen Niveau. Die Belastung durch das künstliche Isotop Cäsium 137 ist deutlich niedriger als in Deutschland, sie ist in Nicaragua auf den Fallout der oberirdischen Kernwaffentests in den fünfziger und sechziger Jahren zurückzuführen. Wegen der langen Halbwertzeit von etwa 30 Jahren findet es sich heute noch im Boden. So kommt in unserem Fall eine erhöhte natürliche Strahlenbelastung als mögliche Ursache nicht in Frage.

Um in der Zukunft das Risiko von Krebserkrankungen bei Kindern zu zu vermindern, ist der Umweltschutz sehr wichtig. Dazu gehört zum einem, auf den Einsatz von chemischen Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln zu verzichten und natürliche Mittel einzusetzen. Der Neembaum liefert zum Beispiel ein wirksames natürliches Insektenbekämpfungsmittel. In diesem Hinblick gewinnt der ökologische Landbau einen noch höheren Stellenwert.

Weiterhin gilt es, Risikofaktoren in der Ernährung zu vermeiden bzw. zumindestens zu vermindern. Statt künstlicher Nahrungsmittelzusätze sind daher pflanzliche Farbstoffe, die sich zum Beispiel im Hibiskus, Achiote, dem Wurzelstock von Curcuma und in den Blättern vom Jocotebaum befinden auf jeden Fall vorzuziehen.

Ein Problem stellt in der Regenzeit die Schimmelbildung dar, weil einige Schimmelpilze auch krebserregende Stoffe bilden. Diese Schimmelarten gedeihen besonders im feuchtwarmen Klima. So sind zum Beispiel Gewürze und getrocknete Pflanzenteile schimmelgefährdet, weil sie sich bei hoher Luftfeuchtigkeit wiederbefeuchten. Eine Möglichkeit, solche Nahrungsmittel schimmelsicher aufzubewahren, stellen luftdicht verschließbare Behälter dar, in die etwas scharf getrocknetes Salz gegeben wird. Das Salz entzieht der Luft in dem Behälter die Feuchtigkeit, so daß in diesem Gefäß aufbewahrte Dinge nicht schimmeln. In den Workshops über Trocknung zeigen wir auch den begünstigten Familien diese Verfahren der Vorratshaltung.

Beginn der Regenzeit

Die Regenzeit hatte dieses Jahr sehr frühzeitig begonnen, schon Ende April fielen die ersten ergiebigen Regenfälle. Als ich im Juni nach Nicaragua zurückkam, war alles viel grüner als in den vergangenen Jahren. Ich erfuhr, daß es jeden Tag regnete, auch in der Zeit nach meiner Rückkehr regnete es täglich. Meistens fiel der Regen nachts, während es tagsüber oft trocken blieb. Es zogen einige schwächere Tiefdruckgebiete durch, aber kein richtiges Unwetter. So waren die Flüsse nicht so voll wie sie manchmal in den beiden vergangenen Jahren waren.

Für die Landwirtschaft ist das das optimale Wetter. So wächst alles üppig und alle Aussaaten konnten zeitig erledigt werden. Für die Schafe gibt es Futter in Hülle und Fülle.

Schafprojekt

Inzwischen haben die meisten Schafe zum zweiten Mal abgelammt. Viele Lämmer sind inzwischen weitergegeben worden. Die Milch wird besonders von den Kindern, die oft auch die Tiere melken getrunken. Für die erkrankten Kinder hilft sie sehr, um ihr körperliches Befinden zu verbessern.

Das Projekt findet in immer mehr Dörfern Interesse, so daß wir schon danach sehen, ob es in einigen Dörfern mehr anzugebende Tiere als neue Interessierte gibt.

Im August werden die Zuchtböcke ausgetauscht, um zu vermeiden, das die bisherigen Böcke ihre eigenen Töchter decken. Da die einzelnen Böcke eine unterschiedliche Herkunft haben, können sie von einem Dorf in das nächste weitergeereicht werden. Von den besten Mutterschafen werden die Bocklämmer auch als Zuchtböcke aufgezogen. Diese können zwar nicht im Dorf verwendet werden, wo sie aufgewachsen sind, um so Inzucht zu vermeiden, die Dörfer können aber die eigene Nachzucht an Vatertieren auch untereinander austauschen. Wenn es mehr Zuchtböcke gibt, als gebraucht werden, können sie auch verkauft werden.

Als nächster Projektschritt ist geplant, Zuchtböcke einer tropischen oder subtropischen Milchschafrasse einzuführen, um so das Milchproduktionspotential der zu verbessern. Derzeitig ist die Milchleistung in den ersten drei Monaten nach dem Lammen sehr gut, danach fällt sie aber rasch ab. Auch nach dem die Mutterschafe gedeckt wurden, hört meist die Milchproduktion bals auf. Das Einkreuzen von einer Milchschafrasse verfolgt also zwei Hauptziele:

1. Verlängerung der Laktationsperiode 2. Verkürzung der Trockenstehperiode auf 2- 3 Monate.

Die Trockenstehperiode ist die Zeit vom Ende der Laktation bis zur nächsten Geburt. Sie beginnt bei den nicaraguanischen Schafen meist, wenn die Mutterschafe gedeckt wurden. Bei Milchschafrassen kann man aber auch nach dem Decken weitermelken und stellt die Mutterschafe in den letzten zwei bis drei Monaten vor dem Lammen trocken.

Künftige Projektarbeit

Neben dem Schafprojekt gibt es die folgenden Aktivitäten in diesem Jahr:

- Kuhprojekt in El Panamá bei Tola - Bau von Biogasanlagen - Anbau von Gemüse - Herstellung von natürlichen Pflanzenbehandlungsmitteln - Zusammenschluss der Kleinbauern zum ökologischen Anbauverband OSSUR

Kuhprojekt in El Panamá bei Tola

Mit dem Kuhprojekt, das wie das Schafprojekt mit Mitteln aus BINGO!, Die Umweltlotterie gefördert wird, beginnen wir im August mit dem Verteilen der Kalbinnen an die 20 begünstigten Familien. Dieses Projekt hatte das Eine-Welt Zentrum Lübeck bei BINGO!, die Umweltlotterie eingereicht, nochmals vielen Dank. Jede Familie bekommt eine Kalbin. Außerdem wird ein Zuchtstier angeschafft, um die Kalbinnen zu decken. Wenn das erste Kuhkalb, das von diesem Stier gezeugt wurde, zuchtreif wird, wird der Stier verkauft und ein neuer Stier gekauft werden. Um die Kalbin zu bezahlen, gibt jede Familie das erste Kalb aus der Nachzucht ab, wenn es aufgezogen wurde. Ein Kuhkalb wird wie beim Schafprojekt an eine weitere Famlie abgegeben, während ein Stierkalb kastriert und als Zugochse aufgezogen und verkauft wird. Mit dem Verkaufserlös können dann weitere Kalbinnen gekauft werden. Da ein Zugochse teurer als eine Kalbin ist, können so auch Folgekosten des Projektes finanziert werden.

Wenn eine Familie Material zu Verbessern des Grundstückzaunes braucht, bekommt sie auch den dazu erforderlichen Draht. Über das Projekt werden auch verschiedene Bildungsmaßnahmen, darunter auch ein Lehrgang über bäuerliche Tierheilkunde durchgeführt, weiterhin Workshopd über Agroforstwirtschaft, Fruchtbarkeit der Kühe, Milchverarbeitung und Verwendung des Mistes als organischer Dünger. Als Aufbereitungsverfahren werden wir auch die Herstellung von Biogas fördern.

Eine wichtige Rolle wird dabei wie im Fall des Schafprojektes die Aufforsung spielen. Im März April hatten wir Samen von Futterbäumen gesammelt und in einer Baumschule ausgesät. Inwischen wurden die Bäumchen auf den einzelenen Parzellen ausgepflanzt.

Ein Nutzungspotential der Rinder ist die Nutzung der Zugkraft. So können die Stierkälber aus Zugochsen aufgezogen werden. Auch die Kühe können für leichtere Arbeiten verwendet werden. Zum Beispiel können sie entsprechende Brunnenpumpen antreiben, mit denen mehr Land bewässert werden kann als mit den üblichen handkurbelgetriebenen Seilpumpen. Da sehr häufig Trockenperioden auch in den Regenzeiten auftreten (in diesem Jahr herrscht dagegen ein hervorragendes Wetter ohne Trockenperioden), sichern Bewässerungsanlagen die Ertragssicherheit bei den meisten Kulturpflanzen.

Bau von Biogasanlagen

Eng mit dem Schafprojekt und dem Kuhprojekt verknüpft ist der Bau von Biogasanlagen. Bei der Herstellung von Biogas wird der Mist der Tiere anaerob vergoren, wobei Methangas ensteht. Dieses kann in der Küche zum Kochen verwendet werden, wodurch der Bedarf an Brennholz sinkt. Dadurch werden die Bäume geschont und Brennholz, was als Nebenprodukt der Fütterung der Tiere mit Baumzweigen anfällt, kann verkauft werden, was eine zusätzliche Einnahmequelle für die bäuerliche Famlie bedeutet.

Der Mist verwandelt sich durch die anaerobe Fermentation in einen hochwertigen Dünger, der gegenüber dem unaufbereiteten Dung mehrere Vorteile hat:

- Fehlen von unangenehmen Gerüchen - hohe Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe - Abtöten von Krankheitserregern, Parasiten und Unkrautsamen

Für den Bau der Biogasanlagen kam Alexis aus Costa Rica. Alexis ist ein ökologisch wirtschaftender Bauer, der Erfahrung im Bau solcher Anlagen hat, die sich mit relativ niedrigem Kapitalaufwand errichten lassen.

Eine solche Anlage besteht aus einer 1,5 Meter tiefen und breiten und 3 Meter langen Grube, die ausgemauert wird. Über dieser Grube wird eine luftdichte Abdeckung aus einer Kunststofffolie errichtet, in der sich das entstehende Gas sammeln kann und mittels einer Rohrleitung zur Küche geleitet werden kann.

Zum Kochen mit Biogas lassen sich die üblichen Gasherde verwenden, die auch für Propan- und Butangas gebaut werden. Der Herd mit den Brennern läßt sich aber auch leicht selber bauen, weil man das hauptsächlich aus Methan bestehende Gas an einer einfachen Brenneröffnung anzünden läßt. Dieses ist so leicht möglich, weil die Methangasflamme nicht rußt.

Anbau von Gemüse

Wie ich schon im letzten Rundbrief geschrieben hatte, spielt der Anbau von Gemüse eine wichtige Rolle in unserer Projektarbeit. Zu Beginn dieser Regenzeit haben wir Saatgut von verschiedenen Gemüsearten an die Bauern verteilt. Die Verfügbarkeit von Saatgut ist dabei eines der Problemfelder, daher erinnern wir die Bauern, daß sie in der Zukunft ihr Saatgut selbst erzeugen müssen.

Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem Gemüseanbau ist, daß die Tiere frei herumlaufen und so oft genug die Anssaten zerstören. Im Rahmen des Schafprojektes spielte daher der Bau von Ausläufen und Ställen eine wichtige Rolle, um so dieses Problem anzugehen. Es sind jedoch nicht nur die eigenen Tiere, sondern auch die von Nachbarn, die oft genug in die Parzellen eindringen und die Ansaaten auffressen.

Besonders die freilaufenden Schweine stellen so ein ernsthaftes Problem dar. Es ist dabei nicht unbedingt nötig, die Tiere nur im Stall zu halten, vielmehr bietet der Stall bzw. Auslauf den Vorteil, die Tiere unter Aufsicht herauszulassen, um so Schäden an den Ansaaten zu vermeiden. So lassen sich dann auch Ernterückstände und Beikräuter durch die Tiere gut nutzen.

Herstellung von natürlichen Pflanzenbehandlungsmitteln

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt wird die Herstellung von natürlichen Pflanzenbehandlungsmitteln sein. Wir wollen ja den ökologischen Landbau fördern, der für die Kleinbauern viele Vorteile bringt.

Zum einem sind die chemischen Pflanzenbehandlungsmittel eine Gefahr für die Gesundheit der Familie, neben dem Risiko von akuten Vergiftungen sind die Pflanzenschutzmittel ein Risikofaktor für Krebserkrankungen und Missbildungen bei Kindern.

Außerdem wird auch die Umwelt geschädigt, so ist der Fortbestand von vielen Tierarten durch den Einsatz der chemischen Pflanzenbehandlungsmittel gefährdet, während die eigendlichen Schaderreger zunehmend resistent werden.

Der hohe Preis für die Spritzmittel führt auch allzuoft zu einer Verschuldung der Kleinbauen. Leichtlösliche Düngemittel greifen die Bodenstruktur an. Besonders der viel verwendetet Harnstoff verwandelt sich bei seiner Umsetzung im Boden in Säuren, welche die Bodenstruktur zerstören. Unfruchtbare Böden, die bei Trockenheit hart wie Beton und bei Regen schlammig werden, sind die Folge des Einsatzes solcher Düngemittel.

Zusammenschluss der Kleinbauern zum ökologischen Anbauverband OSSUR

Im Mai dieses Jahres haben sich die ökologisch wirtschaftenden Kleinbauern in der Region Tola zum Anbauverband OSSUR (Orgánicos Solidarios del SUR de Nicaragua - Okologische und Solidarische Erzeuger des Südens Nicaraguas) zusammengeschlossen. Ziel des Zusammenschlusses ist auch, die Vermarktung auf regionaler Ebene zu koordienieren. Dazu soll ein geschütztes Warenzeichen erstellt werden, um so die Erzeugnisse für die Verbraucher bekannter zu machen.

Zum Ende des Jahres wollen wir in Rivas mehrere Samstage Marktstände aufstellen, die es den Bauern aus der Region Tola ermöglicht, dort ihre Produkte regelmäßig anzubieten. Diese können zum Beispiel Mais, Bohnen, Vollkornreis, Tortillas, Obst, Gemüse, Milchprodukte, Eier oder auch Fleisch von Haarschafen oder auch von Geflügel sein.

Auch in Managua werden wir unsere Produkte auf dem Gelände der Genossenschaft CLUSA jeden zweiten Samstag verkaufen. Dort findet jeden zweiten Samstag im Monat ein Markt für ökologisch erzeugte Produkte statt, an dem hauptsächlich Bauern aus dem Norden des Landes Teilnehmen. Außerdem hat die Genossenschaft ein eigenes Geschäft, das jeden Werktag geöffnet hat.

Damit komme ich mit diesem achten Rundbrief zum Schluß. Wie Ihr in meinen Rundbriefen lesen könnt, ergeben sich in meiner Arbeit viele neue Vorhaben.

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