Internationaler Christlicher Friedensdienst

Ein Jahr danach...

Reinhard Ross (Einwicklungshelfer im Projekt CIVITE) berichtet von seiner Arbeit in den Dörfern.

"...jetzt bin ich über ein Jahr in Nicaragua, wo ich in der Finca von CIVITE angefangen hatte. Inzwischen kenne ich alle bäuerlichen Gemeinschaften in der Gemeinde Tola und habe mit den Familien ein Projekt zur Haltung von milchbetonten Pelibuey-Schafen erarbeitet...

Wie ich im letzten Rundbrief schrieb, bekam eine Familie in Sanchez 2 ein Pelibuey-Schaf vom milchbetonten Typ, das sie erfolgreich gemolken haben. Die täglich ermolkene Milchmenge liegt bei über einem Liter, sie wird von der ganzen Familie gern getrunken.

Die Milchschafhaltung hat einige Vorteile gegenüber Kühen und Ziegen:

- Das Schaf braucht weniger Futterfläche als eine Kuh. Außerdem ist die Milchmenge eines Schafe so hoch, daß man sie sofort verbrauchen kann. Das ist ein günstiger Punkt für die armen Familien, die keinen Kühlschrank haben, um dort die Milch länger aufzubewahren.

- Gegenüber der Ziege hat das Schaf den Vorteil, daß es weniger Schäden an Bäumen ver ursacht, weil es nicht in die Bäume hereinklettert. Außerdem ist der Geschmack der Milch von Schafen besser als der von Ziegen

- Die Schafsmilch enthält mehr Nährstoffe und Vitamine als Kuh- und Ziegenmilch

- Auch das Fleisch der Pelbueyes ist überaus schmackhaft. So kann das Fleisch von Schlacht lämmern zum einem für die Eigenversorgung dienen, aber auch verkauft werden. Wegen des wachsenden Tourismus in der Pazifikregion gibt es eine Nachfrage für Schlachtlämmer, die gut bezahlt werden. So kann der Verkauf von Schlachtlämmern auch eine Einnahmequelle werden.

Dieses Erfahrungen bewegten uns, weiteren Familien entsprechende Schafe zukommen zu lassen. So versammelten wir uns in allen Dörfern, wo wir über diese Pläne sprachen und sich ein reges Interesse für den Erhalt von milchbetonten Pelibuey-Schafen zeigte. So ergab sich insgesamt, daß etwa 140 Familien ein solches Schaf bekommen wollen.

Wir erarbeiteten ein Projekt, was die Übergabe solcher Schafe an die Familien beinhaltet. Jede Familie, die begünstigt wird, gibt zwei Lämmer von der Nachzucht ab. Eines dieser Lämmer muß ein Mutterlamm sein, welches eine weitere Familie, die auch Interesse an der Milchschafhaltung zeigt, bekommt. Das zweite Lamm kann auch ein gemästetes Bocklamm sein, das der Kinder gruppe des Dorfes zugute kommt. Zusätzlich verpflichten sich die begünstigten Familien, einen einfachen Stall zu bauen.

Die Tiere (etwa 140 Mutterschafe und 11 Böcke) kann ich über die Genossenschaft ECONICA und von einem Dozenten der Agricultura bekommen. ECONICA ist eine auf Schafzucht speziali sierte Genossenschaft mit Sitz in Granada. Die Genossenschaftsbetriebe befinden sich in den Regionen Granada, Carazo, Masaya und Rivas. Bei der Besichtigung von einigen der Mitglieds betrieben konnte ich sehr viele geeignete Tiere finden.

Vorher werden wir Anfang April Workshops veranstalten, um den Familien das Grundwissen über die Haltung dieser Tiere zu vermitteln. Außerdem begleiten wir sie mit monatlichen Besu chen der 13 Dörfer, wobei jeder Familie die Gelegenheit hat, anstehende Fragen zu klären. Im Dezember ist bei CIVITE ein Treffen von jeweils zwei Vertreterinnen oder Vertretern jeder der Orte geplant, um sich so gegenseitig die Erfahrungen auszutauschen.

Neben dem Schafprojekt ist unsere Hauptaktivität der Anbau von Arznei- und Gewürzpflanzen, die einerseits vermarktet werden, aber auch von den Familien selbst verwendet werden.

Im Dezember fand die Ernte vom Hibiskus statt. Von dieser Hibiskusart, die hier "flor de Jamai ca" (Jamaicablume) heißt, erntet man die fleischigen Kelche, welche die Frucht umhüllen. Diese Kelche werden dann getrocknet, um dann Tee zu bereiten. Man kann aber auch einen Sirup herstellen, den man mit Wasser verdünnen kann und so hat man ein sehr erfrischendes Getränk. Den Sirup kann man auch zu Wein vergären lassen. Die Fruchthüllen enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe. In Europa wird ein großer Teil für Früchteteemischungen verwendet.

Den größten Ertrag an Hibiskus gab es in Rio Grande. Dort hatten die Bauern die Pflanzen schon im Juli ausgepflanzt, so daß sie viel Zeit für ihre Entwicklung hatten. So wurden sie über 2 Meter hoch, sie fingen im November an zu blühen...".

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