Internationaler Christlicher Friedensdienst

Erste Eindrücke

Auszüge aus einem Rundbrief von Patrick Rossol

Am Arbeitsplatz

"...Ich konnte mit meiner Arbeit im Hogar Luz anfangen und war froh nach der langen Vorbereitungszeit wieder etwas tun zu können (womit nicht gesagt ist, dass die Vorbereitung keine Arbeit gewesen wäre!)... Ich will bei dieser Gelegenheit auch nicht verschweigen, dass ich von der Schwere der Behinderungen der Heimbewohner erst einmal geschockt war, weil ich solche Behinderungen vorher noch nie gesehen hatte. So gut wie alle Heimbewohner hier im Hogar Luz haben schwere körperliche und geistige Behinderungen. Manche können sich weder bewegen, noch reagieren sie auf Impulse jeglicher Art. So viel zu meinem ersten Eindruck. Meine erste Woche empfand ich deswegen anfangs auch nicht gerade als leicht und Sprachprobleme und der Hurricane, der mit seinen Ausläufern auch Costa Rica streifte, besorgte genau das richtige scheußliche Wetter für eine typische erste Woche. Es kam einfach alles zusammen, um erst einmal in Heimwehstimmung zu verfallen. So fühlte ich mich am Anfang der Woche, aber gegen Ende war die Welt schon wieder in Ordnung. Spracherfolge und das genauere Kennen lernen der Umgebung taten ihr übriges...."

Tagesablauf "...Von Montag bis Donnerstag arbeite ich von 8-16 Uhr im Hogar Luz in Tres Rios in der Nähe von San José in der Provinz Carthago. Meine Arbeit dort ist offiziell in zwei Hälften geteilt. Von 8 bis 14 Uhr die Arbeit in der "Educación Especial" (Sondererziehung) und von 14-16 Uhr das Helfen in der "Fisioterapia" (Physiotherapie). Der Bereich "Educación Especial" umfasst das Organisieren von besonderen Aktivitäten (wie z.B. das Besuchen einer Eisfabrik, das Organisieren eines Geburtstagsfestes etc.) sowie die Einzelarbeit mit den Heimbewohnern (basteln, bauen; alles was die Kreativität anregt). In der "Fisioterapia" arbeiten wir hauptsächlich mit Behinderten, die sich nicht bzw. nur eingeschränkt bewegen können. Durch die Physiotherapie kann die mangelnde oder gar nicht vorhandene Bewegung teilweise kompensiert werden, was zur Folge hat, dass Langzeitschäden bzw. Schmerzen gelindert werden. In vielen Fällen liegt z.B. eine starke Deformation der Wirbelsäule vor, dass sich die eine Hälfte des Körpers in andauernder Anspannung befindet und die andere Hälfte erschlafft. Dies ist nur ein kleines, wenn auch entscheidendes, Beispiel für meine Arbeit in der Physiotherapie. Ich arbeite dort mit einem Physiotherapeut und mehreren Studenten zusammen. Das ist eigentlich ganz angenehm, da man dort auch ein bisschen Anbindung an die eigene Altersklasse hat... ...Der andere Teil meiner Arbeit findet am Wochenende im Stadtteil Rohrmoser (hier bemerkt man den deutschen Einfluss!) in San José selbst statt. Deswegen fahre und laufe ich meistens jeden Donnerstag von Dulce Nombre (der Stadtteil von Tres Rios, in dem ich wohne) aus quer durch die Innenstadt bis ans andere Ende nach Rohrmoser. Für diesen Weg brauche ich per Bus, je nach Verkehrsaufkommen, ungefähr anderthalb bis zwei Stunden. In der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde arbeite ich mit verschiedensten Gruppen. So organisiere ich jeden zweiten Sonntag z.B. den Kindergottesdienst, nehme an der Seniorenarbeit teil und versuche demnächst mit meinem Onkel auch eine Jugendgruppe aufzubauen..."

Freizeit: Typische Wegbeschreibung:

"Ahh...a la estación de autobuses, muy facíl, a donde fue la casa azul, 300 metros al oeste hasta el semaforo que no funciona, 3 ½ cuadras al norte donde está el arból al lado de la pulperia en que se venden queso y leche cada sabado..." Deutsch: "Ahh zur Bushaltestelle, ganz einfach, da wo mal das blaue Haus gestanden hat 300 Meter nach Westen bis zur Ampel, die nicht mehr funktioniert, 3 ½ Blocks Richtung Norden wo der Baum steht direkt neben dem Laden, der jeden Samstag Käse und Milch verkauft..."

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