Internationaler Christlicher Friedensdienst

Neues von den Pipitos

Auszüge aus dem Rundbrief von Katharina Pförtner, Sonderpädagogin bei LOS PIPITOS, einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen

Arbeitsbereich:

Hier im Projekt geht es natürlich jetzt vor allem um die anstehende Integration der Jugendlichen, die in diesem Jahr ihren Kurs im Zentrum abschließen. Hugo , ein spastisch gelähmter Jugendlicher, der in der Tischlerei lernt, wird ein weiteres Jahr bei uns bleiben, da er operiert wurde und deshalb fast 6 Monate des Kurses verlor. Es bleibt also die Integration von 13 Jugendlichen. Wir hatten verschiedene Beratungen mit den Eltern, den Instruktoren, den Besitzern von Werkstätten, die zur Integration bereit sind und natürlich den Jugendlichen selbst und beschlossen die direkte Integration von 10 Jugendlichen, für 3 werden wir Alternativen im teilbeschützten Bereich suchen (z.B. Anstellung im Projekt, Arbeitsgruppe Papierverarbeitung). Wieder fiel das mangelnde Interesse und Beteiligung der Eltern der Jugendlichen auf. Wir haben uns vorgenommen, für das nächste Jahr ein intensives Konzept für die Sensibilisierung der Eltern zu erarbeiten.


In unserem Maßnahmeplan sind wir schon reichlich verspätet mit der Eröffnung der fünften und sechsten Werkstatt. Es ist die Bäckerei vorgesehen , die sich noch im Bau befindet und eine weitere Werkstatt im Kunstgewerbebereich (Knüpf-, Häkel - und Webarbeiten sowie Kerzenherstellung). Wir suchen z.Zt. vor allem Jugendliche, die weniger stark behindert sind, um all die Integrationsmöglichkeiten oder nicht ausschöpfen zu können, insgesamt streben wir die Betreuung von 25 neuen Jugendlichen an. Mit den InstuktorInnen erarbeiten wir momentan Arbeitshefte, die das Programm sowie die Anleitungen der Aktivitäten der zwei Jahre Kurs in den jeweiligen Bereichen enthalten. Dies ist die letzte Voraussetzung, die uns INATEC, das staatliche Berufsfortbildungsinstitut für eine offiziell anerkannte Zertifizierung der Ausbildung in unserem Zentrum abverlangte. Wir hoffen sehr, dass trotz der Wahlen die Anerkennung noch in diesem Jahr ausgesprochen werden kann.

Ich habe in den letzten drei Monaten auch außerhalb des Zentrums gearbeitet. Ich gab zwei Kurse über Sexualerziehung und Genderproblematik in anderen Kapitulos der Pipitos. Im August betreute ich 10 Kinder, die ein amerikanisches Ärzteteam wegen ihrer orthopädischen Probleme operierte. Es war eine anstrengende, zeitintensive, aber sehr interessante Arbeit, denn der Bereich von Orthopädie ist doch relativ neu für mich. Wir konnten gute Kontakte mit den Ärzten herstellen und hoffen, dass sie von nun an einmal im Jahr die Kinder operieren, die Probleme mit ihren Gliedmassen haben.

Nun kam es doch noch zu dem lange geplanten, mit so vielen Schwierigkeiten durchgesetzten Bau eines Spielplatzes an der Sonderschule. Das Geld war schon vor zwei Jahren von dem Nicaraguaverein und der Lessingschule Delmenhorst gespendet worden. Durch den Wechsel der Direktorin gab es aber dann Verständnisschwierigkeiten, die das Projekt eine Zeitlang unmöglich erscheinen ließen. Nun konnten wir uns aber doch noch verständigen und es entstand ein Spielplatz mit relativ traditionellen Spielgeräten, die die Lehrerinnen der Schule ausgesucht hatten. Beim Bau wurden ausnahmslos stabile Materialien verwandt und wir hoffen, das die Spielgeräte viele Jahre halten werden.


Politische Situation

Nun sind die Wahlen vorbei und wieder einmal hat das nicaraguanische Volk bewiesen, dass man sie nicht berechnen kann. Entgegen aller Voraussagen, Umfragen und Analysen hat die PLC, liberale Partei mit dem Kandidaten Enrique Bolanos gewonnen, und zwar eindeutig mit bislang 14 % Vorsprung. Die Zahlen basieren auf der Auszählung von 90 % der Wahlergebnisse.

Der neue Präsident muss sich mit einer der schwierigsten Situationen der letzten 10 Jahre zurechtfinden. Die internen Schulden der Staatkasse betragen 500 Millionen Dollar für die Entschädigungen der ehemals enteigneten Objekte, 500 Millionen Dollar, die bei den Bankenkrachs draufgingen. Die Staatsreserven sind auf ein Minimum geschrumpft, sie betragen nur noch 63 Millionen Dollar, was mit einer erneuten Inflation rechnen läßt. Die Staatskassen sind leer, aufgrund der hohen Korruption, so ist z.B. die staatliche Lotterie nun vom Bankrott bedroht, da die Liberalen die gesamten Gelder aus der Kasse nahmen, um damit ihren Wahlkampf zu führen.

Die antisoziale Politik der ehemaligen Regierung Arnonldo Alemans hat vor allem die Kinder Nicaraguas in eine miserable Lage gebracht. 32 % der Kinder sind Analphabeten, da die Eltern die angeblich freiwilligen, faktisch aber obligatorischen Beiträge, die die inzwischen privatisierten Schulen verlangen, nicht bezahlen können. 45 % der Kinder Nicaraguas gehen nicht mehr zur Schule. Die Zahl der arbeitenden Kinder stieg auf 350 000 von den insgesamt 3 Millionen Kindern in Nicaragua. Diese Situation verschärfte sich mit dem Anstieg der Arbeitslosigkeit im Lande.

Wir müssen nun abwarten, was uns die neue Regierung bringt, was auch einschneidende Auswirkungen auf die Projekte der Pipitos haben wird.

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