Internationaler Christlicher Friedensdienst

Genau diese scheinbare Paradoxität zwischen dem satten Grün der Wiesen auf der einen und dem grauen Himmel auf der anderen Seite, ist in den ersten Tagen das, was Irland für mich ausmacht

Julian Vogel berichtet in seinem ersten Rundbrief von seinem langen Weg nach Nordirland und seiner Ankunft. Er beschreibt die Unwägbarkeit des nordirischen Wetters, seine Arbeit bei Ecoseeds sowie das Leben in Strangford überhaupt (Oktober 2008)

 

Rundbrief Nummer 1


Julian Vogel

Projekt: Ecoseeds (Strangford)

Dienstzeit: 08/09

22 September 2008





Sehr geehrte Unterstützer, liebe Freunde!

Nach nun fast schon drei Monaten in einem fremden Land kommt les/t/en Ihr/Sie nun meinen ersten offiziellen Rundbrief. Zuallererst bedanke ich mich herzlichst bei allen die mich im Rahmen des Unterstützerkreises finanziell sowie auch moralisch bis jetzt Unterstützt haben und auch weiterhin Unterstützen. Ihr/Sie seit/sind der Grund, dass es mir möglich ist, all die neuen Erfahrungen, Eindrücke und Fähigkeiten zu gewinnen, wovon Ihr/Sie im folgenden Brief hoffentlich einen guten ersten Eindruck bekommt.

Dieser erste Brief ist in drei Hauptabschnitte unterteilt. Zunächst eine kleine Einleitung, wie ich dahin gekommen bin, wo ich jetzt bin. Dann erfahrt Ihr/Sie wo ich eigentlich lebe und mit wem. Und zu guter Letzt geht es dann um meine Arbeit.

Viel Spaß beim Lesen!



A long way to Northern Ireland


Ich lebe nun seit ca. zwei Monaten in Strangford, einem kleinen Dörfchen an der Ostküste Nordirlands. Wie bin ich nur hierher gekommen?

Nach 13 Jahren Schule stand ich, genau wie die meisten meiner Freunde vor der Entscheidung; was kommt danach? Weil ich mir von vorneherein wenig Hoffnungen auf eine eventuelle Ausmusterung gemacht habe, lautete meine Frage, schon ein wenig konkreter; wo mache ich meinen Zivildienst? Da es mir wenig attraktiv erschien, in Deutschland, oder gar in Bremen bei meinen Eltern wohnen zu bleiben und Essen auszufahren oder Krankenwagenfahrer zu werden, hab ich mich im Internet für ein sogenanntes Infoseminar der Organisation EIRENE angemeldet.


EIRENE ist ein ökumenischer, internationaler Friedens- und Entwicklungsdienst, der als gemeinnütziger Verein in Deutschland, als Träger des Entwicklungsdienstes und des sogenannten „Anderem Dienst im Ausland“(anstelle des Zivildienstes in Deutschland) anerkannt ist. 1957 wurde EIRENE von Christen verschiedener Konfessionen gegründet, die sich der Idee der Gewaltfreiheit verpflichtet fühlten und ein Zeichen gegen die Wiederaufrüstung und für das friedliche Zusammenleben setzten wollten. Zu den Gründern gehören die historischen Friedenskirchen der Mennoniten und der Church of the Brethren, die noch heute mit dem Versöhnungsbund und den EIRENE-Zweigen in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu den EIRENE-Mitgliedern zählen. In über 40 Jahren sind mehr als 1000 Freiwillige und EntwicklungshelfernInnen mit EIRENE in Afrika, Lateinamerika, sowie Europa und den USA im Rahmen eines Auslandsdienstes tätig gewesen.


Am Ende des Infoseminars haben wir einen Bewerbungsbogen bekommen, welcher mir dann auch glücklicherweise Zugang zum Auswahlseminar verschafft hat. Dort konnten wir alle Projekte mithilfe von Mappen zu jedem Projekt kennen lernen und anschließend unsere 3 Favoriten ernennen, von denen wir dann eventuell eines bekamen. Mein Projekt, in dem ich dann anstelle von Zivildienst in Deutschland 12 Monate arbeiten kann, trägt den Namen Ecoseeds (auf dt.: ökologisches Saatgut).


Bei Eirene machen alle Freiwilligen des Nordprogramms (also Europa quasi) eine Reise zum Projekt, bevor die endgültige Entscheidung gefällt wird, ob man den Dienst antreten will oder nicht (schließlich muss man ja auch ein Jahr lang fern der Heimat durchhalten). Auf diese Reise will ich jetzt nicht näher eingehen, aber offensichtlich bin ich nicht abgeschreckt worden.

Der letzte Schritt vor dem Dienstbeginn in Irland ist dann ein zweiwöchiges Ausreiseseminar. Auf diesem Seminar sind alle Freiwilligen, die in diverse Projekte nach Irland gehen versammelt und man lernt sich kennen, schließt Freundschaften, spielt Spiele, treibt Sport und lernt nebenbei noch vieles über Dinge wie: „Wie Verhalte ich mich in anderen Kulturen?“, “Welche Probleme/Konflikte können auftreten?“, „Was ist im Zusammenhang mit dem Nordirlandkonflikt zu beachten?“, aber auch ganz banale Sachen wie: „Was kann man in seiner Freizeit machen?“ oder „Wo kann man abends am besten weggehen?“.

Nach diesen schönen zwei Wochen ging’s dann endlich los nach Nordirland.


My life here


Also, wie gesagt, ich lebe in Strangford an der Ostküste Nordirlands. Strangford liegt an der Mündung einer großen Meerenge, genannt „Strangford Lough“ (Stangforder See). Weil hier in Strangford der Eingang zu ebendiesem See ist und dieser Eingang so schmal ist herrscht hier eine extrem starke Strömung. Das macht zum einen Baden unmöglich (in Irland keine Tragödie), zum anderen lieferte dies Anlass zum Bau des weltweit ersten Gezeitenkraftwerke mit zwei Turbinen direkt hinter unserem Garten.

Auf der anderen Seite des Zuflusses liegt der Ort Portaferry, welcher ca. doppelt so groß ist wie Strangford .

Strangford hat nur ungefähr 600 Einwohner. Trotzdem haben wir drei Pubs, zwei kleine Supermärkte, einen Zeitungs- und Eisladen, zwei Kirchen(die eine kann man kaufen), eine Apotheke und einen Burgerladen. Kurz gesagt, fürs aller Nötigste ist gesorgt. Der Haken hängt im Preis, weil halt die kleinen Läden teurer sind als Große. Aus diesem Grund fahren wir einmal pro Woche nach Downpatrick, dem nächstgrößeren Ort hier und gehen in einem großen Supermarkt einkaufen. Etwa anderthalb Stunden entfernt liegt dann Belfast, die größte Stadt in Nordirland. Nach dieser geographischen Lokalisierung nun zur Landschaft.


Dazu ein Zitat aus meinem Tagebuch von einem der ersten Tage:


Irland wird ja die grüne Insel genannt und das macht Sinn. Man sieht endlose Wiesen, oft umzäunt von weiß und gelbblühenden Hecken, manchmal mit Kühen darauf. In letzter Zeit (aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise wird das lukrativ für die Bauern) sieht man auch immer öfter Getreidefelder. Das einzige, was nicht in diese perfekte Idylle passt, ist der hier schier endlos währende mit grauen Regenwolken bedeckte Himmel. Aber genau diese scheinbare Paradoxität zwischen dem satten Grün der Wiesen auf der einen und dem grauen Himmel auf der anderen Seite, ist in der ersten Tagen das, was Irland für mich ausmacht.“


Unser Haus hier liegt etwas außerhalb von Strangford und direkt am Meer. Unser Garten reicht bis zum Wasser und ich hab ein Zimmer mit Blick aufs Wasser. Man hat also nicht nur endlose Kuhwiesen um das Haus herum, sondern direkt daneben auch noch das Meer.

Reist man ein wenig die Küste (Richtung Norden) entlang, werden aus den bei uns recht flachen Wiesen grüne Berge, es gibt versteckte Wasserfälle, atemberaubende Steilküsten und rätselhafte hexagonförmige Steine, die in Meer ragen ( Giant’s Crossway).

Und alles sieht so aus, dass man ein Foto machen könnte, und dieses als Postkarte von Irland verkaufen könnte und jeder würde es erkennen, weil es genau ist, wie man es sich vorstellt (Mit Ausnahme des Wasserfalls vielleicht).


Bevor ich nun zu meinem Haus und meinen Mitbewohnern komme, muss ich noch der wichtigsten irischen Tradition folgen und mich über das Wetter beschweren. Wer jetzt denkt, ich als Bremer müsste doch abgehärtet sein gegen Regen, der hat sich geirrt. Zum einen ist das Wetter komplett unberechenbar, d.h. wenn ich morgens aufwache ist es immer eine Überraschung, ob es regnet, es wolkig ist, oder die Sonne scheint. Da ich keinen Vorhang hab, wurde ich auch schon von der Sonne geweckt: genau drei mal. Auch wenn die Nähe zur See für viel Abwechslung in der Witterung sorgt, ist der Wind sich anscheinend zu schade, die Wolken mal länger als einen halben Tag wegzupusten. Man sollte in Irland also nie gegen das Ereignis Wetten, dass es bis zum Ende des Tages noch regnen wird.

So, genug beschwert !.


Nun zu unserem Haus, genannt „No. 4“. Unser Haus ist eines von vier Häusern, die ein wenig außerhalb von Strangford liegen. Im ersten dieser vier Häuser wohnt mein Chef M. mit seiner Frau J. ( sie arbeitet halbe Stelle bei Ecoseeds). Das vierte Haus ist nun seit ca. zehn Jahren Freiwilligenhaus und sieht auch so aus.

Das Haus besteht aus einem Wohnzimmer, der Küche/Esszimmer, vier Schlafzimmern und Badezimmer. An meinen ersten beiden Tagen in Irland haben wir frei bekommen, um das Haus aufzuräumen/ zu putzen. Allein die Tatsache, dass wir damit zwei komplette Arbeitstage rumbekommen haben, lässt auf den Zustand des Hauses schließen. Mittlerweile sieht es schon um einiges besser aus als zu dem Zeitpunkt, als ich hier angekommen bin. Unabhängig von der Sauberkeit hat hier fast jede Wand eine andere Farbe und viele vorherige Freiwillige haben ihr Zimmer selbst gestrichen( weswegen ich jetzt noch ein Yin&Yang an meiner Decke habe). Mein Mitbewohner und ich haben ein Wochenende geopfert, um die Küche und unser Wohnzimmer neu zu streichen. Die Küche von dreckig-grün-orange gewellt zu blau-creme und das Wohnzimmer von Knallrot zu terrakotta-creme. Sieht also alles ein wenig sauberer aus. Außerdem haben wir noch einen Kamin im Wohnzimmer und ganz viele Sofas, was dieses sehr gemütlich macht. Alles in allem ist es aber ein Haus, in dem man (bzw. ich) sich wohlfühlt. Eben gerade weil nicht alles neu und perfekt ist.


Zurzeit sind wir mal wieder nur zu zweit im Haus. Mein Mitbewohner Mo. ist auch 19 und ist der Stiefsohn von M., meinem Chef. Er ist also aus Nordirland. Ich komme gut mit Mo. aus und er ist auch in vielen Dingen ähnlich wie ich. Er kann vieles und macht vieles. Zum Beispiel bauen wir gerade einen Fitnessraum in einem unserer freien Zimmer, oder er baut am Wochenende an seinem alten Landrover herum oder er will versuchen, selbst Biodiesel herzustellen oder wir planen noch unseren eigenen Wein aus unseren eigenen Äpfeln zu machen. Bei alledem ist er aber nicht allzu intellektuell.Also mehr der praktische Typ.

Wir kochen immer für einander und haben die Regelung, dass immer der abwäscht, der nicht gekocht hat. Während ich in den ersten Wochen noch etwas zu zurückhaltend war, was das Kochen anbelangt, hat sich in letzter Zeit ein gutes Gleichgewicht eingependelt. Ich musste halt mich erst mal mit der etwas chaotischen Küche im speziellen und mit der Kunst des Kochens im allgemeinen vertraut machen;

Als ich zum Beispiel als eines der ersten Male kochen wollte, war mein Plan Reis mit Blumenkohl und weißer Soße. Als erstes ist dann der Deckel vom Salzstreuer abgefallen, wonach der Reis dann nicht mehr essbar war. Dann hab ich, klugerweise nachdem ich Sahne zu der weißen Soße gegeben hatte, daran gerochen und mich ein wenig zu sehr an Käse erinnert gefühlt.


Nach dem ursprünglichen Plan sollten wir eigentlich vier Freiwillige im Haus sein. Wir hatten auch einen Italiener und ein Spanierin hier. Doch musste der Italiener nach drei Wochen wieder zurück nach Italien, um in der Firma seines Vaters zu arbeiten und die Spanierin hat schon nach einer Woche beschlossen, dass es hier nicht das richtige Projekt für sie ist. Angeblich hatte sie sich in unserer Arbeit mehr Kontakt zu Kindern erhofft und weniger Monotonie. Vielleicht mochte sie uns auch einfach nicht. Auf jeden Fall wurden wir auch von ihr verlassen und sind jetzt wieder nur zu zweit. Eventuell bekommen wir noch Ersatz an Freiwilligen, aber das ist leider alles andere als sicher.




Ecoseeds or what’s my work?


Nun, endlich, zu meiner Arbeit: Mein Projekt heißt Ecoseeds und wurde vor 11 Jahren unter anderen von meinem Chef, M., gegründet. Das Ziel unserer Nicht-Profitorientierten Company ist es im weitesten Sinne, die Biodiversität in Nordirland zu erhöhen.

Biodiversität sagt quasi aus, wie viele verschiedene Blumen, Bäume, Insekten, Vögel, Säuger oder allgemein Lebewesen in einem bestimmten Gebiet leben. Hat man also ein riesiges Feld, auf dem Getreide angebaut wird und alle Schädlinge und alles Unkraut durch Pestizide entfernt wurde, dann ist die Biodiversität auf diesem Feld extrem gering. Hat man dagegen eine Wiese, einen Wald oder einen Sumpf, mit vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren, dann ist die Biodiversität sehr hoch.

Hierbei hängt die komplette Tierwelt letztendlich von den Pflanzen ab. Diese wandeln durch Photosynthese Sonnenenergie um in für Säugetiere und Insekten nützliche Energie in Form von Nahrung. Je mehr verschiedene Pflanzen pro Flächeneinheit es also gibt, desto mehr verschiedene Insekten können davon ernährt werden, welche wiederum ein größere Vielfalt von Vögeln ernähren können.

Wir bei Ecoseeds fangen also quasi am Fuße dieser Pyramide an und erhöhen die Vielfalt an einheimischen (Nordirischen)Wildblumen in Nordirland. Es ist besonders wichtig, nicht nur die Vielfalt der Blumen im allgemeinen sondern die Anzahl der Wildblumen aus Nordirland im speziellen zu erhöhen, weil viele Insekten ihre Nahrung nur aus diesen gewinnen können. Es gibt nämlich viele Insekten, die nur aus einer einzigen Pflanze ihre Nahrung gewinnen können, und wenn diese in Irland ausstirbt, dann stirbt auch diese Insektenart aus.

Viele der exotischen und/oder gezüchteten Pflanzen sind also ungeeignet, um ein breites Spektrum an Insekten und damit auch Vögeln zu ernähren.

Beispielsweise ist bei vielen der Nicht-Wildblumen der Pollen sehr tief in der Blüte. Vielen Bienen zum Beispiel ist es dadurch nicht möglich, diesen zu erreichen und daher scheiden viele dieser Pflanzen als möglichen Nahrungsmittellieferant für diese Bienen aus.

Es ist daher wichtig, die einheimische Pflanzenwelt zu erhalten.


Der entscheidende Unterschied zwischen unserem Projekt und den meisten anderen ökologischen Projekten ist, dass wir nicht versuchen, die Umwelt, bzw. ein Ökosystem zu erhalten, sondern ein neues Ökosystem zu kreieren. Da dies mit Wildblumen noch niemand vor uns gemacht hat, ist Ecoseeds ein Projekt, das sich seit nunmehr 11 Jahren immer weiter entwickelt. Jeder Freiwillige schreibt spätestens am Ende des Jahres alles, was er gelernt und herausgefunden hat auf, in einem von zwei Büchern. So kann dann jede Generation von Freiwilligen auf das Wissen zurückgreifen, was sich all die vorherigen angeeignet haben.

Außerdem machen wir auch immer wieder neue Experimente zu bestimmten Sä-Techniken, oder wie und mit welcher Art von Erde ein bestimmte Pflanze am besten wächst.


Die Arbeit der Freiwilligen in Ecoseeds in im Wesentlichen in zwei große Bereiche aufgeteilt. Der eine beinhaltet alles was mit dem Wildblumensaatgut zu tun hat, der andere alles, was mit den Pflanzen zu tun hat( Man kann bei uns sowohl Saatgutmischungen als auch fertige Pflanzen in Töpfen kaufen).Traditionell übernehmen jeweils zwei Freiwillige Verantwortung für einen der Bereiche. Da wir momentan nur zu zweit sind, ist Mo. Verantwortlich für die Pflanzen und ich hab die Verantwortung über die Saat („seedcleaning“) übernommen.


Unser Projekt liegt etwa zehn Minuten mit dem Rad von unserem Haus entfernt in einem riesigen Schloss artigen Gelände Namens „Castle Ward“. Jede Woche gibt es einen Plan mit einer Anzahl von Dingen, die erledigt werden müssen. Nachdem wir dann morgens um viertel nach acht in unserem Büro angekommen sind entscheiden wir, meist Wetter abhängig, ob wir die fünf Minuten zu unseren Gewächshäusern und Feldern laufen, die alle in einem von einer Mauer eingekreisten Bereich des Schlosses liegen.

Unsere tägliche Arbeit ist nicht nur wetterabhängig, sondern auch von den Jahreszeiten. In der Zeit, in der ich jetzt hier bin, ging es, neben tausender kleiner Arbeiten, darum, die Pflanzen beim groß werden zu unterstützen. Dieser Abschnitt im Zyklus der Pflanzen beginnt, wenn die Samen gesät wurden. Im Falle der Pflanzen in unseren Gewächshäusern in einen Kasten mit Erde( seedtray ). Dann werden sie zunächst einmal abgedeckt, so dass sie zum einen vor den Sonnenstrahlen geschützt sind, und zum anderen warm und feucht bleiben. Wenn die Pflanzen dann anfangen zu keimen, aus ihren Samen zu kommen (germination), dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem wir jede einzelne der Pflanzen, die bis dahin noch alle wild durcheinander in einer Schachtel waren, in eine eigene Zelle eines so genannten „LT288’s“ zu pflanzen. Darin befinden sich 288 winzige Zellen, für ebenso viele kleine Pflanzen. Werden diese dann irgendwann zu groß, müssen sie wieder umgepflanzt werden bis sie dann schlussendlich in Töpfen landen und gekauft werden können oder in eines unserer Felder gepflanzt werden. Wir bei Ecoseeds benutzen keinerlei Pestizide, da der Herstellungsprozess dieser Mittel extrem Umwelt schädlich ist. Deshalb müssen wir, auch um Seuchen zu vermeiden, zwischendurch immer wieder Unkraut entfernen und alles, worin die Pflanzen gepflanzt werden, desinfizieren.

In all die obigen Aufgaben war ich bisher auch schon involviert und habe sie auch größtenteils genossen. An den meisten Tagen ist die Arbeit geistig nicht besonders herausfordernd und ich tue auch manchmal einen kompletten Tag (8.15Uhr-4.30Uhr) die exakt selbe Arbeit( zum Beispiel Pflanzen von umpflanzen). Manchmal ist die Arbeit auch körperlich anstrengend. Zum Beispiel, als wir von einem Traktor durchs Feld gezogen wurden und mit krummen Rücken stundenlang so schnell wie möglich Pflanzen zwischen die Räder des Anhängers stecken mussten. In dem Schreiben, das jeder Freiwillige von Ecoseeds bekommt, steht, wie mein Chef oft betont:

The work can be very boring and repetitive“

(„Die Arbeit kann sehr langweilig und eintönig sein“)

Ich sehe die Sache eher so, dass man die Zeit während langweiliger Arbeit gut nutzen kann, um nachzudenken, sich zu unterhalten, dabei Englisch zu lernen, manchmal das Wetter und die frische Luft zu genießen. Und bei alledem komme ich mir nie sinnlos vor, weil ich mit meiner Arbeit etwas gutes für die Umwelt tue und auch die Resultate der Arbeit immer sofort sichtbar sind ( Zum Beispiel über 500 wunderbar saubere Töpfe, mit zum teil blühenden Wildblumen für eine Bestellung).

Auch gibt es neben den großen, langwierigen Arbeiten auch viele kleine, wo oft viel Kreativität und handwerkliches Geschick gefordert ist.

Besonders in meiner Saatgutsäuberungsabteilung ist viel Platz für eigene Ideen, Systeme und Erfindungen.


Da ich gerne noch etwas mehr Überblick über meinen Verantwortungsbereich bei Ecoseeds gewinnen möchte bevor ich diesen in meinem Rundbrief genauer erkläre und auch, weil ich denke, dass über fünf Seiten erst einmal genug sind und ich Euch/Sie nicht langweilen will, mach ich hier jetzt erst mal einen Punkt.


Ich hoffe, dass dieser Blick Ihnen/Euch allen einen guten Einblick gegeben hat, was ich hier mache und wie ich hier lebe, und dass Ihr/Sie euch/sich jetzt ein wenig vorstellen könnt, wie es gerade aussieht in meinem Leben. Weil bestimmt noch ganz viele Fragen offen geblieben sind, schreibt mir einfach Mails oder Briefe und ich beantworte sie gleich oder in meinem nächsten Rundbrief. Bisher geplant ist ein wenig zu meiner Freizeit, ein bisschen mehr Ökologie, die Erklärung meines Verantwortungsbereiches und eventuell eine kleine Beschreibung der schönsten Orte Nordirlands.

Weil ich niemandes Lesers Postfach überfordern will und auch weil mein Emailanbieter nicht sehr viel Anhang erlaubt, ist dieser Brief ohne Bilder.

Ich werde aber eine zweite Email mit ein paar Bildern nachsenden.



Ganz viele nette Grüße von der grünen Insel, Cheers!




Von Julian Vogel




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