Internationaler Christlicher Friedensdienst

„Der Frieden kommt durch Verständigung, nicht durch Vereinbarung.“

Katharina Schilling macht einen Friedensdienst im Projekt „Corrymeela Centre“, Ballycastle in Nordirland und berichtet von der Organisation, von der Arbeit und von ihren Eindrücken.(Oktober 2006)

„Der Frieden kommt durch Verständigung, nicht durch Vereinbarung.“ (arabisches Sprichwort)

Nach mittlerweile schon zwei Monaten hier in Nordirland will ich langsam damit beginnen, meinen ersten Rundbrief zu schreiben; das ist für mich im Moment eine schwierige Aufgabe. Ich sitze hier mit einem Kopf voller Eindrücke und Erfahrungen – nur wie soll ich die bloß in Worte fassen? Ich werde versuchen, euch/Ihnen in diesem Rundbrief einen Eindruck von meiner Arbeit im Corrymeela Centre, der Arbeit der Corrymeela Community (die Organisation, die das Centre und andere Einrichtungen und Initiativen trägt) und meinem persönlichen Befinden zu geben. In einem der nächsten Rundbriefe will ich euch/Ihnen dann auch über die Geschichte, den Ursprung und die momentane Situation der Corrymeela Community erzählen. Inhalte 1. Ausreiseseminar 2. Sommerprogramm und Einführungskurs in Corrymeela 3. Corrymeela Community 4. Meine Arbeit als Freiwillige 5. Und ich?

1. Ausreiseseminar

Mein Friedensdienst hat ja, auch wenn ich erst einige Zeit später ausgereist bin, mit dem EIRENE-Ausreisekurs Anfang Juli begonnen. Dort lernte ich die andern 9 Irland-/ Nordirland – Freiwilligen und 6 Freiwillige, die ihren Dienst in den USA bzw. Belgien absolvieren, kennen. In den zwei Wochen des Seminars wurden wir von EIRENE für den Einsatz im Ausland gut vorbereitet. Die Themen reichten von Versicherungsfragen und sonstigen Finanzfragen, über unsere persönlichen Ängste, Hoffnungen etc. für den Dienst, bis hin zu Kurseinheiten über interkulturelles Lernen, Gewaltfreiheit und auch die Geschichte und Struktur von unserer Entsendeorganisation EIRENE, mit der die Erzdiözese Freiburg in der Organisation ihrer Schalomdienste in Nordirland kooperiert.

2. Sommerprogramm und Einführungskurs in Corrymeela

Weil ich nicht noch den ganzen August zu Hause verbringen wollte bin ich schon am 11.08.06 nach Belfast geflogen und habe zwei Wochen beim Sommerprogramm mitgeholfen. Zwei anstrengende und stressige Wochen, ich wurde ja sozusagen ohne vorherige Einführung einfach ins kalte Wasser geworfen. Anschließend verbrachte ich eine Woche bei meiner Gastfamilie in Belfast und habe Tanja und Christian –Freunde aus Schule und Jugendarbeit- in Dublin getroffen. An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch mal die Rolle der Gastfamilien erklären. Jede/r Freiwillige in Corrymeela hat eine Gastfamilie (Mitglieder der Corrymeela Community). Sie übernehmen eine Art Patenschaft für uns Freiwillige und sollen uns helfen in unserer neuen Umgebung (das betrifft natürlich vor allem die internationalen Freiwilligen) zurecht zu kommen. Zum Beispiel können wir wenn wir frei haben, und von Corrymeela weg wollen, um ein bisschen Abstand zu bekommen, bei ihnen wohnen. Nach dieser Woche bei meiner Gastfamilie, die übrigens sehr nett ist, war es endlich soweit: das neue Langzeitfreiwilligen-Team für das Jahr 2006/2007 traf sich zum ersten Mal. Wir sind ein Team von 12 jungen Leuten im Alter von 19 – 27 Jahren und sehr international: J. (El Salvador), M. (USA), O. (Nigeria), H. (Belfast), A. (Belfast), C. (El Salvador), N. (Canada), D. (Nordirland), R. (England), J. (Canada) und H. (Schweden) – und Ich. In Corrymeela angekommen, begannen zwei Wochen der Einführung und Orientierung, des Einlebens und Kennenlernens. Wir hatten jeden Tag Programm und ich persönlich fand diese zwei Wochen sehr wichtig und gut, auch wenn ich Corrymeela ja schon ein bisschen kannte. Wir haben über unsere Ängste, Erwartungen und Hoffnungen bezüglich des Jahres geredet. Wir waren in Ballycastle um uns ein bisschen zu orientieren, ein Konto bei der Bank zu eröffnen und uns beim Arzt zu registrieren. Einen Tag lang hatten wir ein sogenanntes „Child Protection Training“. Es ging um Kindesmissbrauch, häusliche Gewalt und ähnliche Themen. Das fand ich sehr wichtig, weil viele der Kinder, mit denen wir hier im Centre arbeiten genau solche Dinge erlebt haben. An einem anderen Tag haben wir einen Tagestrip entlang der Nordküste von County Antrim gemacht: Carrick-a-Rede Rope Bridge, Ballintoy Harbour, Giant’s Causeway und Whitepark Bay. Außerdem wurden wir in die verschiedenen Arbeitsbereiche eingeführt und haben viele der Aktionen und Spiele, die wir mit den Gruppen durchführen, selbst ausprobiert und somit die gleichen Erfahrungen gemacht, die wir den Kindern und Jugendlichen ermöglichen wollen. Zusätzlich haben sich uns die Mitarbeiter/innen mit ihren jeweiligen Arbeitsbereichen vorgestellt. Und an einem Tag sind wir nach Belfast gefahren. Dort haben wir das Büro der Corrymeela Community besucht und den Leiter der Community D. S. kennen gelernt. Darüber hinaus haben wir eine sogenannte „Bombs and Bullets“ – Tour gemacht. Wir sind mit dem Bus durch all die schwierigen Stadtviertel gefahren und haben die Murals (riesige Wandmalereien auf Häuserfassaden, auf denen die Konfliktparteien ihre jeweilige Sicht des Konflikts und seiner Ereignisse darstellen) und Peacewalls (riesige Mauern, die protestantische [unionistische, loyalistische] und katholische [nationalistische, republikanische] Stadtviertel voneinander trennen, damit eventuelle, gewaltsame Auseinandersetzungen vermieden werden können) gesehen. Dabei haben wir viel über die Zeit der „Troubles“, der großen Unruhen und Auseinandersetzungen in Belfast und Nordirland gehört. Aber auch über die momentane Situation gesprochen. Mich persönlich hat es sehr getroffen die meterhohen Mauern zu sehen, die zwei Wohnviertel voneinander trennen, weil die Menschen nicht in Frieden zusammen leben können. Zu sehen was für uns in Deutschland (zumindest wenn man in einem kleinen idyllischen Dorf im Schwarzwald aufgewachsen ist) eigentlich unvorstellbar ist und auch wenn man in der Innenstadt von Belfast mit all seinen Geschäften, Pubs und Sehenswürdigkeiten ist, glaubt man eigentlich nicht, dass der Konflikt noch so präsent ist. Wie sehr Nordirland eine gespaltene Gesellschaft ist, ist mir besonders deutlich geworden, als H., die in Belfast aufgewachsen ist, erzählte, dass sie auf unserer Tour zum ersten Mal in Stadtvierteln der anderen Bevölkerungsgruppe war, die sie vorher nie zu betreten gewagt hätte. Was mir allerdings in den zwei Wochen am wichtigsten war: wir hatten Zeit, uns gegenseitig kennenzulernen, ein Team zu werden und sowas wie einen Teamgeist zu entwickeln!

3. Corrymeela Community

Ich versuche euch/Ihnen zu erklären, was sich hinter dem vielleicht magisch klingenden Namen Corrymeela Commnity eigentlich verbirgt. Vielen von euch/Ihnen ist ja wahrscheinlich noch nicht wirklich klar, wo ich hier gelandet bin. Aber ich kann gleich sagen, dass das schwer werden wird, weil ich selbst noch nicht voll und ganz verstanden habe, was Corrymeela Community eigentlich alles beinhaltet... Das Corrymeela Centre liegt malerisch auf einer Klippe an der Nordküste Nordirlands gelegen, ganz in der Nähe des Hafenstädtchens Ballycastle, County Antrim. Es ist eins der wichtigsten Versöhnungszentren in Nordirland. Es wird von der 1965 von Pfarrer Ray Davey gegründeten Organisation Corrymeela Community betrieben. Corrymeela Community arbeitet mit dem Ziel, den Versöhnungsprozess in Nordirland voran zu treiben, in insgesamt fünf verschiedenen Bereichen:

a) Das „Family and Community Programme “

Das Familienprogramm hilft hauptsächlich Familien, die während den Unruhen (ca. 1967-1998) und den nachfolgenden immer noch von Gewalt geprägten Jahren schwierige und schmerzvolle Erfahrungen gemacht haben. Es versucht Familien aus sogenannten „Interface Areas“ (gemischte Stadtgebiete, die zwischen einem protestantischen und einem katholischen Viertel liegen), die eigentlich nah beieinander wohnen, aber trotzdem getrennt sind, die Möglichkeit zur Begegnung und zum Kennenlernen zu geben. Das Programm hilft Einzelnen und Gruppen einen Schritt in Richtung Versöhnung zu machen, indem es dabei unterstützt gegenseitigen Respekt und neues Vertrauen aufzubauen und den Dialog zu ermöglichen. Das ist ein herausfordernder und emotional anstrengender Prozess, der aber auch eine bereichernde und befreiende Erfahrung sein kann. Zusätzlich bietet das Centre Immigrantenfamilien die Möglichkeit an Integrationsprogrammen teilzunehmen.

b) Das „Faith and Life Programme“

Corrymeela ist eine christlich ökumenische Gemeinschaft. Trotzdem ist Corrymeela offen für alle Religionen und auch für Menschen, die keinen Glauben haben. Das Programm Glaube und Leben bietet zum einen Kurse und Seminare an, in denen es um den Weg zum eigenen Glauben geht und darum, eine Brücke zu bauen zwischen dem persönlichen Glauben und den Themen die die Teilnehmenden sonst gerade beschäftigen (z.B. politische Themen, soziale oder psychologische Probleme). Und zum anderen bietet Corrymeela Centre Platz für Kirchengemeinden und religiöse Gruppierungen, die z.B. eine Konferenz oder ein Gemeindewochenende durchführen wollen.

c) Das „Schools Programme“

Corrymeela arbeitet mit primary schools (= Grundschule) und secondary schools (= alle weiterführenden Schulen). Im Schulprogramm geht es darum, die Schüler/innen zum Nachdenken zu animieren, Nachdenken über die eigene Person, über die Situation in Nordirland, darüber wie es ist, in einer geteilten Gesellschaft aufzuwachsen. Es geht vor allem darum Freundschaften zu schließen und Beziehungen zu knüpfen. Ziel ist es auch Schüler/innen verschiedener Schulen zum Dialog zusammenzubringen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass in Nordirland die meisten Schulen konfessionell getrennt sind. Es gibt zwar auch sog. integrative Schulen, doch die meisten Kinder/Jugendlichen gehen entweder auf eine katholische, oder eine protestantische Schule. Für manche Kinder/Jugendliche ist es das erste Mal, dass sie mit jemand „von der anderen Seite“ reden und sich austauschen. Darüber hinaus geht es darum, die Schüler-Lehrer-Beziehung zu fördern und zu verbessern.

d) Das „Youth Programme“

Das Jugendprogramm hilft Jugendlichen, sich mit wichtigen Themen ihres Lebens zu beschäftigen: eigene Identität, Nordirlandkonflikt, Gesundheit, Sexualität, politische Themen etc. Zusätzlich ist es eine Möglichkeit (wie auch im Schulprogramm), Jugendliche „beider Seiten“ zusammenzubringen. Denn wie auch die Schulen sind die meisten Jugendtreffs und Jugendprogramme/ Jugendinitiativen konfessionell getrennt. Manchmal gibt es auch Programme zum Austausch zwischen Nordirischen und Irischen Jugendlichen. Es geht darum Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis füreinander zu entwickeln.

e) Und noch mal extra das „Summer Programme“

Im Juli und August betreibt Corrymeela das sogenannte Sommerprogramm. Es ist ein Programm für Familien und bietet vor allem sozial schwachen Familien die Möglichkeit, Sommerurlaub zu machen und einige Zeit weg von ihrem oft problematischen Zuhause zu verbringen. Innerhalb der Arbeit der Corrymeela Community muss man allerdings noch zwischen zwei Dingen unterscheiden: die Arbeit die Corrymeela Community außerhalb des Corrymeela Centres macht (eben die ersten vier Bereiche [a-d] die ich oben beschrieben habe) und die sogenannten Residentials (sprich Aufenthalte) hier im Corrymeela Centre. Die Arbeit im Corrymeela Centre lässt sich auch wieder unterteilen, nämlich in Gruppen, deren Programm von Corrymeela ausgerichtet wird (also aus den 5 Bereichen [a-e]) und Gruppen, die das Centre „nur“ als Tagungshaus benutzen und ihr eigenes Programm oder auch eine Konferenz oder ähnliches durchführen. Natürlich überschneidet sich die Arbeit außerhalb des Centres mit der innerhalb des Centres, da die meisten Programme (Bereiche a-d) auch Aufenthalte hier im Centre beinhalten. An dieser Stelle will ich auch noch erklären, wer hier außer den Freiwilligen noch arbeitet. Dabei muss man nochmal zwischen der Arbeit Corrymeela Community insgesamt und der Arbeit hier im Centre unterscheiden. In der Küche arbeiten vier professionelle Köche (M., M., F. und S.) und wir haben vier Reinigungsfachkräfte (R., S., V. und A.). Außerdem gibt es natürlich einen Hausmeister (D.), einen Hausmanager (S.), Finanzangestellte (N. und F.), einen Programmkoordinator (D.) und eine Buchungsfachkraft (O.). Dann gibt es natürlich noch R., den Centre Director, also den Leiter des Hauses. Dazu kommt R. mein direkter „Chef“ (Volunteercoordinator), der uns Freiwillige betreut. Zu uns Freiwilligen gehört auch noch Familie T. aus England-Deutschland, bestehend aus K. und H. mit den Kindern G. und S.. Sie wohnen auch hier im Centre und unterstützen, wo Hilfe gebraucht wird, vor allem was Hausmanagement und Ähnliches angeht. Zusätzlich dazu gibt es eben noch den Programme-staff, mit 7 Personen, meist Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und entsprechende Fachkräfte, die in den verschiedenen oben beschriebenen Bereichen innerhalb und außerhalb des Centres arbeiten.

4. Meine Arbeit als Freiwillige

Als Freiwillige in Corrymeela muss ich grob gesagt überall mithelfen, damit das Centre betrieben werden kann. Insgesamt würde ich meine Arbeit in vier Bereiche einteilen:

f) Arbeit mit einer Gruppe (Grouplink)

Das bedeutet mit einer der Gruppen, die gerade im Centre sind, zu arbeiten. Und auch diese Arbeit kann sehr unterschiedlich sein. Es kann sein, dass ich nur für die Mahlzeiten und sonstige logistische Dinge zuständig bin, weil die Gruppe ihr eigenes Programm hat, an dem ich nicht teilzunehmen brauche. Oder aber ich muss selbst zusammen mit dem Programme-staff ein Programm für die Gruppe vorbereiten und das dann natürlich auch durchführen. Das kann man dann am ehesten mit der Kinder-/ Jugendarbeit, die ich zu Hause gemacht habe, vergleichen. Um euch/Ihnen eine Vorstellung zu geben, wie mein Tag aussieht, wenn ich mit einer Gruppe arbeite, liste ich euch hier mal einen exemplarischen, aber typischen Tagesablauf eines/r Corrymeela Longterm Freiwilligen, wenn er/sie als Grouplink eingesetzt ist, auf: 8.30 Uhr Frühstück richten und servieren, anschließend dafür sorgen, dass der Abwasch von Gruppenmitgliedern gemacht und die Küche in akzeptablem Zustand verlassen wird 9.15 Uhr Worship (eine Art Morgenandacht/Morgenimpuls, freiwillig) 9.30 Uhr Kurzes Meeting mit den Gruppenleitern, den anderen Freiwilligen und dem Programme-staff, um den Tag zu besprechen und evtl. Missverständnisse oder sonstige Probleme zu diskutieren 10.00 Uhr Kurze Aufwärmspiele (oder in Grundkurs-Deutsch: Aschuggerle) erste Einheit: Teambuilding Spiele 11.30 Uhr Pause (Tee, Kaffee, Saft, Kekse und Obst) 11.45 Uhr weiter mit den Teambuilding Spielen 13.00 Uhr Mittagessen 14.00 Uhr „Vier-Ecken-Diskussion“ zu bestimmten Diskussionen 16.00 Uhr Pause (Tee, Kaffee, Saft, Kekse und Obst) 16.30 Uhr Arts&Crafts Session: Gipsmasken 18.00 Uhr Abendessen 19.00 Uhr Quizshow in Kleingruppen 21.00 Uhr Worship (Abendandacht-/Impuls, freiwillig) 21.30 Uhr Supper (Buttertoast mit heißer Schokolade) 22.00 Uhr vielleicht ein Video schauen Ca. 23.00 Uhr kurzes Check-in (Nachbesprechung) über den Tag Spätestens 24.00 Uhr FREI!!!!

g) Arbeit in der Küche

Wenn ich in der Küche arbeite, muss ich die beiden Köche/Köchinnen, die an dem Tag arbeiten, unterstützen. Das heißt, die Aufgaben erledigen, die gemacht werden müssen. Sei es Gemüse schnippeln, Töpfe spülen, oder beim Essenausteilen helfen. Wenn ich in der Küche arbeite, sieht der Tagesablauf so aus: 9.30 Uhr Beginn in der Küche 13.00 Uhr Mittagessen 14.30 Uhr Freizeit 17.00 Uhr Küche 18.00 Uhr Abendessen 19.00 Uhr Freizeit

h) Hausarbeit

Wenn man Housekeeping (Hausarbeit) macht, muss man grob gesagt den Reinigungsfachkräften helfen. Das heißt Böden fegen und wischen, Bettwäsche waschen, Waschbecken putzen, Zimmer saugen etc. Mein Tagesablauf sieht dann wie folgt aus: 10.00 Uhr Arbeitsbeginn 10.30 Uhr Pause (Teabreak!!! ☺ ) 10.45 Uhr wieder an die Arbeit 13.00 Uhr Mittagessen 14.00 Uhr weiter arbeiten 15.00 Uhr Freizeit

i) „Helfen wo Hilfe gebraucht wird“

Im Englischen wird das „Resources“ genannt, ich hab immer noch keine wirkliche Übersetzung dafür gefunden. Aber dieser Bereich umfasst eigentlich alles, was nicht in die Bereiche Gruppe, Küche oder Hausarbeit passt. Zum Beispiel die Arbeit an der Rezeption. Wenn ich dort arbeite muss ich das Telefon bewachen, die Emails abrufen und ggf. weiterleiten, die Post sortieren und einfach für Leute, die Fragen haben, da sein. Oder neulich musste ich zum Bsp. für O. unsere Buchungsfachkraft ein bisschen Sekretärin spielen und ein paar Anrufe erledigen. In diesen Bereich fällt auch einzuspringen, wenn jemand krank ist, und unbedingt ersetzt werden muss.

5. Und Ich?

Tja und wie geht es mir persönlich mit dem Ganzen hier? Mir geht es GUT! Wirklich! Die Arbeit macht mir großen Spaß und ich lerne viel dabei: sei es bei Gesprächen mit den Gästen oder Angestellten, bei der Arbeit mit den Gruppen, oder einfach nur dabei mit 12 anderen jungen Menschen zusammenzuleben. Das Zusammenleben in der Gruppe ist manchmal anstrengend und wirklich eine Herausforderung! Aber man wächst schließlich an allen kleinen Auseinandersetzungen und wirklich großen Streit oder Konflikte hatten wir bis jetzt nicht. Ein Punkt, vor dem ich als ich von zu Hause losgezogen bin noch ein bisschen Bammel hatte, war ja, dass ich mir mein Zimmer mit jemandem teilen muss. Das hat sich allerdings als unnötige Sorge herausgestellt. Ich teile mein Zimmer mit H. und habe das inzwischen wirklich zu schätzen gelernt. Klar geht man sich auch ein bisschen auf die Nerven manchmal, aber das geht auch vorbei und dann ist wieder alles in Ordnung! Ich habe das Gefühl, dass die Arbeit die Corrymeela Community macht und damit auch die Arbeit, die wir Freiwilligen hier im Corrymeela Centre machen, etwas bringt. Man sieht mit welchen Spannungen und wie verschlossen die meisten Jugendlichen und Kinder hier ankommen und wie gelöst und relaxt sie wieder weg gehen. Oder man sieht ein Kind aus vollem Herz lachen, weil es einfach nur glücklich ist, mal ungestört draußen auf einem grünen Rasen spielen zu können. Glücklich deshalb, weil das zu Hause vielleicht nicht möglich ist, weil es dort zu gefährlich ist, draußen zu spielen. Diese beiden Dinge, ein lachendes Kindergesicht und die Tatsache dass unsere Arbeit etwas Gutes bewirkt halte ich mir vor Augen, wenn die Arbeit anstrengend ist und ein 15-Stunden- Tag einfach nicht enden will. Neben der Entwicklung meiner Persönlichkeit, was ja auf den oben beschriebenen Erfahrungen beruht, lerne ich hier auch noch eine Menge anderes. Ich spüre, dass mein Weltbild offener wird und mein Horizont größer wird. Ich lerne tiefgründiger über globale politische, gesellschaftliche und ökonomische Themen nachzudenken. Und beim stetigen Vergleich von meiner Heimat mit Nordirland oder anderen Ländern (das ist eine Sache über die hier viel geredet wird) lerne ich auch die gegebenen Werte und Strukturen, die in Deutschland herrschen zu hinterfragen und zu reflektieren. So und zum Schluss noch was übers Wetter, was irgendwie jeden in Deutschland brennend interessiert. Ich kann soviel sagen: dass es auf der grünen Insel IMMER regnet und kalt und windig sei, stimmt NICHT! Die zwei Monate, die ich jetzt hier bin, war es vorwiegend schön, natürlich regnet’s ab und zu auch mal, aber tut es das in Deutschland nicht auch? Also, ich hoffe ich konnte euch/Ihnen mein neues Leben hier in Corrymeela ein bisschen näher bringen. Liebe Grüsse send ich euch/Ihnen von meiner nordirischen Klippe! Eure /Ihre Katharina

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